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Selbsterklärend

PowerPoint mit Morphing
Der Bayreuther Ring 2026:
Ein Desaster für drei Tage und einen Vorabend

Szenenfoto ‘Der Ring des Nibelungen‘ – BT 2026
Copyright: Enrico Nawrath/Bayreuther Festspiele
Die Bayreuther Festspiele 2026 zeigten den (Ring 10010110 – vom
Mythos zum Code). Eine konzertante Aufführung in Kostüm und Maske
ohne szenische Realisierung. Dafür mit visueller Reizüberflutung. Das
war ernst gemeint, blieb aber ohne Witz und ohne tiefere Bedeutung. Auch
musikalisch stand auf der Habenseite nicht viel.
Kennen Sie das teuerste Foto der Welt?
Es stammt vom Starfotografen Peter Lik, ist „Phantom“ betitelt, zeigt
einen Sonnenstrahl, der in einen schattigen Canyon fällt und
aufwirbelnden Sand beleuchtet. Einem anonymen Sammler war der Abzug 2014
umgerechnet 5,2 Millionen Euro wert.
Kennen Sie die Ölgemälde des Künstlers Stefan Bircheneder?
Sein Frühwerk zeigt einstürzende Neu- und eingestürzte Altbauten,
Betonbrachen, derer sich langsam, aber zuverlässig die Natur bemächtigt,
von Moos bewachsene Kabelschächte, leerstehende Industrieruinen,
insbesondere aufgegebene und verlassene Arbeitsstätten, verwüstete
Büroräume nach der Liquidation.
Liks Canyon und Bircheneders Niemandsorte könnten der Ausgangspunkt für
„Kurator“ Marcus Lobbes' Interpretation des „Jubiläums-Rings“ gewesen
sein, die freilich nicht mehr als eine bloße Bebilderung geworden ist.
Im Intervall von drei Sekunden wechseln Gesteinsformationen, Baureste,
Elektroschrott, Zahnräder, schmiedeeiserne Gitter in inflationärer
Frequenz, Wasserfälle, Höhlen, Bäume, Wolken. Drei Sekunden – das ist
die Spanne, die der Mensch als „Jetzt“ wahrnimmt. „… alles, was ist,
dauert drei Sekunden“, singt Peter Licht in seinem Hit Sonnendeck
von 2001. „Alles, was ist, endet.“ In drei Sekunden.
Es wird so getan, als hätte die Künstliche Intelligenz das Heft in die
Hand genommen . Gezeigt wird jedoch nur, mit welchen Prompts (Bildern,
Vorgaben) Lobbes und Nils Corte, Roman Senkl und
Philipp Hagen Jungschlaeger die KI gefüttert haben. Wir kriegen nur
die Daten und Inputs zu sehen, die ihnen zum ‘Ring des Nibelungen‘ halt
so eingefallen sind. Es wird suggeriert, die KI produziere diese
zufällige Bilderflut willkürlich und zufällig – was sie natürlich nicht
tut! Keine Ausrede: Die KI ist nicht kreativer als der Mensch, der sie
und der sich ihrer bedient. Szenenbilder aus den 15 verschiedenen
Neuinszenierungen bei den Bayreuther Festspielen, beginnend mit der
Ur-Inszenierung 1876 durch Wagner selbst, bis hin zum Schwarz-Ring
(überambitioniert im Konzept, banal, ja platt und peinlich dünn in der
Umsetzung) 2022, gaukeln so etwas wie eine rezeptionsgeschichtliche
Aufarbeitung des Musiktheater-Mammuts vor, sind aber nur bloße
Reminiszenz. Ein Blick ins Familienalbum, mehr nicht. Das alles gerät
meist zu einem höchst fragwürdigen Ästhetizismus, einem assoziativen
Bilderwust, der das simple Rampensingen irgendwie dekoriert. Regie
findet nicht statt.
Wohl gemerkt:
Es werden keine Videosequenzen eingespielt, keine Filme, wir haben es
lediglich mit einer Art zu tun, die mittels Morphing, einem
computergenerierten Spezialeffekt, der ein Bild stufen- und nahtlos in
ein anderes umwandelt. Dabei werden Zwischenbilder (Frames) berechnet,
um die Formen organisch ineinander übergehen zu lassen. Eingeblendet ist
immer wieder Personenstaffage, schemenhafte und deformierte Gestalten,
die sich augenblicks in Stein, Sand oder aufgetürmte Eisschollen
verwandeln. Vor Erdas Auftritt im Rheingold mutiert eine Gestalt
tatsächlich zum Geist, der Hui Buh, dem Schlossgespenst, zum Verwechseln
ähnlich sieht. Zu identifizieren sind Wotan mit Speer, Siegfried mit
Schwert, Wolfgang und Wieland, Gerhard Schröder, Whistleblower Edward
Snowdon, Krippenfiguren, Jedi-Ritter, Wagnersänger – sie alle verwandeln
sich unversehens in Staub, Wolken, Kork oder Malachit. Warum alle
verwendeten Szenen- und Pressefotos mittels Photoshop-Tools verfremdet,
unscharf oder fratzenhaft entstellt sind, warum sie wie Gemälde oder
Aquarelle aussehen müssen, warum Texte unleserlich gemacht werden,
bleibt unerfindlich. Würde sonst womöglich jemand auf seinem Copyright
bestehen? Ikonisch gewordene Bilder aus dem kollektiven Gedächtnis –
Münchner Olympia-Attentat 1972, Krönung von Königin Elisabeth II.,
Brandenburger Tor beim Mauerfall samt dazugehöriger Briefmarke etc. –
verwandeln sich in Magenschleimhaut, Gaumenzäpfchen, Tropfsteinhöhle, in
alles, was Sie sich vorstellen können: Toilettenschüssel, Toaster,
Luftpolsterfolie, von der Aalsülze bis zur Zystenmasse. Bei Siegfrieds
Rheinfahrt und beim Trauermarsch hat die KI Tacet. Beides wird rein
konzertant gegeben. Bei geschlossenem Vorhang. Mehr
Publikums-Verarschung, -Veräppelung, -Verachtung geht nicht. Die
permanente Waberlohe der Bilder ist nur eines: Ermüdend, ertüdend,
ertrüdend. Beliebig, belanglos, banal. Eine Frechheit: Wenn sich
Brünnhilde und Siegfried finden, sehen wir rosa Herzchenwolken und ein
virtuelles junges Liebespaar, das sich zum Kuss nähert. Kitsch as Kitsch
can!
Roman Senkl
wurde Herrn Lobbes für das „KI-Storytelling“ an die Seite gestellt. –
Sorry, welche Story?
Die erzählt uns doch Herr Wagner! Oder ist damit gemeint, dass Herr
Senkl willkürlich Zeitbilder einstreut, Porträts von Barack Obama, Boris
Jelzin, Helmut Kohl, EZB. Zum Kuckuck – welche Story, verdammt nochmal?
Es gibt sie in diesem Jubiläums-Ring schlichtweg nicht.
Die Sängerriege kommt entweder von rechts oder von links auf die
Bühnengasse, die zwei bühnenhohe Gazestreifen lassen, und steht herum.
Ein sich zum Bühnenpartner Wenden und Siegfrieds Fall zu Boden bei der
Ermordung durch Hagen, sind das Maximum an Action.
Die Zeiten, als Sänger noch wagten zu sagen: „So gehe ich nicht auf die
Bühne“, sind endgültig vorbei. Man zieht an oder aus, was Kostümbildner
vorgeben. Und sei es noch so hässlich, unvorteilhaft oder dämlich.
Wie hier!
Verwendet wurde billigster Tüll für Faschingskostüme zu 50 Cent per
laufendem Meter. Wahlweise zu Kleidern oder Overalls geschneidert, mit
Federn, Flügeln, Girlanden, Bahnen oder Volants aus hellerem Tüll
vernäht, was einen Look verleiht, als hätte man die Darsteller mit
Seetang beworfen. Genderneutral das alles, versteht sich, auch Götter
tragen Röcke. Nur bis etwa zur Wade ausgeleuchtet, wirken alle Personen
deformiert und klein. Who the f***, wer ist wer? Mitunter ist es nur zu
erahnen. Verantwortlich für dieses Desaster ist Pia Maria Mackert.
Sie entwarf 2016 den Bühnenraum für die erste Verleihung des
Axel-Springer-Preises für digitalen Journalismus an Mark Zuckerberg. So
steht es im Programmheft. Entspricht aber nicht den Tatsachen, denn
Zuckerberg wurde als besonders innovative Unternehmerpersönlichkeit
geehrt, die neue Märkte prägt. Ihm wurde KEIN Journalistenpreis
verliehen. Diese Halbwahrheit, Ungenauigkeit, Schlamperei und
Nachlässigkeit sind symptomatisch für diesen ‘Ring 10010110‘.
Passt schon!
Merkt eh keiner!
Was sonst in den Viten der Mitwirkenden Fiktion und Wirklichkeit ist,
müsste man genau recherchieren, wozu mir schlichtweg die Lust fehlt und
wofür mir die Zeit zu schade ist.
Knopf am Kopf
Sensationell bescheuert nehmen sich die Mottenkugeln am Scheitel der
Sänger aus. Die weißen Pünktchen beinhalten eine Art GPS, einen Tracker,
der der Technik signalisiert: Lass bitte hier im Gazevorhang zur Rampe
eine Lücke, blende im Umkreis eines Meters die Bilderflut aus, damit der
Zuschauer zumindest eine Ahnung davon kriegt, wer hier gerade singt. Die
Stirnen der Sänger sind anthrazitfarben bemalt, grau wie Stein- oder
Schwarzkohle, passend zum uniform grauen Faschingstüll der Kostüme. Die
Sache mit dem Anthrazit würde ja noch einigermaßen Sinn ergeben, wenn
die Ring-Erzählung als Parabel auf die Decarbonisierung gedeutet werden
würde. Ansätze hierzu würden sich bieten. Der kluge Textbeitrag von
Tina Lorenz (einst Stadträtin der Piratenpartei in Regensburg, heute
Leiterin des Hertz Labs am ZKM in Karlsruhe) zum Programmbuch, der die
Künstliche Intelligenz als (manipulativ verknappte) Ressource einordnet,
als bewusste Verknappung digitaler Produktionsmittel, das Sperren von
Modellen für die Allgemeinheit, um eine Monopolstellung zu erreichen –
wie es ja bereits geschieht –, wäre ein treffender Inszenierungsansatz.
Zu sehen ist davon auf der Bühne des Festspielhauses freilich nichts. So
bleibt lediglich die Assoziation, dass Götter wie Menschen und Menschen
wie Götter sind. Beide bestehen zu einem beträchtlichen Teil aus
Anthrazit, der Körper eines Erwachsenen bis zu rund 16 Kilogramm aus
diesem Mineral, es ist die Basis für das Leben. Kohlenstoff =
Sternenstaub. Sieglinde, Siegmund und Siegfried müssen sterben, auch
Götter leben nicht ewig. Aber das hat uns ja bereits Patrice Chéreau
erzählt. Was also ist das Gold, aus dem der verhängnisvolle Ring
geschmiedet wird? Die Idee mit dem Rohstoff ist alt. Ist es nun eine
Technologie? Oder Künstliche Intelligenz? Also lineare Algebra, eine
Wahrscheinlichkeitsrechnung, um Muster zu erkennen, um Vorhersagen
treffen zu können? Daraus hätte sich ein schlüssiges Regiekonzept
entwickeln lassen. Aber das macht ja Arbeit!
Wolf Gutjahr
ist als Bühnenbildner der Tetralogie ausgewiesen. Sein Entwurf besteht
aus zwei im Abstand von etwa drei Metern parallel zum Bühnenportal
verlaufenden Gazewänden, lockerem, gitterartigem Gewebe, das
einigermaßen transparent ist, und auf das Bilder projiziert werden
können. Aus! Mehr nicht! Keine Möbel, keine Kulissen, keine Requisiten,
nichts! Dafür braucht es keinen Bühnenbildner! So etwas erledigt ein
guter Technischer Leiter eines Hauses oder der Technische Leiter eines
guten Hauses eben mal so nebenbei und ohne die Hand aufzuhalten, sprich:
eine Gage zu verlangen.
Auch musikalisch:
Auf der Habenseite steht nicht viel
Christian Tielemann
nutzt die Gelegenheit, sich weidlich auszumähren. Seine Tempi: geradezu
schleppend. Nur teilweise gelingt das Klanggemälde, zur Langsamkeit
gesellt sich allzu oft eine uniforme Dynamik, die vielen Stellen ihre
Wirkmacht raubt. Besonders störend wird dies vor Siegfrieds
Schmiedechoral empfunden und beim Waldweben, was so ohne Zauber
bleibt. Die kräftigen Buhs nach Siegfried und nach
Götterdämmerung des zweiten Ring-Durchgangs dürften ihn aber nicht
weiter stören. Ein übler Horn-Kickser in der Walküre, einige
unsaubere Bläserintonation auch im Siegfried und in der
Götterdämmerung – das darf in Bayreuth nicht passieren! Schlampig!
Aber, passt schon, merkt eh keiner im Publikum! Bei einem C-Orchester
drückt man da schon mal beide Augen zu, aber nicht am Haus, das das
erste im Lande sein will. Zu den Zuhörern und -schauern mehr am Ende
dieses Textes. Ohne Frage: Sehr vieles ist exzellent ausmusiziert, der
hölzerne Bau selbst wird zum Resonanzkörper, der im Boden versenkte und
abgedeckte Orchestergraben mischt den Orchesterklang optimal. Die
Stimmen der Sänger jedoch können sich im Raum, auch wegen der unsinnigen
Gaze, kaum entfalten.
Unverständlich, dass sich Tielemann diese Nicht-Inszenierung und diese
in weiten Teilen nicht Bayreuth-würdige Besetzung gefallen lässt. Okay,
die Kräfte hat er wohl zum größten Teil selbst engagiert, viele zählen
zum Ensemble seiner Berliner Lindenoper.
In einer konzertanten Aufführung treten alle Unzulänglichkeiten
zwangsläufig überdeutlich hervor. Würde szenisch agiert, würde die
Kritik möglicherweise milder ausfallen. Denn: Die Sängerriege wird durch
szenische Aktion auch musikalisch anders wahr- und wohlwollender
angenommen. Die alte Theaterregel „Auge vor Ohr“ hat nach wie vor ihre
Gültigkeit.
Anna Kissjudit
als Fricka ist enervierend, geradezu grob und nur laut (was wohlwollende
Rezensenten mit „großer Stimme“ umschreiben). Sie keift und forciert und
tutet, was das Zeug hält, nicht eine Silbe ist zu verstehen!
Die Sieglinde von Elza van den Heever ist ein Ausfall. Ihrer
Stimme fehlt jegliche Wärme, sie stößt alles gellend gegen die
Gaze-Wand. Nicht weiter bemerkenswert.
Die bisher immer so zuverlässige Christa Meier aus dem Bayreuth
benachbarten Schwandorf als Erda ist stimmlich viel zu hell gefärbt und
lässt die profunde Tiefe vermissen, die ihre Worte so gewichtig macht.
Auch als Waltraute ist die sonst so sichere Bank nicht herausragend,
allenfalls solide.
Die Nornen, Walküren und Rheintöchter: Alle kommen über
Stadttheater-Niveau kaum hinaus.
Auch die Gutrune von Magdalena Hinterdobler ragt nicht heraus aus
diesem Ensemble der Mittelmäßigkeit.
Evelin Novak
als Freia bleibt blass.
Rätselhaft, warum Victoria Randem als Waldvogel besetzt wurde.
Für diese Partie finden sich spielend erste Kräfte, Frau Randem zählt
nicht zu ihnen.
Als zentrales Problem dieses Rings entpuppt sich die Brünnhilde
von Camilla Nylund. Wir erleben kein „kühnes, herrliches Kind“,
keine Amazone, die vom Wunder der Liebe überwältigt und dann zur
Rächerin wird, sondern eine gouvernantenhafte höhere Tochter, die
etepetete mit angezogener Handbremse agiert und das alles furchtbar
anstrengend findet. Vom Komponisten war diese Partie bewusst alles
andere als lyrisch gedacht und konzipiert. Bei den leisen Tönen kommt
die Nylund kaum über die Rampe, in der Höhe wird sie sehr schnell
schrill. Vor Ausbrüchen in die Lautstärke und in die Höhe verrenkt sie
sich, reißt bei jedem letzten „-ho“ der Rufe, die sie mit einer kleinen
Pause vom „hojoto-“ abtrennt, den Arm in die Höhe, damit der Ton
desgleichen tut. Unschön das! Und alles ohne Atem, ohne Bogen. Um jeden
Quadratmillimeter des Zwerchfells als dehnbaren Atemmuskel zu nutzen,
hat sie sich merkwürdige Körperhaltungen angewöhnt. Man würde all das
hinnehmen, wäre da nicht das ausufernde Vibrato. „Wenn eine Sopranistin
mit Anfang 40 klingt, wie sie frühestens in zehn, eigentlich erst in
fünfzehn Jahren klingen dürfte, ist das bedenklich“, schreibt Michael
Blümke bereits in der Aprilausgabe von RONDO 2011 über Frau Nylund. Und
weiter: Bei ihren Interpretationen „schaukelt es ordentlich“. Er fragt:
„Gibt es denn keine intelligenten Sänger mehr, die wissen, was sie ihrer
Stimme wann und in welchem Umfang zumuten dürfen, um sie mehr als nur
ein paar Jahre intakt zu halten? Oder ist es kein erstrebenswertes Ziel
mehr, auch nach 30 oder gar 40 Karrierejahren noch Beachtliches auf der
Bühne leisten zu können? Elisabeth Grümmer war 52, als sie 1963 die Elsa
im bis heute maßgeblichen Kempe-Lohengrin sang.“
Es störten nicht weiter: Alexander Grassauer (Donner) und
Siyabonga Maqungo (Froh).
Jochen Schmeckenbecher
als Alberich? Schwach!
Mika Kares
fehlt für Fasolt und Hagen die Schwärze und auch die bodenlose Tiefe,
die man sich zumindest bei Hagen gewünscht hätte.
Der Fafner von Peter Rose: Geht so!
Michael Kupfer-Radecky
(Gunther), ihn hat man schon deutlich besser gehört.
Möglicherweise waren es nicht Michael Volles Tage. Er hat Wotan
und Wanderer pflichtschuldig absolviert, wirkte aber irgendwie müde und
phasenweise unbeteiligt. Dem intelligenten Sänger merkte man an, wie
sehr er unter dieser Nicht-Inszenierung litt.
Kommen wir zum Phänomen Klaus Florian Vogt: Jeder Ton sitzt!
Seine Energiereserven scheinen unerschöpflich. Von der ersten Sekunde
bis zum letzten Takt (er singt Loge, Siegmund und beide Siegfriede), ist
er da, zuverlässig, immer, eine gut gewartete Tenormaschine, die
keinerlei Ermüdungserscheinung kennt. Phrasierung, Textverständlichkeit
– in der ersten wie in der letzten Reihe ist er mühelos über jedes noch
so dicke Orchester-Tutti zu hören. Was will man mehr? Zumindest eine
gewisse Art von Differenzierung etwa. Alle drei Partien nimmt er
unterschiedslos, die drei Charaktere klingen bei Vogt vollkommen
identisch. Da singt einer treffgenau jede Note, kennt einer seinen
musikalischen und textlichen Part wie kein Zweiter, aber er gestaltet
nicht! Das verschlagene Manipulieren des Feuergotts, der jugendliche
Überschwang des Helden, liebendes Schmachten, Siegfrieds letzter Gruß an
Brünnhilde, das Bewusstwerden seiner selbst im Augenblick des Todes –
alles produziert er uniform mit seinem hellen, fast körperlosen Tenor,
in nur einer, in seiner Farbe. Einzig zu Beginn des zweiten Abends, als
Jung-Siegfried, zeigt er so etwas wie Gestaltungswillen. Wahrscheinlich
angesteckt von Gerhard Siegels Rumpelstilzchen-Energie. Letzterer
ist als Mime ein Lichtblick in diesem Katastrophen-Ring.
Gesanglich tadellos, in Diktion und Engagement (soweit diese konzertante
Darbietung es zulässt) mustergültig, kostet der ewige Loser
nachvollziehbar seine kleinen Triumphe aus, seine Flüche und
Verwünschungen sind plausibel, Unbill nimmt er ohne wehleidiges Zetern
hin, er singt! Er hat es nicht nötig, in eine Art Sprechgesang zu
verfallen, wie die meisten seiner Kollegen. Ein besserer Mime als
Gerhard Siegel ist derzeit weltweit nicht zu kriegen.
Ein gewisser David Greiner ist auf den Besetzungszetteln als
Sprachcoach aufgeführt.
Was macht der Mann eigentlich beruflich?
Textverständlichkeit jedenfalls zählt am Grünen Hügel nicht zu den
gepflegten Tugenden. Die sehr wenigen Ausnahmen bestätigen diesen
Missstand.
Hier gilt's nicht länger der Kunst
Ein Wort zum Publikum: Hemmungslos wird drauflos gehustet und geniest,
permanent leuchten im Zuschauerraum die Smartphone-Displays. Niemand
muss in schwarzen Lackschuhen und Smoking auf dem Grünen Hügel
herumstolzieren, wer in ungebügelten Wanderklamotten, Shorts und
Flipflops Musiktheater genießen will – bitteschön. Inzwischen sieht man
Besucher im Casual-Look, den ich nicht einmal zum Rasenmähen anziehen
würde.
Geschenkt!
Deplorabel, wenn kritiklos alles bejubelt wird, was sich zum Verbeugen
vor den Vorhang wagt. Wenn eine Karte bis zu 460 Euro kostet, dann muss
das alles doch was taugen, oder? Unhinterfragt wird hingenommen und
bejubelt, was einem geboten wird. Vielmehr, was einem NICHT geboten
wird. Bezeichnend: An allen Eingängen stehen heute Kästen, mit denen man
ermitteln kann, ob eine Tasche das im Zuschauerraum gerade noch erlaubte
DIN-A4-Maß überschreitet. Fast hat es den Anschein, die Festspielleitung
will austesten, wie tief man das Niveau noch senken kann, ehe das
Publikum ausbleibt. Aber, das wird nicht passieren. Die Bude ist voll!
Den Reisegruppen aus der Volksrepublik China sei Dank.
Wie oft denn noch? Die Dramaturgie entblödet sich nicht, auch für diesen
blamablen Ring Herrn Lobbes und seinem Team mit der
überstrapazierten Wagner-Sentenz „Kinder! macht Neues!“ einen
Persilschein auszustellen. Jedes Zitat ist nur so gut wie der
Zusammenhang, aus dem er gerissen ist. Dieser Satz, der sich gegen die
immer wieder neue Bearbeitung eigener Werke richtet, muss inzwischen für
jedes irrsinnige Regiekonzept herhalten. Aber, passt schon, merkt eh
keiner!
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Zitat
Bei dem was heute gezeigt wird, versucht man sich
seitens der Subventionsempfänger rauszureden, die Kunst
sei frei - die Definition des Begriffes 'Freiheit der
Kunst' wird aber nicht vorgelegt.
Schon anlässlich des
'Holländer' in Würzburg
wurde von Frau Märtson - damals noch nicht Präsidentin
des RWVI - darauf hingewiesen, dass es in Bezug auf
'Freiheit' Grenzen gebe.
Um sich Freiräume zu schaffen, wird Wagner aus dem
Zusammenhang gerissen zitiert, er habe gesagt, man solle
beim Inszenieren das Neue schaffen.

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Das selbst von den Bayreuther Festspielen in falschem
Zusammenhang verwendete Zitat:
’Kinder! macht Neues!’
bezieht Richard Wagner in seinem Brief an Liszt vom 8.
September 1852 ganz eindeutig auf Hector Berlioz, der
jahrelang an seinem ’Benvenuto Cellini’
herumkorrigierte.
Gemeint ist also: ’Kinder schafft neue Stücke!’
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Zitat |
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Zitatende
Quelle: Universität Würzburg - Philosophische
FakultätInstitut für Musikforschung FORSCHUNG
Richard-Wagner-Briefausgabe Richard Wagner, Sämtliche
Briefe Wagner, Richard – Sämtliche Briefe - |
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Zitat
Dass Richard Wagner diese Aussage auf die Produktivität
von Librettisten und Komponisten bezieht und nicht auf
das Inszenesetzen von Stücken, zeigt auch sein Brief nur
drei Monate später an Ferdinand Heine, dass seine Stücke
so zu geben seien wie er sie sich gedacht habe.
Wer das nicht könne oder wolle, solle es bleiben lassen. |
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Zitatende
Quelle: https://www.telezeitung-online.de/
Thema_des_Tages_15._November_2018_%27Ist_das_Kunst_oder%27.htm
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Fazit:
Die Künstliche Intelligenz kann bereits heute mühelos einen musikalisch
tadellosen Ring produzieren. Ihr reichen ein paar Schnipsel jeder
Sängerstimme, Fetzen aus dem Orchestergarben, die Partitur und ein
Prompter, der einen oder seinen Idealklang vorgibt. Die Technologie kann
im Handumdrehen aus lahmen Sängern ausdauernde Sprinter machen. AI kann
bei entsprechender Programmierung durchaus auch ein intelligentes und
tragfähiges Konzept samt Bühnen- und Kostümbild für eine spannende
Inszenierung entwickeln.
Was sie nicht kann: in Echtzeit im analogen Raum einen Ring des
Nibelungen herbeizaubern.
Theater ist Begegnung, das Miteinander von Akteuren und Zuschauern,
direkter, gemeinsamer Raum im Hier und Jetzt.
Wenn man nur ein Konzert mit Dia-Show zustande bringt, dann ist es um
jeden Subventions-Euro Schade.
Experiment krachend gescheitert.
Peter Lang
Besuchte Vorstellungen: 4., 5., 7. und 9. August 2026.
lang@kulturjournal.de

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Kommentar
Regensburg kann sich glücklich schätzen, dass sich hier nicht in
der oben aufgeführten deutlichen Form zum Theater Regensburg,
sondern sich nur zu einer Produktion der Bayreuther Festspiele
geäußert wird.
Es bliebe von der Einrichtung Theater Regensburg nicht viel
übrig.
So lässt man Herrn Ritschel, der ja von der MZ und MUC gestützt
wird, weiter das Niveau des Theaters Regensburg absenken und in
kurzen Zeiträumen das Personal das Haus fliehen.
Kaufmännischer Direktor, Schauspielleiterin, Ballettchef und nun
auch noch der GMD suchen das Weite.
Und war da nicht noch jemand, der das Haus eiligst verlässt?
(Dieter Hansing)
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Bemerkungen zur szenischen Umsetzung von
‘Der Troubadour‘
Besuchte Veranstaltungen der Nds. Staatsoper Hannover
am 13.6., 25.6. 2026
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Hinweis der Nds. Staatsoper Hannover GmbH
Zitat
‘Der
Troubadour‘
Oper von Giuseppe Verdi
Libretto von Salvadore Cammarano und Leone Emanuele Bardare
nach Antonio García Gutiérrez
„Er war dein Bruder ... Du bist gerächt, Mutter!“
Azucena
Als sich Graf Luna und der Troubadour Manrico nicht nur in einem
blutigen Bürgerkrieg als Feinde gegenüberstehen, sondern auch
noch in die gleiche Frau verlieben, nimmt eine fatale Tragödie
ihren Lauf: Leonora vergiftet sich, Manrico wird von Luna
hingerichtet, der daraufhin erfährt, dass er seinen eigenen,
verschollen geglaubten Bruder getötet hat. Manrico war nämlich
unerkannt bei Azucena aufgewachsen, die einst mit ansehen
musste, wie der alte Graf Luna ihre Mutter auf dem
Scheiterhaufen verbrannte. Zutiefst traumatisiert schwor Azucena
Rache, entführte den jüngeren Grafensohn, tötete an seiner
Stelle aber versehentlich ihr eigenes Kind.
Mit seinem Drama El Trovador schrieb Antonio García Gutiérrez
1836 das erfolgreichste und populärste Bühnenwerk der spanischen
Romantik. Giuseppe Verdi ließ sich von der düsteren Romanze um
Hass und Liebe, Eifersucht und Rache so sehr begeistern, dass er
sie ohne Auftrag und damit der Garantie für eine Uraufführung
1849 / 50 zur Grundlage seiner Oper Il Trovatore machte. In ihr
fand er das uralte Motiv des Bruderzwistes mit den ihn immer
wieder faszinierenden Fragen nach Schicksal, Zufall und innerer
Notwendigkeit verschränkt. Aus der bizarren Geschichte verstand
er seine Figuren auf äußerst avancierte Weise geradezu
herauszumeißeln. An ihren Widersprüchen, ihrem Gefangensein und
ihren Sehnsüchten entzündete er seine musikalische Fantasie.
In der Neuinszenierung von Wolfgang Nägele kommt mit Il
Trovatore ein existenzielles Drama von unvergleichlicher Wucht
auf die Bühne der Staatsoper Hannover — eine Geschichte über die
Macht von Traumata und emotionalen Wahnsinn.
Besetzung und Team
Musikalische Leitung
Masaru Kumakura
Inszenierung
Wolfgang Nägele
Bühne
Lisa Däßler
Kostüme
Irina Spreckelmeyer
Chor
Lorenzo Da Rio
Dramaturgie
Anne do Paço
Xchange
Matthias Brandt
Il Conte di Luna
Grga Peroš
Leonora
Cristiana Oliveira
Azucena
Silvia Beltrami
Manrico Joseph Dahdah
Ferrando
Shavleg Armasi
Chor der Staatsoper Hannover
Niedersächsisches Staatsorchester Hannover
Zitatende - Stand 31.5.2026
Quelle:
https://staatstheater-hannover.de/de_DE/programm/der-troubadour.1397721&event_date=17996702 |
Nach eigener Aussage - während des Einführungsvortrages - benötigte das
Regieteam zwei Jahre, um eine Szenerie für dieses Werk zu erfinden, über
das Leo Slezak in seinem Buch 'Der Wortbruch' feststellte, in diesem
Stücke wisse er auch nicht, was vor sich gehe. Und das, wo er doch
hunderte Male in aller Welt den Manrico sang. Auch von Caruso ist
übermittelt, dass er sich in dem Stück nicht auskannte.
Hier in Hannover nun hatte das jugendliche Regieteam die Aufgabe, dem
Wunsch des Herrn Geschäftsführers der Niedersächsischen Staatsoper
Hannover GmbH zu entsprechen, dem Stück einen Rahmen zu geben. Es
verlief sich aber auf der großen Bühne und packte hierhin etwas und
dorthin auch etwas, dabei wäre es doch viel einfacher und sparsamer
gewesen, das seinerzeitige Arrangement für die Hannover'sche ‘Macht des
Schicksals‘ (https://www.telezeitung-online.de/Thema_des_Tages_28._Januar_2020_%27Macht%27.htm)
zu verwenden.
Alles hätte prima gepasst. Nein, es musste was Neues erfunden werden.
Und das ist hier in Hannover ja nun einmal so wahllos arrangiert wie
eben machbar.
Welche Möglichkeiten sich das Haus schaffte, zeigen die unten
veröffentlichten Screenshots des Trailers auf der Internetseite der Nds.
Staatoper Hannover.


Das Jahr 1813 markiert mit der Völkerschlacht bei Leipzig einen
zentralen Wendepunkt der napoleonischen Epoche. Zugleich fällt es in den
Geburtszeitraum dreier bedeutender Vertreter der europäischen Romantik:
Antonio García Gutiérrez (1813–1884), Richard Wagner (1813–1883) und
Giuseppe Verdi (1813–1901). Ihr Wirken prägte das 19. Jahrhundert, das
durch eine außerordentliche Blüte von Musik, Literatur und Kunst
gekennzeichnet war.
Ein Vergleich der Werke Wagners und Verdis verdeutlicht unterschiedliche
Auffassungen des mittelalterlichen Minnemotivs. Wagner knüpft in seiner
Oper Tannhäuser (1845) unmittelbar an die Tradition des Minnesangs an.
Im Zentrum steht die Spannung zwischen sinnlich-erotischer und
geistig-transzendenter Liebe, die als grundlegender Konflikt des Werkes
ausgestaltet wird.
Lieber Cammerano, der Stoff, den ich mir wünschen möchte und den
ich vorschlage, ist El Trovador, ein spanisches Drama von
Gutierres. Das scheint mir sehr schön. Reich an Einfällen und
starken Situationen. Ich möchte 2 Frauenrollen haben. Erstens
einmal die Zigeunerin, ein Weib von besonderem Charakter. Nach
ihr will ich die Oper nennen. Die andere Partie ist für eine
zweite Sängerin. Ihr Giuseppe Verdi.
Zitatende
Quelle: Brief Verdi/Cammerano 2. Januar 1850
Programmheft des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden – 22. März
1985
|
Demgegenüber tritt in Verdis ‘Il trovatore‘, dessen Uraufführung nur
wenige Jahre später erfolgte, die idealisierte Konzeption der Minne
weitgehend in den Hintergrund. Stattdessen wird die Handlung wesentlich
durch die Rivalität zwischen dem Tenor Manrico und dem Bariton, Graf
Luna, bestimmt, die um die Gunst Leonoras konkurrieren. Der Fokus
verschiebt sich somit von einer philosophisch-spirituellen Reflexion der
Liebe auf einen dramatischen Konflikt zwischen zwei Männern um eine
Frau.
Diese Akzentsetzung ist bereits in der literarischen Vorlage angelegt.
García Gutiérrez veröffentlichte 1836 das Drama ‘El trovador‘, das Verdi
später als Grundlage für seine Oper diente. Die Handlung ist zu Beginn
des 15. Jahrhunderts in den Regionen Biskaya und Aragonien angesiedelt
und verbindet historische Kulisse, romantische Leidenschaft und
tragische Familienkonflikte zu einem charakteristischen Werk der
spanischen Romantik.
Zitat
Diese Konzeption findet sich in der von Verdi genutzten
literarischen Vorlage. Antonio García Gutiérrez hatte mit seinem
Drama 'El trovador' (1836) die Grundlage für das spätere
Opernlibretto geschaffen. Die Handlung ist in Aragón zu Beginn
des 15. Jahrhunderts angesiedelt und verbindet historische
Ereignisse mit den für die Romantik charakteristischen Motiven
von Liebe, Leidenschaft, Rache, Familiengeheimnissen und
tragischem Schicksal.
Auch die Schauplätze der Handlung weisen teilweise konkrete
historische Bezüge auf. Die in der Oper erwähnte Feste Castellor
wird häufig mit der heute nur noch als Ruine erhaltenen Burg
Castillo el Castellar nordwestlich von Saragossa identifiziert.
Damit erhält die Handlung eine geografische Verankerung in jener
Region, die während der aragonesischen Thronfolgekrise
tatsächlich Schauplatz militärischer Auseinandersetzungen war.
Zitatende
Quelle:
www. telezeitung-online.de/Troubadour_Die Begriffe - Eckpfeiler
der Operngeschichte des 19_Jahrhunderts_Verdi_und_Wagner -
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Zitat
Trobador, Troubadour, Trouvère
In der Romanistik unterscheidet man gemäß den ursprünglichen
altokzitanischen und altfranzösischen Bezeichnungen:
Trobadors, d. h. Dichter von Trobadordichtung speziell in der
altokzitanischen Literatursprache Südfrankreichs, in der auch
galicische, katalanische, gaskognische und italienische Dichter
Lieder verfassten.
Trouvères, d. h. Dichter in der altfranzösischen
Literatursprache Nordfrankreichs, die bzw. deren
anglonormannische Variante nach der Eroberung Englands durch die
Normannen zeitweise auch die Literatursprache der englischen
Oberschicht und ihrer Dichter war.
Das altfranzösische Wort trouvère kam mit dem Ausgang des
Mittelalters außer Gebrauch und wurde im Französischen seit dem
16. Jahrhundert durch die Lehnbildung troubadour ersetzt, die
dann okzitanische und nordfranzösische Vertreter gleichermaßen
bezeichnen konnte und seit dem 18. Jahrhundert mit dieser
erweiterten Bedeutung auch ins Deutsche übernommen wurde.
Mit dem Entstehen einer wissenschaftlichen Romanistik wurde die
fachsprachliche Bedeutung des Wortes troubadour / trobador
wieder auf die okzitanischen Vertreter der Trobadordichtung
eingegrenzt, wobei sich speziell in der deutschsprachigen
Romanistik seit einigen Jahrzehnten auch wieder die Rückkehr zu
der ursprünglichen okzitanischen Wortform „Trobador“ statt
„Troubadour“ durchgesetzt hat, während in Frankreich, in den
Niederlanden und in der englischsprachigen Literatur die
nordfranzösische Schreibweise „troubadour“ weiter vorherrscht.
Die deutschen Minnesänger werden normalerweise nicht als
„Troubadoure“ bezeichnet, sofern nicht kolloquial ganz allgemein
mittelalterliche Liederdichter ohne besondere Rücksicht auf ihre
Sprache gemeint sind.
In übertragener und dann meist ironisch gefärbter Bedeutung wird
„Troubadour“ manchmal auch für moderne Chansonniers oder
Schlagersänger gebraucht.
Zitatende - Stand 31.5.2026'
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Troubadour_(K%C3%BCnstler)
|

Minnesänger bei Verdi und Wagner
Antonio García Gutiérrez hatte mit seinem Drama ‘El trovador‘
(1836) die Grundlage für das spätere Opernlibretto geschaffen.
Die Handlung ist in Aragón zu Beginn des 15. Jahrhunderts
angesiedelt und verbindet historische Ereignisse mit den für die
Romantik charakteristischen Motiven von Liebe, Leidenschaft,
Rache, Familiengeheimnissen und tragischem Schicksal. Diese
Konzeption findet sich somit bereits in der literarischen
Vorlage für Verdis ‘Troubadour‘.
Der historische Hintergrund des Dramas ist die aragonesische
Thronfolgekrise nach dem Tod König Martins I., der 1410 ohne
legitime Nachkommen verstarb. Mehrere Prätendenten erhoben
Anspruch auf die Krone Aragóns, und noch während der
Verhandlungen, die 1412 im sogenannten Kompromiss von Caspe zur
Wahl Ferdinands I. führten, kam es zu bewaffneten
Auseinandersetzungen. Jakob II. von Urgell erkannte den
Schiedsspruch nicht an, stellte ein Söldnerheer auf und führte
Krieg gegen den neu gewählten König. Der daraus resultierende
Bürgerkrieg, der den politischen Hintergrund der Oper bildet,
endete bereits 1413 mit der Gefangennahme Jakobs von Urgell. Die
Handlung von El trovador beziehungsweise Il trovatore lässt sich
daher auf die Jahre 1412 bis 1413 eingrenzen.
Vor diesem Hintergrund stehen sich der Graf von Luna und der
Troubadour Manrico als Gefolgsleute rivalisierender politischer
Lager gegenüber. Ihre Gegnerschaft beschränkt sich jedoch nicht
auf den Konflikt um die aragonesische Krone, sondern wird durch
ihre gemeinsame Liebe zu Leonora zusätzlich verschärft. Die
Rivalität um ihre Gunst bildet einen zentralen Handlungsmotor
der Oper und verbindet die politische Ebene mit der persönlichen
Tragödie der Figuren.
Erst am Ende der Oper wird enthüllt, dass Luna und Manrico
Brüder sind. Der jüngere Bruder des Grafen, Garcia, soll als
Kleinkind von einer Zigeunerin verhext worden sein, woraufhin
diese als Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Aus Rache
entführte ihre Tochter Azucena das Kind mit der Absicht, es
ebenfalls zu verbrennen. In einem Anfall von Verwirrung warf sie
jedoch versehentlich ihren eigenen Sohn ins Feuer und zog den
geraubten Garcia fortan unter dem Namen Manrico als ihr eigenes
Kind auf. Diese Enthüllung verleiht dem Konflikt zwischen den
beiden Männern eine zusätzliche tragische Dimension und macht
die Oper zu einem exemplarischen Werk romantischer
Schicksalsdramaturgie.
Auch die Schauplätze der Handlung weisen teilweise konkrete
historische Bezüge auf. Die in der Oper erwähnte Feste Castellor
wird häufig mit der heute nur noch als Ruine erhaltenen Burg
Castillo el Castellar nordwestlich von Saragossa identifiziert.
Damit erhält die Handlung eine geografische Verankerung in jener
Region, die während der aragonesischen Thronfolgekrise
tatsächlich Schauplatz militärischer Auseinandersetzungen war.
Zur gleichen Zeit wie Verdi beschäftige sich Richard Wagner mit
dem Thema der Minnesänger mit Wolfram von Eschenbach und Walter
von der Vogelweide zur Zeit des Hermann von Thürigen.
Hierzu schuf er sich ein Libretto, das nur das Thema Liebe
behandelt, ein politischer Hintergrund wie bei Verdis Troubadour
ist nicht gegeben.

Quelle:
https://minnesang.com/saengerkrieg.html
Tannhäuser, Wagners 1845 in Dresden auf die Bühne gebrachtes und
damit uraufgeführtes Werk, Titelträger seiner romantischen Oper,
vertritt die von der Venus dargestellte leibliche Liebe, die
gegenübergestellt der von Wolfram von Eschenbach vertretenen und
zum Ausdruck gebrachten und von Elisabeth vertretenen
platonischen, durchgeistigten Liebe mit dem entsprechenden Text:
"Dir hohe Liebe töne begeisternd mein Gesang".
Wolfram
Blick ich umher in diesem edlen Kreise
Welch hoher Anblick macht mein Herz erglühn!
So viel der Helden, tapfer, deutsch und weise ‚
Ein stolzer Eichwald, herrlich, frisch und grün Und hold
und tugendsam erblick ich Frauen
Lieblicher Blüten düftereichsten Kranz
Es wird der Blick wohl trunken mir vom Schauen
Mein Lied verstummt vor solcher Anmut Glanz
Da blick ich auf zu einem nur der Sterne
Der an dem Himmel, der mich blendet, steht:
Es sammelt sich mein Geist aus jeder Ferne
Andächtig sinkt die Seele im Gebet
Und sieh! Mir zeiget sich ein Wunderbronnen
In den mein Geist voll hohen Staunens blickt:
Aus ihm er schöpfet gnadenreiche Wonnen
Durch die mein Herz er namenlos erquickt
Und nimmer möcht ich diesen Bronnen trüben
Berühren nicht den Quell mit frevlem Mut:
In Anbetung möcht' ich mich opfernd üben
Vergiessen froh mein letztes Herzensblut
Ihr Edlen möcht' in diesen Worten lesen
Wie ich erkenn der Liebe reinstes Wesen! [...]
|
|
Tannhäuser
0 Wolfram, der du also sangest
Du hast die Liebe arg entstellt!
Wenn du in solchem Schmachten bangest
Versiegte wahrlich wohl die Welt
Zu Gottes Preis in hoch erhabne Fernen
Blickt auf zum Himmel, blickt auf zu seinen Sternen!
Anbetung solchen Wundern zollt
Da ihr sie nicht begreifen sollt!
Doch was sich der Berührung beuget
Euch Herz und Sinnen nahe liegt
Was sich aus gleichem Stoff erzeuget
In weicher Formung an euch schmiegt
Ich nah' ihm kühn, dem Quell der Wonnen
In die kein Zagen je sich mischt
Denn unversiegbar ist der Bronnen
Wie mein Verlangen nie erlischt!
So, dass mein Sehnen ewig brenne
Lab an dem Quell ich ewig mich!
Und wisse, Wolfram, so erkenne
Der Liebe wahrstes Wesen ich! |
Quelle:
https://genius.com/Richard-wagner-blick-ich-umher-in-diesem-edlen-kreise-lyrics

In seiner 1868 uraufgeführten einzigen musikalischen Komödie
'Die Meistersinger von Nürnberg' nimmt Richard Wagner noch
einmal den Gedanken des Meistergesangs auf, bringt ihn aber nur
in Verbindung zur weltlichen Liebe, was es dem Meistersinger
Stolzing am Ende des Werkes sogar ermöglicht, eine weltliche
'Braut‘ – nämlich “mein einzig Kind zur Ehe“ die Tochter des
Goldschmied Kothner – zu erringen.
Der Vergleich zwischen Giuseppe Verdis Il trovatore und
Richard Wagners Tannhäuser ist der klassische Gegensatz
zweier Opernwelten.
Sie stehen beispielhaft für den italienischen Belcanto und das
deutsche Musikdrama.
·
Inhalt & Kernbotschaft:
o
Il trovatore
(1853): Ein hochemotionales Rache- und Liebesdrama im
mittelalterlichen Spanien. Es dominieren familiäre Konflikte,
Eifersucht, Hass und das Schicksal.
o
Tannhäuser
(1845): Ein philosophischer Kampf zweier Welten. Wagner
verhandelt den Konflikt zwischen der sündigen, irdischen Liebe
(Venusberg) und der reinen, erlösenden Liebe (Elisabeth).
·
Musikalischer Stil
o
Verdi fokussiert sich auf die menschlichen Emotionen. Der Gesang
steht im Mittelpunkt, getragen von mitreißenden Melodien,
markanten Rhythmen und dramatischem Ausdruck.
o
Wagner: Strebt nach dem "Gesamtkunstwerk". Orchester und Gesang
verschmelzen. Die Musik ist monumental, expressiv und nutzt
Leitmotivtechnik, um innere psychologische Prozesse
darzustellen.
·
Handlungsstruktur:
o
Il trovatore
springt in sprunghaften, extrem dramatischen Erzählschritten
voran, in denen die Vergangenheit (der Fluch und die geraubten
Kinder) eine ständige Bedrohung darstellt.
o
Tannhäuser
folgt einer kontinuierlichen, psychologisch tiefgehenden
Entwicklung von Erlösung und Schuld.

|
|
Erster Akt, erstes Bild
·
Nr. 1. Introduktion
o
Chor: Seid wachsam (Ferrando, Familiari,
Armigeri)
o
Racconto: Glücklich lebte einst ein Vater
(Ferrando, Chor)
Erster Akt, zweites Bild
·
Nr. 2. Cavatine der Leonora
o
Szene: Warum verweilst Du … (Ines,
Leonora)
o
Cavatine: Es glänzte schon das Sternenheer
(Leonora)
·
Nr. 3. Szene, Romanze des Manrico und Terzett
o
Szene: Rings tiefes Schweigen (Conte)
o
Romanze: Einsam steh' ich verlassen (Manrico)
o
Terzett: Gott, was seh' ich (Leonora,
Conte, Manrico)
Zweiter Akt, erstes Bild
·
Nr. 4. Chor und Canzone der Azucena
o
Chor: Seht wie die Wolken am Himmel ziehen
(„Zigeunerchor“)
o
Canzone: Lodernde Flammen! (Azucena)
o
Szene: Traurig ist dein Gesang (Zingari,
Azucena, Manrico)
·
Nr. 5. Erzählung der Azucena
o
Szene: Wir sind allein nun (Manrico,
Azucena)
o
Racconto: Die Hände in schweren Ketten (Azucena,
Manrico)
·
Nr. 6. Szene und Duett Azucena und Manrico
o
Szene: Ich bin Dein Sohn nicht … (Manrico,
Azucena)
o
Duett: Dass noch einmal sie erschiene
(Manrico, Azucena)
Zweiter Akt, zweites Bild
·
Nr. 7. Arie des Conte
o
Rezitativ: Alles ist stille (Conte, Ferrando)
o
Arie: Ihres Auges himmlisch Strahlen (Conte)
o
Tempo di mezzo: Qual suono! … oh ciel …
(Conte, Ferrando)
o
Cabaletta: Per me, ora fatale (Conte)
·
Nr. 8. Finale II
o
Chor: Ach, alle Qual des Lebens (Chor di
religiose)
o
Terzett: Warum in Tränen? (Leonora, Donne,
Conte)
o
O Gott, ist's nur ein schöner Traum?
(Leonora, Conte, Manrico, Donne, Ferrando, Seguaci)
o
Stretta Finale II: Urgel, lebe!
(Ruiz, Manrico, Conte, Leonora, Ferrando, Armati,
Seguaci)
Pause
Dritter Akt, erstes Bild
·
Nr. 9. Chor
o
Chor: In dem bunten Kampfgewühle (Armigeri,
Ferrando) „Soldatenchor“
·
Nr. 10. Szene und Terzett
o
Szene: Sie ist in seiner Macht (Conte,
Ferrando, Azucena, Chor)
o
Terzett: Dort verlebt ich trübe Stunden (Azucena,
Ferrando, Conte, Chor)
Dritter Akt, zweites Bild
·
Nr. 11. Arie Manrico
o
Szene: Hört ich nicht vorhin fernes Waffenklirren?
(Leonora, Manrico)
o
Arie: Dass nur für mich dein Herz erbebt (Manrico)
o
Tempo di mezzo: L’onda de’ suoni mistici
(Leonora, Manrico, Ruiz)
o
Cabaletta: Lodern zum Himmel seh' ich die Flammen
(Manrico, Leonora, Ruiz, Armati)
Vierter Akt, erstes Bild
·
Nr. 12. Szene und Arie Leonora
o
Szene: Hier sind wir, dort ist der Kerker
(Ruiz, Leonora)
o
Arie: In deines Kerkers tiefe Nacht
(Leonora)
o
Miserere: Hab' Erbarmen o Herr (Voci
interne, Leonora, Manrico)
o
Cabaletta: Nie ist noch in einem Herzen
(Leonora)
·
Nr. 13. Szene und Duett Conte und Leonora
o
Szene: Vernahmt ihr (Conte, Leonora)
o
Duett: Sieh meiner heißen Tränenflut
(Leonora, Conte)
o
Tempo di mezzo: Hör mich! … – Vergebens!
(Leonora, Conte)
o
Stretta und Duett: Befreit! … o
welche Seligkeit (Leonora, Conte)
Vierter Akt, zweites Bild
·
Nr. 14. Finale
o
Szene: Schläfst du o Mutter? (Manrico,
Azucena)
o
Duettino: Wenn du mich liebst … In
unsre Heimat kehren wir wieder (Azucena,
Manrico)
o
Szene: Gott, wen erblickt mein entzücktes Auge?…
(Leonora, Manrico)
o
Terzettino: O Gott, du schweigst? …
(Manrico, Leonora, Azucena)
o
Finalszene: Entferne dich… (Manrico,
Leonora, Conte, Azucena |
|

Fazit
Zitat
Richard Wagner und Giuseppe Verdi werden oft als absolute musikalische
Gegenpole dargestellt. Während Wagner für Mythos und monumentalen
Orchesterklang stand, prägten Verdis Werke die europäische Romantik mit
Fokus auf menschliche Konflikte und Realismus. Die
Deutsche Oper Berlin und die
Staatsoper Unter den Linden
pflegen beide das Erbe beider Giganten.
Dieser angebliche Gegensatz spaltete im 19. Jahrhundert die Opernwelt in
zwei Lager: Die Anhänger – die Wagnerianer und die Verehrer Verdis –
standen sich oft unversöhnlich gegenüber. Doch trotz dieser
Polarisierung waren sich die beiden Komponisten, die ja im selben Jahr
1813 geboren wurden und sich nie persönlich begegnet sind, in vielen
künstlerischen Zielen ähnlicher, als ihre Zeitgenossen wahrhaben
wollten.
Die Idee der "musikalischen Antipoden" fußt auf zwei sehr
unterschiedlichen Kunstauffassungen:
·
Richard Wagner sah die Oper als revolutionäres Gesamtkunstwerk, in dem
Dichtkunst, Musik und Malerei verschmelzen. Seine Musikdramen behandeln
thesenhafte, mythische Stoffe und nutzen weit auserzählte, groß besetzte
Klangwelten (Leitmotivtechnik)
·
Giuseppe Verdi fokussierte sich auf das Individuum, auf packende
Geschichten über Liebe, Verrat und Macht. Seine Figuren sind
realistischer, emotional zerrissener und vom Zeitgeschehen geprägt. Im
Zentrum steht bei ihm stets die menschliche Stimme und die dramatische
Kraft der Melodie.
Zitatende
Quelle: Nach einem Text von www.deutschlandfunk.de/wagner-oder-verdi-1-100.html

Die szenische und musikalische Gliederung des Werkes gibt den Willen der
Autoren wieder, der - zumindest szenisch in Hannover - ignoriert wird.
Unsere nachfolgenden Ergänzungen helfen der Nds. Staatsoper Hannover
GmbH, den Bildungsauftrag zu erfüllen, wäre man den Vorgaben gefolgt.
Erster Akt: „Il duello“ – Das Duell
Erste Szene:
Vorhalle im Schloss von Aliaferia
Zweite Szene:
Gärten des Schlosses
Zweiter Akt: „La gitana“ – Die Zigeunerin
Erstes Bild:
Eine verfallene Hütte
Zweites Bild:
Vorhalle eines Klosters in der Nähe von Castellor
Dritter Akt:
„Il figlio della zingara“ – Der Sohn der Zigeunerin
Erstes Bild:
Lager
Zweites Bild:
Saal neben der Kapelle von Castellor
Vierter Akt:
„Il supplizio“ – Das Hochgericht
Erstes Bild:
Ein Flügel des Schlosses von Aljafería
Zweites Bild:
Finsterer Kerker
Die szenischen Vorgaben der Autoren werden von der Nds. Staatsoper
Hannover weitestgehend nicht eingehalten.
Stattdessen zeigt man dem Publikum - wie bereits vermerkt - Unrat, der
weit über die Bühnenfläche verteilt ist und damit in Verbindung stehende
Interpretationsklimmzüge. Die Führung der Personen stimmt ebenfalls
nicht mit der Vorlage überein.
Dieses Ansatzes ansichtig werdend, strebten anlässlich der Premiere
eine Reihe von Zuschauern nach dem ersten Teil des Abends, in der Pause,
dem Ausgang zu, verpassten diese somit den zweiten Teil der
Angelegenheit,

Presseschau zum ‘Troubadour‘ in Hannover
Die Hannover’sche Allgemeine benutzte folgende ‘facts and figures‘ und
Stefan Arndt schrieb am 15. Juni 2026 auf Seite 23 zum ‘Troubadour‘ an
der NDS: Staatsoper Hannover:
Zitat
- Das Kettensägenmassaker
- Ein Baum wird umgelegt:
- Verdis ‘Troubadour‘ ist zurück an der Staatsoper Hannover
Luft nach oben: Szene aus Verdis ‘Troubadour‘ in der
Inszenierung
von Wolfgang Hägele
- Am Ende von Busses erster Spielzeit steht wohl auch dieser
‘Trouba
dour‘ beispielhaft für die gesamte Saison. Das ist aber nicht
unbedingt
ein Grund zum Jubeln.
- Die Erzählung von den ersten brutalen Ereignissen, mit der das
Stück
beginnt, inszeniert er als Fake News vor laufenden Kameras.
Später
ist an Choristen als fellbemützten Capitol-Stürmern und
kättensägen-
schwingenden Baritonen zu erkennen, wohin das führt. Trump,
Milei,
und Musk lassen grüßen.
Allerdings erscheinen diese Parallelen oft etwas mühsam
konstruiert. Wohl um die Kettensäge ins Spiel zu bringen, lässt
Nägele einmal einen riesigen Baum aus dem Schnürboden schweben.
(Bühnenbild Lisa Täßler). Dass der Stamm dann Leonora den Weg
ins Kloster versperrt, in das sie vor dem zudringlichen Grafen
Luna fliehen will, wirkt aber eher komisch als dramatisch.
Später erscheint der Baum dann noch einmal überraschend am
Bühnenhimmel. Auch die Bildschirme vom Beginn tauchen den Abend
über immer wieder auf wie Mahnmale für die eigentliche Bedeutung
der Inszenierung.
Denn im direkten Zusammenspiel der Figuren entsteht recht wenig
Spannung, weil alle immerzu mit anderen Dingen beschäftigt sind.
Wenn die Handlung sich dramatisch zuspitzt, wird mit Pistolen
herumgefuchtelt, wenn es um Liebe geht, wird an Blumen
genestelt. Und selbst, wenn gar nichts ist, wird betont hektisch
an künstlichen Zigaretten gesogen.
Nicht zum ersten Mal in dieser Saison sind viele klischeehafte
Operngesten zu sehen und wenig Aktionen, die echte Bewegung
auslösen.
Musikalische Verschiebungen.
Im ‘Troubadour‘ ist Verdis Musik besonders schlank, muskulös und
voller rhythmischer Energie. Dirigent Masaru Kumakura sucht auch
die klangliche Fülle darin. Das funktioniert an manchen Stellen,
entzieht dem Stück aber auch immer wieder Kraft. Zudem ist das
Geschehen im Orchestergraben und auf der Bühne häufig leicht
gegeneinander verschoben. Das nimmt gerade den spielstarken und
in sich homogenen Chören einiges von ihrer Wirkung.
Solistisch sind schöne Stimmen zu hören, aber nicht alle
erscheinen ganz passgenau zu ihren jeweiligen Partien. Den
meisten Beifall erhält am Ende Tenor Joseph Dahdah, der
wunderbar lyrisch singen kann. Die strahlende Härte, mit der
Verdi die Figur des Manrico auch ausgestattet hat, liegt ihm
etwas weniger. Christiana Oliveira tönt als Leonore stets sehr
frisch und jugendlich. Nur in der hier wichtigen tiefen Lage
wirkt ihr Sopran manchmal etwas flach. Bariton Grga Peroš
verleiht dem Grafen Luna auch eine weiche Seite. Silvia Bertram
ist eine volltönende, leidenschaftliche Azucena und Shavleg
Armasi als Ferrando ein souveräner Strippenzieher.
Zitatende |

|
Gerhard Eckels, am 14. Juni 2026 im ‘Opernfreund‘
Zitat
[...]
Das fängt schon damit an, dass Bühnenbildnerin Lisa Däßler eine
unwirtliche, von Krieg und Feuer gezeichnete Felsenlandschaft
auf die Bühne gestellt hat, in die sich im Laufe des Abends
verschiedene neue Räume hereinschieben. So spielt gleich die
erste Szene, in der Ferrando die entscheidende Vorgeschichte
erzählt, in einem Fernsehstudio. Hier wird offensichtlich eine
Rede Ferrandos (mit bewährter Bass-Gewalt Shavleg Armasi)
aufgenommen, der wie die Männer von Graf Luna in einheitlich
grauem Anzug mit roter Krawatte (wie der aktuelle Präsident in
den USA?) gekleidet ist (Kostüme: Irina Spreckelmeyer). Eine der
Albernheiten der Inszenierung ist hier das Mitschwenken der
roten Fähnchen im Rhythmus der Arie und der in Flammen
aufgehende Monitor.
[...]
Weitere Bezüge zur Gegenwart sind das triumphale Herumzeigen
einer grell-silbernen Kettensäge, wie sie vom argentinischen
Präsidenten Javier Milei Elon Musk zur Zerschlagung des
Staatsapparats übergeben wurde, und die abenteuerliche
Kostümierung des Herrenchors mit Kuhhörnern und
überdimensionalen Fellmützen, was auf den Sturm aufs Kapitol im
Januar 2021 hindeutete. Durchaus einleuchtend ist das von
Azucena konservierte Kinderzimmer Manricos, in dem sie ihm ihre
traumatische Geschichte erzählt. Zuvor gab es natürlich keine
„Zigeuner-Romantik“, sondern der Chor sang den Coro di
Zingari in Konzertaufstellung aus zuvor verteilten
Liedheften.
Zitatende
Quelle:
https://deropernfreund.de/staatstheater-hannover/hannover-il-trovatore-giuseppe-verdi/ |


Ludwig Baumann inszeniert 'Tosca'
|
Zitat
30 Jahre Oper auf Gut Immling
'Tosca' aus dem Bilderbuch
Nicht jede Oper muss neu gedacht werden. Mit einer konsequent
traditionellen "Tosca" beweist das Immling Festival zum
30-jährigen Jubiläum, dass ein Opernklassiker auch ohne große
Deutungsakrobatik begeistern kann, wenn Atmosphäre, Musik und
Spielort so stimmig zusammenfinden wie an diesem Sommerabend im
Chiemgau. [...]
Baumann wiederum macht keinen Hehl daraus, dass ihn weniger
psychologische Feinzeichnung als die großen Linien
interessieren.

Bildquelle: Mariella Weiss
Seine Figuren sind genau das, was man von ihnen erwartet. Tosca
ist die Diva, Cavaradossi der leidenschaftliche junge Held und
Scarpia das personifizierte Böse.
Das mag altmodisch wirken, besitzt hier aber Konsequenz, denn
diese Inszenierung versucht nicht, ihre Figuren gegen den Strich
zu bürsten, sondern nimmt sie so, wie sie geschrieben stehen.
Zitatende
Quelle:
https://www.br-klassik.de/aktuell/news-kritik/kritik-30-jahre-immling-festival-puccini-tosca-100.html
|



Thema des Tages
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Zitat
Musikwissenschaftler Nemtsov fordert Abkehr von
Wagner-Kanon bei Bayreuther Festspielen
Eine thematische Öffnung zu anderen Komponisten sei der
„einzige Weg“, die Festspiele langfristig zu erhalten
und mit demokratischen Werten in Einklang zu bringen,
sagte Nemtsov im Deutschlandfunk. Die Aufarbeitung der
Bayreuther Nazi-Vergangenheit und der antisemitischen
Gesinnung Richard Wagners werde bis heute nur
”halbherzig” betrieben, so der Musikwissenschaftler. Es
gehe dabei eher darum, „möglichst viel zu verdrängen und
zu verstecken, als aufzuklären“. Dies habe die Debatte
um die geplante Gedenkveranstaltung zum 150. Jubiläum
erneut gezeigt. Man müsse sich stattdessen damit
auseinandersetzen, dass Wagners Werk von dessen Weltbild
und antisemitischen Schriften nicht zu trennen sei,
erklärte Nemtsov.
Die Leiterin des Bayreuther Festivals, Katharina Wagner,
hatte eine für das erste Festspielwochenende geplante
Gedenkveranstaltung mit dem jüdischen Publizist Michel
Friedman unter Verweis auf „Sicherheitsbedenken“
zunächst auf unbestimmte Zeit verschoben. Nach scharfer
Kritik auch aus der Politik bat sie Friedmann nach einem
Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ um Entschuldigung,
die dieser auch angenommen habe. […].
Zitatende
Quelle:https://www.deutschlandfunkkultur.de/musikwissenschaftler-nemtsov-fordert-abkehr-von-wagner-kanon-bei-bayreuther-festspielen-100.html
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Richard-Wagner-Verband Ortsverband Chemnitz e. V.
Vorsitzender Matthias Ries-Wolff, Bauernweg 90, 09117 Chemnitz,
den 03.09.2026
RWV-Chemnitz@gmx.de
Liebe Mitglieder des Chemnitzer RWV,
in der letzten Augustwoche verstarb die Sopranistin Ileana
Cotrubas im Alter von 87 Jahren. Unvergessen bleibt sie als Mimi
in La Boheme oder als La Traviata in Erinnerung. Auch in der
aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Opernglas" wird sie
gewürdigt. Ich habe Zweifel, ob ihr dies gefallen hätte, denn
gerade in diesem Magazin wird dem Regietheater gehuldigt,
während sie doch mit ihrer Streitschrift "Opernwahrheiten" schon
1998 und völlig zutreffend mit den Intendanten ob ihrer
Unkenntnis und den Regisseuren aufgrund ihrer Absicht, Stücke zu
verfremden, hart ins Gericht ging. Genützt hat es nichts, wie
man leider immer wieder erleben muss. Aber vielleicht hat doch
das Gedenken an Ileana Cotrubas zum Umdenken in der Redaktion
dieser Zeitung geführt, denn viele Inszenierungen wurden in
Grund und Boden gestampft: Carmen bei den Salzburger Festspielen
(viele Kürzungen in der Partitur, zB Soldatenchor und
Kinderchor, dafür Hinzufügungen, zB Mutter von Don Jose, nackt),
Ariadne auf Naxos bei den Salzburger Festspielen ("Die aktuelle
Neuproduktion dürfte als Unsinnswurst in die Annalen der
Festspielgeschichte eingehen"), Entführung aus dem Serail an der
Staatsoper Berlin mit Bülent Ceylan als Osmin und Troubadour an
der Staatsoper Hannover
Die nackte Mutter von Don José im Finale in Salzburg hilft bei
der Überleitung. Aktuell macht die Staatsoper Hamburg Werbung
mit einem Plakat, auf dem ein nackter Mann an einem Baumstamm
hochgeklettert ist. Na, für welche Oper wird hier Werbung
gemacht? Macbeth von Verdi, die Inszenierung besorgt der
Hausherr selbst, Tobias K. In demselben Magazin wurde dessen
WALKÜRE an der Staatsoper München hochgelobt (Lachsalven und
spontaner Szenenapplaus nicht nur beim Walkürenritt, natürlich
mittels Videos vorbei an den touristischen Highlights von
München).
Konzentrieren wir uns auf das, was kommt, und hoffen auf gute
Inszenierung und noch bessere musikalische Umsetzung. Am Theater
Kiel kann man ab dem 19.09.2026 TANNHÄUSER erleben. Am
Staatstheater Kassel hebt sich am 19.09.2026 erstmals der
Vorhang für den FLIEGENDEN HOLLÄNDER. Dasselbe Stück können Sie
am 17.10.2026 im Theater an der Wien in einer Neuproduktion
erleben. Das großartige Schiff des HOLLÄNDERs fährt auch am
12.09.2026 wieder in Leipzig über die Bühne, dann mit Jordan
Shanahan in der Titelpartie. Am 03.10.26 gibt es WALKÜRE an der
Staatsoper Hamburg.
Ansonsten sieht es mau aus mit WAGNER auf deutschen Bühnen: An
der Staatsoper Wien kommt PARSIFAL am 25.03.2027 auf die Bühne.
Einen Tag später kann man PARSIFAL auch an der Semperoper
erleben. In Hannover wird es am 24.04.2027 eine Wiederaufnahme
von LOHENGRIN geben. Aber da können wir alle nicht hinfahren,
denn an demselben Tag hebt sich in Chemnitz der Premierenvorhang
für TANNHÄUSER. Vielleicht sollten Sie sich auch schon den
01.05.2027 notieren, denn an diesem Tag wird in Chemnitz die
sog. B-Premiere sein. Darüber wird später ausführlich zu
berichten sein...
Im Namen des Vorstandes grüße ich Sie sehr herzlich,
Matthias Ries-Wolff – Vorstandsvorsitzender
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Zitat
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Ersan Mondtag nennt das Salzburger Publikum nach den Buh-Rufen
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Unfähigkeit abtut, verwechselt künstlerischen Anspruch mit
Überheblichkeit – und verliert den Respekt
Friedman, Rienzi, Ring und Co. – eine Bayreuth-Bilanz
Peter Huth, ehemaliger Chefredakteur der Welt am Sonntag und
Kommunikationschef von Axel Springer, bespricht mit Axel
Brüggemann die erste Festspielwoche im Podcast von
BackstageClassical. Auch Nathalie Stutzmann, Michel Friedman
oder Katharina Wagner.
Warum fällt Hinterhäuser der Abschied so schwer?
Markus Hinterhäuser ist nicht mehr Intendant der Salzburger
Festspiele. Dennoch ist er allgegenwärtig. Der Streit um seine
Trennung wirft Fragen nach Transparenz auf – und nach der
Fähigkeit, ein Amt auch wirklich.
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Die Dirigentin Natalie Stutzmann und die Regisseurinnen
Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka haben in Bayreuth mit
ihrer Lesart von Wagners Rienzi begeistert – hier blicken sie
hinter die Kulissen und erklären Ihre Ansätze.
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betrachtet werden, sagt Biograf Wolfgang Rathert und fordert
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attestiert er dem Dirigenten Skrupellosigkeit in seiner
Karriere.
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Der KI-Ring in Bayreuth ist ein anstrengendes Unterfangen. Die
von Marcus Lobbes kuratierten Bilder erinnern an die Pionierzeit
der künstlichen Intelligenz. All das scheint nicht nur das
Publikum abzulenken.
Diktator sind wir alle
150 Jahre Bayreuth: Zwischen Festakt und Rienzi drehen die
Festspiele ihre eigene Geschichte durch den Necker-Würfel. Ein
Essay über Erinnerung, Macht, Populismus – und die Verantwortung
jedes Einzelnen.
Lieber Igor Levit,
Igor Levit und Danger Dan dürfen beim ZDF nicht auftreten – nun
stilisieren sie sich zum Opfer. So geht PR.
Zitatende
Quelle:
https://backstageclassical.com/die-neue-spiessigkeit/
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Foto: Nds. Staatsoper Hannover
Hinweis der Nds. Staatsoper Hannover GmbH
Pique Dame
Zitat
Oper von Pjotr Tschaikowski
Libretto von Modest Tschaikowski nach Alexander Puschkin
In russischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
„Und als der Schlaf ihn überwältigte, träumte er von Karten,
einem grün bezogenen Tisch, Bündeln von Geldscheinen
und Bergen von Goldmünzen.“
Alexander Puschkin
·
Es hätte eine dieser Liebesgeschichten mit Hindernissen werden
können: Hermann ist heimlich in Lisa verliebt, sie hat auch
Gefühle für ihn – wenn nur der Fürst nicht wäre, den Lisa schon
bald heiraten soll. Aber Hermann hat noch ein weiteres Problem,
denn er, der über keinerlei finanzielle Mittel verfügt,
empfindet sich als absoluter Außenseiter in einer Gesellschaft,
in der allein das Geld entscheidet, ob man dazugehört.
·
Da stößt Hermann auf ein Geheimnis. Lisas Großmutter, genannt „Pique
Dame“, weiß angeblich, welche Kartenkombination im Glücksspiel
unfehlbar zum Gewinn führt. Doch um das Geheimnis zu erfahren,
muss jemand sterben. Wie weit ist Hermann bereit zu gehen? Über
dieser Frage verliert er Lisa und seine gesamte Umwelt mehr und
mehr aus dem Blick …
·
Pjotr Tschaikowski hat seine vorletzte Oper Pique Dame bei einem
Florenz-Aufenthalt im Jahr 1890 innerhalb von nur 44 Tagen wie
im Fieber niedergeschrieben. Das Ergebnis: eine Musik, die
geradezu birst vor Spannung und Expressivität, die rauschhaft
und überbordend abwechslungsreich ist, die mitfühlt mit den
Hauptfiguren der Geschichte, aber auch den Blick in die Abgründe
einer von Obsessionen und Wahnvorstellungen gequälten Seele
nicht scheut. Regisseur Roland Schwab folgt Hermann bei seiner
verzweifelten Suche nach dem Glück und wirft zugleich ein
grelles Licht auf eine Gesellschaft, für die Hermanns drohender
Absturz nichts weiter als ein amüsant-schauriges Schauspiel
darstellt.
Zitatende
Quelle: https://staatstheater-hannover.de/de_DE/programm/pique-dame.1399071&event_date=17996676 |
Nicht vergessen werden sollte die Tatsache, dass der vom Herrn
Geschäftsführer der Nds. Staatsoper Hannover GmbH als Regisseur
verpflichtete Roland Schwab einen ‘Lohengrin‘ in Salzburg in den Sand
setzte.
Hier unsere damaligen Bemerkungen:
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'Lohengrin' in Salzburg
‘Bruchlandung‘

Screenshot
Salzburger Landestheater Bildquelle: © Anna-Maria
Löffelberger/
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Zitat
Lohengrin
Richard Wagner
Romantische Oper / Dichtung vom Komponisten
Premiere: 2.11.2019 / Felsenreitschule
Inhalt
Die Legende um den Heiligen Gral, um etwas
geheimnisumwoben Hoheitsvolles, hatte es Richard
Wagner angetan. Im Wagnerschen Mythen-Universum,
das zwar von Legenden und historischen
Begebenheiten inspiriert ist, und dennoch ein
eigenständiges „Raum-Zeit-Gefüge“ entwirft, ist
Lohengrin der Sohn des Gralskönigs Parsifal, der
in der fernen Burg Montsalvat residiert.
Lohengrin erscheint als „strahlender
Schwanenritter“ im Herzogtum Brabant, um einer
bedrängten, jungen Frau und Reichserbin – Elsa –
aus der Patsche zu helfen. Sie ist des
Brudermordes angeklagt, aber unschuldig.
Allerdings darf niemand von Lohengrins Herkunft
wissen. Nicht einmal nach ihrem Namen darf die
edle Gestalt gefragt werden. Wenn es doch jemand
wagt, muss der Gralsritter, so will es die
Vorsehung, die unwürdige Gesellschaft wieder
sich selbst überlassen.
Dass sich daraus Konflikte ergeben, liegt nahe.
Die einen sind entzückt von Lohengrins
überirdischer Erscheinung, die sie ohne weiteres
an einen Gottgesandten glauben lässt. Die
anderen vermuten einen bösen Zauber hinter der
Lichtgestalt. Und Elsa – zwischen Glauben und
Zweifel hin- und hergerissen – steht dazwischen.
Letztlich führt ihre Neugier in die Katastrophe:
Noch im Brautgemach stellt Elsa die verbotene
Frage…
[…]
In deutscher Sprache mit deutschen und
englischen Übertiteln
Dauer: 4 h 30 min/ 2 Pausen (1. Akt 60 min / 2.
Akt 90 min / 3. Akt 70 min)
Werkeinführung:
30 min vor Beginn
Besetzung
Musikalische Leitung
Leslie
Suganandarajah
Inszenierung
Roland Schwab
Bühne
Piero
Vinciguerra
Kostüme
Gabriele
Rupprecht
Musikalische Einstudierung
Wolfgang Götz
Musikalische Assistenz Gabriel Venzago
Musikal. Einstudierung Chor Ines Kaun, Walter
Zeh
Korrepetition Eunjung Lee,
Iwan Davies
Dramaturgie
Sherin Sorour
Lohengrin
Benjamin Bruns
Heinrich der Vogler
Pavel Kudinov
Elsa von Brabant
Jacquelyn Wagner
Friedrich von Telramund
Alexander Krasnov
Ortrud
Miina-Liisa Värelä
Khatuna Mikaberidze
Der Heerrufer des Königs
Raimundas Juzuitis
Gottfried N. N.
Vier Brabantische Edle Chong Sun,
Franz Supper, Min-Yong Kang,
Alexander Hüttner,
Yevheniy Kapitula
Samuel Pantcheff, Manuel Millonigg,
Emmanouil Marinakis
Vier Edelknaben
Hazel McBain,
Tamara Ivaniš,
Anne-Fleur Werner,
Zsófia Mózer, Mona Akinola
Chor und Extrachor des Landestheaters und
Philharmonia Chor Wien
Orchester
Mozarteumorchester Salzburg
Zitatende
Quelle: https://www.salzburger-landestheater.at/ |
Besuchte Vorstellung: 24. November 2019
Resümée:
„… wer nicht fragt, bleibt dumm.“
Elsa verlangt nach Wissen. Der Glaube, jener
vermaledeite Zwilling des Zweifels, reicht ihr nicht
länger. Und dann kommt er tatsächlich, der
Weihnachtsmann. Der, von dem alle sagen, es gäbe ihn
nicht. Als Lametta-Prinz steigt er hernieder, so hehr,
so rein, so unbegreiflich, dass er gar nichts anderes
sein kann als nur eine Projektion, eine Utopie, ein
Gegenentwurf zum ird’schen Jammertal.
Belastbare Fakten bitte! Belege, Beweise, Bestätigungen.
Die rauchenden Trümmer eines zerschellten Flugzeugs –
Inbegriff der CO2-Schleuder schlechthin – markieren in
dieser insgesamt beachtlichen Produktion des Salzburger
Landes-theaters, End- und Wendepunkt einer Zivilisation.
Das Volk der Brabanter nutzt das Wrack als Kultraum für
seine seltsamen Riten. Es verfällt umnebelt vom Wabern
des brennenden Kerosins als apathische Masse in
kollektive Trance und torkelt benommen durch die
pittoreske Absturzstelle, es zelebriert den Untergang
mit Glanz- und Glamour-Partys, die in der extravaganten
Kulisse des Morbiden und des Verfalls absurd überhöht
anmuten.
Erstaunlich: Die Koordination zwischen dem
Orchestergraben und den Akteuren auf der 40 Meter
breiten CinemaScope-Bühne der Felsenreitschule klappt
bis auf wenige Momente ganz vorzüglich. GMD Leslie
Suganandarajah führt wach und mit Umsicht durch die
Partitur, ihm gelingt eine sorgsam ausgewogene Balance
zwischen dem Mozarteumorchester Salzburg, dem
aufgestockten Chor (Chor und Extrachor des Salzburger
Landestheaters sowie der Philharmonia-Chor Wien;
Einstudierung: Ines Kaun und Walter Zeh) und der
Sängerriege.
Als blinder König Heinrich lässt sich Bassist Pavel
Kudinov durch die verwüstete Stätte führen, ein
überforderter Monarch, dem die Zügel entglitten sind,
sichtlich am Ende seiner Kräfte. Auch stimmlich stößt
Kudinov an seine Grenzen. Der Riesenraum der
Felsenreitschule stellt ungleich höhere Anforderungen
als die Puppenstuben-Bühne am Makartplatz.
Unschön und unnötig: Raimundas Juzuitis als
Heerrufer forciert derart, dass sein Bassbariton
unangenehm ins Schlingern, in weit ausladendes
Schlackern gerät. Weniger wäre mehr, zumal Juzuitis auch
szenisch penetrant agiert, übertrieben mit dem (Kendo-)Schwert
fuchtelt, grimassiert und – warum bitteschön? – ohn'
Unterlass wie ein Lemur, wie ein Zombie durch die Szene
stolpert.
Ganz anders Alexander Krasnov, der sich aus einem
schier unerschöpflichen Reservoir bedienen kann.
Stimmlich und darstellerisch ist sein Telramund ein
Kerl, ein Muskelprotz, ein Supermann, der seine
stärksten Momente hat, wenn sein Ego angekratzt ist,
wenn seine Schwäche offen zu Tage tritt. Düster und
gefährlich lauernd gestaltet der exzellente
Heldenbariton seine Rolle als Zu-kurz-Gekommener,
präsent, voll- und wohltönend. Problemlos gelingt ihm
der Spagat zwischen auftrumpfender Kraftmeierei und
Gebrochenheit, aus der schließlich als weiterer
Charakterzug das Diabolische züngelt, nihilistisches
Schwarz.
Das reine Weiß, das glänzend Reine gehört dem
Frauenversteher, es ist Lohengrin vorbehalten, dem
vermeintlichen Rivalen Telramund, dem Schwanenritter.
Wie ferngesteuert stakst Benjamin Bruns durchs
Trümmerfeld. Ein Mann ohne Mimik, kalt, gleich einem
Roboter, wie programmiert, wahrlich nicht von dieser
Welt – im brabantischen Chaos der Salzburger
Felsenreitschule ein Fremdkörper allemal. Respekt:
Wacker stemmt Bruns die schwere Partie, teilt klug seine
Kräfte ein und demonstriert bei aller tenoralen Kraft
lyrischen Klangzauber. Im letzten Jahr noch Steuermann
im Fliegenden Holländer bei den Bayreuther
Festspielen, erwächst hier Klaus Florian Vogt ein ernst
zu nehmender Konkurrent. Über gelegentliche
Unsicherheiten in der Höhe kann man getrost hinwegsehen,
hervorragende Diktion, saubere Intonation und ein
angenehm metallisches Timbre weisen diesen Lohengrin als
buchstäblich jenseitig aus. Möge Bruns' Management ihn
vor zu vielen, zu frühen und zu schweren Aufgaben
bewahren und seinen Tenor in Ruhe reifen lassen! Auf
Siegfriede, Tristan und Otello warten wir da gerne noch
ein paar Jahre.
Eine Bilderbuch-Elsa ist Jacqueline Wagner, edel
von Gestalt und beseelt im Spiel. Ihrem blitzsauber und
schlank geführten jugendlich-dramatischen Sopran –
fraglos von wunderbarem Timbre – fehlt es leider an
Volumen, ein Haus wie die Felsenreitschule zu füllen.
Vor allem in den Ensembles kommt es so zu einem krassen
Missverhältnis.
Schwer zu sagen, warum der Charakter der Ortrud – die
eigentliche Antagonistin dieses Musikdramas – in dieser
Produktion nicht zu überzeugen weiß. Miina-Liisa
Väreläs Sopran lässt an Dramatik und Tiefgründigkeit
zu wünschen übrig, beides aber ist für diese Partie
unerlässlich. Zum anderen wirkt Värelä wie von der Regie
im Stich gelassen. Hier ist sie nicht die Strategin, die
souverän alle Fäden des Ränkespiels in Händen hält und
die Katastrophe heraufbeschwört, indem sie „gefühlte
Wahrheiten“ infrage stellt und so – nolens volens –
Weiterentwicklung und Fortschritt initiiert. In Salzburg
bleibt sie merkwürdig blass und eindimensional, wird
reduziert auf die kleine hämisch grinsende
Pausenhof-Intrigantin, das Krokodil im Kasperletheater,
vor dem die Kinder ihren Helden lautstark warnen, sobald
es seine Schnauze zeigt.
Spekulation bleibt, warum sich Spielleiter Roland
Schwab für seine reichlich konventionell herunter
erzählte Deutung des Wagner-Dramas von Bühnenbildner
Piero Vinciguerra ein derart beliebiges (wenngleich
atemberaubendes) Setting bauen lässt. Das metaphorisch
aufgeladene Bild eines Flugzeugwracks mag für so vieles
stehen. Warum es aber ausgerechnet das Symbol einer
Gesellschaft sein soll, die nicht erlöst, sich nicht
verändern und nicht weiter entwickeln will, bleibt
unerfindlich.
Wozu der Aufwand?
Warum kein havariertes Kreuzfahrtschiff als
Schwanersatz?
Egal!
Sieht unfassbar spektakulär aus, sorgt für
Gesprächsstoff, garantiert ein gutes Bild in den
Gazetten, Aufmerksamkeit. Ein Triumph der
Theaterwerkstätten! „So fühlt man Absicht, und man ist
verstimmt.“ Hier ist es zufällig der Lohengrin,
für den der demolierte Flieger als Schauplatz dient.
Klappt gleichermaßen gut mit Antigone, König
Lear, Dido und Aeneas, Die verkaufte Braut – wurscht!
Ein toller Rahmen halt – anything goes! Just hier
offenbaren sich Schwabs konzeptionellen Ungereimtheiten
und Mängel. Der Kampf zweier Prinzipien, die Diskrepanz
zwischen blindem Vertrauen und dem Hinterfragen von
Dogmen, interessiert ihn nur am Rande. Bei Schwab hat
sich die Katastrophe weit vor dem ersten Ton des
Vorspiels ereignet, lange bevor der erste Zuschauer
seinen Platz im Auditorium der Felsenreitschule
einnimmt.
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Einschub!
Hätte man die Szenerie in eine
Mitgliederversammlung oder einen Parteitag
gelegt, bei dem die Genossen oder sonstige nach
einem Parteivorsitzenden suchen und sie
erkennen, dass der plötzlich Herbeigeschwommene
zu 100 Prozent der Richtige und auch der
Kanzlerkandidat ist, dann aber bei
Koalitionsverhandlungen sich herausstellt,
„lieber nicht regieren als schlecht regieren“,
der Erkorene wieder abreist,
dann hätte man sich das notgelandete und dabei
zerschellte Flugzeug als aufwändigen
Bühnenaufbau sparen können, es wird ja nach
Abspielen des Stückes doch vernichtet und für
das Publikum wäre die Malaise der Bewohner
dieses Landstrichs viel eher nachvollziehbar
gewesen. |
Ohne Garderobe im H&M-, Peek-&-Cloppenburg-, Zara- oder
Garry-Weber-Chic, so scheint es, kommt aktuell wohl
keine Produktion aus. Streetwear, Pailletten-Kleider und
die schlichten Anzüge von Gabriele Rupprecht
hieven das Geschehen ins Heute.
Der Vormarsch der Kreationisten und evangelikaler
Strömungen in Europa, der sich als nachvollziehbare
Folie für eine szenische Interpretation des Lohengrin
anböte, bleibt ungenutzt.
Dabei: In roten Neon-Lettern steht unentwegt und mehr
oder minder leuchtend das Wort „GLAUBEN“ über der
Szenerie.
Statement? Aufruf? Tut weiter nichts zur Sache.
Auch dies nur Detail – eine beliebige Idee.
Irgendwie chic, Futter für all jene im Zuschauerraum,
die sich zur Intelligenzija zählen.
Denkt doch, was ihr wollt!
Euch wird schon eine plausible Erklärung einfallen.
Der Verrat am Heilsbringer, der – zumindest bei Wagner,
der für seine revolutionären Hoffnungen, seinen Glauben
an die Möglichkeit einer Befreiung der Menschheit in
Dresden auf die Barrikaden gegangen war – trotz
Kollateralschäden so etwas wie eine neue Ordnung
bewirkt, wirkt simpel hin inszeniert. Steht ja so im
Textbuch! Greift aber nicht, wenn man Ortrud
buchstäblich zur Nebenfigur herabstuft und Zigarette
rauchend an den finsteren Rand der Bühne verbannt.
Wer nicht fragt, bleibt dumm, wer zweifelt, denkt
weiter.
Gewiss: Schwab versteht es, die Solisten und den Chor zu
motivieren, zu führen und zu empathischem Spiel zu
animieren, er schafft atmosphärisch dichte Bilder und
bezieht geschickt die Felsenarkaden ins Spiel mit ein.
Großer Anteil am ästhetischen Gesamteindruck gebührt
Lichtdesigner Richard Schlager.
Ja, „Regie-Einfälle“ gibt es auch!
Aber keine Taube, keinen Schwan. Erwartet ernsthaft auch
niemand. Wird einfach imaginiert, wenn die Inspiration
der Regie kein treffendes Bild dafür zu liefern im
Stande ist.
Stattdessen: Schwanendaunen, die Lohengrin über dem
Brautbett aus seiner Faust schneien lässt, eine
Stehlampe, die zur tödlichen Waffe wird, Klein-Gottfried
mit Papierflieger, der den Traum vom klimaschädlichen
Fliegen weiter träumt, und, kaum zurückgebeamt ins
Brabanterland, auch schon jäh des Todes ist.
Mein lieber Schwan!
Fazit:
Eine Produktion von hohem Schauwert mit eigenwilliger
Ästhetik, in letzter Konsequenz aber mutlos und
konzeptionell unausgegoren. Musikalisch eine durchaus
geglückte Aufführung von sängerisch allerdings höchst
unterschiedlichem Niveau.
Der Daumen zeigt nach oben. Viel wunderschöner Lärm um
wunderschönes Nichts bleibt insgesamt doch wunderschön.
Und Lärm und Nichts.
Zitatende
Quelle:
https://telezeitung-online.de/Thema_des_Tages_24._November_2019_%27Lohengrin_in_Salzburg.htm
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In Erinnerung geblieben sind - im positiven Sinne - die Inszenierungen
an der Oper Köln von Gustav Noelte, die wie folgt kommentiert wurde:
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@annerosekirchner2145
vor 6 Monaten
Martha Mödl - großartig. Man versteht jedes Wort. Sehr
beeindruckend.
@AfroPoli
vor 2 Jahren
A very competent performance. Thanks for posting.
@Dylonely_9274
vor 11 Monaten
Masterpiece of music.
@pauldesheiligen
vor 2 Jahren
I loved this production, which I only heard and saw very
limitedly because I was working at the same time, but Mödl is
really a Countess to be reckoned with, she reminded me of my
grandmother, she was just like that. And Kollo's Hermann... so
deep in his passion, so lost in it.
What a performance!
@connyzorn562
vor 1 Jahr
René Kollo singt großartig und spielt dazu auch noch
fantastisch!
@geor-5459
vor 2 Jahren
Замечательная постановка!
@tatianabubnova1421
vor 1 Jahr
ЗАМЕЧАТЕЛЬНАЯ ВЕРСИЯ. Сцена с призраком потрясающая.
@Isolde227
vor 8 Monaten
Thanks so much for posting, and in this great upscaled quality!
Rene Kollo was a favourite of mine (before I discovered Jonas
Kaufmann, but he doesn't do Tchaikovsky unfortunately.
@МатвейВрункель
vor 2 Jahren
Блестящий
спектакль,
и
даже
немецкий
язык
не
раздражает.
И
все
исполнители,
особенно
такой
колоритный
Томский.
@Skidoo22
vor 2 Jahren (bearbeitet)
The greatest opera ever composed, shame about the cuts in this
production though.
@BenEmberley
vor 1 Jahr (bearbeitet)
Such a shame Victor Braun never sang at Bayreuth. He made a
brilliant Wolfram, which can be heard in Solti's 1970 recording,
which stars Rene Kollo in the title role.
@josedilneifreitas4487
vor 1 Jahr
Lamentável não seja no idioma original
@petergiljum
vor 2 Jahren
@LiDrLin
vor 2 Jahren
Wunderbar! Very very high level! ausgezeichnet!
@alexanderthomas6463
vor 2 Jahren (bearbeitet)
2:25:02 Не дали Герману застрелиться, - молодцы ребята!
Вывели его под белы ручки из игорного дома...
@jvdesuit1
vor 10 Monaten (bearbeitet)
A total nonsense to translate in German an opera composed in
Russian with a music fitting with the russian pronounciation and
rythme. it distroys all the effect of Modl superb acting. See
the performance in Wien for Moedl 80th birthday.and fantastic
directed by Ozawa and the Vienna stadtsoper orchestra. Herman
Vladimir Atlantov Liza - Mirella Freni Countess - Martha Mödl
Pauline - Vesselina Kasarova Yeletzky - Vladimir Chernov Tomsky
- Sergei Leiferkus Governess - Anna Gonda Chaplitsky - Franz
Kasemann Masha - Yvette Tannenberg Surin - Rudolf Mazzola (bass)
Chekalinsky - Wilfried Gahmlich (tenor) Narumov - Peter Koeves
@아라리-c8h
vor 2 Jahren (bearbeitet)
4:35
Act 1
1:00:51
Act2
1:04:50
1:42:19
Act3
1:55:00
2:12:07
@ЛидияЛаврецкая
vor 1 Jahr
Графиню
разве
сравнить
с
Образцовой?
@геннадийбормотов-щ3и
vor 2 Jahren
Wo ist pastoral ? Das ist № 1
@ЛидияЛаврецкая
vor 1 Jahr
Почему не по русски?

Und die Kuperfer‘sche – Pique Dame-Inszenierung an der
Komischen Oper Berlin.
Oper in drei Akten (sieben Bildern)
Dichtung von Modest I. Tschaikowsky
nach der gleichnamigen Erzählung von Alexander S. Puschkin
Deutsch von Wolf Ebermann und Manfred Koerth; Mitarbeit:
Horst Seeger
Premiere an der
Komischen Oper Berlin am 18. Mai 1997
Musikalische Leitung: Yakov Kreizberg
Inszenierung: Harry Kupfer
Kostüme: Eleonore Kleiber
Bühne: Hans Schavernnach
Licht: Franck Evin
Choreinstudierung: Peter Wodner
Hermann - Günther Neumann
Graf Tomski - Roger Smeets
Fürst Jeletzki - Raimund Nolte
Tschekalisnki - Daniel Kirch
Surin - Johannes Schmidt
Narumow - Bernd Grabowski

Gräfin - Anny Schlemm
Lisa - Sabine Paßow
Polina - Christiane Oertel
Mascha - Barbara Sternberger
Gouvernante - Christiane Bach-Röhr
Klaviersolo: Wolfgang Singula
Orchester der Komischen Oper Berlin
Chor der Komischen Oper Berlin
Statisterie, Mitglieder des Kinderstudios
Hierzu meinte die Kritik damals folgendes:
Vorzügliche Spieleroper an der Komischen Oper
Berlin
Ein Abend der großen Anny Schlemm als Gräfin. Sie verkörpert
großartig die Schreckensfigur der alten Dame, die den armen
Soldaten Hermann magisch anzieht - nicht nur, weil sie ihrer
lieblichen Enkeltochter Lisa ähnelt, sondern w eil sie das
Geheimnis der drei Karten "Drei Karten, Drei Karten, Drei
Karten..." kennen soll, mit denen der totale Spielgewinn möglich
ist.
Sie stirbt, bevor sie preisgeben kann, ob sie das Geheimnis
wirklich weiß. Doch Hermann ist bereits so sehr vom Spielwahn
gefangen, daß er die Lösung imaginiert und natürlich fast
gewinnt - aber am Ende um so tiefer hinabst&uu ml;rzt ins Dunkel
der Schuld, des Unglücks, der Leidenschaften.
So wie er hin- und hergerissen ist zwischen Spielgewinn
als Mittel, sich der Liebe zu Prinzessin Lisa würdig zu erweisen
und Spiel als Selbstzweck, ist Lisa hin- und hergerissen,
ob sie diesem starr und wirr blickenden jungen Hauptmann glauben
soll, daß er sie wirklich liebt.
Ein Abend des großen Inszenators Harry Kupfer. Mit viel
Theaterdonner und Bühnentechnik wird ein Feuerwerk der
Inszenierungskunst abgebrannt. Die Figuren stehen da, wo sie
stehen müssen, Massenszenen (die die Oper wohl Hofoperndirektor
Wse woloshski "verdankt") werden über das Bild geschoben. In
allem Ausstattungsreichtum wird die Gesellschaft als
mechanistisch und unbeseelt decouvriert. Hermanns Wahn und Lisas
Zweifel dagegen: Das ist das Leben, auch wenn es unerträglic h
ist.
Gefeiert vom Publikum wurde vor allem Anny Schlemm als
grantelnde Alte. Begeisternd auch die Hauptfiguren: Sabine Paßow
und Günter Neumann. Yakov Kreizbergs führt das Orchester der
Komischen Oper in die Tiefen der Partitur und wieder sicher
hinaus; leitet die Sänger und die vorzüglich einstudierten Chöre
engagiert und ebenso aufmerksam. Eine Spitzenleistung!
|

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Tschaikowskijs heute nach Eugen Onegin zweitpopulärste Oper
begeistert vor allem durch ihre schiere Größe: Gekonnt wechselt
in Pique Dame die Stimmung von großer, repräsentativer Chor- und
Ensembleoper hin zu psychologischen Kammerspielszenen. Dabei
trifft der Glanz einer mondänen Elite auf das Elend des
vogelfreien Proletariats. Puschkins kurze Novelle wurde für
Pjotr und Modest Tschaikowskij zum Ausgangspunkt für ein
musikalisch-dramatisches Psychogramm der beiden Hauptfiguren
Hermann und Lisa, die in ihrer fatalistischen Hoffnungslosigkeit
und ihrem scheiternden Streben nach Freiheit verbunden sind. Der
Protagonist Hermann ist als gesellschaftlich Ausgegrenzter nicht
nur Identifikationspol der homosexuellen Tschaikowskji-Brüder,
seine Tätigkeit als Militäringenieur rückt ihn auch in die Nähe
des Vaters der beiden, Ilya Petrowitsch Tschaikowskji.
Der dem Glücksspiel verfallene Hermann liebt Lisa, die sich nach
Selbstbestimmung sehnt, aus reichem Hause stammt und in Obhut
ihrer kontrollsüchtigen Großmutter, der Gräfin, wohnt. Der
Gräfin selbst wird nicht nur eine aufsehenerregende
Vergangenheit in der Pariser High Society nachgesagt, um sie
rankt sich auch die ominöse Geschichte eines Kartengeheimnisses,
das allen Eingeweihten Spielglück garantieren soll und ihr den
Spitznamen „Pique Dame“ eingebracht hat. Als der mittellose
Hermann davon erfährt, glaubt er darin den Weg aus seinem Elend
gefunden zu haben und die Obsession um das Mysterium der „Drei
Karten“ nimmt ihren Lauf.
Erstmals inszeniert der britische Regisseur Sam Brown an der
Deutschen Oper Berlin. Basierend auf der durch seinen 2021
tragischerweise verstorbenen Freund und Regiekollegen Sir Graham
Vick angelegten Ausstattung fördert Brown die Schattierungen und
Ambiguitäten des hochdramatischen Opernstoffs zutage. Sein
Konzept stellt Fragen an das Stück, die bewusst offengelassen
werden sollen: Liebt Hermann Lisa oder ist sie bloßes Werkzeug
für ihn? Ist Lisa ein wehrloses Opfer oder sieht sie in Hermann
eine Möglichkeit, aus dem goldenen Käfig auszubrechen? Existiert
das mysteriöse Kartengeheimnis wirklich oder ist es nur ein
Märchen und Wahn Hermanns?
Quelle:
https://www.omm.de/Berlin/opern/kritik/ko-pique-dame.html
|

Besonders herauszuheben ist die Produktion der Wiener Staatsoper mit

Peter Tschaikowwski war sich nicht selbst überlassen. Modest Iljitsch
Tschaikowski (1850–1916) war ein russischer Dramatiker, Librettist,
Übersetzer und der jüngere Bruder des Komponisten Pjotr Iljitsch
Tschaikowski.
Er und Anatol waren als Zwillinge die jüngeren Brüder des Komponisten.
|
Die Zusammenarbeit von Geschwistern bei der Entstehung einer
Oper stellt in der Musikgeschichte eine vergleichsweise seltene
Konstellation dar. Ein bedeutendes Beispiel hierfür bildet die
Kooperation zwischen dem Komponisten Peter Tschaikowsky und
seinem Bruder Modest Tschaikowsky, der als Librettist an den
Opern Jolanthe und Pique Dame mitwirkte. Das
erfolgreiche Zusammenwirken beruhte sowohl auf einer engen
persönlichen Bindung als auch auf einer weitgehenden
Übereinstimmung ihrer künstlerischen Vorstellungen.
Peter Tschaikowsky verband mit seinem etwa zehn Jahre jüngeren
Bruder Modest eine besonders enge lebenslange Beziehung. Nach
dem frühen Tod ihrer Mutter, als Modest und dessen
Zwillingsbruder Anatolij vier Jahre alt waren, übernahmen Peter
und seine Schwester Alexandra wesentliche Fürsorgeaufgaben für
die jüngeren Geschwister. Diese familiäre Situation prägte das
Verhältnis zwischen Peter und Modest nachhaltig.
Modest orientierte sich in vielfacher Hinsicht an seinem älteren
Bruder. Wie Peter besuchte auch er die Petersburger
Rechtsschule, zeigte jedoch zugleich eine ausgeprägte Affinität
zu den intellektuellen und künstlerischen Kreisen der Bohème.
Darüber hinaus übernahm er zahlreiche Vorlieben und
Verhaltensweisen seines Bruders. Eine weitere Gemeinsamkeit
bestand in ihrer homosexuellen Orientierung. Im Alter von
vierzehn Jahren erfuhr Modest durch seinen Zwillingsbruder
Anatolij von Peters Homosexualität. Während diese Information
Anatolij schockierte, empfand Modest sie als entlastend, da sie
ihm die Gewissheit vermittelte, mit seiner eigenen sexuellen
Orientierung nicht allein zu sein.
Peter Tschaikowsky forderte seinen Bruder zunächst wiederholt
dazu auf, seine Gefühle im Einklang mit den gesellschaftlichen
Normen seiner Zeit zu kontrollieren. Diese Haltung entsprach
seinem eigenen Bemühen, nach außen hin den zeitgenössischen
Erwartungen zu entsprechen. Im späteren Verlauf seines Lebens
entwickelte er jedoch einen weniger strengen Umgang sowohl mit
seiner eigenen als auch mit der sexuellen Identität seines
Bruders.
Neben seiner literarischen Tätigkeit erwarb sich Modest
Tschaikowsky einen hervorragenden Ruf als Pädagoge. Insbesondere
seine erfolgreiche Förderung eines gehörlosen Jungen führte
dazu, dass er als Experte auf dem Gebiet der Gehörlosenpädagogik
anerkannt wurde und ihm die Leitung einer Taubstummenschule
angeboten wurde. Peters anfängliche Skepsis gegenüber den
literarischen Fähigkeiten seines Bruders wich im Laufe der Zeit
einer wachsenden Anerkennung.
Besondere Aufmerksamkeit fanden Modests Dramen, die sich
inhaltlich und stilistisch an den gesellschaftlichen
Verhältnissen ihrer Zeit orientierten. Im Umfeld der Dramatiker
Alexander Ostrowski und Anton Tschechow wurden seine Werke
regelmäßig aufgeführt. Nach mehreren vorbereitenden Versuchen
entstand mit Pique Dame schließlich die erste gemeinsame
Opernproduktion der Brüder.
Auch für die nachfolgende Oper Jolanthe entschied sich
Peter Tschaikowsky erneut für Modest als Librettisten. Weitere
gemeinsame Projekte konnten aufgrund des frühen Todes des
Komponisten nicht mehr realisiert werden. Modest Tschaikowsky
verfasste anschließend weitere Libretti, darunter jenes zu
Sergej Rachmaninows Oper Francesca da Rimini. Nach dem
Tod seines Bruders gründete er ein Museum mit angeschlossenem
Archiv und veröffentlichte eine umfangreiche dokumentarische
Biografie über Peter Tschaikowsky. Damit leistete er einen
wesentlichen Beitrag zur Bewahrung des künstlerischen Erbes
seines Bruders und zur Dokumentation ihres gemeinsamen Wirkens.
(Text nach einem Artikel der Berliner Philharmoniker) |
Es gelang Modest, aus der nüchternen Erzählung Puschkins ein
vielfarbiges Drama für die Bühne zu gestalten. Das Werk –zeigt das Leben
der Gesellschaftsschichten im Zarenreich zur Zeit der Katharina II /1729
– 1796.
|
Erzählung
Der junge
Pionieroffizier Hermann, Sohn eines russifizierten
Deutschen, lebt sparsam und bescheiden. Bei einer durchspielten
Nacht erzählt ihm Tomski von seiner Großmutter, der Gräfin,
welche vor Jahrzehnten in Paris von
Graf von Saint Germain das Geheimnis erfuhr, wie man drei
Gewinnkarten beim
Pharospiel voraussehen kann.
Hermann sucht die Nähe der Gräfin. Dazu macht er sich an
Lisaweta, ihre Gesellschafterin, heran. Bei einem heimlichen
Treffen schleicht er sich jedoch in das Zimmer der Gräfin. Er
fleht sie an, ihm das Geheimnis zu verraten, droht ihr, doch sie
schweigt. Als sie in seiner Hand eine ungeladene Pistole
entdeckt, stirbt sie vor Schreck an einem Herzanfall. Auf der
Beerdigung hat Hermann eine Vision. Ihm scheint, dass die
Verstorbene ihm einen Blick zuwirft. Abends erscheint ihm der
Geist der Gräfin und eröffnet ihm, dass die Drei, die Sieben
und das
Ass ihm den Gewinn bringen werden.
In den nächsten Tagen drehen sich alle seine Gedanken um die
drei verheißungsvollen Karten. Als der Kartenspieler
Tschekalinskij nach Sankt Petersburg kommt, bittet ihn Hermann
um ein Spiel und setzt all seine Ersparnisse auf die Drei, die
auch gewinnt. Am nächsten Tag setzt er alles auf die Sieben und
gewinnt erneut. Am dritten Tag setzt er ungefähr
zweihunderttausend
Rubel auf das (wie er meint) Ass, das auch gewinnt, doch
statt auf das Ass hat Hermann aus Versehen auf die
Pique
Dame gesetzt, damit verliert er sein komplettes Vermögen.
Hermann scheint es, dass die Karte die Gesichtszüge der Gräfin
hat und ihn hämisch angrinst. Er verliert den Verstand und
murmelt ständig „Drei, Sieben, Ass. Drei, Sieben, Dame.“ |
|
Libretto
Auf der Petersburger Promenade herrscht lebhaftes Treiben.
Hermann und andere Offiziere tauschen Neuigkeiten aus der
russischen Gesellschaft aus. Hermann vertraut Tomski an, dass er
sich in eine schöne Unbekannte verliebt hat. Jeletzky, Hermanns
Kriegskamerad, kommt und stellt seine Braut Lisa vor, in der
Hermann bestürzt die Geliebte wiedererkennt.
Tomski erzählt von Lisas Großmutter, einer reichen Gräfin. Diese
soll sich in ihrer Jugend, mit ungewöhnlicher Schönheit
ausgestattet, als leidenschaftliche Kartenspielerin von einem
Grafen das Geheimnis dreier gewinnbringender Karten durch ihre
Hingabe erkauft haben. Der Verrat der Glückskarten würde ihren
Tod bedeuten. Hermann beschließt, das Geheimnis der Gräfin mit
Lisas Hilfe zu erfahren, um reich zu werden, damit den Makel
einer nichtstandesgemäßen Geburt zu überwinden und das Mädchen
zu gewinnen.
Eine Gouvernante beendet ein fröhliches Treiben Lisas mit ihren
Freundinnen im Palast der Gräfin. Die Mädchen sind verwundert,
dass Lisa am Tag ihrer Verlobung so bedrückt ist. Diese denkt an
Hermann und vertraut ihr Geheimnis Pauline an. Als Lisa allein
ist, kommt Hermann überraschend über den Balkon in das Haus. Er
gesteht ihr seine Liebe. Die Gräfin nähert sich. Hermann kann
sich gerade noch verstecken. Kaum ist diese fort, gibt Lisa
Hermanns Drängen nach.
Jeletzky und Lisa sind auf einem Maskenball. Der Fürst merkt,
dass seine Braut ihm ausweicht. Als ein Schäferspiel aufgeführt
wird, denkt Lisa nur noch an ihren Geliebten und gibt ihm den
Schlüssel zur Geheimtür zum Zimmer der Gräfin. Lisa und Hermann
können unbemerkt den Saal verlassen, weil alle auf die Ankunft
der Zarin warten.
Die Gräfin denkt wehmütig an ihre Jugend. Plötzlich tritt
Hermann in ihr Zimmer und fordert sie auf, das Geheimnis der
Karten zu verraten. Als ich die Gräfin weigert, zieht Hermann
eine Pistole. Die alte Frau stirbt von Schreck. Lisa stürzt
entsetzt in das Zimmer und weist ihren Geliebten hinaus.
Lisa bittet Hermann zu einem Rendezvous am Newa Ufer. Hermann
sieht im Geist die verstorbene Gräfin, die ihm Auftrag gibt,
Lisa zu heiraten und ihm die Karten 3, 7, Ass zeigt. Glücklich
eilt Hermann zu dem vereinbarten Treffpunkt.
Um Mitternacht begegnet sich die Liebenden am Ufer der Newa.
Hermann redet nur von der Gräfin und ihren Karten. Er stürzt
davon, um zu spielen. Lisa erkennt, dass Hermanns
Spielleidenschaft größer ist als die Liebe zu ihr und springt in
den Fluss.
Hermann und Jeletzki bei Spiel. Hermann gewinnt, Jeletzki
verliert. Trotzdem wagt der Fürst noch einmal ein Spiel, weil
Hermann ihn dazu auffordert. Als dieser die entscheidende Karte
umdreht, hält er statt des Asses die Pique Dame in der Hand und
verliert sein ganzes Vermögen. Im Glauben, den Geist der Gräfin
vor sich zu sehen, ersticht er sich.
Quelle:
https://www.berliner-philharmoniker.de/stories/pique-dame/ |


Bemerkungen zur szenischen Umsetzung von
‘Pique Dame‘
Oper von Pjotr Tschaikowski
Besuchte Veranstaltung
an der Nds. Staatsoper Hannover
12.9.2026
“Früher war mehr Lametta!“
(Zitat: Loriot)
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts herrschte Unmut im riesigen
Russischen Reich. Vor allem Teile einer liberalen und westlich
orientierten Oberschicht forderten Reformen. Mit dem Tod des Zaren im
Dezember 1825 spitzte sich die Situation zu. Die so genannten
Dekabristen wagten schließlich am 26. Dezember 1825 in Petersburg den
Aufstand. Er scheiterte gründlich binnen eines Tages, die alten
Herrschaftsformen aus der Zeit Katharinas der Großen lebten wieder auf,
schrieben sich fest, das Verhalten des Militärs und des Adels war
schlimmer denn je, Alkohol, Prostitution, Spielexzesse waren die Folge
des unredlichen Verhaltens.
Puschkins Novelle - nach den Vorkommnissen im Dezember 1825 mit eben dem
sogenannten Dekabristen-Aufstand - entstand im Jahr 1833 und erschien
erstmals 1834 in einen unbedeutenden Verlag in St. Petersburg. Die erste
deutsche Übersetzung wurde 1920 von Christian Günther, dem damaligen
Chordirektor der Hamburgischen Staatsoper, veröffentlicht.
Die in der Tradition E. T. A. Hoffmanns stehende Novelle – man denke an
dessen ‘Hoffmann‘ mit seinen Erzählungen - verbindet auf eindrucksvolle
Weise Alltägliches mit fantastischen Elementen. In einer präzise
komponierten Handlung schildert Puschkin die Entwicklung einer zunächst
beherrschten Leidenschaft zu einer zerstörerischen Obsession. Der
kompromisslose Drang nach ihrer Verwirklichung – selbst unter
Inkaufnahme eines Verbrechens – führt den Protagonisten schließlich in
den persönlichen Untergang.
Im Mittelpunkt steht der verschlossene Offizier Hermann, der von
Reichtum träumt, seine Spielleidenschaft jedoch aus Vernunft zügelt, um
sein bescheidenes Vermögen nicht zu gefährden. Seine Fantasie wird von
der Erzählung über eine alte russische Gräfin beherrscht, die in ihrer
Jugend vom geheimnisvollen Abenteurer Graf Saint-Germain das Geheimnis
dreier unfehlbar gewinnbringender Spielkarten erfahren haben soll.
Um an dieses Geheimnis zu gelangen, täuscht Hermann der mittellosen
Pflegetochter der Gräfin, Lisa, seine Liebe vor und verschafft sich so
Zugang zum Schlafzimmer der alten Dame. Als er sie zur Preisgabe des
Geheimnisses drängt, stirbt die Gräfin vor Schreck. Später erscheint sie
ihm und nennt ihm die drei Karten: Drei, Sieben und Ass.
Hermann setzt daraufhin sein gesamtes Vermögen ein. Mit den ersten
beiden Karten gewinnt er, doch beim entscheidenden dritten Spiel setzt
er irrtümlich auf die Pik-Dame statt auf das Ass. Er verliert sein
gesamtes Vermögen und erkennt, dass seine Gier und Besessenheit ihn ins
Verderben geführt haben. Der Verlust seines Verstandes bildet den
tragischen Abschluss der Novelle: Hermann endet in einer Irrenanstalt.
Die Gegenüberstellung der die unterschiedliche Konzeption der Figur
Hermann in den Werken Puschkins und Tschaikowskys. Während Puschkins
Hermann als berechnenden und von rationalem Kalkül geprägten Zyniker
darstellt, gestaltet Tschaikowsky ihn zu einer tragisch-romantischen
Figur. Der Puschkin-Text ist durch Motive der kühlen Berechnung und der
Geldgier gekennzeichnet, wohingegen das Libretto Tschaikowskys die
existenzielle Verzweiflung, die obsessive Fixierung sowie den
ausgeprägten Fatalismus der Figur in den Vordergrund rückt. Diese
Akzentverschiebung tritt insbesondere im Finale deutlich hervor.

|
Peter Iljitsch Tschaikowsky
(geb. Votkinsk, 7. Mai 1840 – gest. St. Petersburg, 6. November
1893)
Pikovaja dama
(“Pique Dame”), op. 68 (1890)
Oper in 3 Akten nach Alexander Puschkin
Vorwort
“Pique Dame beeindruckt mich nicht, zu diesem Sujet würde ich
nur etwas Minderwertiges schreiben können.” So Tschaikowsky in
einem Brief vom 28. März 1888 an seinen Bruder Modest. Kaum
hätte er ahnen können, wie anders das allgemeine Urteil über
seine vorletzte Oper ausfallen würde.
Angefangen hat es mit Pique Dame im Jahre 1887, als sich Modest
Tschaikowsky anschickte, für den eher unbedeutenden Komponisten
und Theaterdirigenten Nikolai Klenowsky ein Opernlibretto nach
Alexander Puschkins berühmter Novelle von 1833 zu verfassen. Bei
Puschkins Text, der bereits Fromental Halévy (1850) und Franz
von Suppé (1862) als Opernvorlage gedient hatte, handelt es sich
um die erschütternde Beschreibung einer seelischen Zerrüttung,
die in einem stark ironisierenden Ton verfasst und von
Dostojewsky einmal als Meisterwerk des „kalten Zorns“ bezeichnet
wurde. Bei der Auftragsvergabe hatte jedoch die Leitung des
Petersburger Mariinsky-Theaters etwas ganz anderes im Sinn: Sie
suchte ein aufwendiges „Kostümdrama“, das mit spektakulären
Bühneneffekten und Elementen der französischen Grand opéra
aufwarten konnte. Um diesen Erfordernissen Genüge zu tun, musste
Modest Tschaikowsky den Handlungsverlauf der Novelle um ein
Vielfaches erweitern und grundlegend ändern: Die Zeit der
Handlung wurde vom 19. ins späte 18. Jahrhundert des Ancien
regimes verlegt, um so historische Tanzeinlagen und
Versatzstücke der Grand opéra (einschließlich eines kurzen
Auftritts der Zarin Katharina der Großen) unterzubringen; die
Liebesgeschichte zwischen German und Lisa wurde stärker in den
Vordergrund gestellt und der Schluss in einen Doppelselbstmord
der beiden Liebenden umgeändert (bei Puschkin wird German in
eine Nervenheilanstalt eingeliefert, während Lisa eine lieblose
Vernunftehe mit einem niedrigen Beamten eingeht). Auch die
Person des Fürsten Jelezki kam neu hinzu, und die Gräfin wurde
in eine dämonische Gestalt umgewandelt, die imstande ist, die
Geschicke der Protagonisten auch nach dem Tod zu lenken. Kurzum:
Eine Erzählung voller selbstzerstörerischer Zwangshandlungen im
Geiste Edgar Allan Poes wurde zu einer Operntragödie mit stark
melodramatischen Zügen.
Wohl wegen der großen Unterschiede zum Original verlor Klenowsky
bald das Interesse am neuen Projekt (das gleiche tat auch der
zweite Komponistenkandidat Nikolai Solowjow). Dadurch wurde die
Bahn für Tschaikowsky frei, der plötzlich im Libretto seines
Bruders große Vorzüge entdeckte. Während eines Aufenthalts in
Florenz Anfang 1890 machte er sich sofort an die Vertonung und
vertiefte sich bald in das Projekt wie in kaum ein anderes
seiner Karriere. In nur 44 Tagen – zwischen dem 30. Januar und
dem 14. März – entstand die ganze Oper als Particell. In dieser
Zeit arbeitete Tschaikowsky fieberhaft und selbstvergessen, dass
sich sogar sein treuer Diener Nasar um sein seelisches
Wohlbefinden Sorgen machte. Die erste Herausforderung bestand
darin, den noch unfertigen Text seines Bruders in ein
brauchbares Opernlibretto umzuarbeiten: Der Komponist machte
überall Striche („entschieden zu wortreich“ lautete sein
gnadenloses Urteil), verfasste einige Stellen selber (der Text
des russischen Lieds im 2. Bild des I. Akts, der Arie des
Fürsten im 1. Bild des II. Akts sowie der großartigen Arie des
Lisa im 2. Bild des III. Akts stammt vom Komponisten) und
änderte den dramaturgischen Aufbau zwecks besserer
Bühnenwirksamkeit („Der ganze dritte Akt ohne eine einzige Frau,
das ist langweilig“). Anscheinend entdeckte Tschaikowsky in der
Person des zwanghaft getriebenen German auch eigene
Charakterzüge, und so strömte die Musik zeitweilig so schnell
aus seiner Feder, dass er den Text lieber selbst gestaltete,
statt eine Reaktion auf seine Wünsche aus Russland abzuwarten.
Bezeichnend ist etwa sein Tagebucheintrag vom 23. Februar:
“Quälte mich den ganzen Vormittag hindurch mit den Worten zum
Arioso der Lisa. Ein Dichter bin ich beileibe nicht!“ Derselbe
Schaffensdrang verlieh jedoch der Musik eine Einheitlichkeit und
Kohärenz, die in seinen Bühnenwerken wohl ihresgleichen sucht.
Über die Qualität des musikalischen Ergebnisses war der
Komponist nie im Zweifel: “Entweder irre ich mich gewaltig,
Modja“ – so schrieb er an seinen Bruder Modest am 11. April –
“oder die Oper ist mein Chef d’oeuvre.” So hatte sich sein
erster Eindruck des Pique Dame-Projekts in sein genaues
Gegenteil umgekehrt – und damit in ein Urteil, das auch die
Nachwelt mit ihm teilt.
Die Musik zur Pique Dame weist stilistisch eine ungewöhnliche
Bandbreite auf, die sich von geschickten Mozart-Parodien (der
Anfang des II. Akts) bis zu Zitaten aus der französischen Opéra
comique des 18. Jahrhunderts (André-Ernest-Modeste Grétrys
Richard Coeur de Lion aus dem Jahr 1784), von offensichtlichen
Huldigungen an Bizets Carmen (die Soldatenknabenchor im ersten
Bild) bis zur nachempfundenen Folklore (das Tanzlied der Pauline
im 2. Bild des I. Akts) und von ausladender lyrischer Emphase
(die Arie des Fürsten im II. Akt) bis zur erschütternden
vorexpressionistischen Ausdruckskunst und schaurig-düsteren
Orchestrierung bei den dramaturgischen Schlüsselszenen
erstreckt. Dennoch erhielt die Partitur durch die geniale
Schöpfungskraft des Komponisten eine wohl unverrückbare
Einheitlichkeit. Einige Forscher entdecken sogar leitmotivische
Verbindungen zwischen den scheinbar nebensächlichen Balladen des
Tomski (1. Bild, I. Akt) und der Pauline (2. Bild, I. Akt)
einerseits und den tragischen Entwicklungen andererseits in der
musikalischen Charakterdarstellung der beiden Hauptfiguren
German und Lisa.
Letztendlich stellt Pique Dame demnach ein tragisches
Kammerstück dar, wird jedoch in ein historisches Kostümdrama
eingebettet, das nicht nur eine aufwendige Inszenierung und
Bühnendekoration erfordert, sondern auch reichlich
Auftrittsmöglichkeiten für das Corps de ballet bietet, vor allem
während des Schäferspiels, das sich innerhalb des Maskenballs im
II. Akt abspielt. In diesem Sinne wurde die Oper bei ihrer
Uraufführung am 19. Dezember 1890 am Petersburger
Mariinsky-Theater unter der Leitung von Eduard Nápravník auch
aufgefasst und inszeniert, wobei das Schäferspiel von keinem
geringeren als Marius Petipa choreographiert wurde. Die
Aufführung wurde für den Komponisten zu einem absoluten Triumph,
und binnen kürzester Zeit wurde die Oper auch anderweitig in
Rußland inszeniert. Bereits zwei Jahre nach der Petersburger
Uraufführung erlebte Pique Dame in Prag die erste
Auslandsinszenierung, der eine lange Reihe weiterer
Inszenierungen folgte: Darmstadt (1900), Wien (1902 unter Gustav
Mahler), Mailänd (1906), New York (1910, wiederum unter Mahlers
Leitung mit Emmy Destinn und Leo Slezak in den Hauptrollen),
Paris (1911), London (1915) und Buenos Aires (1924).
Die angeblich peinlichen Verunstaltungen des Puschkinschen
Originals führten gelegentlich zu Rehabilitierungsversuchen im
Interesse des literarischen Texttreue, allerdings bisher mit
eher zweideutigen Ergebnissen. Der erste dieser Versuche
erfolgte 1935 durch den großen russischen Theaterregisseur
Wsewolod Meyerhold, konnte sich jedoch nicht durchsetzen. Ein
weiterer Versuch, diesmal durch den Komponisten Alfred Schnittke
und den Theaterregisseur Juri Ljubimow, erhielt 1978 kurz vor
der geplanten Premiere an der Pariser Oper von den sowjetischen
Behörden ein Aufführungsverbot und durfte erst nach dem Fall des
Eisernen Vorhangs 1990 in Karlsruhe und wiederum 1996 in Bonn
über die Bretter gehen. Keiner dieser beiden hochinteressanten
Alternativfassungen wird es jedoch wohl je gelingen, die
Originalfassung Tschaikowskys zu verdrängen, die vielerseits als
sein wichtigster Beitrag zur Operngattung bewertet wird und nur
durchh Eugen Onegin in der Gunst des Publikums übertroffen wird.
Weit davon ernfernt, „etwas Minderweitiges“ geschaffen zu haben,
hatte der Komponist tatsächlich sein Chef d’oeuvre in die Welt
gesetzt.
- Handelnde Personen -
German - Tenor
Graf Tomski - Bariton
Fürst Jelezki - Bariton
Tschekalinski - Tenor
Surin - Baß
Tschaplizki - Tenor
Narumow - Baß
Zeremonienmeister - Tenor
Gräfin - Mezzosopran
Lisa - Sopran
Polina - Alt
Gouvernante - Mezzosopran
Mascha - Sopran
Ein Junge - Sprechrolle
Personen des Intermezzos
Prilepa (Soprano), Milowsor (Alt), Slatogor (Bariton)
Chor, Statisterie
Kinder, Kinderfrauen, Gouvernanten, Ammen, Spaziergänger, junge
Damen, ältere Frauen, junge Herren, ältere junge Damen und
Herren, als Schäfer verkleidete junge Männer und Mädchen,
Gefolge Slatogors, Diener, Pagen, Erscheinung am Fenster,
Zimmermädchen und Gefolge der Gräfin, Gäste in der Spielbank
Ballett
Amor, Hymen, Schäferinnen, Schäfer
Ort und Zeit
St. Petersburg, Anfang des 19. Jahrhunderts.
Bradford Robinson, 2009
Zitatende
Quelle: https://repertoire-explorer.musikmph.de/wp-content/uploads/vorworte_prefaces/81.html |


Die drei Fotos aus der Galerie der Nds.
Staatsoper
Hannover zeigen die beiden Hauptprotagonisten der Produktion:
1. Die über die gesamte Bühnenbreite bis in den Bühnenhimmel führende
Treppe,
einschließlich eines Spielpodestes in der Mitte des Treppenlaufs
sowie -
2. die jeweils seitlich aufgehängten Lamettafäden.
Hannover verzichtet auf wechselnde Bühnenaufbauten, beschleunigt dadurch
das Bühnengeschehen. Lediglich ein Umbau während der Pause, wobei auch
hier der kolossale Treppenaufbau erhalten bleibt, ergibt einen
Zeitverzug.
Dass beim Anblick der Riesentreppe dem darauf agierenden Ensemble der
Angstschweiß ausbricht, lässt sich erahnen, denn bei einem Fehltritt
auch nur eines Mitwirkenden auf der Treppe, hätte einen Massensturz an
Menschen zur Folge.
Eindrucksvoll die Licht- und Schattenspiele bei dieser Produktion. Hier
besonders der Auftritt der Zarin, der durch einen riesigen Schattenwurf
auf den Treppenlauf symbolisiert wird.
Auch die Gegenüberstellung von Lisa und Hermann am Ufer der Newa –
aufgezeigt vor dem geschlossenen eisernen Vorhang – mit riesigem
Schlagschatten.

Die Figurenkonstellation verschiebt sich fundamental: Puschkin
beschreibt eine kalkulierte Zweckgemeinschaft,
während Tschaikowsky ein fatalistisches Liebesdrama mit Tönen
versetzt.
Hermann
-
Bei Puschkin (Der Berechnende):
Ein deutscher Ingenieur, der sein Geld eisern spart und das Risiko
scheut. Er liebt Lisa nicht. Er benutzt sie ausschließlich
als Werkzeug, um Zugang zur Gräfin und dem Kartengeheimnis zu
erlangen.
-
Bei Tschaikowsky (Der Besessene):
Ein leidenschaftlicher, mittelloser Offizier. Er ist von Anfang an
unsterblich und ehrlich in Lisa verliebt. Seine Obsession für das
Kartengeheimnis erwacht erst, um durch Reichtum standesgemäß um sie
werben zu können. Sein Wahnsinn ist romantisch motiviert.
In Hannover ist Hermann vom ersten Auftritt an eine Jammergestalt.
Meist liegt er am Boden und wird von Mitwirkenden attackiert. Ohne
musikalischen Einsatz ist er als ‘stumme Jule‘ auf der Bühne und
irritiert die Zuschauer, da sie fragen: Was will der Mensch
eigentlich?
Die Entwicklung der Figur – er liebt eine Frau, deren Namen er nicht
weiß,
HERMANN
Ihren Namen kenne ich nicht, und will
Ihn auch nicht erfahren; ich will sie nicht
Er erhält Kenntnis von fragwürdigen Möglichkeiten, Geld im Spiel
durch der entsprechende Kenntnisnahme von Gewinnzahlen zu erringen,
Abzubringen ist er nicht von seinem Plan, es ist somit vorgegeben,
dass eine Besserung seines Gesamtzustandes, kaum zu erwarten ist.
Woher nimmt die Regie die Chuzpe, aus einem vom Autor vorgegebenen
Offizier der Armee von Katharina der Großen einen Dorftrottel zu
machen, der z.B. mit einem Kopfkissen im Arm über die Bühne hatscht.
So gelingt es dem Tenor kaum, die Rollenvorgabe der Autoren
wenigstens im Ansatz zu erfüllen.
Übrigens:
Bei Schwabs ‘Lohengrin‘ in SZG notierten wir im Falle Telramund:
- ohn' Unterlass wie ein Lemur, wie ein Zombie durch die
Szene stolpert.
Figuren eines Stückes zu reduzieren und gar dem Spott
auszusetzen, die Rolle damit zu verfälschen, scheint eine Masche des
Regisseurs zu sein.
Lisa
-
Bei Puschkin (Das Opfer der Gesellschaft):
Eine arme, gedemütigte Gesellschafterin der Gräfin. Sie sucht einen
Ausweg aus der Tyrannei und fällt auf Hermanns inszenierte
Liebesbriefe herein. Nach Hermanns Wahnsinn arrangiert sie sich
pragmatisch: Sie heiratet den wohlhabenden Sohn des ehemaligen
Verwalters.
-
Bei Tschaikowsky (Die tragische Heldin):
Die wohlhabende Enkelin (statt Mündel) der Gräfin. Sie liebt Hermann
trotz ihrer Verlobung aufrichtig und bedingungslos. Als sie erkennt,
dass Hermann nur noch von den Karten besessen ist und sie
missbraucht hat, ertränkt sie sich verzweifelt in der Newa.
In Hannover ist Lisa die leidende, liebende Lyrische gemäß Vorlage.
Sie ist verlobt, liebt den Mann aber nicht und meint nun, sich
Hermann, (einem Tenor – (schon verdächtig) - anschließen zu müssen.
Als sie merkt, dass der mehr an Kenntnisnahme der verwunschenen
Karten der Großmutter interessiert ist und durch sein Auftreten an
deren Tod schuldig zu sein scheint, gibt Lisa ihr Leben auf.
Die Gräfin
-
Bei Puschkin (Die tyrannische Greisin):
Eine kapriziöse, herrschsüchtige alte Frau aus der Ära Ludwigs XV.
Hermann erschreckt sie mit einer ungeladenen Pistole zu Tode. Ihre
Wirkung ist unheimlich, aber weltlich.
Bei Tschaikowsky (Das personifizierte Schicksal):
Eine mystische, fast dämonische Figur („Pique Dame“). Ihre Musik ist von
einem düsteren Todesmotiv geprägt. Die Konfrontation mit Hermann ist
psychologisch extrem aufgeladen; ihr Geist erscheint ihm später als
echtes, rächendes Phantom.
In Hannover ist die Gräfin eine ehemalige Sängerin, die sich in ihrem
Dämmerschlaf an frühere Auftritte in den verschiedensten Situationen
ihres Lebens erinnert. Sie hat Kenntnis von den magischen Zahlen der
Karten, die sie Hermann in ihrem geisterhaften Erscheinen zur Kenntnis
gibt:
DAS GESPENST DER GRAFIN
Ich bin zu dir gekommen wider Willen,
Aber mir ist aufgetragen, deine Bitte zu erfüllen.
Rette Lisa, heirate sie, und drei Karten, drei Karten,
Drei Karten werden hintereinander gewinnen.
Pass auf:
Die Drei, die Sieben, das As!!

|
Zusammenfassung der Handlung
I.
Akt,
1. Bild, kleiner Platz im „Sommergarten“: Unter den
Spaziergängern, die den schönen Frühlingstag genießen, befinden
sich auch die Offiziere Tschekalinski und Surin; sie sprechen
über das seltsame Verhalten ihres Kameraden German, der seine
ganze Zeit im Spielkasino zubringt, ohne jedoch selbst zu
spielen. Seinem Freund Graf Tomski gesteht German, dass er
leidenschaftlich verliebt sei, den Namen seiner Angebeteten aber
nicht kenne; er wisse nur, dass sie als Adlige für ihn
unerreichbar sei.
Fürst Jelezki tritt zu den Offizieren, um ihnen seine Verlobte
Lisa vorzustellen, die sich in Begleitung ihrer Großmutter, der
alten Gräfin, unter den Spaziergängern befindet. Zu seinem
Entsetzen erkennt German in Lisa seine heimliche Liebe. Auch
Lisa fühlt sich von Germans leidenschaftlichen Blicken seltsam
berührt, während die Gräfin bei seinem Anblick von düsteren
Vorahnungen befallen wird.
Als die Damen mit Jelezki weitergehen, machen sich die Offiziere
über die alte Frau lustig. Tomski erzählt die Geschichte der
Gräfin, die in ihrer Jugend in Paris als „Venus von Moskau“
Furore machte, jetzt aber von allen nur noch „Pik-Dame“ genannt
wird, da sie zu jener Zeit der Spielleidenschaft verfallen war.
Für den Preis eines Rendezvous erfuhr sie von einem
französischen Grafen drei Karten, die sicheren Sieg bedeuten.
Zweimal hat sie bisher das Geheimnis dieser Karten
weitergegeben, doch jedesmal drohte ihr danach eine seltsame
Erscheinung, dass sie von dem dritten Mann, dem sie jenes
Geheimnis verrät, einen tödlichen Schlag erhalten werde. German
unterdessen ist fest entschlossen, von der Gräfin das Geheimnis
der drei Karten zu erfahren, um so genug Geld zu gewinnen und
Lisa Jelezki entreißen zu können. ‚
2. Bild, Lisas Zimmer: Vergeblich versuchen Polina und ihre
Freundinnen Lisa mit Gesängen und Tänzen aufzuheitern. Allein
geblieben, gesteht sich Lisa ein, dass sie über ihre Verlobung
mit Jelezki nicht glücklich ist, vielmehr fühlt sie sich immer
mehr von German angezogen. Als dieser durch die geöffnete
Balkontür tritt, um seine Angebetete ein letztes Mal zu sehen,
ist Lisa erst nach einigem Zögern bereit, ihm ihre Liebe zu
gestehen.
II. Akt,
1. Bild, Ballsaal: Auf einem Maskenball erklärt Jelezki Lisa
sein aufrichtige Liebe und bringt die Hoffnung zum Ausdruck,
dass sie, die ihm gegenüber immer reservierter erscheint, in ihm
doch einen wahren Freund erkennen möge. Auch German, den Lisa
herbestellte, erscheint auf dem Fest, bei dem als Intermezzo ein
Schäferspiel zur Aufführung gelangt. Die Idee, mit Hilfe des
Geheimnisses der drei Karten um Lisas willen zu Reichtum zu
gelangen, ergreift immer mehr Besitz von German, so dass es für
Tschekalinski und Surin ein leichtes ist, ihn zu verspotten. Als
Lisa German einen Schlüssel zusteckt, mit dem er durch das
Zimmer der Gräfin zu dem ihrigen gelangen kann, sieht er sich
seinem Ziel nah, von der Alten das Geheimnis zu erfahren. Das
Maskenfest erreicht unterdessen mit dem Auftritt der Zarin
seinen Höhepunkt.
2. Bild, Schlafzimmer der Gräfin: German gelangt in das Zimmer
der Gräfin. Beim Anblick ihres Porträts meint er zu spüren, dass
ein gemeinsames unheilvolles Geschick sie beide verbindet. Als
die Gräfin mit ihren Dienerinnen den Raum betritt, versteckt
sich German. Während sie für die Nacht fertig gemacht wird,
erinnert sich die Gräfin an das glanzvolle Leben in Paris.
Nachdem sich das Personal zurückgezogen hat, tritt German aus
seinem Versteck und fleht die Gräfin an, ihm um der Liebe Willen
das Geheimnis der drei Karten zu verraten. Doch die Gräfin
schweigt. Als German eine Pistole zieht, um sie zum Sprechen zu
bringen stirbt sie vor Schreck. Auf dem Lärm hin erscheint Lisa
und muss voll Entsetzen feststellen, dass es German allem
Anschein nach nur um die drei Karten ging und nicht um ihre
gemeinsame Liebe.
III. Akt,
1. Bild, Germans Zimmer in der Kaserne: In einem Brief bittet
Lisa German um eine Aussprache. German versucht zu schlafen. In
ihm wird die Erinnerung an das Begräbnis der Gräfin wach. Da
erscheint ihm ihr Geist, der ihn auffordert, Lisa zu heiraten,
und ihm die gewinnbringenden Karten nennt: die Drei, die Sieben
und das As.
2. Bild, winterlicher Kanal: Voll Angst wartet Lisa auf German.
Doch als dieser kommt, muss sie erkennen, dass jetzt, wo er das
Geheimnis der Karten erfahren hat, die Spielleidenschaft
vollends von ihm Besitz ergriffen hat, so daß er selbst Lisa
nicht mehr erkennt. In ihrer Verzweiflung geht sie ins Wasser.
3. Bild, Spielbank: Beim Kartenspiel macht German große Gewinne,
als er auf die Drei und die Sieben setzt. Zu einem dritten Spiel
ist nur noch Jelezki bereit, der sich an German wegen der
Auflösung seiner Verlobung mit Lisa rächen will. German setzt
alles auf das As, doch er hat die Pik-Dame. Im Wahn erscheint
ihm nochmals die Gräfin, von der er glaubt, daß sie sein Leben
fordere. Er erschießt sich.
Bradford Robinson, 2009
Zitatende
Quelle:
https://repertoire-explorer.musikmph.de/wp-content/uploads/vorworte_prefaces/81.html
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Fazit
Die Produktion in Hannover leidet unter Unverständlichkeiten, die das
Stück schon vorgibt und in der Darstellung seiner Handlung mit der
Gestaltung der Rollen durch Chor und Solisten.
Da die Darbietung auf Russisch erfolgt, richtet sich der Blick des
Publikums - wie bei kaum einer anderen Oper - verstärkt auf die
Übertitelung, die ja in Hannover nicht über der Bühne, sondern links und
rechts seitlich angebracht ist und das Auge durch Wenden des Kopfes nach
links bzw. rechts verstärkt von der Bühnenhandlung ablenkt. Das Publikum
hält sich an die vorgegebenen Texte, wodurch es jedoch den Zusammenhang
zu den auf der Bühne stattfindenden Aktionen und den Personen, die ihm
das Geschehen präsentieren möchten, verliert.
Jeder Solist kann sich kaum seiner Rolle widmen, denn er folgt
vertragsgemäß den Anweisungen der Regie auf der Riesentreppe und die
sind - in den meisten Fällen - irreführend.
Der Chor hat - wie die Chorsolisten der Komischen Oper Berlin - die
Möglichkeit, seinen Part individuell auszuspielen – unterstützt durch
die fantasievolle Gestaltung der einzelnen Kostüme – soweit ihm dies die
Bewegungsfreiheit auf den alles beherrschenden Treppenstufen ermöglicht.
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Presseschau zu ‘Pique Dame‘ in Hannover
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HAZ am 14. September 2026
Zitat
Mindestens genauso gut gelingt das auf der musikalischen Seite:
Dirigent Francesco Angelico hat einen Traumstart in seinem neuen
Amt als Generalmusikdirektor.
Das Staatsorchester klingt gleich in seiner ersten Produktion so
gut wie lange nicht.
Zitatende
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Concerti am 12. September 2026
Zitat
Saisonauftakt als ganz großen Versprechen: Der neue GMD
Francesco Angelico triumphiert, die Regie von Roland Schwab
balanciert Tschaikowskys Seelenschmerztragödie perfekt zwischen
privater Glückshoffnung und einem Panorama gesellschaftlicher
Dekadenz.
Zitatende |

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HNA am 14. September.2026
Zitat
Der ehemalige Kasseler GMD Francesco Angelico hat in Hannover
seinen Einstand als neuer Generalmusikdirektor gegeben – ein
großer Erfolg, das Publikum feierte auch dort den gebürtigen
Sizilianer.
Hannover – Seit dieser Spielzeit ist Francesco Angelico
Generalmusikdirektor an der Staatsoper Hannover. Ab 2017 war der
Sizilianer in gleicher Position Leiter des Staatsorchesters
Kassel. Nun hat er seine erste und in dieser Saison einzige
Opernpremiere in Hannover geleitet. Dass es sich dabei um Peter
Tschaikowskis „Pique Dame“ handelte, entbehrt nicht einer
gewissen Pikanterie. Denn Angelico sollte diese Oper im Dezember
2022 in Kassel dirigieren, verzichtete aber wenige Tage vor der
Premiere auf die musikalische Leitung, weil
Meinungsverschiedenheiten mit der Regie nicht ausgeräumt werden
konnten. Kiril Stankow sprang damals ein. Dies war der Beginn
eines langen Zwistes, der schließlich dazu führte, dass Angelico
ab Mai 2024 nur noch Konzerte als „Chefdirigent“ leitete und
keine Verlängerung seines Vertrags ab 2025 mehr anstrebte. Das
Kasseler Opern- und Konzertpublikum bedauerte dies zutiefst und
verstand nicht, wie man solch einen exquisiten Musiker ziehen
lassen konnte.
Zitatende |

Leserbrief
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150 Jahre Bayreuther Richard Wagner Festspiele Juli /August
2026
Ein Bayreuth-Besuch anlässlich der Jubiläumsfestspiele am Grünen
Hügel, inklusive zweier Vorstellungen (Rienzi und der Fliegende
Holländer) sowie einer Analyse der größten Besucherbeköstigung
Nordbayerns.
Wer in diesen Wochen erstmals in die Nähe des berühmten
Festspielhauses in Bayreuth kommt, fragt sich unwillkürlich, ob
er hier tatsächlich am Ziel seiner Wünsche angekommen ist. Außer
der von vielen Fotos bekannten Fassade des Zuschauer-hauses
erblickt er rechts und links davon nur - in strahlendem weiß
gehalten – Sonnenschirme, Bistrotische, Verkaufsstände für
kleine Snacks, für Eis und Getränke. Wenige Meter weiter
erblickt man dann Abbilder Richard Wagners in Lebensgröße, auf
denen der Komponist mit einem Aperitif in der Hand den Besuchern
freundlich zulächelt Geht man weiter, dann sieht man schon
kleine Personengruppen, das Sektglas in der Hand, eifrig
debattierend seine Wagner-Kenntnisse austauschend.
Auf der linken Seite des Festspielhauses war ein Biergarten
errichtet worden, mit den entsprechenden Möbeln ausgestattet und
selbstverständlich auch mit einem Bierausschank, ganz zünftig.
Wir wechseln zur rechten Hausseite und erblicken neben dem schon
seit vielen Jahren dort befindlichen Hauptrestaurant (incl.
Selbstbedienung) weitere Verkaufsstände, Sonnenschirme,
Bistrotische und ein sich bis zu den Metalltafeln mit den
biografischen Daten ehemaliger Festspielmitarbeiter
erstreckendes weißes Zelt mit bereits festlich gedeckten
Tischen.
Auch informierten wir uns über die Preise der angeboten Speisen
und Getränke. Für deren Höhe habe ich allerdings nur ein
fassungsloses Kopfschütten übrig. Angesichts der schon sehr
hohen Eintrittspreise sind die Preise der Gastronomie reine
Abzocke. Es sei die Feststellung erlaubt, dass der Besuch der
Festspiele damit wieder nur finanziell „gutbetuchten“ Bürgern
möglich ist.
Spätestens jetzt würde sich der Hügel-Neuling fragen, ob er hier
bei einer Werbeveranstaltung des Hotel- und Gaststättenverbandes
gelandet ist oder ob das hier tatsächlich das von Richard Wagner
erbaute, berühmte Opernhaus ist, in dem jährlich seine Werke
festlich aufzuführen sind.
150 Jahre Bayreuther Festspiele. Ein großes Festprogramm war
angesagt. So sollten zum Beispiel alle zehn Werke Wagners, von
denen sonst - jährlich - nur höchstens sieben zur Aufführung
gelangen, im Jubiläumsjahr – in der Reihenfolge ihrer Entstehung
- gespielt werden. Dann aber wurde bereits im Herbst 2025 die
Sparkeule geschwungen: Aus finanziellen Gründen wurden vier
Werke gestrichen. Der Ring des Nibelungen (Wagners Hauptwerk)
würde in einer völlig neuartigen optischen Lichtschau – KI
generiert - erscheinen, zwei Einzelwerke würden
wiederaufgenommen und – ein Jugendwerk Wagners, die „große Oper
Rienzi“, die ja noch nie im Festspielhaus zur Aufführung
gelangte, würde erstmals und nur in diesem Jahre (9x) gespielt
werden. Man kann mit Recht fragen, ob damit alle
Bayreuth-Freunde zufrieden waren?
Die Voraus-Informationen über die verschiedenen Medien waren
umfangreich. Die Jubiläumsspielzeit wurde am 24.Juli mit einem
großen Festakt eröffnet, dessen Höhepunkte die Festansprache von
Nike Wagner und die Aufführung der IX. Sinfonie von L. Van
Beethoven waren. Die erste Vorstellung war dann die
Neuinszenierung des „Rienzi“. Diese Vorstellung wurde sogar
(zeitversetzt) ins Fernsehen übertragen. Nun galt es, sich auf
diese „große Oper“, die ich als erste Vorstellung besuchen
wollte, vorzubereiten. Mit Absicht habe ich die
Fernsehübertragung nur wenige Minuten eingeschaltet. Der
Opernführer informierte ja über die Handlung, gab Auskunft
darüber, wann und wo die Handlung spielte (nämlich im
Mittelalter in der Stadt Rom).
Ein stichprobenartiges Hineinhören in eine CD-Gesamtaufnahme aus
den 1980er Jahren gab Eindrücke über Texte und Musik.
Zurück zum Hügelbesuch: Ich möchte jetzt keine
musikwissenschaftliche Betrachtung über die Aufführung abgeben,
da die vielschichtige und komplizierte Handlung nach nur
einmaligem Erleben kaum zu verstehen ist. Ich schildere nur
meine unmittelbaren Eindrücke, die diese Aufführung bei mir
hinterlassen hat.
Damit ich nicht falsch verstanden werde, hier eine kurze
Vorbemerkung. Diese „große Oper Rienzi“ wurde seit dem
Ende des II. Weltkrieges nur noch sehr selten aufgeführt.
Deshalb ist ihre Handlung und ihre Musik auch weitgehend
unbekannt. Wagner hat aber über die Epoche und über den Ort an
dem diese Handlung abläuft genaue Angaben hinterlassen. Auch ist
die vorliegende Handlung verständlich beschrieben.
Was hätte näher gelegen als die Gelegenheit zu ergreifen, dieses
Stück mal wieder so zu inszenieren, dass – über alle fünf Akte
gesehen – der Eindruck hätte entstehen können, hier wird eine
Oper geboten, die im 14. Jahrhundert in Rom spielt und deren
Akteure, ihre Handlungsweisen und die letztlich schrecklichen
Endungen der Oper als unausweichlich verstanden worden wären.
Wir kennen heute Wagner-Inszenierungen, die in Bild und Regie,
in Kostüm und Maske nach unseren Begriffen als „zeitgerecht“
verstanden, aber trotzdem der Epoche in der sie spielen,
zugeordnet werden können. Dazu hätte es nur weniger dezenter
Hinweise im Bühnenbild bedurft um z.B. erkennen zu lassen, dass
man sich in Rom befindet.
Nein, es musste die gesamte Produktion in die Gegenwart gezerrt
werden. Das scheint die zentrale Order der Festspielleiterin zu
sein, denn sie hat vor den Festspielen in einem Interview mit „Taff“,
einem Team aktiver Festspielförderer, deutlich betont, dass nach
ihrer Ansicht „Tradition und Erneuerung“ untrennbar zusammen
gehören, ja dass sie sich einander bedingen“.
Nach meiner Ansicht gründen Traditionen auf der Historie und die
wird in Bayreuth ja gründlich missachtet. Das Wort Traditionen
lässt sich auch gegen das Wort Erfahrungen austauschen, aber
auch diese sind ja seit Frau Wagner die Festspiele führt,
gründlichst ausgedünnt worden. Und nun zur Erneuerung: An
Wagners Werken gibt es nichts zu erneuern! Wagner wird nicht
umsonst als der größte deutsche Opernkomponist aller Zeiten
bezeichnet, denn seine Werke sind allumfassend perfekt,
verständlich und zeitlos gültig. Der große Zustrom von
Zuschauern ist dadurch entstanden, dass jeder Opernfreund
wusste, in Bayreuth werden Wagners Werke so gespielt, wie der
Komponist sie hinterlassen hat. Egal, welcher Regisseur zum
Einsatz kam, egal welchen Bühnenbildner er mitbrachte, auch
„zeitgerechte“ oder „zeitnahe“ Ins-zenierungen haben diese
eherne Regel beachtet. Deshalb entstanden in den Jahrzehnten ab
1951 jahrelange Warteschlangen bis zur Zuteilung einer
Eintrittskarte. Frau Wagner aber versteht unter Erneuerung die
Verstümmelung der Werke ihres Urgroßvaters. In den
Inszenierungen seit 2010 wurde die Handlung und das Bühnenbild
von Text und Musik entfernt. Mit anderen Worten: Was auf der
Bühne aufgebaut ist und welche Handlungen in völlig fremden
Bildern stattfinden, sie sind mit den Texten und der Dramatik
der Musik nicht vereinbar. Und damit komme ich zur aktuellen
Berichterstattung über die „Rienzi“- Inszenierung zurück.
Das Saallicht erlosch, die ersten Piano-Töne der Ouvertüre
wurden hörbar, da öffnete sich der Vorhang und die ganze
Aufmerksamkeit wendete sich dem zu, was man jetzt auf der Bühne
zu sehen bekam. Es waren dies drei Dachzimmer eines modernen
Hochhauses, in denen Rienzi in Akten blätterte, seine Schwester
Irene Hausarbeit verrichtete und ein kleiner Junge
(offensichtlich unwohl) sich im Bett wälzte - und später starb.
So verstrich die musikalisch sehr interessante Ouvertüre, ohne
dass der Zuschauer sich dessen voll bewusst wurde, weil die
Szene ihn ablenkte.
Zum Verständnis: Wagner hat keiner seiner Ouvertüren oder den
Vorspielen eine szenische Handlung voraus gehen lassen.
Und dann begann der I.Akt und die drei Zimmer erhoben
sich langsam aus der Unterbühne bis sie letztlich den oberen
Abschluss eines vierstöckigen Hochhauses bildeten. Waagerecht
waren die Räume miteinander verbunden. Senkrecht gab es außen
zahlreiche Feuerleitern, die andauernd begangen wurden. Vor
dieser Häuserfassade spielte sich nun der gesamte I.Akt ab, in
dem der Chor lautstark in Bewegung war. Die Hauptaufmerksamkeit
galt natürlich den Solisten – Rienzi, seiner Schwester Irene,
den Oberhäuptern der Familien Orsini und Colonna sowie dem Sohn
von Colonna, Adriano.
Und, es wurde laut, sehr laut. Chor und Orchester in Hochform.
Teilweise sangen die Solisten ihre Partien, während das
Orchester tönte oder der Chor seine Tiraden gegen den einen oder
für den anderen lautstark intonierte. Da die Texte ja weitgehend
unbekannt sind, verstand man die Solisten sehr schlecht.
Besonders der Sänger des Rienzi, Andreas Schager, ein Wiener
Heldentenor mit Riesenstimme und unendlichen Luftreserven
„brüllte“ seine Partie vom ersten Akt bis zum Ende der
Vorstellung.
Ohne Pause schloss sich der II.Akt an. Nach kurzer
Absenkung der Schalldecke wurde sichtbar, dass das Hochhaus
getrennt worden war und seine Teile nach rechts und links
geschoben worden waren. (Nach meiner Kenntnis der Verhältnisse
auf der Bühne, mit ihrer Neigung von 2,5%, erfordert diese
Häuserverschiebung und Drehung um ihre senkrechte Achse, einen
hohen technischen Aufwand.
Auf der Rückseite des Bühnenbildes wurde nun eine große weiße
Wand sichtbar, auf der der zuvor ausgetragene Wahlkampf um das
Spitzenamt der römischen Politik zwischen den drei
Familienoberhäuptern und der anschließenden Abstimmung über
Wahlcomputer und Knopfdruck nun in %-Zahlen den Sieger anzeigte.
Die Wahl gewonnen hatte Rienzi, der (schon damals) große
Versprechungen machte und danach zu einer Siegesfeier einlud.
Die unterlegenen Bewerber Orsini und Colonna gelobten
(widerstrebend) Gefolgschaft, planten aber, bei der Siegesfeier
jede Gelegenheit zu nutzen, um Rienzi zu ermorden. Mit dem
Siegesgeschrei der Rienzi-Anhänger schließt sich der Vorhang.
Großer Pausenapplaus!
Da stellt man sich doch mit Recht die Frage, was hat ein
moderner Wahlkampf mit den Auseinandersetzungen von
Familientyrannen des Mittelalters in Rom zu tun?
Im III:Akt findet die Siegesfeier statt, vorwiegend
bewegt sich der Chor auf Treppen, für die Darsteller
beschwerlich. Rienzi, im Überschwang der Freude über den Sieg
über seine Mitbewerber, empfängt zahlreiche Gäste aus dem In-
und Ausland. Eine vorgeschlagene Erhebung zum König lehnt er ab,
betont jedoch das Recht Roms, bei der deutschen Kaiserwahl ein
gewichtiges Wort mitzureden. Dann – und so hat Wagner das
angeordnet - folgt eine Einlage, eine Pantomime. Richard Wagner,
in Größe eines zehnjährigen Kindes (ganz in Gold getaucht)
marschiert auf. Während er selbst mehrmals das Rad schlägt,
fährt aus der Unterbühne ein Bühnenportal mit einer dahinter
liegenden Spielfläche auf Bühnenhöhe. Und nun präsentiert der
„kleine Wagner“ alle seine Bühnenwerke in kurzen pantomimischen
Sketschen. Ich persönlich habe es nicht mitbekommen, dass in
diesem Getümmel der Versuch unternommen wurde, Rienzi zu töten.
Der Anschlag misslingt, Rienzi schwört Rache., ein Gericht
verkündet das Todesurteil über Orsini und Colonna. Adriano, der
Sohn Colonnas kann Rienzi umstimmen, er lässt Gnade walten. Er
ruft das Volk zum Kampf auf.
Im IV. Akt findet der große Aufstand der Römer gegen die
Aristokraten statt. Schlachtengetümmel – für mich in dieser
Inszenierung – unüberschaubar. Statt, wie von Wagner vorgesehen
– die Leiche Colonnas (der im Kampfgetümmel gestorben sein
sollte) hereinzutragen, erschießt Rienzi die beiden verhassten
Konkurrenten eigenhändig mit der Pistole. Adriano, Colonnas
Sohn, selbst mit Rienzis Schwester Irene verbandelt, bricht mit
dieser Familie. Der Kardinal verkündet den Kirchenbann über
Rienzi, nur noch seine Schwester Irene steht zu ihm.
V. Akt:
Von der genannten Laterankirche ist nichts zu sehen, in der
Rienzi sein berühmtes Gebet singt. Hier hätte man sich auch
einen klangvolleren Tenor als Andreas Schager gewünscht. Den
dann ausbrechenden Bränden und den zusammenstürzenden Gebäuden,
die Rienzi, seine Schwester Irene und deren Verloben Adriano in
den Tod reißen, habe ich nichts mitbekommen. Meine Wahrnehmung
ist, es ist einfach zu viel Getümmel auf der Bühne.
Zusammenfassung:
Die „große Oper Rienzi“ ist ein gewaltiges Werk, das niemand
kennt, weil das Stück selten oder nie aufgeführt wird. Nach
Befragung mehrerer Mitbesucher der Vorstellung habe ich
festgestellt, dass sehr viele das im Opernführer gelesene, in
dieser Inszenierung nicht wieder gefunden haben.
Der technische Aufwand dieser Inszenierung ist gewaltig,
Unterbühne und Schnürboden sind ständig in Bewegung. Es stellt
sich dem Besucher (und auch mir) öfter im Verlauf des Stückes
die Frage, ist diese Art der Darstellung die „Erneuerung“ von
der Katharina Wagner da spricht. Dazu taugen Wagners Stücke
nicht. Ich frage mich aber auch, warum so viele Besucher der
Vorstellung, die der gleichen Ansicht sind, dass sich hier nur
in der Musik, in den gesungenen Texten, in der großartigen
Darbietung der Chöre und in der Orchestermusik Wagners große
Kunst offenbart. Warum werden solche Entgleisungen der optischen
Darstellung nicht mit Missfallenskundgebung quittiert?
Schade ist, dass die Gesamtlautstärke so dominierend war, dass
die Solisten sehr schwer zu verstehen waren. Die Regie hätte sie
auch öfter aus der Masse der Menschen auf der Bühne herauslösen
können.
Zwar beeindruckt vom Bemühen der Sänger und von der technischen
Leistung die geboten wurde, die aber trotzdem nicht das Gefühl
der Einzigartigkeit vermittelte, machte ich mich auf den Rückweg
zum Hotel.
Tags darauf allerdings erlebte ich eine Aufführung des
„Fliegenden Holländers“, die mich wieder viel freundlicher
stimmte.
Die Inszenierung stammt aus dem Jahre 2021. Das Bühnenbild
allerdings vermittelt zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise,
dass es sich hier um eine Seefahrergeschichte handelt. Kein
Meer, kein Sturm, kein Schiff, keine Segel, nichts als ein paar
zweigeschossige, von innen beleuchtete Häuser, die bei jedem
Szenenwechsel (um die fest postierten Straßenleuchten) herum
gedreht oder in eine neue Position geschoben wurden. Das alles
vor einem glatten, matt erleuchteten und halbrund gespannten
Horizont.
Auch in dieser Inszenierung öffnet sich zum Beginn des Vorspiels
der Vorhang und zu sehen ist eine bizarre und stumme Verführung
einer Frau durch (vermutlich) Daland und den grausamen
Selbstmord dieser Frau durch Erhängen in Gegenwart ihres ca.
achtjährigen Jungen, der offensichtlich der junge Hölländer sein
soll.
Das bei der zuvor geschilderten Gebäudepositionierung auch die
Personalregie zu kurz kommt, ist kein Wunder.
Der I. Akt spielt in einer Hafenkneipe. Das vom Orchester
dramatisch angekündigte Eintreffen des Holländer-Schiffes findet
nicht statt. Stattdessen steht ein Mann außerhalb der Kneipe
(offensichtlich der Holländer) vor einem Haus und starrt
inständig zu einem Fenster hinauf, aus dem sich vor …. zig
Jahren seine Mutter in den Tod stürzte. Später betritt der
Holländer die Kneipe und setzt sich unbemerkt an einen der
Tische. Von dort aus verkündet er dann auch, dass die „Frist von
sieben Jahren abgelaufen ist“.
Auch findet die Zusammenkunft der Spinnerinnen in einem Innenhof
statt (Spinnräder kommen auch keine zum Einsatz).
Der Erfindungsreichtum des Regisseurs treibt seltsame Blüten. So
findet das erste Duett der beiden Liebenden (Wie aus der Ferne
längst vergangner Zeiten ….....) während eines gemütlichen
Kaffeekränzchens statt, wobei Mary und Daland Zeugen sind.
Oder - im letzten Akt - beim Wettsingen der Norweger gegen die
Mannschaft des Holländerschiffes singt der Chor den Horizont an,
während die Matrosen des Holländerschiffes – den Rücken dem
Publikum zugewandt – regungslos auf dem Vorderteil der Bühne in
die Häuserflucht hinein singen.
Der Schluss der Oper bringt auch keine Erlösung des Holländers
in Wagners Sinne, denn die plötzlich auftauchende Mary erschießt
den Holländer mit einem langläufigen Gewehr und schleudert die
entsetzt herbei eilende Senta in eine Bühnenecke.
Aber, für alle diese Mätzchen wird der Besucher durch die
Präzision des Chorgesanges, den vollendeten Klang des
Orchesters, vor allen Dingen aber durch die Leistung der
Solisten in vollem Umfang entschädigt. Auf viele Jahre und das
Erleben zahlreicher Holländer-Aufführungen zurückblickend kann
ich sagen, dass ich noch nie eine so hochklassige
Solistenbesetzung des Holländers zuvor gehört habe. Mit Recht
wollte der Applaus an diesem Abend nicht enden, immer und immer
wieder wurden die Sänger und auch die ukrainische Dirigentin vor
den Vorhang gerufen.
Mit dem Besuch zahlreicher alter Bekannter endete mein
Bayreuth-Besuch am übernächsten Tag. Der Besuch einer
Wagner-Aufführung in dem vom Komponisten geplanten und
errichteten Opernhaus ist und bleibt – auch bei allen genannten
Einschränkungen – immer wieder ein großartiges Erlebnis.
Heribert Bludau – Mitarbeiter Bayreuther Festspiele mit
Jahresfestvertrag von 1971 bis 1983
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Impressum

erscheint als nichtkommerzielles Rundschreiben der
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‘Musiktheater‘ wurden als Zitate aus dem Hermes Handlexikon übernommen.
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Dieter Hansing
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