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Liederabend an der
Nds. Staatsoper Hannover
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Nehmen wir doch das Ende der Veranstaltung an
den Beginn unserer Bemerkungen.
Das Publikum applaudierte mitfühlend, nachdem die letzten Töne
verklungen waren, denn man nahm ernst, was man gesehen und
gehört hatte.
‘Die Winterreise* stand am 6.2.2026 auf dem Programm: ein Tenor
hatte sich mit seinem Klavierbegleiter angesagt.
Die beiden traten vor ein Publikum, das sich auf das Parkett und
den ersten Rang verteilte, zweiter und dritter Rang blieben
geschlossen. Man hatte, nachdem der Vorverkauf nicht recht
funktionierte, mit der Maßgabe gelockt:
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Zitatende
Und so kamen auf eine von der Technik ansprechend hergerichteten
Bühne, die beiden Protagonisten, die sich anschickten, das wahr
zu machen, was aus dem Text hervorging:
‘Zwei arme Tröpfe‘ in einer Adjustierung, die dem mittellosen
Leierkastenspieler gerecht wurde. Im gegebenen Fall ist – so wie
man auch noch ansonsten mit leidensbitterer Miene auftrat -
‘Barfuß‘ passend,
Aus dem Programmheft hatte man entnommen, dass beide
Darbietenden in Bayern geboren wurden. Das Publikum erwartete
nun vom Sänger nicht unbedingt die Texte von Wilhelm Müller in
einer bayerischen Sprechweise zu Gehör zu bringen. Es gelang dem
Sänger aber hier einen gewissen geheimnisvollen Sprachduktus zu
erzielen. Auch war es ihm möglich, auf das Sprechen von
Konsonanten innerhalb der Wörter nahezu zu verzichten und
Endkonsonanten gänzlich hintan zu stellen. So ergab sich vom
Text her ein unaufgeregter Vortrag. Dieser, natürlich im
völligen Gegensatz zu z.B. Fischer-Dieskau, bei dem man ja jedes
Wort verstand und man damit dem Rätselraten z.B. im Lohengrin
auf die Textstelle: ‘Nun sei bedankt mein lieber Schwan‘ –
jemand im Publikum fragte: ‚‚Was sagte der Mann zu der Gans“
entraten musste.
Als ‘hochinteressant‘ kann man den musikalischen Teil
bezeichnen, konnte man doch den gesamten Abend über Kenntnis
davon nehmen, wie der Chorleiter Ratzinger der Regensburger
Domspatzen, zu denen auch der Sänger des Abends gehörte, den
Schülern vor dreißig Jahren ein flaches Chorsingen beibrachte, -
wobei die hellen Vokale der Worte betont wurden, um eine
brillante Tongebung zu ermöglichen, manche mögen es als nasales
Singen bezeichnen.
Weiterhin beachtenswert, wie der Sänger bei seiner weiteren
beruflichen Entwicklung diese Technik – auf dem Stimmbändern
‘herumzusingen‘ - benutzte, was dazu führt, dass nun das
Stimmorgan deutlich macht: “mir ist weh getan worden“, denn vom
natürlichen Vibrato ist der Weg nicht weit zum Tremolo und zur
Quintenschaukel.
Hier scheint ein ‘hochqualifiziertes Coaching‘ am Werk zu sein,
denn diese Entwicklungen fallen einem versierten Stimmpädagogen
rechtzeitig auf und er weiß, was er zu tun hat.
Dazu gehört natürlich auch die Wahl der Werke, denen man sich
aussetzt. Hier sind auch der Theaterdirektor und der
musikalische Oberleiter im Rahmen der Fürsorgepflicht gefragt:
Wem gebe ich welche Rolle, damit er nicht überfordert wird?
Max und Lohengrin zu übernehmen, weil der Agent es für richtig
befindet, ist natürlich löblich, denn das Honorar ist
verständlicherweise für die Vermittlung und den Auftritt bei
einem Siegmund höher als bei einem Evangelisten, wobei man von
der Kirchenmusik heutzutage nicht in Saus und Braus leben kann,
gibt es doch kaum noch ‘Hochzeits- oder Gruftmucken‘.
Wenn man allenfalls ein ‘Holländer-Steuermann‘ ist, dann sollte
man beim z.B. Idomeneo, Tamino, Belmonte, Ottavio bleiben und
schon gar nicht nach dem Erik und den übrigen Helden schielen
und die teilweise sogar auch noch öffentlich vortragen.
Insgesamt gesehen war es ein Abend, währenddessen man zwei, wie
Straßensänger gekleidete und beschuhte Bayern (dass wenigstens
der Sänger nicht Sneakers mit hell abgesetzter Sohle trug,
verwunderte. Gibt es in der Oper für solche Auftritte keinen
Dresscode?)
Dem Publikum konnte das Elend der Straßensänger, somit schon vom
äußeren Erscheinungsbild her, mehr als deutlich gemacht werden.
Es dankte mitleidvoll ob des musikalischen Vortrags, gemäß den
Vorgaben der Chorleitung der Regensburger Domspatzen.
So bleibt dem Leiermann verständlicherweise der ‘Teller immer
leer‘.
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Um 'Missverständnisse' zu vermeiden:
Als Zeitungs- / Theater-Abonnent und Abnehmer von voll bezahlten
Eintrittskarten aus dem freien Verkauf verstehe ich
diese Besprechungen und Kommentare nicht als
Kritik um der Kritik willen,
sondern als Hinweis auf - nach
meiner Auffassung - Geglücktes oder Misslungenes.
Neben Sachaussagen enthalten diese Texte auch Überspitztes und
Satire.
Hierfür nehme ich den Kunstvorbehalt nach Artikel 5,
Grundgesetz, in Anspruch.
Dieter Hansing
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