! Warnung !
Sei nett zu einem Regieassistenten, er könnte mal dein Kritiker sein !

 

 
     
    

   
 

 
Theater Regensburg
 
 
28.04.2007

'Kleiner Mann, was nun?'

 
Repertoirevorstellung
 
   
         
 
  

 
"... und die Musi spielt dazu!"
 

 

 

 
 

Bereits in der Spielzeit 2002/2003 wurde ein Schauspiel mit Gesang auf den Spielplan genommen, das seinerzeit Furore machte, als die schmissigsten Operettenmelodien von einem damals noch unangeschlagenen jungen Tenor dargeboten wurden - die Zuschauer strömten ob der musikalischen Darbietung und bekamen die Geschichte von Fritz Löhner-Beda geboten, dem Textdichter von Franz Lehar und Paul Abraham. Es musste ein Schild aufgehängt werden, um die Besucher nicht in die Irre zu führen - handelte es sich nicht um eine Operettenveranstaltung, sondern um das Spiel um den Untergang eines Textdichters im Konzentrationslager.

Bereits damals wurde moniert, dass es der falsche Weg ist, Bürger ins Theater zu locken, wenn mit Musik über Elend hinweggetäuscht wird.
Hätte 1994 Rudolf Zollner die Lagernutte auf den Tischen tanzen lassen, wäre unter Umständen sein 'Herrmann kommt' auf die Bühnen der Welt gelangt.

Nun tischt das Theater der Metropole der Oberpfalz die Dorst/Zadek-Bearbeitung des Romans 'Kleiner Mann, was nun?' auf.
Dies ist um so erstaunlicher, als es doch bereits neuere Arbeiten zum Thema 'Arbeitslosigkeit' gibt.

 

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BITTE ZIEHEN SIE EINE NUMMER
Ein musikalischer Abend von Roland Hüve / Uraufführung am Theater Augsburg

Der Wartesaal eines Arbeitsamts, irgendwo in Deutschland, im Jahre 2007. Die Menschen, die hier vor den Sacharbeiter-Büros auf eine neue Chance warten, sind schon lange nicht mehr Randexistenzen, sondern ein repräsentativer Querschnitt unserer Gesellschaft. Hier sitzt die Topmanagerin neben dem Hilfsarbeiter, der Akademiker neben der Verkäuferin, der Künstler neben dem Unternehmer. Arbeitslosigkeit ist in unserer Gesellschaft zu einem zentralen Problem geworden, und zwar sowohl politisch als auch persönlich für jeden von uns. Nicht nur unser „Auskommen“ ist von einer Arbeitsstelle abhängig, sondern auch, ob wir es wahrhaben wollen oder nicht, unsere Lebensqualität, unser Selbstwertgefühl, unser Glück. Wir machen uns so lange keine Gedanken über das politische und wirtschaftliche System, in dem wir leben, bis wir uns daraus ausgestoßen fühlen oder an den Rand gedrängt werden.

Da sitzen sie also, die Ausgestoßenen. Sie spüren den Schmerz und sie träumen vom Glück. Die Musik in ihren Köpfen gibt ihren Träumen Nahrung. Und sie kommen uns verdammt bekannt vor, diese Menschen mit ihren traurigen Träumen und skurril komischen Obsessionen…

Wenn Schauspieler singen, dann kann eigentlich nichts schief gehen. Oder alles. Und wenn Träume wahr werden, ist alles gut. Oder nichts? „Bitte ziehen Sie eine Nummer“ wird von Oberspielleiter Roland Hüve konzipiert und in Szene gesetzt. Musikalische Unterstützung erfährt er dabei von Geoffrey W. Abbott, der für die Schauspieler/Sänger den vielen unterschiedlichen musikalischen Nummern entsprechend (von der Mozartarie über das Volkslied bis hin zum Popsong) ausgefeilte und immer wieder überraschende Arrangements entwirft und die Aufführungen als Leader in einer vierköpfigen Band (Keyboards, Gitarre/Bass, Saxophon, Percussion/elektronische Effekte) live begleiten wird. Das Bühnenbild entwirft Siegfried E. Mayer, die Kostüme Claudia Norma Stöckl de Keller.
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Theatertrend Arbeitslosigkeit
Moritz-Rinke-Premiere: Heute im Thalia in der Gaußstrasse
Von Maike Schiller

Hamburg -
Das Arbeitsamt heißt jetzt Job-Center. Neuer Name, bewährtes Konzept: Man geht ohne Arbeit hinein und kommt ohne Job heraus. Das steht jeden Tag in der Zeitung, das muß einem längst nicht mehr peinlich sein, genaugenommen ist es sogar eine Art Trend. Ein (im Regelfall) unfreiwilliger Trend, sicher, ein Trendthema in jedem Fall, und nachdem die hyperaktive New Economy auch künstlerisch abgefrühstückt ist, Arthur Millers Willi Loman hingegen ein wenig Patina angesetzt hat und immerhin Gerhart Hauptmann ein gewisses Revival erlebt, hält die Arbeitslosigkeit nun also mittels zeitgenössischer Autoren und/oder programmatischer Vorgaben wieder verstärkt Einzug in die deutsche Theaterlandschaft.

"Arbeit für alle! Die Hoffnung stirbt zuletzt" lautet die agitative Spielzeitvorgabe am Berliner Gorki-Theater, Essen blickt auf "Die Vollbeschäftigten", in Bielefeld dreht sich alles um ein "Leben ohne Arbeit", Stuttgart steuert mit "Depot X Wert / Arbeit" gleich ein komplettes Festival bei, und in Dresden droht gar ein Musical zum Thema Hartz IV. Fritz Kater alias Armin Petras nahm sich bereits in der letzten Spielzeit Leonhard Franks 1932 erschienenen Romans "Von drei Millionen drei" an und erhöhte vielbeachtet zum zeitgemäßeren "Von fünf Millionen drei". "Angebot und Nachfrage" nannte Roland Schimmelpfennig seinen Beitrag zur Welt der Ich-AGs, und heute feiert ein Stück im Thalia in der Gaußstraße Premiere (Uraufführung war am Sonntag in Düsseldorf), das sich der Arbeitslosigkeit raumgreifend nähert.

Moritz Rinkes "Café Umberto" spielt in einem Job-Center. Also, in einem Arbeitsamt. Es gehe ihm dabei ja gar nicht sosehr um die Arbeitslosigkeit, sondern vielmehr um die Liebe, erklärte Rinke vorab. Daß sein Stück die Arbeitslosigkeit demnach als selbstverständliche - übrigens nicht mehr allein den "kleinen Leuten" vorbehaltene - (Hinter-)Grundsituation hinnimmt, zeigt um so mehr, wie sehr das Thema auch künstlerisch in der Realität angekommen ist. Fast hat diese Angebotsfülle etwas von theatraler Hysterie, in Hamburg nur noch übertroffen von dem Projekt der Tanzcompagnie B12: Hier wird gleich ein ganzes Ensemble aus Arbeitslosen zusammengecastet. Auch ein Weg: ins Theater statt ins Job-Center.
 

   
 

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 Theater Regensburg 
Repertoirevorstellung  28.04.2007

Besetzungszettel im Programmheft am 14.4.07
 

 
 


'Kleiner Mann, was nun?'

 
     
 
  Die Schwarzen
 
   
  Musikalische Leitung   Jochen Kilian / Thomas Peuschel  
  Inszenierung   Michael Bleiziffer  
  Choreographie   Olaf Schmidt  
  Bühne   Konrad Kulke  
  Kostüme   Uschi Haug  
  Licht   Hubert Görtz
 
 
 
     
  Die Personen und ihre Darsteller
 
 
 
Johannes Pinneberg Steffen Casimir Roczek    
       
Emma Mörschel Karolina Thorwarth    
       
Mia Pinneberg Doris Dubiel    
       
Holger Jachmann Martin Hofer    
       
Hans Albers / Lauterbach / Joachim Heilbutt /
Comedian Harmonist
Stefan Bräuler    
       
Frau Scharrenhöfer / Witwe im Park / BDM-Mädel /
Frau Rusch
Silvia Rhode    
       
Emil Kleinholz / Herr Jänecke / Netter Mann mit Hund Michael Heuberger    
       
Herr Mörschel / Matrose / Kube / Comedian Harmonist / Franz / Verkäufer / Puttbrese Heinz Müller    
       
Marie Kleinholz / Dünne Dame / Witwe im Park /
BDM-Mädel 
Anna Dörnte    
       
Matrose / Schulz / Comedian Harmonist / Verkäufer /
Max / Schupo
Oliver Severin    
       
Direktor Lehmann / Meister / Herr Kessler /
Der Schauspieler / Franz Schlüter
Stefan Gad    
       
Lange Dame / Witwe im Park / Elsa Nothnagel /
BDM-Mädel
Silke Heise    
       
       
Frau Mörschel / Frau Kleinholz / Sekretärin bei Lehmann / Nette Frau mit Hund / Witwe im Park / BDM-Mädel /
Ältere Dame
Martina Mann    
       
 
   
 
   

Die Besetzung, bekannt gegeben im Internet am 19.4.07

Werden die beiden Besetzungslisten verglichen, zeigen sich Unterschiede.
Das Theater Regensburg hat also keine Ambitionen, ein Update der Rollen und
Besetzungen durchzuführen.
Kauft ein Besucher kein Programmheft, druckt sich aber die Besetzung aus dem
Internet aus, geht er zu Lasten der Darsteller fehl.
Was schert das den Regensburger Theaterdirektor.
Er hat ja jetzt den Freibrief des ehemaliges Regensburger Kulturdezernenten,
das Regensburger Theater müsse nicht in den überregionalen Feuilletons glänzen.
Nicht einmal der Besetzungszettel muss danach stimmen.
Wer redet denn von Glänzen, das Theater Regensburg kommt ja nicht einmal mit
einem Verriss vor.

   
       
Pinneberg Steffen Casimir Roczek    
Lämmchen Karolina Thorwarth    
Mia Pinneberg Doris Dubiel    
Jachmann Martin Hofer    
Hans Albers / Lauterbach / Heilbutt Stefan Bräuler    
Frau Scharrenhöfer / Dame im Park / Frau Rusch Silvia Rhode    
Herr Kleinholz / Jänecke / Emil Michael Heuberger    
Herr Mörschel / Kube / Franz / Verkäufer / Puttbrese Heinz Müller    
Marie Kleinholz / Dünne Dame / Dame im Park / Coutureau Barbara Schedivy    
Schulz / Verkäufer / Schupo Oliver Severin    
Lehmann / Kessler / Schlüter Stefan Gad    
Dicke Dame / Dame im Park / Frau Nothnagel Silke Heise    
Frau Mörschel / Frau Kleinholz / Ältere Dame / Seifenfrau Martina Mann    

 

 
 

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Die Produktion
 

Gespräch am 28.4.07 am Rande der Vorstellung

A. Sie, san's a do, Frau Doblinger - bei dem Weder geh'n Sie ins Theater.

B. Jo mei, mir ham doch die Korten, mei Mo hot koa Lust - aber es hot doch g'hoaßen, des in dera Vorstellung a paar Mannsbilder ganz nackert umananderlaffa.

A. Ja, do ham's recht - des hob i a g'hört. Des soll in der Szene in dem Schwimmbad sei, mit dera Frau, die nix verkaft von ihre Leibbinden.

B. Also gemma Frau Sendlinger, dass mer nix verpassen, i muss noch mei Freindin sucha - vui Spaß - Pfirt'ena!

 

Die Dorst/Zadek'sche Revue in Regensburg auf den Spielplan zu setzen, heißt, dem Oberspieleiter Schauspiel eine Plattform zu bieten, Massen zu bewegen.
Erinnert sich der Beobachter doch an die beiden 'Faust-Teile', 'Orestie', 'Peer Gynt' - die 'Lysistrata' im umgebauten Velodrom war seines 'Faust' unwürdig.

Die Inszenierung des 'Kleinen Mannes' mischt eine Musikuntermalung mit den Szenen der Elendsstory eines jungen Paares, das ohne gescheite Ausbildung in die Welt geht - Arbeitslosigkeit für Verkäufer - Überstundenbezahlung für Arbeiter.

Hier wie auch bei Lewinsky's 'Freunde ...' ist die Musik überflüssig. Selbst bei der Löhner-Beda-Story hat sie keine Berechtigung, erst recht nicht und noch weniger beim 'Kleinen Mann.' Besonders dann, wenn sie krampfhaft ausgesucht, am Stück vorbeiläuft wie mit "In Hamburg an der Elbe".

Johannes Pinneberg Steffen Casimir Roczek
 

.
.. hat schon mit seinem ersten Satz: "Lämmchen, wie wär's, wenn wir uns heiraten würden" verloren.
Allein die Tatsache, heiraten zu wollen, bringt die Ablösung vom eigenen Ich, bedeutet Rücksichtnahme auf den Partner, schränkt die eigene Entwicklung ein - reduziert die Möglichkeiten der Entfaltung.
Schwingt schon vom ersten Wort an eine jammervolle Tongebung mit, ist die Frage des Untergangs schon beantwortet. Sie stellt sich nur noch in Bezug auf den Zeitpunkt des Absturzes oder begleitet die Darstellung über das Stück auf einer für den Darsteller der Rolle abwärts gerichteten Ebene.

Der Mutter Mörschel gegenüber hat 'Pinni' schon keine Chance. Dass sie die Ehre der Tochter retten will - verständlich, aber zu spät und 'Pinni' quält das schlechte Gewissen. Man werde ja heiraten, wenn das mit den Papieren in Ordnung sei.
Also ein Unglücksfall die Schwangerschaft, das Ganze belastend - und im Übrigen
habe 'Pinni' sich seine Emma ganz anders gedacht: "viel sanfter".

"Mit Bergmann muss ich anfangen" - seine Geschichte dokumentiert den 'Anfang vom Ende' - er, 'Pinni', schildert den Beginn seines Niedergangs durch Abhängigkeiten von anderen. Die Angst 'vor dem arbeitslos werden' zieht sich stärker werdend durch das Stück.
Herr Roczek ist 'Pinni', er gleitet an Mutter, an Schwiegermutter und Ehefrau, an den Kollegen und Chefs - selbst an 'Freund' Heilbutt immer weiter hinab ins Elend.

'Pinni' - das Jungchen von 'Emma Mörschel', ein Langweiler, ein Versager - außer nett, ist er nichts.
Da steht er zum Schluss in ein paar Schneeflocken.

Vielleicht wird 'Jungchen' zum gefundenen Fressen für die Nazis, die einem solchen Typ bei all' seiner 'Labrigkeit' über eine Uniform noch Statur geben und zur Furie in der SS werden lassen.
Aber steckt so etwas in Herrn Roczek oder spielt er nur wie und was er ist?
Wohin geht seine Entwicklung?

Viel zeigen konnte er bisher nicht. Die Schlange in Tabori's 'Goldberg' und der Sekretär in 'MM' und bei der Schlange sah man nicht, dass er nicht weiß, wohin mit den Händen, jeder Satz, alles wird 'manuell' unterstützt.
Macht er einige Tanzschritte, kann er Arme und Hände rhythmisch mitschwingen - ist das nicht möglich, können die Hände gelegentlich in den Hosentaschen versenkt werden und bleiben unbeteiligt oder er hält etwas in den Händen - sonst aber wandern sie gestikulierend in der Luft herum.
Hat man ihm das in Graz so beigebracht und keiner, auch nicht Dr. Harald Höferl, in Flensburg hat es bemerkt und auch niemand in Rudolstadt?

Was hat Herr Roczek nun an Möglichkeiten, das Private, das Linkische zu überwinden und vom, den Insidern bekannte, 'Ich-seh-die-Mutter-dort-...-hantieren' abzulassen und sich einer Figur über Mimik, Gestik, Körperhaltung, Gang anzuverwandeln?

 
Emma Mörschel Karolina Thorwarth

Gegen diese Partnerin anzukommen, ist gleich von Anfang an problematisch, hat sie den entschlosseneren Tonfall, selbst wenn der Text Zweifel, Resignation vorgibt - eine Grund-Kampfstimmung ist bei Frau Thorwarth immer gegeben.

Die Abqualifizierung als zu dumm - die noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts übliche Grundeinstellung der Tochter gegenüber "du heiratest ja doch, warum soll ich dich was lernen lassen" führt bei 'Emma' zum Engpass. Sie kann nur durch ihren Elan etwas aus sich machen. Die Mutter verweigert ihr den Herd - wie soll sie Kochen lernen. 'Wer soll mit denn einer solchen Ziege tanzen' - dem Aschenputtel, meint auch der Bruder.

Sie hat aber auch was von der keifenden Mutter: "für zwei Mark sechzig" für das Herauftragen des Gepäcks und Antwort soll 'Pinni' geben: "jetzt auf der Stelle".

Und so entwickelt Frau Thorwarth die 'Emma' zu einer selbstbewussten Frau, die das Elend und das eventuelle Scheitern dieser Ehe in dieser und der nicht beschriebenen nachfolgenden Zeit überwinden kann und wird.

Munter geht sie nähen und stopfen und bekommt letztendlich von Krämers die alte Nähmaschine, die ihr das Weiterleben sichert, auch ohne 'Pinni', denn darauf läuft es hinaus.
Die vom Oberspielleiter beschworene große Liebe - nach dem Motto 'wir haben ja uns' der beiden wird bei den unterschiedlichen Charakteren und den kommenden Problemen in den folgenden noch schwereren Zeiten nicht halten.

 
Mia Pinneberg Doris Dubiel

Mutter Mia mosert eigentlich ständig vom Prenzlauer Berg herunter - da, so links rum um die Ecke Knaackstraße - wo 70 Jahre später Schlingensief wohnen wird, den der OB von Regensburg 2004 für aufsehenerregende Aktionen zur Unterstützung der 2010-Bewerbung der Stadt an der Donau engagieren wird und obwohl die Sache glänzend mitsamt der Bewerbung in die Hosen geht, er 2005 lauthals tönt: "ich würde es wieder so machen." Und dabei bezeichnet nun auch im April 2007 die MZ diese 2010-Aktion als das  'Schlingensief-Desaster'.

Frau Dubiel - die 'Nicht-Courage' - hier ist sie in ihrem Element, so eine Mischung aus Grete Weiser und Hilde Hildebrand, 'haut kräftig auf die Pauke' "... Seh'n se, det is Berlin - ene Stadt, die sich jewaschen hat, seh'n se det is Berlin! ..." - das hätte gut gepasst, aber auf die Idee kam wohl keiner? Und die Rechte von Günter Neumann selig?

Die mikrofon-verstärkten Texte kommen etwas kehlig, dies verfälscht besonders ihr 'Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben" zum fast Unverständlichen.
Analoger Mikroport? - aber eigentlich sollten Schauspieler während ihrer Ausbildung lernen, so zu artikulieren, dass man sie im ganzen Haus - auch ohne technische Unterstützung versteht.

Mutter Mia sagt, was sie denkt und gibt über ihren Sohn 'Pinni' kund und zu wissen: "... er sieht genauso wenig intelligent aus wie sein Vater..." und weiter "... er ist geistig nicht normal...""
Dann ihr "Wann kommt Jachmann" - "der Falschspieler, der Hochstapler" lautstark dies, kaum das, jammert Mia Pinneberg auf die Tränendrüsen drückend "Sag's mir bitte", das im nächsten Moment folgende Aufquieken "... Ah, Jachmanns Koffer..." - endet in einem Handgemenge mit 'Lämmchen Emma'.

Frau Dubiel ganz wie die kesse 'Tödin' im 'Mein Kampf' vorneweg mit Kodderschnauze.
Sie wäre, wie auch die Hünlich, eine 'Frau Striese' gewesen, aber diese Chance wurde nicht genutzt - dabei wollte doch der Oberspieleiter diese Figur, die Frau des Theaterdirektors im 'Raub', mal kennen lernen wie er in er Einführung zum Stück damals betonte, er hätte sie ja nur einzusetzen brauchen.
Zweifelsohne hätte Frau Dubiel als 'Frau Striese' mehr für sich herausholen können als mit der 'Frau Gollwitz'.

 
Holger Jachmann Martin Hofer

Rauchig tief aus dem Hals raunzt Herr Hofer das "... mein Sohn hat noch nie gelogen, mein Sohn hat mir noch nie Kummer bereitet..." und das "... wie sie das wieder hingekriegt haben, Frau Pinneberg, einfach wunderbar, junger Mann, so was ist angeboren, die geborene Mutter ..." in Richtung 'Emma'.
Der resignierende ältere Mann, der im Leben - nach eigener Einschätzung - alles falsch gemacht hat.
Und das Gschdanzl auf die kleine Sehnsucht, die man angeblich zum Glücklichsein brauche, hebt auch nicht gerade die Stimmung. Dabei hat er doch noch 'das Gelbe vom Ei' erwischt mit seinen Tandeleien, die ihm Geld in die Taschen 'spielen', aber auch mal ins Gefängnis bringen.
Martin Hofer nun als 'Väterspieler' wie der 'Striese' - "so hab ich das noch nie geseh'n."

 
Hans Albers / Lauterbach / Joachim Heilbutt /
Comedian Harmonist
Stefan Bräuler

"Ruhig und besonnen" - ob als 'Lauterbach', ob als 'Heilbutt' - der Überlebende im Stück. Weiß von Anfang an, wo und wie es für ihn am besten läuft und laufen kann - keine Hemmungen, gleich früh Nazi zu werden, kein Problem für ihn, mit Aktbildern zu handeln und auch 'unbehost' dem Regensburger Publikum zu zeigen, was er hat.
Er gestaltet meist auf großem Atem, kraftvoll - wie als 'Karl' in 'Maria Magdalena', wie auch als 'Ruprecht' im 'Krug' oder auch als 'Bote' in der 'Orestie'.
Was wird aus ihm?

 
Frau Scharrenhöfer / Witwe im Park /
BDM-Mädel / Frau Rusch
Silvia Rhode

Ganz schön munter noch die zimmervermietende Handarbeiterin Scharrenhöfer, auch wenn sie abends immer ein wenig weinen müsse, auch weil keiner mehr zu ihr kommt - "... junge Leute ..." - "... wie kann das Geld alle sein ..." - Verwirrung, aber - lautes, giftiges "... es kann nicht alle se ...in" - rechthaberisches Aufbäumen, da der Sinn für die Realität verloren ging, aber Erkennen, dass es den Mietern nicht gefällt, bei ihr - "keiner bleibt".
Lähmende Pause.

 
Emil Kleinholz / Herr Jänecke /
Netter Mann mit Hund
Michael Heuberger

Ekelpaket in toto - der Mann mit dem Hund die Ausnahme, den setzt er ab.

 
Herr Mörschel / Matrose / Kube /
Comedian Harmonist / Franz / Verkäufer /
Puttbrese
Heinz Müller

Voller Emphase wird die Meinung über den Vorteil des Tarifvertragens vertreten, der Arbeiter, das Erstrebenswerte. Wie recht hat er, was will die Welt mit einem Verkäufer wie 'Pinni', der mal in Konfektion, dann in Düngemitteln, dann wieder in Herren-Oberbekleidung macht.
'Kube' bei 'Kleinholz', der kichernde 'Puttbrese' - es ist zwar immer wieder Heinz Müller, und immer irgendwie wie beim Missionar 'Oscar Rose' in den 'Physikern' und weiland als Patriarch im 'Nathan', ausgerechnet der führte allerdings zu schallendem Gelächter des Publikums.

 
Marie Kleinholz / Dünne Dame / Witwe im Park / BDM-Mädel  Anna Dörnte

Nach der 'Klara' fällt Frau Dörnte eigentlich als 'Schickse' Kleinholz nicht sonderlich auf, das Wischen von 'Pinni's' Schreibtisch, das Verstecken des Staubtuchs, der Ausfall wegen und gegen 'Emma', das Zusammenlegen der roten 'Unterpumpel' - alles nichts, was eine sonderliche schauspielerische Leistung bedeutet.

 
Matrose / Schulz / Comedian Harmonist /
Verkäufer / Max / Schupo
Oliver Severin

Wenig Möglichkeiten hat Herr Severin, sich zu profilieren - Schulz, 'der Weiberheld' im Büro bei 'Kleinholz', der nackte Hintern in der Schwimmbadszene - das martialische Auftreten als Schupo - das war's schon so.

 
Direktor Lehmann / Meister / Herr Kessler /
Der Schauspieler Franz Schlüter
Stefan Gad

Aalglatt oder brutal, wie hätte man es denn gerne, oder sprachlos wie der 'Meister', dafür aber mit mächtigem Gang - ein Tischlermeister in 'Maria Magdalena' wie der im Buche stünde, vor dem 'Klara' sich ängstigt, vor dem 'Karl' kuscht, hätte er sein können - aber nein, 'der Gad' durfte 'Meister Anton' nicht sein.

Aber die 'Maria Magdalena' litt auch unter Bühnenbild und der unsäglichen Regie von Frau Wüllenweber, die ja nun in der nächsten Spielzeit auch noch wiederkommt, um 'Penthesilea' doch wohl auch noch in den Sand zu setzen.

 
Lange Dame / Witwe im Park / Elsa Nothnagel /
BDM-Mädel
Silke Heise

Herausragend und vom Publikum bei der Premiere mit spontanem Beifall bedacht, bei der Reprise blieb er aus, die 'Elsa Nothnagel' von Frau Heise, .
Ihr gelingt es in der Badehausszene, die Unschlüssigkeit, das Überlegen, dem FKK-Verein beitreten oder das 'Dochlieberseinlassensollen' über die Modulation der Sprache zu verdeutlichen.
Das Aufatmen, jemanden in 'Pinni' zu treffen, der auch unschlüssig ist, das verständnisvolle "... ach, durch einen Freund", als erkenne sie etwas in den Worten, das verschämte Kichern, sie habe sich auch noch nicht entschließen können.

Das Stottern beim "... ach es ist ja nichts Verbotenes ...", das Beschleunigen des Tempos, das bewundernde "... ja, Max ....", wie sie das "... für mich - ist das viel schwieriger ... " gestaltet, das Aufjuchzen beim Zugeben  "... so gut wie garnichts ..." und das Entsetzen in der Stimme bei "sie olle .....Judensau".
Eine Fülle von Nuancen und Zwischentönen bei der sprachlichen Ausgestaltung des Textes.
Wie überzeugend war sie auch als geschiedene 'Frau Möbius', verheiratete Missionarin 'Lina Rose' in Dürrenmatts 'Die Physiker'.
Wie sie mit Farben spielt, herausragend - 'das Wie' und im einem 'Zuviel' an Farben liegt eine Gefahr, es zur Masche abgleiten zu lassen.

 
Frau Mörschel / Frau Kleinholz /
Sekretärin bei Lehmann / Nette Frau mit Hund /
Witwe im Park / BDM-Mädel / Ältere Dame
Martina Mann

Wie schon als Tischlermeistersgattin Anton in 'Maria Magdalena' fiel die hohe Sprechstimme und die damit in Konkurrenz zur Altersvorgabe der Rolle der 'Mutter Mörschel' stehende Textwiedergabe auf. Keifen bringt nicht unbedingt den Sound einer älteren Frau, das können auch jüngere.
Frau Mann versteht es aber eindrucksvoll, z.B. über den hastigen Bewegungsablauf die aufgeregte 'Frau Kleinholz' zur Wäschemangel hetzend und nur über die Ausstrahlung und den wenigen Text die Sekretärin bei 'Direktor Lehmann' zu gestalten.

 
 

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Die Zwischenakte werden gefüllt mit Musikstücken aus verschiedenen Federn und Epochen.
Sie sollen den Revue-Charakter unterstreichen, obwohl der Herr Oberspielleiter bei der Einführung in das Werk mitteilte, er sehe das Ganze mehr als Schauspiel mit Musik.
'Wohl hat er recht, so es zu nennen.'
Unter Revue stellt man sich etwas anderes vor, zumal, wenn dem Abend Flair der 20/30er-Jahre gegeben werden soll.
'Olaf's-Tanz-Truppe' ist zum Füllen des Geschehens eingesetzt, kann mit dem wenigen, was da geboten wird, nicht sonderlich beeindrucken und schon garnicht einen Revue-Charakter unterstreichen. Die Herren in Damenkleidung machen eher den Eindruck, man befinde sich auf Ausläufern der Love-Parade im angrenzenden Tierpark, nahe der 'Goldelse'.

Das Licht unterstützt den revueartigen Eindruck ebenfalls nicht, die eine am Plafond sich drehende 'Lochscheibe' bringt nichts weltbewegendes - leider, denn hier hätte mehr gezaubert werden können.

Die Kostüme, viel an Zahl, zeigen die Mode der Zeit - nichts Aufregendes, doch Passendes.

 

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Michael Bleiziffer hat als Regisseur wieder einmal Truppen zu bewegen und alle Hände voll zu tun, seine vielfältigen Einfälle umzusetzen.
Aber es sind eben nicht nur Massen zur gleichen Zeit auf der Bühne, es sei denn, das Ballett mischt sich unter die Darsteller des Schauspiels. Dieses Mixtum aber nimmt im Laufe immer mehr ab und übrig bleiben die einzelnen Rolleninterpreten des Dramas.

Der Einsatz der technischen Einrichtungen der Bühne ermöglicht schnelle Szenenwechsel, obwohl der eine oder andere doch noch zu lange dauert und das Stück auseinanderreißt. Man sieht, die Bühne sich drehen, aber das ist ja nun nicht unbedingt abendfüllend. Dabei ist es interessant, zu sehen, wie ab- und aufgeräumt wird - auch ein Teil der Inszenierung, wann ist was da und wie kommt was weg.

Große Planen werden geschwungen, wenn es heißt, aus der Wohnung der Jung-Pinnebergs für das Ballspiel eine grüne Wiese zu machen, an der zur Überraschung des Publikums 'ein Auto' mit den Kleinholzens auf der Drehscheibe herum- und vorrüberrollt.
Witzig, wenn es dann durch Fehlsteuerung 'von der Bahn abkommt'.
Projektionen auf Flächen wie Flaggen vertiefen den Eindruck und beantworten die Frage des Zuschauers: "Wo bin ich?"
Es ist eine Ansammlung von Einzelszenen, wobei einige aus nur wenigen Sätzen bestehen, da sind Anschlüsse wichtig und sie gelingen auch in den meisten Fällen.

Schlimm ist die Wirkung der Mikroport-Anlage - nichts an Brillanz - muffig die Tongebung wie die eines Volksempfängers auf Mittelwelle.

Auch am Ende einer Repertoirevorstellung, zunächst Beklommenheit, Zurückhaltung beim Publikum, dann langanhaltender Beifall für alle schauspielenden und musizierenden Mitwirkenden. Das Ballett durfte schon vorher nach Hause gehen.

 

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Nach Meinung eines gewissen Herrn Meyer, früher mal Kulturdezernent Regensburgs, geäußert am 24.4.07, braucht das Theater Regensburg nicht in den überregionalen Feuilletons zu glänzen.

Und Herr S. aus R. ließ während gleicher Veranstaltung das Statement uneingeschränkt stehen.
Er kann sich freuen, braucht er ja das Budget des Theaters nicht zu erhöhen, ja nicht einmal zu halten.

Dabei sei doch Kultur Chefsache.
Was ist das in Regensburg für ein Chef oder gefragt: Chef?

"Wen, Teufel, meinst du denn?"
 
 
     
     
 

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Als Abonnent und Abnehmer voll bezahlter Karten aus dem freien Verkauf gebe ich hier meine subjektive Meinung zu den gehörten und gesehenen Theatervorstellungen zur Kenntnis.

Ich
verstehe diese Besprechungen und Kommentare nicht als Kritik
um der Kritik willen,
sondern als Hinweis auf nach meiner Auffassung zu Geglücktem oder Misslungenem.
Neben Sachaussagen enthält diese private Homepage auch Überspitztes und Satire.
Für diese nehme ich den Kunstvorbehalt nach Artikel 5 Grundgesetz in Anspruch.
In die Texte baue ich gelegentlich Fehler ein, um Kommentare herauszufordern.
Dieter Hansing

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