|
Die
Schwachen kämpfen nicht.
Die Stärkeren kämpfen vielleicht
eine Stunde lang.
Die noch stärker sind, kämpfen viele Jahre.
Aber die Stärksten kämpfen ihr Leben lang.
Diese sind unentbehrlich.
Bert
Brecht
|
Liebe Steuerzahlerinnen und Steuerzahler,
mit den besten Wünschen
für das Jahr 2026 möchten wir zugleich darauf hinweisen,
dass nach wie vor – allein an den mit öffentlichen
Geldern finanzierten Theatern z.B. in Hannover und
Regensburg – Millionenbeträge ausgegeben werden, ohne
dass der kultur- und bildungspolitische Auftrag erfüllt
wird.
Wir nehmen diese
Entwicklung nicht einfach hin, sondern prangern sie an.
Wir haben vieles unternommen und kämpfen weiter.
Was sich seit einiger Zeit
auf unseren Bühnen vollzieht, ist eine systematische
Missachtung der Werkintentionen der klassischen Opern-
und Theaterliteratur. Aus Unkenntnis oder bewusstem
Kalkül werden Werke zu Lasten des Steuerzahlers
verfälscht auf die Bühne gebracht – verantwortet von
Entscheidungsträgern in den Ministerien, fortgeführt
durch die von ihnen eingesetzten Theaterleitungen und
Dramaturgien und letztlich hingenommen von der
musikalischen Oberleitung. Statt den Autoren zu folgen,
werden ihre Werke z.B. durch ein sogenanntes „Verheutigen“
aus ihrem historischen, geistigen und ästhetischen
Zusammenhang gerissen. Sie werden verfremdet, entstellt
und letztlich dem Spott preisgegeben.
Das – ohnehin zunehmend
ausbleibende – jüngere Publikum, sofern es den Weg ins
Theater überhaupt noch findet (man beachte die erneut
geschlossenen Ränge), nimmt diese Darstellungen dann als
Maßstab: als „so ist das Stück eben“. Der Applaus für
den Klamauk verstärkt die Fehlentwicklung weiter.
Ein aktuelles Beispiel ist
der jüngst gespielte Lohengrin in Hannover, der
nach kurzer Laufzeit in der „Hannoverschen Senke“
verschwand. Ähnliches gilt für die dort
wiederaufgenommenen Berman-Produktionen von Tosca,
Otello und Der Rosenkavalier.
Wer in Hannover nach dem
Ende der Ära Puhlmann, Klügl und nach dem Überleben der
Berman-Zeit – letztere erklärte selbst, sie liebe
Unterhaltung – gehofft hatte, unter einem von der SPD
geführten Ministerium werde zu einer werkangemessenen
Aufführungspraxis zurückgekehrt, sieht sich enttäuscht.
Passend dazu die Aussage der Ehrenvorsitzenden des
Richard-Wagner-Verbandes Hannover: „Ich liebe modische
Inszenierungen.“
Die ersten Aufführungen
unter der neuen Theaterleitung, nach langjähriger
CDU-Einflussnahme und dem berüchtigten Diktum eines
CDU-Politikers „Nun ist aber genug mit Oper“, zeigen
vielmehr die konsequente Fortsetzung dessen, was man
nach dem Besuch der Walküre in Saarbrücken
bereits befürchten musste.
Unsere größte
Anteilnahme gilt den auf den Bühnen unmittelbar
Beschäftigten, die gezwungen werden, das von der Regie
vorgegebene szenische Gemache umzusetzen.
- Gilles, Lang & Partner - kulturjournal.de -

Im Januar 2026
“Ein politischer Mann ist widerlich,
ein politisches Weib aber grauenhaft"
Quelle: Richard Wagner im Brief an Franz Liszt
vom
30. Januar 1852
Bemerkungen zur szenischen Umsetzung von
'Lohengrin'
Große romantische Oper in drei Aufzügen
von Richard Wagner an der Nds. Staatsoper Hannover
besuchte Vorstellungen am 14.9.2025 und 30.11.2025




Zitatende
Quelle: Nds Staatstheater GmbH - Fotos wie im Bild
angegeben
Mitteilung der Nds. Staatsoper Hannover GmbH
|
Zitat
Lohengrin
Romantische Oper von Richard Wagner
Libretto vom Komponisten
Koproduktion mit der Opéra National de Lyon
Einführung: 45 Minuten vor Beginn
Deutsch mit deutschen und englischen Übertiteln
„Ha, nennst du deine Feigheit Gott?“
Politische Instabilität herrscht im Herzogtum
Brabant: Seit dem Verschwinden des Thronfolgers
Gottfried ist die Nachfolge ungeklärt. Elsa, die
ältere Tochter des verstorbenen Herzogs, wird
angeklagt, ihren Bruder ermordet zu haben, um an
seiner Stelle herrschen zu können.
Doch der Kläger ist selbst von Machtinteressen
gesteuert und der Einfluss von König Heinrich,
der Recht sprechen soll, ist zweifelhaft. Ein
Gottesurteil soll für Ordnung sorgen, indem der
Kläger und ein Vertreter Elsas gegeneinander
kämpfen.
In der scheinbar aussichtslosen Lage ergreift
ein geheimnisvoller Fremder für Elsa Partei —
Lohengrin. Er gewinnt den Kampf, doch das
Gottesurteil wird aufgrund der mysteriösen
Umstände von interessierter Seite angezweifelt.
Auch Lohengrins Erfolg bei den brabantischen
Massen kann keine dauerhafte Ordnung herstellen.
Erst die Aufklärung der Tat und ein
Schuldeingeständnis sorgen für neue Stabilität —
dabei aber auch für den Abschied des
märchenhaften Retters und das Ende der scheinbar
bedingungslosen Liebesbeziehung.
Fast 40 Jahre nach der legendären Inszenierung
von Hans-Peter Lehmann bekommt die Staatsoper
Hannover eine neue Lohengrin-Produktion.
So, wie Richard Wagners Oper die historische
Figur von Heinrich I. mit der Legende um den
heiligen Gral verbindet, martialische Chöre mit
ätherischen Klängen, verbindet Richard Brunel in
seiner Inszenierung die Frage nach dem
Zusammenhang von Macht und Gerechtigkeit mit
tiefenpsychologisch inspirierten Bildern.
-
Musikalische Leitung: Stephan Zilias / Mario
Hartmuth
-
Inszenierung: Richard Brunel
-
Mitarbeit Regie: Catherine Ailloud-Nicolas
-
Bühne: Anouk Dell'Aiera
-
Kostüme: Nathalie Pallandre
-
Licht: Laurent Castaingt / Andreas Schmidt
-
Chor: Lorenzo Da Rio
-
Dramaturgie: Ann-Christine Mecke
-
Xchange: Kirsten Corbett
[…]
Zitatende
Quelle:
https://staatstheater-hannover.de/de_DE/programm/lohengrin.1378516
|
Kommentar:
Geradezu anmaßend, wie hier Richard Wagner mit Richard
Brunel verglichen wird,
gemessen an dem Schmarrn, der am
Ende der Produktion herauskommt:
|
Zitat
So, wie Richard Wagners Oper die historische
Figur von Heinrich I. mit der Legende um den
heiligen Gral verbindet, [...]
verbindet Richard Brunel in seiner Inszenierung
die Frage nach dem Zusammenhang von Macht und
Gerechtigkeit mit tiefenpsychologisch
inspirierten Bildern.
Zitatende
|

|

Frau
Ann-Christine Mecke
Dramaturgin an der Niedersächsischen Staatsoper
Hannover
Opernplatz 1
30175 Hannover
Sehr geehrte Frau Mecke,
der Herr Geschäftsführer der Nds. Staatsoper
Hannover beauftragte Herrn Richard Brunel,
Richard Wagners romantische Oper 'Lohengrin' in
Szene zu setzen.
Er konnte den Auftrag nicht erfüllen, der
Versuch misslang.
Um Ihnen die Arbeit in Zukunft bei der zu
befürchtenden Wiederaufnahme der Produktion zu
erleichtern, stellen wir Fragen zur szenischen
Umsetzung des Werkes und geben Ihnen nachfolgend
einige Hinweise zum Thema.
Zunächst sei darauf hingewiesen, dass unter dem
Begriff 'romantisch' folgendes KI-gesteuert zu
verstehen ist.
|
"Romantik" bezieht sich sowohl auf die
kulturelle Epoche der Romantik (ca.
1795–1848) als auch auf den allgemeinen
Begriff für gefühlsbetonte,
nicht-rationale Empfindungen, Liebe oder
Fantasie, die heute eine Rolle spielen.
Die Epoche war eine Reaktion auf die
Aufklärung, die Gefühle,
Naturverbundenheit, Sehnsucht und das
Unbewusste in den Vordergrund rückte,
während im heutigen Sprachgebrauch
"romantisch" oft für eine gefühlvolle,
sentimentale Atmosphäre verwendet wird,
etwa in "romantischen Stunden".
Zitatende Quelle: Wikipedia |
Sie, Frau Mecke, lassen auf dem Besetzungszettel
schreiben: "Lohengrin von Richard Wagner".
Da Sie auf der Bühne etwas anderes zeigen, als
Richard Wagner vorgibt, handelt es sich hier um
eine Täuschung der Öffentlichkeit mit allen
rechtlichen Konsequenzen.
Hinzu kommt aus unserer Sicht Grundsätzliches:
|
Zitat
'Das deutsche Mittelalter in einer
prägnanten Farbe'
...
.... meint Richard Wagner - in 'Mein
Leben', München, 1989, auf Seite 224
beschrieben - für seinen 'Lohengrin'
gefunden zu haben, als er sich sehr
sorgfältig mit den ihm zur Verfügung
stehenden Quellen für diese romantische
Oper auseinandersetzt. Aus der
Grimm'schen Sagensammlung übernimmt er
die Motive der Halskette, das Verbringen
von Kindern in den Wald und die
Verwandlung von Menschen in Schwäne. Als
Dramaturg erstellt er so aus den
mittelalterlichen Dichtungen und
tradierten Überlieferungen ein
komprimiertes Handlungsgeflecht, das die
Figuren in den zeitlichen Rahmen von
drei Tagen stellt. Entscheidend ist
allerdings, dass die Handlungsstränge
ihre Ausgangslage in der Vorgeschichte
des Stückes und damit die Entscheidung
für den Ablauf in Ortruds realem oder
vermeintlichem Anspruch auf das
Herzogtum Brabant haben.
Dies ist der Auslöser für das Geschehen
auf der Bühne. Ohne die Grundhaltung der
Ortrud gäbe es keine Notwendigkeit,
Lohengrin erscheinen zu lassen und das
Gift des Zweifels in Elsas Herz zu
gießen.
Die Figur der Gegenspielerin der
weiblichen Lichtgestalt Elsa, 'Die
Böse’, ist nicht in allen Quellen zum
'Lohengrin’ gegeben. Sie wird im 'Baierischen
Lohengrin' als 'die von Kleve'
angeführt:
Daz maer in allen was nû zart,
wan der einen, der ir wirt gevellet wart
von im ze Antwerf, dô er quam geslichen
Un valt mit tioste den von Kleven,
daz man in verquetschet ûdem ros muost
heven,
wan im sîn zesmer arme was entwichen.
Diu sprach nû gar zühhteclîh 'ich hân
erbiten kûû
Daz ich den degen hân gesehen,
dem sô gar diu menige kann des lobes
iehen
und wie er in dem strît die dicke rûme.'
Sie sprach: 'er tiurt die kristenheit.
Sicherlîch, als ir uns, vrouwe, habt
geseit,
sô hât der kristen geloube sîn genozzen.
Und waer er niur dar zuo geborn,
daz sîn lop niht adelshalbe waer verlorn.
sô ist ot er weizwann dort her gevlozzen,
Dáz niemant gewizzen kann, welh ent sîn
adel reiche.'
daz wort der herzoginne gie
in daz herze, dâ von sie ein route gevie,
die nam ir ab ein snellclîchiu bleiche.
(Cramer, Thomas: Lohengrin, München,
1971, Vers 692, Seite 535)
War Wagner anfänglich davon ausgegangen,
seine Romantische Oper Lohengrin
glücklich ausgehen zu lassen, Hermann
Francke aus Breslau war einer der
Verfechter, so kehrte er auch
unterstützt von außen, Adolf Stahr,
einer der einflussreichsten Kritiker des
Vor- und Nachmärz fand, dass Lohengrin
gar keine solche Lichtgestalt sei, denn
er verlangt von den Menschen etwas
Inhumanes, nämlich Gehorsam gegenüber
jemanden, den man gar nicht kennt - zum
negativen Ende zurück.
Besonderen Einfluss auf den Schluss des
Werkes nahm auch die Gattin des
damaligen Intendanten der königlich
sächsischen Oper in Dresden, Ida von
Lüttichau. Der Lohengrin habe so - eben
mit der Abberufung durch den Gral zu
enden und nicht anders. (ML Seite 340)
Wagner sah sich als Revolutionär in
künstlerischer wie auch in politischer
Hinsicht, meinte er doch, in seiner
Königstreue, den Monarchen als ersten
Republikaner des Staates zu erkennen.
Im ‘Lohengrin‘ vermischt sich Wagners
Sicht auf das Mittelalter mit seiner
Situation um 1845 als die Prosafassung
zum Lohengrin in Marienbad entstand.
Eine Revolution habe nach Wagners
Ansicht von einer herausragenden Person
geleitet zu werden, so projizierte er
die Führung dieser Veränderung auf eine
Gestalt von oben - hier also des
Lohengrin, während das Volk eine passive
Masse bleibt, ohne selbst einzugreifen,
also nur dem Befehl in voller Sympathie
zum 'Führer' zu folgen.
Dies hat zwangsläufig einer
Gefühlsüberfrachtung des Verstandes zur
Folge, man betrachtet die Welt, erkennt
sie als schön, ohne Zuhilfenahme des
Intellekts, der diese gefühlsmäßige
Erkenntnis in Frage stellen könnte.
Schönheit als unreflektierter Anfang von
Wahrheit?
Lohengrin verbietet daher die Nachfrage
in Bezug auf seine Person, man habe zu
glauben - daraus ergebe sich die
Wahrheit.
Die Zeit der Aufklärung widersprach dem
Glaubensgedanken und so lässt Wagner die
Ortrud als eine Verfechterin des
Realismus in der Natur, Elsa verleiten,
nachzufragen und eben nicht zu glauben,
es werde schon seine Richtigkeit haben,
mit dem, der da gekommen ist, denn "wer
glaubt, ist nie allein."
Wagner sah sich selber als Künstler in
der Gestalt des Lohengrin, der
Heilsbringer für die Oper, für das
Theater, an den man einfach zu glauben
habe.
Elsa widersetzt sich den Vorgaben von
Lohengrin, nach seiner Person nicht zu
fragen, so dass sie Schuld trägt,
Lohengrin an der menschlichen Liebe
nicht teilhaben lässt, sondern auch noch
die Gesellschaft ins Unglück stürzt, da
der Segen nun - durch der Rückkehr des
Heilsbringers in den Gral - nicht kommen
kann.
Elsa also nicht nur die
'Nicht-Erlöserin' im engen Raum der
unmittelbar Betroffenen, sondern eben
auch für die Menschen als solche.
Durch das Erscheinen Gottfrieds wird die
Rückkehr zum alten Schema der Herrschaft
eingeleitet. Die Menschen waren und sind
nicht so weit, das Heil zu erkennen, das
ihnen von einer größeren Macht zuerkannt
werden soll.
'Ortrud'
Studien zur negativen Frauenfigur im
‘Lohengrin‘ von Richard Wagner
0.
Einleitung
Der schöpferische Vorgang der Entstehung
des ‘Lohengrin‘ mit der Kontrastfigur
der Ortrud zu Elsa ist stark geprägt von
Richard Wagners persönlichen
Lebensumständen. Dokumentiert sind sie
in seinen Briefen und in Äußerungen von
Zeitzeugen.
Durch die Analyse des dramatischen und
musikalischen Materials wird eine
kritische Sicht auf die Figur der Ortrud
entwickelt, die - bis zum 28. April
1848— verfasst, sich auf 'Sämtlichen
Schriften und Dichtungen' von 1871
stützt, somit keine Rezeptionsgeschichte
darstellt.
Aussagen aus 'Mein Leben' und in den
Tagebüchern Cosimas sind daher in Bezug
auf die Entstehung des ‘Lohengrin‘ nur
mit dem gebotenen Vorbehalt verwendet,
da die zeitliche Distanz, die veränderte
Lebenssituation und Cosimas Einfluss zu
modifizierter Selbstinterpretation
führten.
Verglichen mit den Frauenfiguren Senta,
Elisabeth, deren Aufgabe die Erlösung
des Mannes ist, stellt Ortrud, durch
ihren auf das Praktische, den
nächstliegend gerichteten Verstand,
einen neuen und für den Übergang in die
Mitte des 19. Jahrhunderts gehenden
neuen Frauentypus dar. Hier wird auch
die Gegensätzlichkeit von Glaube und
Zweifel, von Gefühl und Verstand in der
Gegenüberstellung von Elsa und Ortrud
deutlich.
0.1.1
Stand der Forschung
Vergleicht man die verschiedenen Text- /
Partiturausgaben, so fällt auf, welch
unterschiedliche Ergebnisse vorgestellt
werden. Die Gesamtausgabe spricht
beispielsweise von einer romantischen
Oper, während das neueste Textbuch den
Begriff fehlen lässt und dieser
Tatbestand in einem Nachwort erläutert
wird. Eine Vielzahl von Divergenzen
besonders in den Regieanweisungen zeigen
sich zwischen den einzelnen Ausgaben,
obwohl die von Richard Wagner
autorisierte Textausgabe von 1871
vorliegt, auf die sich auch die
Gesamtausgabe stützt.
Gemessen an der Vielfalt von Literatur
zum Thema Richard Wagner, mangelt es
bisher an einer neueren kritischen Sicht
seines Verhältnisses zu den ihn
umgebenden Frauen speziell vor und in
der Zeit der Entstehung des ‘Lohengrin‘
und der sich aus der ihm aus der
Literatur bekannten Gegebenheiten der
Situation der Frau in der griechischen
und römischen Antike und germanischen
Vorzeit.
Wurde der ‘Lohengrin‘ verschiedentlich
ausgeführt, beschäftigen sich mit
Richard Wagner als Textdichter nur
Wenige. Mit der Ortrud setzt sich nur
Hans Mayer detaillierter auseinander.
Ansonsten wird die Figur in
Enzyklopädien erwähnt und lediglich in
Programmheften zu verschiedenen
Inszenierungen kurz abgehandelt.
Gender-Studien in den Natur-, Rechts-
und Geisteswissenschaften haben sich in
den letzten Jahren etabliert, auch
Opernfiguren in Analysen einbezogen und
die Ergebnisse in 'Das Weib der Zukunft'
oder 'Man töte dieses Weib'
dokumentiert.
Ortrud wird lediglich als
Ausnahmegestalt, ohne speziell darauf
einzugehen, erwähnt.
1.0
Die Situation der Frau
1.1
Das Patriarchat
Die Polarisierung der Frau in
Heilige auf der einen und Hure und Hexe
auf der anderen Seite - Elisabeth und
Venus, Elsa und Ortrud - ergibt sich aus
der Entwicklung des Patriarchats. Der
sich zwischen 3100 und 600 vor der
Zeitenwende entwickelte Umsturz des
Mutterrechts war ein Prozess des
Übergangs von einer sozialen Struktur
auf der Grundlage von Stammesbeziehungen
zu einer zur Klassenzugehörigkeit
bestimmten Gesellschaftsstruktur und
führte zur Instrumentalisierung der Frau
als Gebärerin legaler männlicher Erben.
Ihrer Entrechtung und Versklavung durch
die biblische Genesis, die Frau zur
Trägerin der Erbsünde und damit zur
Verantwortlichen für alles Übel in der
Welt erklärend, wird von den
monotheistisch-patriarchalischen
Religionen bis heute vertreten.
1.2
Die Stellung der Frau in Deutschland
im Vormärz bis 1848
Die Standesordnung, der Glaube an das
Gottesgnadentum, die Erziehung zum
Gehorsam festigten die
gesellschaftlichen Strukturen in den
Zeiten der Restauration und verwiesen
die Frauen in den engen Bereich der
Häuslichkeit, schlossen sie von der
Möglichkeit umfassender Bildung und der
politischen Betätigung aus. Somit hatten
die Frauen auch noch im 19. Jahrhundert
kaum Möglichkeiten, frei über ihren
Lebensweg zu entscheiden.
Die als Folge der französischen
Revolution sich ergebenden Umwälzungen
und der Kampf verschiedener Strömungen
der deutschen Frauenbewegung wird
deutlich in Heinrich Laubes Aussage von
1836 "[...] Ist es nicht ein großer
Gedanke, der Welt noch einmal so viel
Einwohner zu geben, wenn man die Weiber
emanzipiert? [...]" sowie die Einladung
der Frauen durch die Liberalen zum
Hambacher Fest und die von Robert Blum
1843 in einer Ausgabe von 'Sächsische
Vaterlandsblätter‘ bejahte Frage nach
der Teilnahme der weiblichen Welt am
Staatsleben.
1.3
Richard Wagners Frauenbild
Richard Wagners genetische
Prädisposition wurde in einem
männerlosen Haushalt in dem Mutter und
Schwestern auf den genialen, aber
egozentrischen, anspruchsvollen
Jugendlichen eingingen, geprägt, womit
entwicklungspsychologisch das Fundament
für sein biologisch-reaktionäres
Frauenbild gelegt wurde, das er erst
nach dem Abschluss der Arbeit am
‘Lohengrin‘ u. a. in 'Eine Mitteilung an
meine Freunde', Äußerungen gegenüber
Cosima und in seinen letzten Gedanken
'Über das Weibliche im Menschlichen'
dokumentiert.
Über das Korrekturlesen der 'Beckerschen
Weltgeschichte' wurde Richard Wagner
schon als Jugendlicher vertraut mit der
französischen Revolution. Durch den
Kontakt zu August Röckel und Dr. Hermann
Frank erhielt er nach der ersten Pariser
Zeit Kenntnis von sozialistischen
Gedanken, den Sozialutopien und
Erklärungen von Frauenrechten. Ein
Briefwechsel zwischen Louise Otto und
Richard Wagner zeigt deren Kritik an der
Rechtlosigkeit der Frauen. Die sich
anbahnende Veränderung der Stellung der
Frau in der Gesellschaft musste
zwangsläufig auch sein Leben berühren.
Für das Schaffen seines Musiktheaters,
die Dramaturgie seiner Werke und die
Gestaltung der Frauenrollen wirkt sich
besonders Wilhelmine Schröder-Devrient
aus, die für die Uraufführung des
‘Lohengrin‘ 1848 als Ortrud besetzt war.
Für sie gestaltet er damit eine an der
Schwelle zur Emanzipation stehende Frau,
der er auch noch die zukunftsweisende
Musik zuordnet.
Der Schriftverkehr zwischen Richard
Wagner und Minna aus der Zeit der
Entstehung des ‘Lohengrin‘ lässt keine
eindeutigen Schlüsse zu, dass sein
Verhältnis zu seiner Frau hier gestört
gewesen sein könnte. Alle Briefe an sie
sind in einem herzlichen Tone verfasst,
der an sich ein harmonisches Eheleben
vermuten lässt. Er schreibt unter
Benutzung freundlichster und
liebevollster Worte an Minna, sei es nun
aus echter Anteilnahme oder —
psychologisch verständlich — aus einem
schlechten Gewissen heraus, ihren
Vorstellungen nach der zeitgemäßen
'Grand Opera' im Sinne der Franzosen mit
seinen Werken nach dem ‘Rienzi‘ nicht zu
entsprechen.
Ob Umstände in seiner Ehe, eine Trennung
von seiner Frau im Sinne der Entfremdung
Lohengrin von Elsa, die Basis für die
‘Lohengrin-Dichtung‘ sein können oder
sein müssen, kann nur vermutet werden.
Einzig Paul Bekker gibt 1924 unbelegt in
seinem Buch 'Wagner — Ein Leben im Werk
— Äußerungen Richard Wagners wieder,
wonach er zur gleichen Zeit beklagte
"[...] andere sind glücklich, sie haben
ihre Feinde außer dem Hause, während ich
meinen ärgsten Feind mit mir am Tische
habe [...]".
Wie die neue Form seiner Werke ist auch
für Minna wohl auch die Ortrud als
agierende Frau unfassbar, die sich aus
der 'Gattung Weib' individualisiert und
öffentlich gegen falsch Gericht [..1"
protestiert. Hingegen kann sie doch in
Elsa die Ideal-Frau erkennen, die sich
in ihrer Liebe im Leid sieht, das sie
für Lohengrin ertragen möchte.
Richard Wagner wünscht eine Frau an
seiner Seite, die in rückhaltloser
Öffnung seinen Werken gegenübertritt.
Die Natur des Weibes ist nach seiner
Auffassung das in Liebe als empfangende
und in der Empfängnis vorbehaltlos sich
hingebende Weib, das wie Elsa zu
Lohengrins Füßen liegt. „Nach Wagners
Theorie ist das Weib bisher stärker noch
dem natürlichen Gattungsinstinkt
unterworfen, als der entschiedener vom
naturüberschreitenden
Individualverhalten bestimmte Mann —
eine Geschlechterunterscheidung, die
freilich durch die moderne
gesellschaftliche Entwicklung allmählich
aufgehoben zu werden scheint."
(Borchmeyer, Dieter, Über das Weibliche
im Menschlichen - Richard Wagners
Musikdramen, in Vill, Susanne, (Hrsg.)
Das Weib der Zukunft, Stuttgart/Weimar,
2000)
2.0
Der Text
2.1
Die Quellen zur Realisation der
Ortrud
Richard Wagners Kenntnisse der
Dramenliteratur beeinflussen den Aufbau
des ‘Lohengrin‘. Unverkennbar stützen
sich Ortrud und Telramund auf Eglantine
und Lysiart in ‘Euryanthe‘ von Helmina
von Chézy. Die verschmähte Liebe im
Falle Eglantines durch Adolar und die
Eifersucht Eglantines ist das Motiv für
die große heroisch-romantische Oper
'Euryanthe‘, während — selbst wenn
Quellen für den ‘Lohengrin‘ eine
verschmähte Liebe und nicht
eingehaltenes Eheversprechen vorgeben —
dies von Richard Wagner nicht übernommen
wird. Ortrud hat bereits vor Beginn der
Oper den Erben von Brabant der Freiheit
beraubt. Motivgeschichtlich steht die
Ortrud in der Tradition der Bösen, deren
Zauberfähigkeit Richard Wagner
aufgreift. Erst der vermeintliche
Brudermord Elsas und deren angebliche
geheime Buhlschaft sowie die sich
hieraus ergebende Klage Telramunds vor
dem König bringen die Handlung in Gang.
Weitere Motive das Erscheinen vom
gottgesandten Mann, dessen unbekannte
Herkunft und Namenlosigkeit sowie das
Motiv vom Gottesgericht und der
Ehrverlust Telramunds verdichten diese.
Für die Ortrud rezeptiert Richard Wagner
aus dem anonymen ‘Baierischen Lohengrin‘
und der Sage von ‘Lohengrin zu Brabant‘
von den Brüdern Grimm die Gräfin bzw.
Herzogin von Kleve.
Während in den Quellen von dieser als
Auslöserin für die Übertretung des
Frageverbots aus Eitelkeit gesprochen
wird, entwickelt Richard Wagner für
Ortrud und später für Telramund das
Motiv des Herrschaftsanpruchs über
Brabant „[...] bald würde Radbods alter
Fürstenstamm von Neuem grünen und
herrschen in Brabant? Bewogst du so mich
nicht, von Elsas Hand, der Reinen,
abzustehn, und dich zum Weib zu nehmen,
weil du Radbods letzter Sproß? [...rund
hieraus das Motiv des Mordes „[...]
Mißglückt's, so bleibt ein Mittel der
Gewalt. [...]"
Den emotionalen und beeinflussbaren
Telramund macht Ortrud zur eigenen
Waffe. Hier übernimmt Richard Wagner die
Grundstruktur der ‘Lady‘ in Shakespeares
‘Macbeth‘, die ihren Mann aus dem
verdienten Kämpfer zum Mörder
entwickelt.
Zur gleichen Zeit, in der Richard Wagner
an der Vertonung der Textdichtung des
‘Lohengrin‘ arbeitet, komponiert
Giuseppe Verdi - 1846/47 - den
‘Macbetto‘ für Florenz - der beim
Publikum wegen der Neuartigkeit in der
dramaturgischen Behandlung und
musikalischen Gliederung auf
Unverständnis stößt.
Ortrud wird durch Richard Wagner zur
zentralen Widersacherin des Systems aus
Staat und Kirche - vertreten durch den
König - einem sentimentalen Glauben -
repräsentiert durch Elsa - und Telramund
als durch Ehrbegriffe und Reflexionen
gehemmten Krieger.
Aus Albrecht von Scharfenbergs Jüngerem
Titurel transferiert Richard Wagner den
Hinweis des Kammerweibs Belaye,
Lohengrin ein Stück Fleisch aus dem
Körper zu schneiden, um diesen an sich
zu binden sowie aus dem Nibelungenepos
den Streit der Königinnen vor dem
Münster.
Die Schwanrittersage verbindet Richard
Wagner mit der historischen Folie von
Heinrich I. und bindet Ortrud in die
Auswirkungen der Zwangschristianisierung
in den Gebieten zwischen Rhein und Weser
und die dadurch ausgelösten Konflikte in
seinen ‘Lohengrin‘. Den gläubigen
Figuren Lohengrin/Elsa/König/Telramund
stellt er die durch Zweifel wissende
Ortrud gegenüber. Werden in der Richard
Wagner bekannten Schiller'schen ‘Maria
Stuart‘ die gegensätzlichen Richtungen
innerhalb des christlichen Glaubens
dargestellt, entwickelt er im
‘Lohengrin‘ den Konflikt der getauften
'Gläubigen' gegenüber den durch tägliche
Anschauung der Vorgänge in der Natur
'Wissenden' und an 'glauben' — als
solchem — Zweifelndem.
In der Dramaturgie des Stückes vertieft
er den Konflikt Mann/Frau noch, indem er
den Zweifel bei Ortrud und nicht bei
einem Mann, Friedrich von Telramund,
ansiedelt.
2.2
Die Prosafassung und Textdichtung
In der Prosafassung, die bereits die
Charakteristika der Ortrud auch in der
Sprache enthält, wird in ihrem Falle
noch von "einem alten fürstlichen
Geschlecht der Sachsen, die vormals hier
schon geherrscht" als Herkunftslinie für
Ortrud gesprochen. Es ist anzunehmen,
dass Richard Wagner wusste, dass sich
der Einflussbereich der Sachsen nicht
bis Friesland und zur Scheldemündung
ausgedehnt hat, er aber zunächst durch
die Verbindung zu Sachsen Ortrud in
genealogisch die Nähe von Heinrich I.
bringen wollte. In der Textdichtung ist
dies eliminiert und die Verbindung wird
zum Friesland Radbods hergestellt.
Die Prosafassung entstand in Marienbad
zwischen dem 11.Juli und 4. August 1845,
unmittelbar darauf die Textdichtung, die
am 27. November 1845 abgeschlossen
wurde. Während der weiteren Bearbeitung
und Vertonung des Textes wurden
Veränderungen angebracht, die Julius
Kapp mit ca. 200 beziffert.
2.3
Die Charakterisierung Ortruds im Text
In der Gegenüberstellung von Äußerungen
Elsas und Ortruds über sich selbst und
solche anderer sowie den
Regieanweisungen Richard Wagners werden
die Charakterbilder der femme fragile
und deren emotionale Traumseligkeit
gegenüber der Anti-Ideal-Frau mit deren
verstandesmäßiger Nüchternheit deutlich
gemacht.
Während das Verhalten von Elsa 'große
Verschämtheit‘, 'träumerische
Entrücktheit', 'schwärmerische
Verklärung' und in 'überwältigend
wonnigem Gefühl zu seinen Füßen'
veranschaulicht, zeigen die
Schlüsselszenen Ortrud selbstbewusst,
nüchtern, kühl, überlegend, und schon im
ersten Akt als Frau allein an der Seite
des emotionalen Telramund in einer
reinen Männerversammlung und in dessen
Erzählung als in der Vorgeschichte des
Werkes politisch Aktive und femme forte.
Sie verteidigt im zweiten Akt als "wilde
Seherin", "in geheimsten Künsten tief
erfahren" - durch List, Trug und
Heuchelei sowie Infiltration des
wankelmütigen Telramund - die
Naturgottheiten gegen das der
Bevölkerung nördlich und östlich des
Rheins durch fränkische Gewalteinwirkung
aufoktroyierte Christentum im
soziokulturellen Kontext des 10., des
19. und 21. Jahrhunderts.
Da sie im dritten Akt nicht wie Elsa zu
Tode kommt, sind weitere
Interpretationen möglich, zumal sie sich
weiter in einem politisch labilen Raum
kurz nach dem Sturmzug der Normannen bis
nach Köln, Trier und Mainz bewegt. Und
der gesamte Bereich zwischen
Nordseeküste und Oder - zum großen Teil
nur spärlich besiedelt - ist trotz der
brutalen Christianisierungsversuche noch
weitgehend dem christlichen Glauben
verschlossen.
Richard Wagner wünscht eine Frau an
seiner Seite, die in rückhaltloser
Öffnung seinen Werken gegenübertritt.
Die Natur des Weibes ist nach seiner
Auffassung das in Liebe als empfangende
und in der Empfängnis vorbehaltlos sich
hingebende Weib, das wie Elsa zu
Lohengrins Füßen liegt. „Nach Wagners
Theorie ist das Weib bisher stärker noch
dem natürlichen Gattungsinstinkt
unterworfen, als der entschiedener vom
naturüberschreitenden
Individualverhalten bestimmte Mann —
eine Geschlechterunterscheidung, die
freilich durch die moderne
gesellschaftliche Entwicklung allmählich
aufgehoben zu werden scheint."
(Borchmeyer, Dieter, Über das Weibliche
im Menschlichen - Richard Wagners
Musikdramen, in Vill, Susanne, (Hrsg.)
Das Weib der Zukunft, Stuttgart/Weimar,
2000)
3.0
Die Dramenanalyse
3.1
Der Aufbau des Dramas
Richard Wagner gestaltet den
Lohengrin als ein dreiaktiges Drama nach
den Regeln der Poetik des Aristoteles
mit Exposition — Steigernde Handlung —
Schürzung des Knotens — Höhepunkt —
Wendepunkt — Fallende Handlung —
Katastrophe, wobei die Einheit des
Ortes, die Einheit der Zeit nicht
berücksichtigt wurden.
Die Konstruktion sich durch Symmetrie -
vergleichbar mit Schillers 'Maria
Stuart' - auszeichnet.
Im Gegensatz zu dem epischen Quellen
drängt Richard Wagner die Handlung auf
einen überschaubaren Zeitraum von drei
aufeinanderfolgenden Tagen, reduziert
die Schauplätze auf drei und gibt damit
dem Stück Dichte und Spannung.
3.2
Die Figuren
Obwohl das bürgerliche Trauerspiel von
Lessing — Hebbel — Schiller — Goethe
schon auf den Bühnen zu finden ist,
entnimmt Richard Wagner seine Figuren
den Fabeln der ritterlichen Sagenkreise,
später der Mythologie. Somit bleibt das
wirkungsätethische Postulat der
'Fallhöhe' in Kraft, das den tragischen
Sturz des Helden umso tiefer empfinden
lässt, je höher dessen sozialer Rang
ist.
Das Verhältnis der szenischen
Anwesenheit zwischen Protagonisten und
Antagonisten íst ausbalanciert, wobei
die Hauptfiguren für klar umrissene
Begriffe im
Christlichem Glauben
— Elsa: Ritterideal, Gehorsam
— Lohengrin: Reichsrecht
— König: Kriegerehre
— Telramund: Aktivität,
— Ortrud: Zweifel
stehen.
Die Figurenkonfiguration zeigt die auf
der Bühne agierenden Personen, die
Figurenkonstellation die Interaktionen
und Beziehungen der Personen zueinander
und die Figurenrede die
ineinandergreifenden Faktoren der
Kommunikation.
Die Sprache
Der Impuls zur Melodiebildung ist der
Text, er wird zur Grundlage des
melodischen Gehalts. Jambische Verse mit
unterschiedlicher Anzahl von Hebungen
werden von Richard Wagner zu den
verschiedenen szenischen Anlässen
verwendet:
Für sachliche Aussagen den fünfhebigen
Jambus; bei erregter oder feierlicher
Rede den vierhebigen Jambus; für
liedhafte Stellen den dreihebigen
Jambus, außerdem bei höchst erregten
Gesprächen Stichomythien, Trochäen und
wechselnde Jamben. Die Entwicklung vom
starren Metrum über die Sprachmelodie
zur Gesangsmelodie wird bei der
Behandlung der Ortrud-Szenen
dargestellt.
Die Textdichtung des ‘Lohengrin‘
Die Neuartigkeit des Textes verwirrte
die Freunde, denen Richard Wagner am 17.
November 1845 im „Engelclub“ in Dresden
das Gedicht vorlas. Anwesend waren
Schumann, Hiller, Semper, Franck,
Hähnel, Rietschel, Julius Schnorr, Pecht,
Reinick, Bendemann und Hübner.
„Es wurde gelobt und „effektvoll“
gefunden, auch Schumann war ganz damit
einverstanden, nur begriff er die
musikalische Form nicht, in welcher ich
es ausführen wollte, da er keinerlei
Anhalt zu eigentlichen Musiknummern
ersah.
Ich machte mir den Spaß, ihm
verschiedenes aus meinem Gedicht in der
Form von Arien und Kavatinen vorzulesen,
worüber er sich lächelnd befriedigt
erklärte.“
(R.W. – M.L. S. 339)
Am nächsten Tag schrieb Robert Schumann
an Felix Mendelssohn-Bartholdy: „Wagner
hat uns zu unserer Überraschung gestern
seinen neuen Operntext vorgelegt,
Lohengrin – zu meiner doppelten, denn
ich trug mich schon seit einem Jahre mit
demselben, oder wenigstens einem
ähnlichen aus der Zeit der Tafelrunde
herum – und muß ihn nun in den Brunnen
werfen. Den Meistern gefiel der Text
ausnehmend, namentlich den Malern.“
Richard Wagners Doppelbegabung als
Dichter und Komponist enthob ihn der
Sorge um ein gutes „Libretto“, kannte er
doch die Schwächen von Webers „Oberon“
und „Euryanthe“, die trotz hochwertiger
Musik nicht glaubhaft aufzuführen sind.
Seine Kenntnis der antiken Tragödien und
der Dramen Shakespeares waren das
Rüstzeug für sein Musikdrama.
„Der Name (libretto = Büchlein, ital.)
rührt von dem in Italien seit dem 17.
Jh. geübten Brauche her, die Operntexte
als handliche „Büchlein“ zu drucken und
am Eingang des Theaters zum Mitlesen
während der Aufführung an das Publikum
zu verkaufen.
(Anna Amalie Abert. M.G.G. Kassel 1960)
Der Librettist musste vor allem auf eine
einfache, klar überschaubare Handlung
bedacht sein, die auch in engster
Verbindung mit der Komposition noch
verständlich blieb, und auf eine
Ausdrucksweise, die sich im Ganzen gut
zur Vertonung eignete.
Ein Libretto ist mithin zwar ein Gebilde
aus Worten, aber keine Dichtung. Es bot
Gelegenheit zu szenischem Aufwand,
wundersamen Erscheinungen, Chören,
Aufzügen zur Huldigung des
aristokratischen Publikums, jedoch das
Handlungsschema blieb sich unabhängig
von der Stoffwahl gleich: im Mittelpunkt
stehen zwei Liebespaare, deren
Schicksale durch Intrigen,
Missverständnisse, Verkleidungen und
Verwechslungen ineinander verschlungen
und wieder entwirrt werden. Feststehende
Typen ernster und heiterer Art
gruppieren sich um die Hauptfiguren bis
nach einer ausgewogenen Abfolge
lyrischer, dramatischer, heller und
dunkler Szenen mit virtuosen
Darbietungen der genau umrissenen
Affekte das Publikum sich am „lieto
fine“ erfreute.
Die große Revolution setzte einen
Schlussstrich unter diese
Opernentwicklung., die ohnehin
abgeschlossen war. Die neue bürgerliche
Gesellschaft verlangte nach ihr gemäßen
Stoffen. Nicht mehr mythische, biblische
oder antike griechische und römische
Heroen standen im Mittelpunkt der
Handlung - natürlich gab es Ausnahmen:
Rossini: ‘Moses‘, Verdi: ‘Nabucco‘,
Berlioz: ‘Die Trojaner‘ - sondern in Not
geratene Verfolgte, hilflose Frauen, die
aus scheinbar unentrinnbaren Gefahren
vor wilden Horden, Tyrannen und Räubern
im letzten Augenblick gerettet werden.

Die “Schreckensoper“ war die Schöpfung
des Revolutions-Jahrzehnts, die sich
bald zur “Rettungsoper“ wandelte,
getragen vom Optimismus der Zeit und
romantischem Erlösungswillen.
Die rauen Sujets, die grausigen
Sensationen der Moritat wie im typischen
Werk von Francois Lesuers „La caverne“
(1793 U.A.), schritten noch eine Weile
parallel mit den Opern Glucks, Mozarts
und Salieris, waren aber der
unverbrauchte Boden auf dem ein neues
Musiktheater erwachsen konnte, dessen
Höhepunkt Beethovens ‘Fidelio‘ ist.
Text: Josef Sonnleithner, Stephan von
Brenning u. Georg Friedrich Treitschke.
(U.A. erste Fassung 20. Nov. 1805 Wien,
Theater a. d. Wien, 2. Fassung 29. März
1806, Theater a. d. Wien, 3. Fassung 23.
Mai 1814 Kärntnertortheater, Wien.)
Allein der Kampf um eine gültige Fassung
zeigt die Schwierigkeiten eines
anspruchsvollen Komponisten mit dem
Libretto.
Bei Gioacchino Rossini (29.
Februar 1792 - 13. November 1868), den
man als den letzten Klassiker
bezeichnet, ein anachronistischer
Zeitgenosse Richard Wagners, war das
Libretto in der Tradition Metastasios
das Gerüst für Arien und Ensembles,
Rezitative, Szenen, Chöre und Finales.
Dennoch trotz eines unreflektiert
positiven, jede aufrührerische Geste
ausschließenden Verhältnisses zur
Tradition zählt Rossini nicht zu den
konservativen Komponisten seiner Zeit.
Seine naive, naturhafte Begabung, die
als jung, neu und unwiderstehlich
lebendig empfunden wurde, seine genaue
Notation des schmuckvollen Zierrats
seiner Melodien und die dynamische
Aktivität des Orchesters und seines
Kolorits führten zu einer Regeneration
der musikalischen Mittel.
Dass Rossini und Wagner, so fremd sie
sich waren, Respekt voreinander
empfanden, dokumentiert das von Edmond
Michotte aufgezeichnete Gespräch vom
März 1860, (im Programmheft der
Bayerischen Staatsoper zu ‘La
Cenerentola‘, Dezember 1980) in dem
Wagner seine Ansicht über die
Gleichwertigkeit von Dichtung und Musik
darlegt, und der italienische Meister
klagt: „Aber ich durfte meine Libretti
nicht selbst wählen, sondern bekam sie
von den Impresariern zwangsweise.
– Wie oft habe ich da nur einen Teil des
Szenariums erhalten, immer nur einen
Akt, zu dem ich die Musik schreiben
musste, ohne die Fortsetzung oder den
Schluss des Stoffes zu kennen!“
Peter Hacks, voll intellektueller
Skepsis fragt sich „ob das Libretto
überhaupt ein Genre sei. Sicher,
irgendetwas ist es. Es ist eine Menge
von Worten und ist gelegentlich bei
Reclam zu kaufen. Darüber hinaus sind
kaum Bestimmungen dieses Dings
unternommen worden.“
(Hacks, Peter: Oper, Berlin und Weimar
1975).
In der gegenseitigen Bedingtheit von
Dichtung und Musik liegt wohl der Grund,
dass es der Literaturwissenschaft
schwerfällt, Richard Wagner unter die
Dichter zu zählen. Seine
schriftstellerischen Arbeiten und vor
allem die Beschreibung seiner Jugend in
„Mein Leben“ haben jedoch so viel
poetische Kraft aufzuweisen, dass der
Vergleich mit anderen Dichtern seiner
Zeit durchaus angemessen erscheint.
Die Dichtung zu ‘Lohengrin‘ steht
gleichsam am Wendepunkt der Stile
zwischen romantischer Oper und
Musikdrama. Die Ebenen des
übersinnlichen, mythischen und
märchenhaften wird mit scharf
durchdachter Logik und Psychologie
verschmolzen, verkörpert in der
träumerischen, blind-gläubigen Elsa und
der kontrastierenden Figur der rational
zielbewusst-politisch agierenden Ortrud.
An aufeinander folgenden Tagen agieren
die Figuren der Handlung:
König Heinrich I.:
Regierte 919 – 936. Einte und
sicherte das von Zerfall und von den
Ungarneinfällen bedrohte Land. Um auf
die desolaten Zustände in seiner Heimat
hinzuweisen verknüpfte Richard Wagner
die Lohengrin-Sage mit den historischen
Ereignissen um 933.
Lohengrin:
Sohn und Nachfolger des Gralskönigs
Parzival aus dem Sagenkreis um König
Artus. Befreite Elsa von Brabant durch
einen Sieg im Gottesurteil vom Vorwurf
des Brudermordes, scheitert aber an der
Härte des Gelübdes, namenlos zu bleiben
und kehrt in den Orden ohne Frau und die
Möglichkeit einen Erben zu bekommen
zurück.
Elsa von Brabant:
Tochter des Herzogs von Brabant, von
Telramund und Ortrud des Mordes an ihrem
Bruder zugunsten eines Liebhabers
angeklagt, wird von Lohengrin, der auf
ihre verzweifelte Bitte erscheint,
entlastet. Sie bricht das ihr auferlegte
Frage-verbot auf Betreiben Ortruds und
aus Angst den Geliebten bald wieder zu
ver-lieren. Sie scheitert an der
Unvereinbarkeit der menschlichen Liebe
zu einem Wesen aus göttlichen Sphären.
Herzog Gottfried:
Wurde von Ortrud beseitigt - in einen
Schwan verzaubert - von der
Gralsritterschaft in die Obhut genommen
und kehrt nach Lohengrins Abschied als
Thronfolger zurück. In wie weit das
Leben Gottfrieds von Brabant dem des
Kaspar Hauser gleicht, ist nicht
geklärt.
|
Tod von Kaspar Hauser am 17.
Dezember 1833
Im Januar 1833 reist Richard
Wagner von Leipzig ab,
'[...] um für einige Zeit
meinen damals in Würzburg beim
Theater angestellten ältesten
Bruder Albert zu besuchen.[...]'
Er kommt auch nach Bamberg und
lernt dort die
'[...] Geschichte von Caspar
Hauser, der damals noch großes
Aufsehen machte und welchen,
wenn meine Erinnerung mich nicht
täuscht, man mir persönlich
zeigte, mit großem Interesse
kennen. [...]' - (ML Seite 81)
Martin Gregor-Dellin geht davon
aus, dass RW Kaspar Hauser nicht
kennen gelernt haben kann, da
dieser zu dieser Zeit Schreiber
in Anspach war.
(Martin Gregor Dellin: Richard
Wagner, Sein Leben, Sein Werk,
Sein Jahrhundert, München, 1980,
S. 96)
Ob RW sich irrte oder er
tatsächlich direkten Kontakt
hatte, lässt sich zwar nicht
nachweisen, RW müsste aber doch
bei diesem Besuch in Bamberg mit
der Geschichte der Luise Freiin
Geyer von Geyersberg, die später
als Gräfin Hochberg geadelt und
in zweiter Ehe mit Markgraf Karl
von Baden verheiratet war,
vertraut geworden sein.
Diese ließ – den Forschungen
nach – den am 29. September 1812
geborenen Erbprinzen von Baden
verschwinden, um ihren eigenen
Sohn Leopold auf den Thron von
Baden zu verhelfen.
1832 veröffentlicht der Jurist
Paul Johannes Anselm von
Feuerbach, Neubegründer der
deutschen
Strafrechtswissenschaft und
Hauptverfasser des bayerischen
Strafgesetzbuches in Anspach
seine Schrift über
'Kaspar Hauser – Beispiel eines
Verbrechens am Seelenleben des
Menschen'.
Feuerbach, bayerischer
Staatsrat und Präsident des
Appellationsgerichts für den
Rezatkreis Aspach, hat 1828 den
ersten Kontakt zu dem Findling
Kaspar Hauser, bemüht sich um
Aufklärung des Falles und stellt
die These auf
'[...] Kaspar Hauser ist das
eheliche Kind fürstlicher
Eltern, welches hinweggeschafft
worden ist, um Anderen, denen er
im Wege stand, die Succesion zu
eröffnen. [...]' und weiter
'[...] das Kind, in dessen
Person der nächste Erbe, oder
der ganze Mannstamm seiner
Familie erlöschen sollte, wurde
heimlich beiseite geschafft, um
nie wieder zu erscheinen. [...]'
(Anselm Ritter von Feuerbach:
Kaspar Hauser, Beispiel eines
Verbrechens am Seelenleben des
Menschen, Anspach, 1832)
|
Friedrich von Telramund:
Brabantischer Graf, angesehener
Kriegsherr, naher Verwandter des
verstorbenen Herzogs und Vormund seiner
Kinder. Nachdem Elsa seine Werbung
zurückgewiesen hatte, vermählte er sich
mit Ortrud, deren Pläne, die Herrschaft
über Brabant, sich mit seinen Vorhaben
decken. Er wird bei dem Versuch,
Lohengrins Unverwundbarkeit durch eine
Verletzung als Zauber zu enttarnen, von
diesem getötet.
Ortrud:
Eine friesische Edle aus dem Haus des
Fürsten Radbod, der bis zu seinem Tod im
Jahre 719 erbittert gegen die
Zwangschristianisierung kämpfte. Sie
bekennt sich zur traditionellen
Naturreligion und um diese wieder in
ihre Rechte einsetzen zu können,
bekämpft sie Gottfried, Elsa und
Lohengrin mit Verleumdung und
psychologischen Mitteln. Sie überlebt.
Vier Edelknaben
Jugendliche im Dienste Elsas.
Sächsische und thüringische Grafen und
Edle.
Politische und militärische Partei des
Königs.
Der Heerrufer
Herold, praeco, im Dienste König
Heinrich I..
Vier brabantische Edle
Gefolgsleute Friedrichs von Telramund.
Sie stehen König Heinrich, seinen
Kriegsplänen unter der Führung des
namenlosen Ritters gegen die Ungarn,
stehen dem System ablehnend gegenüber,
geben aber nach Telramunds Tod im
nächtlichen Brautgemach auf.
Brabantische Grafen und Edle
Sie stehen anfangs dem König und
Lohengrin skeptisch gegenüber, lassen
sich später für den Krieg anwerben.
Edelfrauen
Elsas Bedienstete aus adligen Familien.
Edelknaben
Jugendliche aus adligen Familien.
Nonnen, Frauen, Knechte
Das freie Volk und Unfreie.
Die ‘Ständeklausel‘ ist damit von
Richard Wagner eingehalten.
Zitatende
Quelle:
Kulturjournal-Regensburg.de
- Gilles, Lang & Partner
- |

|
"Wann geht der nächste Schwan?"*
|
'Lohengrin' - ein Regensburger in
Hannover
Zitat

Foto: Christian Kargl;
KünstlerSekretariat am Gasteig |
Der Tenor
Maximilian Schmitt
(* 1977 in Regensburg) entdeckte seine
Liebe zur Musik bei den Regensburger
Domspatzen.
Er absolvierte das Gesangsstudium bei
Prof. Anke Eggers an der Berliner
Universität der Künste Berlin und wird
künstlerisch von Roland Hermann betreut.
Erste Bühnenerfahrungen sammelte er als
Mitglied des Münchner Opernstudios,
bevor er 2008 für vier Jahre im Ensemble
des Mannheimer Nationaltheaters war. |
Dort konnte er in zahlreichen bedeutenden Rollen
seines Fachs brillieren. 2012 gab er sein Debüt
an der Oper Amsterdam als Tamino unter Marc
Albrecht. 2016 überzeugte Schmitt erstmals als
Idomeneo in einer weiteren großen Mozart-Partie
an der Opéra du Rhin in Straßburg.
Anschließend trat er erstmals an der Wiener
Staatsoper als Don Ottavio auf. 2017 gastierte
er an der Mailänder Scala und gab sein Debüt als
Pedrillo in Mozarts Die Entführung aus dem
Serail unter der Leitung von Zubin Mehta.
2019 verkörperte er erstmals die Rolle des Max
in Webers Der Freischütz am Aalto Theater
in Essen.
Im Jahr 2022 folgte sein Debüt als Erik in
Wagners Der fliegende Holländer an der
Oper Graz, gefolgt von Auftritten in derselben
Rolle an der Oper Köln und am Théâtre des
Champs-Élysées in Paris unter der Leitung von
François Xavier Roth im Jahr 2023.
Maximilian Schmitt ist regelmäßig auf den großen
internationalen Konzertbühnen zu Gast. Sein
breit gefächertes Repertoire erstreckt sich von
Monteverdi über Bach und Mozart bis hin zu
Mendelssohn, Elgar, Mahler, Zender und Britten.
Er wurde von namhaften Dirigenten wie Franz
Welser-Möst, Claudio Abbado, Kirill Petrenko,
Teodor Currentzis, Daniel Harding, Philippe
Herreweghe, Thomas Hengelbrock, Fabio Luisi,
Trevor Pinnock und René Jacobs eingeladen.
In der Saison 2023/24 gab Maximilian Schmitt
sein Rollendebüt als Siegmund in der Walküre
mit Concerto Köln unter der Leitung von Kent
Nagano.
Aktuell spielt Beethoven eine große Rolle im
Repertoire von Schmitt: Zunächst realisiert er
die C-Dur-Messe mit dem
Tonhalle-Orchester Zürich, anschließend
übernimmt er die Tenorpartie in der 9.
Sinfonie im Leipziger Gewandhaus sowie in
der Hamburger Elbphilharmonie und schließlich in
der Missa Solemnis in Stockholm, Wien und
Madrid.
Gemeinsam mit dem Pianisten Gerold Huber war
Schmitt bereits mit verschiedenen Liedprogrammen
zu Gast im Concertgebouw Amsterdam, beim
Heidelberger Frühling, der Schubertiade
Schwarzenberg, der Kölner Philharmonie, der
Wigmore Hall in London und der Düsseldorfer
Tonhalle.
In der aktuellen Spielzeit sind die beiden in
einem Liederabend in Santiago de Compostela zu
hören.
Maximilian Schmitt hat eine umfangreiche
Diskografie, die unter anderem seine Solo-Alben
Träumend wandle ich bei Tag, Die schöne
Müllerin und Wie freundlich strahlt der
Tag umfasst.
Darüber hinaus ist er auf zahlreichen weiteren
CD-Veröffentlichungen vertreten, darunter als
Belmonte in Mozarts Die Entführung aus dem
Serail mit der Akademie für Alte Musik
Berlin unter der Leitung von René Jacobs. Der
Künstler wird vertreten von der Agentur
KünstlerSekretariat am Gasteig in
München.
Zitatende
Quelle:
https://www.telezeitung-online.de/
Eine_Mitteilung_Nr._48_April_-_August_2024_01.04.24.htm
|

Bemerkungen zur Produktion
Es stellen sich gleich zu Beginn des Betrachtens der
Vorgänge auf der Szene des in Hannover vorgestellten
‘Lohengrin‘ die Menge an Fragen:
|
Warum verzappeln irgendwelche Personen das
Vorspiel zum ersten Aufzug?
Was soll dieser überdimensionierte Bierkasten
statt der vom Autor vorgegebenen
Aue am Ufer der Schelde bei Antwerpen.
Der Fluss macht dem Hintergrund zu eine Biegung,
so dass rechts durch einige Bäume der Blick auf
ihn unterbrochen wird und man erst in weiterer
Entfernung ihn wieder sehen kann.
Wer ist die Frau, die das Kind unter einer
Treppe hoch in ein Obergeschoss zu Bett bringt,
die mitgebrachte Stalllaterene am Kopfende des
Bettes abstellt und dann ohne dieselbe ins
Dunkle nach rechts entschwindet?
Warum die starke Beleuchtung des Raumes mit der
Treppe in ein Obergeschoss, die entsprechende
Schlagschatten wirft?
Warum erhebt sich das Kind, warum nimmt er die
am Kopfende stehende Leuchte wie das Kopfkissen
und geistert nach links in den Hintergrund der
Szene?
Warum dreht die Bühne nach rechts?
Warum wird eine Treppe links am Gebäude, an
dessen Wand überdimensionierte Putzlappen
aufgehängt sind, sichtbar, auf der eine Frau in
weißem Gewand heruntereilt, dem Jungen kosend
übers Gesicht streicht, ihn dann mit dem Kissen
zu Boden drückt und über die Treppe hinwegeilt?
Warum kommt da unten von links eine Gestalt, die
den Jungen kosend umfängt, während von links
zwei Gestalten - ein Mann, eine Frau - sich dem
Jungen nähern?
Warum dreht die Bühne weiter links herum?
Warum versucht der Mann die Frau zu küssen?
Warum wehrt sie ihn ab?
Warum wird links ein Käfig in dieser Wand
gezeigt?
Warum halten links auftretende Männer die Frau
fest und schieben sie in den Käfig?
Warum dreht die Bühne weiter links herum?
Warum wird links neben dem Gebäudeteil ein
Möbellager - bestehend aus Biertischen und -
bänken aus einem Biergarten sichtbar?
Warum rangeln die aufgetretenen Personen
miteinander um den Besitz der Bänke, wo doch
genügend Sitzgelegenheiten herumliegen?
Warum eilt auf das
Willkommen, willkommen, König, in Brabant!
des Chores eine Person links aus dem
Zuschauerraum auf die Bühne?
Warum setzt sich diese Person beim
als Kampfes Preis gewann ich Frieden auf
neun Jahr
-
auf eine der Bierbänke?
Warum setzt sich diese Person beim
Nun ist es Zeit, des Reiches Ehr' zu wahren;
eine Krone aus Pappmaschee auf, wie sie vor
Jahren als Werbegeschenk von McDonald´s
an Kunden verteilt wurde?
Warum wohl drehen sich die Singenden zum
Wohlauf! Mit Gott für Deutschen Reiches Ehr!
nach vorne zum Dirigenten, während die anderen -
meist Frauen - nach hinten gewendet bleiben?
Warum dreht die Bühne zum
jetzt rede, dass der Drangsal Grund ich weiß.
nun rechts herum?
Warum wird so ein Raum sichtbar, in dem eine
Bank an die Wand gelehnt positioniert ist, auf
die beide Personen sich setzen. |
Hier gibt der Berichterstatter zunächst auf.
Was soll er auch schreiben über die Handlung dieser
Produktion. Zuviel des Kleinkrams, die großen Linien
bleiben auf der Strecke.
|
Der zweite Aufzug
enthält in der Beschreibung des Werkes vom Autor
genaue Anweisungen, was die Theaterleitung nicht
dran hindert, wieder den großen Bierkasten sich
auf der Bühne drehen zu lassen.
Rechts ein offenes Feuer, aus dem Schnürboden
herunterhängende Leuchten, an denen sich eine
Person zu schaffen macht, die danach rechts zu
dem offenen Feuer schleicht und dort eine
lagernde männliche Person zur Seite schubst. Sie
kehrt zu den herabhängenden Leuchten zurück,
macht eine anhebende Bewegung mit den Armen und
wie von Zauberhand bewegt, schweben die
Beleuchtungskörper in die Höhe. Dann
aus dem Palas hört man jubelnde Musik, Hörner
und Posaunen klingen lustig daraus her
läuft ein Pulk lachender Menschen von links nach
rechts über die Bühne und verschwindet unten in
dem Bierkasten, der hier wohl die Burg von
Antwerpen darstellen soll. Eine Person kehrt
zurück und drückt der Frau mt den hochgezogenen
Leuchtkörpern irgendwas in die Hand, läuft nach
hinten ab, knallt vorher die Tür unten im
Bierkasten zu und die Person mit den
emporgezogenen Leuchten prallt gegen die soeben
geschlossene Tür, wohl nach dem Motto: „Draußen
bleiben“.
Rechts unten vom Feuer löst sich eine Person mit
umgehängter Decke, sie läuft zu der Tür am Fuße
des Bierkastens, greift nach der Frau mit den
Leuchten und meint
Erhebe dich, Genossin meiner Schmach!
Der junge Tag darf hier uns nicht mehr sehn.
Im Verlauf der Szenen erheben sich rechts am
Fuße Gestalten, derer man vorher nicht ansichtig
werden konnte, da sie vom vorspringen Rang
abgedeckt wurden und werden. Ein guter Regisseur
lässt seine Hilfskräfte ausschwärmen, um
festzustellen, ob an sämtlichen Sitzplätzen
alles auf der Bühne sichtbar ist.
Man erinnere sich an Tristan in Regensburg, als
im dritten Akt das Geschehen sich auf dem
emporgehobenen ‘Glassarg‘ abspielte, mit dem
Erfolg, dass im dritten Akt nur mehr die Beine
der Sänger zu sehen waren. Die Karten für den
dritten Rang mussten zu vergünstigten
Bedingungen abgegeben werden. Der Rechnungshof
ermittelte.
|
Zitat
Der 'Liebestod' findet auf dem Deckel
des Schneewittchensarges statt.
Vertan und verschissen der Schluss des
Werkes.
Ein Affront gegenüber dem Autor und
Komponisten und dem Publikum, zumal nur
die unteren Teile der Beine von Tristan
und Isolde zu sehen sind.
Deren Liebestod verpufft für das
Publikum im dritten Rang im Schnürboden
des Regensburger Theaters.
Zitatende
Quelle: https://www.telezeitung-online.de/
Bemerkungen_zu_'Tristan_und_Isolde'_29.11.2014_Theater_RBG_final.htm
|
Die Gestaltung des Rests der ersten Szene des
‘Lohengrin‘ in Hannover mit
ORTRUD und FRIEDRICH bis zum
Der Rache Werk sei nun beschworen
aus meines Busens wilder Nacht!
Die ihr in süssem Schlaf verloren,
wisst, dass für euch das Unheil wacht!
überlässt die Regie den beiden Sängern, nur
unterbrochen von einem Schwarm Partygäste, der
lachend und schwatzend unten aus dem
‘Bierkasten‘ heraustritt und wieder in ihm für
das von ORTRUD vorgetragene
Friedreicher Graf von Telramund!
Weshalb misstraust du mir?
verschwindet.
Niemand – weder Ortrud, noch Telramund, noch
sonst wer, wissen
wer dieser Held, den hier
ein Schwan gezogen an das Land?
denn es gab am ganzen Abend keinen Schwan zu
sehn.
Der ‘Bierkasten‘ hat sich links herum gedreht
und den Blick freigegeben auf eine Wand des
Bierkastens, die im 1- OG eine Öffnung mit einer
Tür enthält, durch die Partygäste traten.
Und nun dreht der äußere Ring der Bühne, auf dem
kleine Bauklötzchen zur Dekoration liegen, für
das
Der Rache Werk sei nun beschworen
aus meines Busens wilder Nacht!
Die ihr in süssem Schlaf verloren,
wisst, dass für euch das Unheil wacht!
von ORTRUD und FRIEDRICH
Der Balkon an der Stirnseite den Bierkastens:
zwei Gestalten, kaum erkennbar: Elsa
und - ohne vom Autor gewünscht und vorgegeben zu
sein:
Lohengrin,
für das zarte Selbstgespräch Elsas
Euch Lüften, die mein Klagen
so traurig oft erfüllt,
euch muss ich dankend sagen,
wie sich mein Glück enthüllt!
Unter dem Balkon
ORTRUD
zu Friedrich
Hinweg! Entfern' ein kleines dich von hier!
FRIEDRICH
Warum?
ORTRUD
Sie ist für mich - ihr Held gehöre dir!
Lohengrin ist am Balkon rechtzeitig vor Ortrud,
die sich den Mantel öffnete und das darunter
befindliche weiße Gewand aufschüttelte, das an
Elsa auf dem Balkon gerichtete
Elsa! Ist meine Stimme dir so fremd?
Willst du die Arme ganz verleugnen,
die du ins fernste Elend schickst?
abgegangen.
Der Bierkasten ist weiter links herum gedreht
worden.
Warum links herum, warum nicht rechts?
Die Antwort kann nur der Regisseur und der Herr
Geschäftsführer der Nds. Staatsoper Hannover
GmbH. |
|
Ach ja, natürlich:
Artikel 5 GG: ‘Künstlerische Freiheit‘ |
|

Geradezu haarsträubend die szenische
Gestaltung des dritten Aktes.
Ein Bühnenteil, eine Wand wird mitten im
Vorspiel zum 3. Akt herabgelassen.
Leute strömen von allen Seiten auf die nun
räumlich eingeschränkte Szene und errichten ein
Gebänk für eine Art Kneipe oder Kantinenraum.
Man nimmt Platz, versierte Chorherrschaften von
links die Szene unter Absingen des Textes
Treulich geführt ziehet dahin,
wo euch der Segen der Liebe bewahr'!
Gemessenen Schrittes bewegen sich Einige von
links nach rechts und nehmen am aufgestellten
Gebänk wohl Essensmarken oder vielleicht auch
Notenblätter in Empfang, obwohl die eigentliche
Chorstelle ja gleich zu Ende ist und man auf
Text-Spickzettel an sich verzichten kann, zumal
es hier bei den auf der Bühne sich befindlichen
Herrschaften um den immer gut studierten Chor
der Nds. Staatsoper Hannover handelt. Nun geht
man mit den Zetteln nach hinten, oder nach links
– ‘mit andere Wörter‘:
planloses Gewimmel, nur damit ‘action‘ auf der
Szene herrscht. So nimmt man auf dem Biergebäck
Platz und lauscht dem
In Liebesglücks Geleite
denkt lang der Stunde hier!
Von links oben hat sich der vor Gram ob der
Zustände an der Nds. Staatsoper Hannover
(ausgenommen Chor und Orchester und Technik die
Stützen des gesamten Apparates Nds. Staatsoper
Hannover) völlig ergraute Heldentenor – sprich
Lohengrin – die Treppe links gemächlichen
Schrittes herunter begeben, um rechtzeitig zum
Treulich bewacht bleibet zurück
des Chores, der währenddessen die Szenen
abgeräumt und von den Bierbänken befreit hat -
auf er rechten Seite der Bühne angekommen zu
sein, um
Das süsse Lied verhallt; wir sind allein,
anzustimmen und damit die für fast jeden
Lohengrin problematisch gestaltete
Baut-gemachszene zu bewältigen.
In Hannover, in der von einem Herrn
Richard Brunel
und einer regieführenden helfenden Hand
Catherine Ailloud-Nicolas,
in der von
Anouk Dell'Aiera
gestalteten Szene, hat man sich zu erfreuen,
dass die Regie dem Paar Lohengrin / Elsa während
der kommenden Textstellen und entsprechenden
Noten die Möglichkeit bietet, auf der Bühne hin
und herzugehen, damit sich also Bewegung
verschaffen können und somit sich und das
Publikum von der Schwierigkeit der
musikalisch/textlichen Situation abzulenken.
Es kommt die für beide schwere Stelle
|
LOHENGRIN
sie freundlich umfassend und durch
das offene Fenster auf den Blumengarten
deutend
Atmest du nicht mit mir die süssen
Düfte?
O wie so hold berauschen sie den Sinn!
Geheimnisvoll sie nahen durch die Lüfte,
fraglos geb' ihrem Zauber ich mich hin.
So ist der Zauber, der mich dir
verbunden,
da als ich zuerst, du Süsse, dich ersah;
nicht deine Art ich brauchte zu
erkunden,
dich sah mein Aug' - mein Herz begriff
dich da.
Wie mir die Düfte hold den Sinn
berücken,
nahn sie mir gleich aus rätselvoller
Nacht:
So deine Reine musste mich entzücken,
traf ich dich auch in schwerer Schuld
Verdacht. |
|
ELSA
birgt ihre Beschämung, indem sie sich
demütig an ihn schmiegt
Ach, könnt' ich deiner wert erscheinen,
müsst' ich vor dir nicht bloss vergehn;
könnt' ein Verdienst mich dir vereinen,
dürft' ich in Pein für dich mich sehn!
Wie du mich trafst vor schwerer Klage,
o wüsste ich auch dich in Not;
dass mutvoll ich ein Mühen trage,
kennt' ich ein Sorgen, das dir droht!
Wär' das Geheimnis so geartet,
das aller Welt verschweigt dein Mund?
Vielleicht, dass Unheil dich erwartet,
würd' aller Welt es offen kund?
Wär' es so und dürft' ich's wissen,
dürft' ich in meiner Macht es sehn,
durch keines Drohn sei mir's entrissen,
für dich wollt' ich zu Tode gehn
|
Um eine Abwechslung in die Bewegungsabläufe zu
bringen, haben die beiden sich an die Theke, an
der normalerweise die Essensausgabe stattfindet,
sich begeben und beim
Wie hehr erkenn' ich unsrer Liebe Wesen!
greift Lohengrin aus dieser Essensausgabetheke
ein Tablett und trägt dieses nach rechts an
einen der noch stehengebliebenen Biertische.
Elsa war für das
Doch ich zuvor schon hatte dich gesehen,
in sel'gem Traume warst du mir genaht;
hinter der
Essensausgabetheke hervorgetreten, hatte die
Bühne nach rechts überquert mit einer
Kaffeekanne oder einer Rührschüssel (so genau
ist das aus dem Zuschauerraum nicht zu erkennen)
und steht nun Lohengrin gegenüber an dem von ihm
bereits gedeckten Bierbanktisch.
Beim
Da wollte ich vor deinem Blick zerfliessen,
gleich einem Bach umwinden deinen Schritt,
gibt sie Lohengrin nun etwas aus der von ihr
herransportierten Kaffeekanne oder der
Ruhrschüssel (nicht klar zu erkennen, dabei doch
für die Fortführung und Darstellung der Handlung
so eminent wichtig) etwas (nicht auszumachen, ob
es Kartoffelsuppe oder Limburgerkäsefondue ist)
in seinen Essnapf.
Lohengrin, der Kavalier, schüttet Elsa ein
Getränk in ein Glas, damit sie die kommenden,
vom Geschäftsführer der Nds. Staatsoper Hannover
regiemäßig gut geheißenen Aktionen, auf der
Bühne überstehen kann. Diese nun irritieren
Lohengrin derartig, dass der Tenor den Sitz auf
der Bierbank verlässt, um den Tisch herumgeht,
sich auf den Boden kniet, um das
Atmest du nicht mit mir die süßen Düfte?
O wie so hold berauschen sie den Sinn!
hinter Elsa kniend ihr ins Ohr zu wispern.
Aber sie entwischt ihm auf die andere Seite der
Bierbank, dass er ihr – will er in Kontakt zu
ihr bleiben – folgen muss. Er bleibt an ihr
dran, setzt sich zu ihr auf die Bierbank bis zum
So deine Reine musste mich entzücken,
traf ich dich auch in schwerer Schuld Verdacht.
Hier entwindet sie sich ihm, geht auf die andere
Seite des Biertisches zum
Ach, könnt' ich deiner wert erscheinen,
müsst' ich vor dir nicht bloss vergehn;
Es gibt ein mehr oder weniger starkes
Handgemenge zwischen Beiden und zum
Wär' es so und dürft' ich's wissen,
dürft' ich in meiner Macht es sehn,
durch keines Drohn sei mir's entrissen,
für dich wollt' ich zu Tode gehn!
hat sie sich von ihm befreit und sich mit dem
dann abgeräumten Geschirr und Essbestecken nach
links zu der Theke der Essensverteilung begeben.
Er hinter ihr her, so dass beide nun an der
Theke angekommen sind für sein
Höchstes Vertraun hast du mir schon zu danken,
da deinem Schwur ich Glauben gern gewährt;
Sie entwindet sich ihm, eilt weiter nach links –
dort stehen ja auch Bierbänke, legt den Kopf auf
die Tischplatte. Lohengrin kommt hinzu, legt
sich über Elsa, um ihr das
An meine Brust, du Süsse, Reine!
Sei meines Herzens Glühen nah,
zu erleichtern, wozu sie sich auch noch des
Jacketts entledigt.
Auch gibt er ihr zu bedenken, hierfür hat er sie
auch von der Bierbank gelassen und sich in die
Mitte der Bühne begeben, um ungehindert von
ihrer Ummantelung sein
Böt' mir der König seine Krone,
ich dürfte sie mit Recht verschmähn.
bis zum
Denn nicht komm' ich aus Nacht und Leiden,
aus Glanz und Wonne komm' ich her!
singen zu können.
Elsas
Du wolltest mich betören,
nun wird mir Jammer kund!
bemüßigt ihn, seine Hände vors Gesicht zu
schlagen.
Er fasst sich und lässt ihre Vorwürfe miten auf
der Bühne stehend über sich ergehen
Soll ich die Tage zählen,
die du mir bleibest noch?
In Sorg' um dein Verweilen
verblüht die Wange mir -.
Es kommt bei ihr ja, wie es muss
Nichts kann mir Ruhe geben,
dem Wahn mich nichts entreisst,
als - gelt' es auch mein Leben -
zu wissen, wer du seist!
Um den Grad ihrer Exaltation zu unterstreichen,
schleudert sie ihr Jackett quer über die Bühne.
Lohengrin kann es aus der Luft greifen und es
ihr auf lobenswerte Weise auf gleichem Wege
zurückgeben, so ein unnötiges Verschmutzen durch
zu Bodenfallenlassen, damit erhöhte
Betriebskosten wegen chemischer Reinigung,
vermeiden.
Zu Elsas
Hörtest du nichts? Vernahmest du kein Kommen?
spurtet sie nach rechts, fasst Lohengrins auf
einem Tisch hinten liegenden Mantel, greift in
dessen Tasche und holt Federn heraus, die sie
auf der Bühne zum Gaudium des Publikums
verteilt.
Lohengrin hebt den Mantel auf, schüttelt die
Federn ab und zieht ihn sich an.
Elsa tobt
unselig holder Mann,
hör, was ich dich muss fragen!
Sie schwingt sich auf die Biertheke und fordert
in höchsten Tönen lautstark, dass jeder es hören
muss:
Den Namen sag mir an!
Woher der Fahrt!
Wie deine Art?
Das haben auch nämlich Telramund mit helfenden
Statisten mitbekommen, die nun aufs Stichwort
durch die geöffnete Türe hinten in der Wand auf
die Bühne, auf Lohengrin stürzen, dem Elsa wohl
irgendein Mordinstrument aus der Schanktheke
gereicht hat, das er nutzt, indem er dies dem
Gatten Ortruds in den Hals rammt. Der stürzt zu
Boden und Lohengrin meint – zu Elsa gewandt, die
sich mühevoll nach hinten von der Theke
herablässt, konsterniert:
Weh, nun ist all unser Glück dahin!
Er begibt sich auf die rechte Seite der Bühne.
setzt sich erschöpft auf eine der Bierbänke,
während Elsa noch das
Allewiger, erbarm dich mein!
von sich gibt.
Elsa hat ihr Jackett gegriffen, und sich
niedergeschlagen auf einer der Bierbänke links
niedergelassen.
Lohengrin gibt Anweisung
Tragt den Erschlagnen vor des Königs Gericht!
[…]
Sie vor den König zu geleiten,
schmückt Elsa, meine süsse Frau!
Dort will ich Antwort ihr bereiten,
dass sie des Gatten Art erschau'.
Einer der vier Statisten hat Elsa geholfen, ihr
Jackett anzuziehen, drei andere hatten den
Körper des massigen Heldenbaritons auf einen
Biertisch gehoben, der zufälligerweise oder gar
auf Weisung des Staatsoperngeschäftsführers mit
Rollen bestückt ist, so dass die
Staatsopernspieler Telramund nicht hinaus hinter
die Bühne schleppen müssen.
Elsa steigt links mühevoll die Treppe auf die
Galerie hinauf.
Für die dritte Szene des dritten Aktes gibt es
in Hannover, wohl aus Sparsamkeitsgründen
(irgendwo und -wie muss man ja mit der
Reduzierung von Geldern anfangen) - keinen
Szenenwechsel, es spielt sich zunächst alles in
gleicher Szenerie ab, also diesem Kantinenraum,
in dem eben noch Elsa und Lohengrin ihre große
Brautgemachszene zu absolvieren hatten. Hierhin
strömen jetzt von allen Seiten Menschen, teils
uniformiert, teils im Unterhemd, teils ohne
Unterhosen – unter anderen auch König Heinrich,
der allerdings gewandet, wohl mit königlicher
Unterhose – beleben die Bühne, werfen durch
entsprechend angebrachte Beleuchtungskörper
mächtige Schatten auf die Wände des Bierkastens.
Links in der Gasse nehmen die Herren Blechbläser
als Bühnenmusiker Aufstellung,
Nachdem alle Mannen auf der Bühnen behost,
schleppen sie die Bierbänke von dannen, wird die
sängerfreundliche Rückwand des Bühnenbildes
hochgezogen, eine weiter rückwärts angelegte
Trennwand mit Sitzgalerie in greller Beleuchtung
sichtbar, Hiervor nehmen die Mannen Aufstellung
– Blickrichtung zunächst nach hinten - und
warten auf den Einsatz zu ihrem
Heil König Heinrich!
König Heinrich Heil!
zu dem sie sich nach vorne zum Publikum drehen,
auch um den Dirigenten nicht aus dem Auge zu
verlieren.
Der König tritt in bekanntem Bewegungsablauf –
an 1938, Wien Heldenplatz erinnernd – oben auf
der Balustrade in der Mitte in einer jedermann
bekannten Adjustierung vor das Volk. verlässt
die Balustrade, eilt die Stufen der Treppe links
herab, stellt sich vor das Volk und bringt mit
seinem
Nun soll des Reiches Feind sich nahn,
wir wollen tapfer ihn empfahn:
Aus seinem öden Ost daher
soll er sich nimmer wagen mehr!
Für deutsches Land das deutsche Schwert!
So sei des Reiches Kraft bewährt!
frühere Sachverhalte in Erinnerung und verknüpft
diese mit heutigen Gegebenheiten.
Auf des Königs Frage
Wo weilt nun der, den Gott gesandt
gehen die blechblasenden Bühnenmusiker links ab
und es erscheinen ebenfalls von links Mannen mit
der schon bekannten Trägerbahre und präsentieren
eine unbekannte Leiche. Die Identität soll
später bekanntgegeben werden. Die Leiche wird
links vorne abgestellt.
Oben hinten auf der Balustrade erscheint eine
Person. Die Mannen haben sie erkannt und geben
ihren Kommentar mit
Seht, Elsa naht, die Tugendreiche!
Wie ist ihr Antlitz trüb und bleiche!
Der König eilt hurtigen Schenkels links die
Treppe hinauf und ist beim Anblick Elsas auch
irritiert, als dass er erstaunt feststellt
Wie muss ich dich so traurig sehn!
Nun wird vom Volk, das die Vorgänge aus den
Proben kennt und nach hinten den Überblick hat,
die Ankunft des Helden von Brabant angekündigt
Rechts vorne aus der Gasse tritt Einer auf,
bewegt sich ruhigen Schritts über die Bühne,
geht in der Mitte nach hinten und wird vom Volk
als Lohengrin mit
Macht Platz dem Helden von Brabant!
Heil dem Helden von Brabant!
Heil! Heil!
bejubelt.
Das ist das Zeichen für den König, sich von der
Balustrade die Treppe hinunter zum Volk zu
bewegen.
Im gleichen Moment eilt von links aus dem
Bühnenhintergrund eine Frau nach vorne an die
Bahre der ‘unbekannten Leiche‘. Es scheint
Ortrud, die Gattin des Gemeuchelten, zu sein.
Der König umhalst Lohengrin zur Begrüßung mit
Heil deinem Kommen, teurer Held!
und ist erstaunt von dem nun zu hören
Mein Herr und König, lass dir melden:
Die ich berief, die kühnen Helden,
zum Streit sie führen darf ich nicht!
Hierfür legt er als äußeres Zeichen den Mantel
ab, wenn er dann zunächst einmal die Sache mit
der unbekannten Leiche
Da dieser Mann zur Nacht mich überfallen,
sagt, ob ich ihn mit Recht erschlug?
aufklären will.
Er geht auf die Leiche los. Ortrud tritt ihm in
den Weg, auch um Lohengrin um seiner selbst zu
schützen. Nicht, dass noch Anzeige wegen
Leichenfledderei oder Störung der Totenruhe
gegen ihn erstattet wird.
Telramund wir von den Statisten und Ortrud auf
seiner Bahre nach rechts hinten abgeschoben.
Dann kommt Lohengrin zur Sache
Zum andern aber sollt ihr Klage hören,
denn aller Welt nun klag' ich laut,
dass zum Verrat an mir sich liess betören
das Weib, das Gott mir angetraut!
Für seine Aussage erklimmt er rechts die
Balustrade und gibt bekannt:
Ihr hörtet alle, wie sie mir versprochen,
dass nie sie wollt' erfragen, wer ich bin?
Irgendwas, sei es eine Babypuppe oder ein
Kaninchenfell wird von rechts über die Bühne
getragen und links auf der ja stehengebliebenen
Biertheke abgelegt.
Links von der Treppe zur Balustrade wird Elsa in
Haft genommen, nach rechts über die Bühne
geführt, und rechts auf dieser abgestellt.
Das Volk tritt nach hinten, nimmt auf der
Balustrade Platz, um dem musikalischen
Hauptstück des Werkes zu lauschen .
Lohengrin geht nach rechts in die Gasse, zieht
Elsa hinter sich her auf die zentrale Bühne, die
nun links herum dreht und den Inhalt des linken
Viertels der Bühnenfläche zur Sicht freigibt.
Hier am Pfosten gelehnt Lohengrin, die Treppe,
unter ihr das Kinderbett aus dem ersten Akt,
darin eine liegende Person.
Exemplarisch wird mit solchen Bildern das kaputt
gemacht, was gerade als stimmige Lösung
aufgezeigt wurde und schon kriegt das Publikum
optisch wieder eine gelatscht vom
Geschäftsführer – dieser von Minister ausgewählt
– vertreten von der Regie mit Bühnenbild und
Kostüm, um alles, was war, wieder zunichte zu
machen, dass der Einzelne fragt:
“Was soll der Scheiß!“
Auf der Treppe sitzt wer, wer das sein soll,
muss man raten, wozu man keine Zeit hat, denn
nun gibt Lohengrin sein Statement mit
“In fernem Land“
ab.
Kaum ist er textlich bis zum
“steht eine Burg, die Monsalvat genannt“
gekommen, als die auf der Treppe sitzende Person
sich erhebt, die Treppe herunterkommt, sich ins
Bett legt und mit dem von der Requisite
bereitgelegten Plumeau zudeckt.
Der die Szenerie betrachtende Zuschauer muss
wähnen, dass es sich hier bei diesen
bemerkenswerten Bewegungsabläufen um
Ablenkungsmanöver handelt, die verdecken sollen,
dass Herr Schmitt bei Herrn Ratzinger,
Chorleiter der Regensburger Domspatzen und den
nachfolgenden Gesangslehrerherrschaften
irgendwas gelernt hat, was ihm nicht bekam und
ihn nicht weiterführt. Er kann einem Leidtun,
dass er mit jetzt 48 Jahren, wo es für den
jugendlichen Helden rollenmäßig eigentlich
losgeht, dem Publikum eine wabernde Tongebung
vorführen muss, dass man nur konstatieren kann:
Zu früh, zu oft, zu schwer!
Wenn man gleiches bei Camilla Nylund bei ihrem
Konzert in Hannover feststellen musste, darf man
sagen, sie hat vor 40 Jahren sehr schön in
Hannover angefangen, dann aber auch sie mit „zu
früh, zu oft, zu schwer!“ ihre Stimme belastet,
dass man mit größten Bedenken des 7.
Sinfoniekonzertes gedenken darf, anlässlich
dessen, sie „Vier letzte Lieder“ von Strauss
singen will.
Wo ist die Fürsorgepflicht der Theaterleitung –
Geschäftsführer, musikalischer Oberleiter, die
solche Mörderspiele wie eben auch den Lohengrin
für Maximilian Schmitt verhindert?
Die Quälerei nimmt mit „alljährlich naht vom
Himmel eine Taube“ ihre Fortsetzung, die Bühne
dreht hierfür links herum – nach dem Motto “Um
Himmelswillen; in jedem Falle ‘Action‘“
Die Bühne dreht weiter links herum, die Person
hat das Bett verlassen und steht am Fuße der
Treppe neben dem das
alljährlich naht vom Himmel eine Taube,
singende Lohengrin.
Für das
Es heisst der Gral, und selig reinster Glaube
erteilt durch ihn sich seiner Ritterschaft.
hat die Person das Bett verlassen und begibt
sich nun an den Fuß der Treppe, um diese mitsamt
dem Kopfkissen zu besteigen, Oben wartet eine
Person, wobei man auch hier nicht ausmachen
kann, um wen es sich handelt.
Diese steigt die Treppe hinunter, gibt sich
unten mit dem Kind ab und bei
„des Ritters drum sollt Zweifel ihr nicht
hegen,“
schlingt die Person das Kissen um des Kindes
Kopf, wohl um es zu erdrosseln. Die Person eilt
die Treppe hinauf, ohne ihre Legitimation zu
veröffentlichen.
Der Bierkasten dreht weiter links herum,
Lohengrin hebt irgendwas vom Boden – jedenfalls
ein Packerl – niemand weiß, um was es sich
handelt. Er nimmt es jedenfalls mit, falls sich
jemand meldet, dem das Teil gehört und legt es
auf die Biertheke.
Die Bekanntgabe seines Namens durch
„sein Ritter ich, bin Lohengrin genannt“
kann hier für weitere Aufklärung nicht sorgen.
Die Bühne hat sich nämlich weiter linksherum
gedreht und zeigt nun wieder das vierte
Tortenteilchen, also den Aufbau mit den Mannen,
die von der Gralserzählung auf diese Weise
nichts mitbekommen haben.
Dessen alles ansichtig werden, fällt Elsa um und
singt, als sie schon am Boden liegt:
„Mir schwankt der Boden“
Ungelabt erhebt sie sich und meint, der Schwan
käme,
dort auf der Wasserflut geschwommen
Lohengrin abzuholen.
Sie greift in die Tasche ihres Jacketts und
zieht weiße Federn heraus, die sie auf die vom
Hauspersonal gereinigte Bühne fallen lässt.
Chorscharen wenden sich von ihr ab.
Lohengrin besteigt per linker Treppe die
Balustrade, auf der sich eine Unbekannte begeben
hat und oben nun seiner lungert. Sie öffnet
allem Anschein nach den Vorhang eines Fensters.
Von links naht Lohengrin, er trägt einen
Vogelkäfig vor sich her und singt die
mittlerweile in aller Welt geflügelte Textstelle
„mein lieber Schwan“
Und weiter, nachdem er den Vogelkäfig am
Fensterrahmen aufgehängt hat,
O Elsa! Nur ein Jahr an deiner Seite
hätt' ich als Zeuge deines Glücks ersehnt!
Dann kehrte, selig in des Grals Geleite,
dein Bruder wieder, den du tot gewähnt.
Draufhin begibt er sich eiligst wieder mittels
der links angebrachten Treppe auf die Bühne
hinunter und meint an der Biertheke stehend.zu
Elsa:
Kommt er dann heim, wenn ich ihm fern im Leben,
dies Horn, dies Schwert, den Ring sollst du ihm
geben.
Dabei händigt er Elsa das Packerl aus, das er ja
sinnigerweise von der Regie angeordnet und vom
Geschäftsführer gut geheißen auf der Biertheke
abgelegt hatte, angeblich Horn, Schwert, Ring
und singt
Kommt er dann heim, wenn ich ihm fern im Leben,
dies Horn, dies Schwert, den Ring sollst du ihm
geben.
Elsa nimmt alle Gaben an sich, tritt in den
Hintergrund, Lohengrin ihr nach, um das
Leb wohl! Leb wohl! Leb wohl, mein süsses Weib!
ihr nachzusingen.
KÖNIG HEINRICH, die MÄNNER und FRAUEN sind
empört üder die spontane Änderung der Reisepläne
Weh! Weh! Weh! Du edler, holder Mann!
Welch harte Not tust du uns an!
Lohengrin eilt nach links, um abzugehen.
Unbeachtet von allen ist Ortrud links die Treppe
von der Balustrade herunter für ihr
Fahr heim! Fahr heim, du stolzer Helde,
dass jubelnd ich der Törin melde,
wer dich gezogen in dem Kahn!
Am Kettlein, das ich um ihn wand,
ersah ich wohl, wer dieser Schwan:
Es ist der Erbe von Brabant!
[…]!
Erfahrt, wie sich die Götter rächen,
von deren Huld ihr euch gewandt!
Ortrud entreißt Elsa die Insignien der Macht,
die diese ja Gottfried übergeben soll, Sie
zerbricht das Schwert, schüttelt das Packerl, da
ergreifen sie zwei Statisten ringen Ortrud zu
Boden, Lohengrin geht zur Biertheke, nimmt
seinen Mantel, fragt den König als stumme Jule,
irgendwas, wohl, ob der einverstanden sei, hängt
seinen Mantel Elsa um, und meint
Seht da den Herzog von Brabant!
Zum Führer sei er euch ernannt!
Unter dem Jubel des Volkes gehen beide nach
rechts hinten, die Statisten lassen Ortrud los,
die eilt zur Biertheke, greift sich dort
irgendeine Waffe, stürzt Lohengrin hinterher und
‘dersticht‘ ihn, er sinkt zu Boden. Elsa wirft
bei:
Mein Gatte, mein Gatte
den Mantel über Lohengrins Leiche
Jetzt plötzlich werden die Statisten wach,
ergreifen Ortrud.
Elsa schleudert ihr Jacket an die Biertheke und
stellt sich hemdsärmelig an Lohengrins Leiche.
Beifallsheischend wendet sie sich dann dem Chor
zu,
Der Vorhang fällt.
Der Zuschauerraum zum Ende des Werkes - “immer
lichter“, ganze Reihen nach der zweiten Pause
der Premierenvorstellung - leer.
Nachfolgend die Belegung des Hauses bei der
Vorstellung am 3.10.25.
Der dritte Rang von vornherein geschlossen, die
übrige Auslastung: Kümmerlich.
Alles, was farbig angelegt ist, sind zum Ende
der Vorverkaufszeit – also eine Stunde vor
Vorstellungsbeginn - die unverkauften Plätze.
 
Man verstand die Vorgänge auf der Bühne nicht.
Nur krauses Durcheinander wurde gezeigt. Es mag
für Lyon reichen. Nicht aber für Hannover nach
überstandenem Puhlmann, nach überwundenem Klügl
und überlebter Berman erwartet das Publikum hier
keinen solchen 'Lohengrin' und - dies zur
Warnung - schon gar keinen 'Ring' à la
Saarbrücken!
Diejenigen, die hier vorzeitig aus dem Theater
gingen, versäumten das Finale mit der Frage:
Wer tötet nun wen und, wenn ja, warum?
Besonders der Schluss ist - um es deutlich zu
sagen - genau so dämlich wie der seinerzeit in
Regensburg
oder der in Braunschweig.
Ganz abgesehen von dem im
Salzburger Landestheater,
|
... oder in Wien:
Zitat
Im Jahr 2024 versuchte sich das Team von
Jossi Wieler, Sergio Morabito und der
Ausstatterin Anna Viebrock an dem Stück.
Über das Resultat breitet man besser den
Mantel des Schweigens.
Elsa zieht in der Schluss-Szene einen
Zombi von Bruder aus dem Wasser, der sie
zum Dank dafür mit Lohengrins-Schwert
ersticht.
Das muss reichen, um auch diese
Regiearbeit
schnell wieder vergessen zu machen.
Zitatende
Quelle: Der Klassik-Blog -
https://klassik-begeistert.de/ |
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Bemerkungen zur
szenischen Umsetzung von Don Giovanni
|
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Zitat
‘Don Giovanni‘
am 29. Juni 2018 im Oberpfälzer
Metropol-Theater Regensburg
„[…] Regisseur Matthias Reichwald
schafft es, mit einfachen sze-
nischen Mitteln, seinen Erfolg, den er
mit der 'Zauberflöte' in Regens-
burg erringen konnte, mit seinem
'Giovanni' fortzusetzen.
Alle, die warnten, dieses Mozartwerk sei
nur vom Orchester her be-
merkenswert, meinten die Inszenierung
sei nicht anzuschauen. Hin-
gehen und die Augen zumachen, so hieß
es.
So reden können nur diejenigen, die aus
dem Tal der Ahnungslosen,
in dem Regensburg als Kaff nun mal
liegt, nicht herauskommen und
nicht wissen, wie man einen 'Giovanni'
wirklich in den Sand setzt.
Beispiel im damals Klügl’schen Hannover,
da spielt sich das Gemurkse
mehr im Zuschauerraum, denn auf der
Bühne ab, da was auch immer
geht und dort agiert - irgendwo, während
die Bühne leer bleibt.
Die Situation in Braunschweig wurde
ausreichend beschrieben unter:
http://www.telezeitung-online.de/Bemerkungen_zu_%27Don_Giovanni%27
_im_%27Staatstheater_Braunschweig%27.htm.
Regensburg schafft mit dem ehemaligen
Herrn Wölbitsch, jetzt nun
verheirateter Herr Störmer, in der
Titelrolle einen völlig neuen Typ, den
des Womanizers.
Der 'Giovanni', den man aus der
Vergangenheit kennt, wird hier nicht
gezeigt.
Der Regensburger ist ein junger Mann, 'a
Zig‘rettenbürscherl', 'a Spring-
kinkerl', 'a Manschkerl' wie er nach dem
Kleiderwechsel in Leporellos
roten Hemd, mit einer Lederweste drüber
und einer Schiffermütze am
Kopf gezeigt wird, der mit seinen so 25
Jahren weiß, was er in der Hose
hat und wie man damit umgeht. Hat er
wohl so mit 15 Jahren damit an-
gefangen, es auszuprobieren, kommt auf
seinem Konto einiges zusam-
men, so dass sein Kumpel über dessen
Liebesaffären genügend berich-
ten kann.
So sieht der heutige 'Giovanni' aus,
der sich auf der Dult in Regensburg,
auf dem Dom in Hamburg, auf dem
Oktoberfest in München herumtreibt
und immer Beute – Frauen und Männer –
macht, wie es sich eben so er-
gibt.
Neben ihm sind dann die Anna und die
Elvira und der Ottavio, das Don =
Herr und die Donna = Frau bleiben weg.
Mehr oder weniger junge Leute, die in
den Tag hineinleben und versu-
chen, mit den Problemen, die auf sie
warten, zurechtzukommen.
Dass Regisseur Reichwald nun auch zu den
heute überall üblichen Pro-
jektionen greift, muss man einfach
übersehen, warum der allerdings für
das Entrée einen Brief von Vater Mozart
verwendet, den man dann we-
gen mangelhafter Lichtfülle nicht lesen
kann, warum dann Herr Störmer
auf einer Geige herumkratzen darf, muss
in Frage gestellt werden.
Auch der Schluss - so war es auch bei
der ersten Vorstellung des Stük-
kes damals in Wien - mit nur der
Höllenfahrt, ist heutzutage mehr oder
weniger selten.
Die Mahnung, dass bestraft wird, wer
Böses tat, ist in Regensburg ge-
strichen, dafür ertönt nochmals der Chor
„Viva la Liberta“ – hier völlig
überflüssig wie auch die Projektion
eines Textes.
Die Darstellung der Figuren: lebendig,
nicht wie sonst oft pomadig ‘alt-
fränk‘sch‘, was zweifellos hauptsächlich
der ‘Wuptizität‘ des Sängers
des 'Giovanni' zuzuschreiben ist. […]“
Zitatende
Quelle:
http://www.telezeitung-online.de/
Thema_des_Tages_29._Juni_2018_%27
Vier_Abende_im_Theater_RBG%27.htm |

Angela Brandt – heute Regisseurin an der Wiener
Staatsoper - inszenierte auch ‘Hoffmanns
Erzählungen‘ in Regensburg.
Hier Bemerkungen zu dieser Produktion.
http://www.telezeitung-online.de/Kritik_%27Hoffmanns_Erzaehlungen%27_A-Premiere_02.11.07.htm
http://www.telezeitung-online.de/
Kritik_%27Hoffmanns_Erzaehlungen_B-Premiere%27.htm
http://www.telezeitung-online.de/
Kritik_%27Hoffmanns_Erzaehlungen%27_26.05.08.htm
Erinnert sei an die Open-Air-Aufführung im Park
hinter dem Rathaus Hannover. Schlüssig
dargeboten damals. In den Hauptrollen von
Mozarts Oper "Don Giovanni" Ludovic Tézier als
Giovanni und und Luca Pisaroni als Leporello
neben dem Orchester mit Dirigent Andrew Manze.

© NDR, Foto: Axel Herzig
https://www.ndr.de/orchester_chor/radiophilharmonie/Don-Giovanni-Die-Solisten,dongiovanni156.html
Bei dieser NDR-Produktion im Park hinter dem
neuen Rathaus in Hannover zeigte sich, dass mit
ganz wenigen Mitteln, die Illusion geschaffen
werden kann, eine Oper jedweder Entstehungszeit
– formgerecht aufführen zu können.
Man überließ hier den Darstellern weitgehend die
szenische Gestaltung und damit die Umsetzung des
Werkes, ohne größere Bauten oder Szenenteile
anschaffen und verwenden zu müssen.

Die Nds. Staatsoper Hannover GmbH spielte nun
das Werk seit dem 9.9.2020 in einer auf 90
Minuten zusammengestrichen halbszenischen
Fassung.
Seit dem steht fest, dass es keinesfalls eines
3-dimensionalen Bühnenbildes bis hinauf in den
Schürboden bedarf, um eine Oper dem Publikum
nahezubringen.
Selbst die Geschäftsführung der Nds. Staatsoper
Hannover GmbH hat das nun erkannt und spielt das
Stück auf ein paar Podesten in Tritthöhe und
Stühlen auf dem blanken Bühnenboden.

Screenshot: imgtoolkit.culturebase.org.jpg –
Foto Clemens Heidrich
|
|
Zitat
Musikalische Leitung James Hendry,
Szenische Einrichtung Tobias Mertke,
Bühne, Kostüme Marvin Ott, Tobias Mertke,
Licht Elana Siberski,
Dramaturgie
Julia Huebner,
Xchange Kirsten Corbett
Don Giovanni
Germán Olvera
Donna Anna
Hailey Clark
Don Ottavio
Long Long
Komtur
Daniel Eggert
Donna Elvira
Anaïk Morel
Leporello
Shavleg Armasi,
Richard Walshe
Masetto
Yannick Spanier
Zerlina
Nikki Treurniet
Niedersächsisches Staatsorchester
Hannover
Viva la libertà – es lebe die Freiheit
heißt es in Don Giovanni, in
Mozarts
genialer Oper aus dem Jahre 1787. Don
Juan, ein Verführer, ein Libertin und
Freigeist, der in Radikalität und
Risikofreudigkeit über Gesetz und
moralischen
Verpflichtungen zu stehen scheint,
polarisiert und fasziniert bis heute.
Coronabedingt wurde nun – statt der
Wiederaufnahme einer bereits
bestehenden Produktion aus dem Jahr 2014
– eine leicht gekürzte szenische
Einrichtung erstellt. Diese neue
halbszenische Fassung zeigt einen
anderen
Blick auf die Figuren, thematisiert die
Umkehrung von Nähe, Haptik und
Sinnlichkeit in Einsamkeit und
Verlorenheit. Der große Abstand, die
physische
Distanz, beinhaltet eine große Sehnsucht
nach Nähe und Körperlichkeit.
Die Szenen leben von Andeutungen, Gesten
und Blicken und entwickeln
dadurch eine andere Stärke – Berühren
verboten, Singen erlaubt.
Die Verführung geschieht mit den Mitteln
der Musik: Don Giovanni lockt und
verführt mit Blicken und seinem Gesang.
Mozart komponierte für die Figuren,
die dem schillernden und freimütigen
Giovanni verfallen, für ihre Ängste und
ihre Faszination wundervolle Arien und
Ensembles.
Mit dem Orchester, das vom
Orchestergraben auf die Bühne gewandert
ist,
erhält der Zuschauer auch den Blick auf
die Musizierenden auf der Szene.
Zitatende
Quelle:
https://staatstheater-hannover.de/de_DE/programm/don-giovanni.
1277601 |

Die Hannoversche Allgemeine Zeitung titelte
am 11. September 2020:
“Ein Dilemma – Die Staatsoper spielt Mozart ‘Don
Giovanni‘ stark gekürzt und mit viel Abstand.
Kann das gut gehen?“
Und die Hannoversche Neue Presse, auch im
Madsack-Verlag,
überschrieb den Artikel am 11. September 2020
mit:
“Mozart als Maskenball –‘Don Giovanni‘
konzentriert auf 90 Minuten: Oper unter
Corona-Bedingungen für 274 Zuschauer“
Verpflichtet hatte man als Inszenator einen
Herrn
Zitat
„Tobias Mertke, geboren 1989 in Halle an der
Saale, studiert Geschichte und Germanistik an
der Universität Göttingen. Während des Studiums
leitet er Bildungsseminare für das FSJ Kultur in
Niedersachsen.
Seit 2015 ist Tobias Mertke fester
Regieassistent am Deutschen Theater Göttingen.“
Zitatende
Quelle:
https://www.dt-goettingen.de/ensemble/tobias-mertke/
Ausgabe 20. September 2020
Dieser Herr, vom Schauspiel kommend, ist also
prädestiniert, um an der Nds. Staatsoper
Hannover eine klassische Oper in Szene zu
setzen.
Herausgekommen ist – und dabei Corona völlig
unabhängig - ein langweiliger Stehkonvent des
Göttinger Schauspiel-Regieassistenten Mertke,
eine typische Schul-Inszenierung einer
Regieklasse im dritten Semester.
●
Dem Publikum bot sich während der
Pandemie-Giovanni-Vorstellungen eine offene
Szene. Podeste gliederten die Vorderbühne in
verschiedene Höhen, weiße Bänder dokumentierten
auf deren Boden die Begrenzungen, damit man
nicht stürze.
Das Saallicht erlosch, der Zuschauer saß im
Dunklen, sah im Hintergrund der Bühne die
Orchestermitglieder - von ihren
Notenpultbeleuchtungen schwach illuminiert - und
auf Abstand positioniert.
Man hörte jemanden über das Podium trampeln.
Licht: Eine Gruppe von Menschen, mit
Mund/Nase-Masken ausgestattet, in Umhänge
gehüllt standen neben weiß gestrichenen Stühlen.
Mit Beginn der Ouvertüre legten die Herrschaften
die Umhänge und die Masken ab, spielten ‘stumme
Jule‘ und bewegten sich ‘up and down‘ auf den
Podesten, setzten sich dann auf die Stühle und
sannen über den Zweck des Abends.
Donna Anna und Giovanni gingen nach links ab.
Leporello auf seinem Podest links mit der Nr. 1
Keine Ruh‘ bei Tag und Nacht …
während derer Zerlina und Masetto,
Elvira, Ottavio und der Komtur auf ihren
Sitzgelegenheiten verharren.
Was haben die auf der Szene in der Situation des
Stückes zu suchen?
Von links Anna – diese im Eilschritt - und
Giovanni.
Sie mischen sich unter die Anwesenden. Der
Komtur rechts greift sich plötzlich an die
Brust, fällt polternd auf sein Podest.
Giovanni und Leporello nach links ab, Auftritt
Anna von rechts, in die Mitte für ihr
Ach, tödlich traf ihn des Mörders Streich.
Elvira nach links ab – sie eilte offensichtlich
Giovanni hinterher – Zerlina und Masetto
entschlossen sich, rechts abzugehen, um nicht
den Eindruck zu erwecken, man folge auch
Giovannis Spuren.
Zwangsläufig – da sonst niemand mehr auf der
Bühne - ergab sich nun für Anna und Ottavio die
Gelegenheit zum Duett, der Nr. 2
Fliehe, Verräter, fliehe!
Hiernach beide rechts ab.
Das Licht wurde eingezogen, von links mit
Taschenlampen herumhantierend - an sich für die
vierte Szene, die hat aber die Geschäftsführung
der Nds. Staatsoper Hannover GmbH gestrichen.
Nun also gleich die fünfte Szene, hierfür
Auftritt Elvira von links, für ihr
Ach, werd‘ ich ihn wohl finden
Sie brauchte sich eigentlich nur etwas
umzuschauen, dann hätte sie Giovanni und
Leporello rechts hinten auf der Bühne
herumstehen sehen, dann nach links wandern.
Giovanni dort ab und Leporello bekam nach einem
größeren musikalischen Strich Gelegenheit für
die Nr. 4
Schöne Donna!
Dies genaue Register enthält seine
Liebesaffairen
Interessant, dass bei dieser Szene Leporello
nichts bei sich führt, von dem er ablesen
könnte, kein Notizblock, keine lange Papierrolle
– auch kein Handy oder ein Tablett hat er dabei,
um der Vorgabe des Registers gerecht zu werden.
Sparen ist löblich und vor allem in
Krisenzeiten, wenn die Budgets
zusammengestrichen werden, aber zu einer Rolle
Klopapier zum Hantieren hätte es doch sicher
gereicht.
Plötzlich von rechts, Auftritt von Zerlina und
Masetto.
Elvira schmiss vor Wut einen Stuhl mit
großem Gepolter um.
Das heutzutage unwissende Publikum applaudiert
hier mitten in die Leporello-Arie beim
Bei Blondinen preist er vor allem …
hinein.
Auch in die Arie hinein erfolgte der Auftritt
Giovannis von links, er wedelte mit einem
Absperrband aus dem Baumarkt herum, wickelte
Masetto darin ein und fesselte ihn an den Stuhl
(Gott wie sinnig, aber typisch 3. Semester
Regieklasse.)
Masetto befreite sich von der Fessel und ging
nach links ab.
Ohne Nr. 5, Chor und
ohne Nr. 6, Arie Masetto
gleich Platz und Zeit für die Nr. 7,
Reich‘ mir die Hand mein Leben,
Giovanni und Zerlina zerrten an dem Absperrband
herum, Leporello und Masetto schauten vom linken
Podest, Elvira rechts aus dem Treiben zu.
Von rechts kommend, gingen Anna und Ottavio
hinten vor dem Orchester nach links.
Elvira zwischen Zerlina und Giovanni warnte mit
der Nr. 8
O flieh, Betrog’ne, flieh …
Dann Elvira nach rechts ab, Giovanni ihr nach,
Leporello nach links ab.
Anna und Ottavio auf der Bühne für die Nr. 10
Ach, Ottavio, ich sterbe
und
Schon warf die Dämmrung
und
Du kennst nun den Frevler
Leider nimmt die Nds. Staatsoper Hannover GmbH
aus unerfindlichen Gründen dem Ottavio die
Chance für die Nr. 10a
Nur ihrem Frieden
sondern der Regieassistent am Deutschen
Theater Göttingen ließ Anna und Ottavio einfach
so nach rechts abgehen.
Giovanni und Leporello auf der Bühne,
die beim
Come va tutto male?
in Giovannis
Auf zu dem Feste!
überging.
Leporello und Giovanni nach links ab, von rechts
Zerlina und Masetto für die sechzehnte Szene mit
der Nr. 12,
Schlage, schlage, dein Zerlinchen!.
und dem
Viva la liberta!
mit den folgenden drei ineinander
verwobenen Tänzen. Man wiegt sich rhythmisch
in den Hüften.
Danach Zerlinas Auftritt von links für das
Kommt zu Hilfe mir
dazu Giovanni mit dem von ihm der Unzucht an
Zerlina angeklagten Leporello von links für das
Finale Erster Akt somit alle – bis auf den
Komtur – stehend auf der Bühne nach vorne ins
Publikum singend.
Zweiter Akt
Von links Giovanni und Leporello für die Nr. 14
Gib dich zufrieden ..‘
Auf der Bühne dann Giovanni, Leporello,
Elvira, Masetto und Zerlina für die Nr. 15
Mein Herz, was soll Dein Zagen
Links der Kleidertausch Giovanni, Leporello
– rechts beleben Ottavio und Anna die Szene,
obwohl sie hier stückmäßig garnichts zu suchen
haben.
Nun das ‘Ständchen‘ für das alle planlos
herumstehen.
Dann alle ab, bis auf Zerlina und Masetto für
die
Nr. 18.
Ich weiß ein Mittelchen
Zerlina lockte ihren, durch ihre Anwesenheit
bezirzten, Masetto nach rechts in die Kulisse
und in Erwartung des von ihr angepriesenen
‘Mittelchen‘ zog er sich schon mal das Jackett
aus.
Für die Nr. 19
Einsam hier an dunkler Stätte
kam Elvira von rechts, Leporello von links.
Dazu auch noch von rechts Ottavio und Anna.
Jetzt standen alle mit Blick nach vorne ins
Publikum und ließen Musik, Musik sein – von
regiemäßiger, stückgerechter Personenführung –
außer Rumstehen - keine Rede. Gelegentlich hob
mal einer den Arm, als wolle er sich die Haare
raufen.
Leporello lief im Hintergrund der Spielfläche,
also vor dem Orchester, nach rechts und damit
endete der zweite Akt.
Zurückblieben Zerlina, Masetto, Elvira und
Ottavio, der nun die Nr. 21 mit
Folget der Heißgeliebten
anstimmen darf.
Peinlich von der Regie, dass nun ausgerechnet
bei den schweren Koloraturstellen der
Ottavio-Arie Zerlina und Masetto nach links
abgingen, als würde es ihnen nicht gefallen, was
und wie Herr Long-Long da singt.
Na ja, laut Homepage:
„Regieassistent beim Schauspiel am Deutschen
Theater in Göttingen.“
Ottavio ging nach rechts ab, Elvira blieb allein
links zurück.
Ein Strich verkürzte die ‘show‘ – wie es im
US-Amerikanischen heißt – und es folgt gleich
die Nr. 21 b mit
Welche Verbrechen, o Himmel …
Mich betrog der Undankbare …
Dafür legte Elvira sich der Länge lang auf das
linke Podest, wollte nach dem dort
positionierten Stuhl greifen, dann kniete sie,
stand wieder auf, hockte auf den Stufen. Dann
dies Häufchen Elend nach links ab.
Großer Strich, es folgte gleich die Nr. 23 mit
Ich grausam?
Hierfür stürzten Anna und Ottavio von rechts
herein, er setzte sich auf einen Stuhl in der
Bühnenmitte und wartete ab, während Anna das
Non mi dir, bell’idol mio
sang.
Und in die Schlussphase der Arie hinein, ging
Ottavio ganz einfach nach rechts ab. Peinlich!
Licht weg, Giovanni und Leporello mit
Taschenlampen von rechts für die Nr. 24, das
Finale, und da gleich mit dem Auftritt Komtur
Don Giovanni, Du hast gebeten,
Ich versprach es und bin erschienen.
Giovanni auf seinem Podest links, Komtur rechts
und Leporello in der Mitte vor dem Orchester.
Giovanni dann links ab vor dem Portal, von links
hinten stürzten Masetto und Zerlina herein, von
rechts Elvira, Anna und Ottavio für das
Wo ist der Schändliche,
wo der Verbrecher?
Dann das Finale, wobei der Chor durch die
geöffneten Saaltüren im dritten Rang sang und
schon im zweiten Rang nicht zu hören war.
Also stirbt, wer Böses tat:
Jedem Sünder wird Vergeltung.
Wenn die letzte Stunde naht.
Die Regie beschränkte sich auf Abgänge nach
links und Auftritte von rechts oder umgekehrt.
Durch die Mitte ging nicht, da saß das
Orchester.
Hätten die Sänger nicht Routine gehabt, wäre das
inszenatorisch schlimm ausgegangen.
Die HAZ schrieb auf der Seite 23 der Ausgabe vom
11. September 2020, es wäre „großartig“ gesungen
worden.
Wie ist bitte ‘großartig‘ definiert?
Am 26. September 2020 wurde eine weitere
Vorstellung besucht. Der nun gewählte Platz,
dritter Rang, dritte Reihe erlaubte den
Gesamtüberblick und es bestätigte sich, dass ein
überdimensionales, kostenträchtiges Bühnenbild -
wie sonst an der Nds. Staatsoper Hannover GmbH
üblich, man denke nur an die Szenerie für
Trojahns ‘Was ihr wollt‘
- überhaupt nicht notwendig ist.
‘Kostüme‘ d.h. Straßenklamotten von
irgendeinem Textilanbieter reichen ebenfalls
völlig aus, um der beliebten Formel des
Verheutigens Raum zu geben, es sei denn, man
spielt das Stück in den Originalsituationen..
Giovanni auf der Kö in Düsseldorf, auf dem
Ku-Damm in Berlin, in der Gesandtenstraße in
Regensburg oder in der Kaufinger Straße in
München oder der Georgstraße in Hannover –
überall gibt es von Machos betrogene Frauen,
Mitläufer und sonst wie jammervolle Gestalten.
Dass in Hannover beim Singen die Damen
forcierten, ist wohl der Angst vor dem leeren
Raum zuzuordnen. Die Herrschaften auf der Bühne
hatten wundervolle Pianotöne, die allerdings
nicht permanent vorgeführt werden konnten. So
meinte man wohl, es müsste das Füllen der leeren
Plätze im leeren Raum mit der Stimme über
Nachdruck erzwungen werden.
Ein kultivierter Mozart-Schöngesang - den Rollen
und einer Staatsoper entsprechend – kam und
kommt dabei selten zustande.
|


Bemerkungen zur szenischen Umsetzung des
‘Don Giovanni‘ an
der Nds. Staatsoper Hannover besuchte Vorstellungen am
10.10.2025 sowie am 21.12.25


Screenshot: Nds. Staatsoper Hannover - – Foto Bettina
Stöß –

Nach dem Giovanni während der Pandemie, jetzt schon
wieder 'El burlador de Sevilla' - des Gabriel Téllez,
der 1584 in Madrid geboren wurde und unter dem Pseudonym
'Tirso de Molina' dieses Bild des Frauenverführers
schuf.
Die Uraufführung - nach dem erfolgreichen Start von
'Figaros Hochzeit' 1786 nun ein Jahr später am 29.
Oktober 1787 der Schritt auf die Opernbühne in Prag -
Don Giovanni oder 'Il dissoluto punito' - 'Der bestrafte
Verführer'.
Vor und nach Mozart's Giovanni befassten sich viele mit
dem Stoff.
In den 300 Jahren seit der ersten Version wurde in
Frankreich das Thema mehr als 100 mal behandelt, davon
allein 57 mal im 20. Jahrhundert, in Spanien waren es
94, von denen 44 im 20. Jahrhundert entstanden; in
deutschsprachigen Ländern gibt es 83 Fassungen, hierbei
35 aus dem letzten Jahrhundert, total sind es 56
Einzelwerke, davon 34 aus der Zeit von 1900 bis 2000
allein im englischsprachigen Raum.
Hieraus ließe sich wahrlich eine 'Registerarie'
konzipieren.
Wien:
Mozart und Lorenzo da Ponte kennen einen Operneinakter
des Librettisten Giovanni Bertati: 'Don Giovanni tenorio
o sia Il convitato di pietra' - gerade sehr erfolgreich
in Venedig uraufgeführt.
Ganze Textstellen werden in das Libretto von da Ponte
übernommen. Er folgt Bertati im ersten Akt bis Nr. 12.
Während der Vorlagengeber dann direkt zur Friedhofszene
springt, ergänzt da Ponte die Nummern 13 bis 20 im
ersten Akt, fügt die Szenen 1 bis 10 im zweiten Akt ein
schließt hier als 11. Szene das Schlussbild nach
Bertatis Vorlage an.
Aus der reinen Buffa wird eine Mischung aus Komödie und
Tragödie - das dramma giocoso - mit dem erhobenen
Zeigefinger als 'lieto fine' als Ende des Stückes in
der Wiener Fassung.
Die Basis bildet eine Geschichte, die sich zugetragen
haben soll und von dem spanischen Mönch Tirso de Molina
dramatisiert wurde, wonach Mönche das ruchlose Leben
des Fürchtenichts und Frauenhelden beendeten.
"So endet, wer Böses tut."
Einiges dramaturgisch kaum Nachvollziehbares - Längen -
gibt es im Text, die Vielfalt der Szenen macht
eigentlich auch eine Reduzierung notwendig, um der
Verwirrung der Zuschauer entgegenzuwirken.
Da Ponte kann an der Uraufführung in Prag nicht
teilnehmen, da er gleichzeitig Libretti auch noch für
Salieri und Martini schrieb und nach Wie zurückgerufen
wurde. So war sich Mozart im Oktober 1787 in Prag wegen
der Texte allein überlassen.
Doch einer kam ihm zu Hilfe. Auch im Oktober 1787 hielt
sich in Prag der weltbekannte Fachmann in Sachen Liebe
auf: Giacomo Casanova.
Er war damals Bibliothekar im Schloss des Grafen
Waldstein in Dux, nahe der böhmischen Hauptstadt.
Die Zusammenarbeit von Casanova und Mozart ging soweit,
dass der wirkliche Liebhaber den Text für das Sextett im
zweiten Akt umschrieb. Lorenzo da Ponte war ja in Wien -
im Nachlass Casanovas befinden sich zwei beschriebene
Blätter mit diesem veränderten Text.
Der zur Entstehungszeit übliche Einbau
sängerfreundlicher Arien und Szenen - wie durch die so
genannte 'Champagner-Arie' oder das Ständchen -
erweitert das Stück erheblich um die Leidensfähigen:
Donna Anna und Don Ottavio - vertreten so im 'Giovanni'
die 'opera seria', die 'buffa' bleibt durch die übrigen
Rollen erhalten. Zwischen beiden als tragi-komische
Figur: Donna Elvira.
Hatte Donna Anna etwas mit Giovanni, wurde sie von ihm
im elterlichen Haus verführt, vergewaltigt - immerhin
spricht sie von Schande? Und Leporello kommentiert und
bestätigt "[...] Die
Tochter verführen und den Vater ermorden! [...]"
Oder ist es ihre Liebe, die von ihm verschmäht wurde,
dreht sie den Spieß um, zeiht ihn der Verführung,
verfolgt ihn aber, weil er sie nicht wollte ? Oder
gewann sie Lust durch Giovanni, was jetzt Last für sie,
auch dass durch ihr Verhalten, der plötzliche Tod des
Vaters durch Giovannis Hand - gezwungenermaßen, da der
Komtur zum Schutz Annas ihn verfolgt - also Totschlag
und nicht Mord - herbeigeführt wird.
Ihre Worte Verstellung? Ausgeschlagene Liebe - bei einer
Frau für einen Mann, höchst gefährlich. Sie leidet nun
in mehrfacher Hinsicht.
Immerhin "[...] Gleich einer Furie will ich rasen, dein
Verderben werd' ich sein. [...]".
Die Kraft der Sängerin der Anna muss sich erweisen, wenn
sie in der hohen Lage die Ensembles anführt.
Gleich in der Nr. 10 – Rezitativ und Arie
"[...] Du kennst nun den
Frevler, der Schande mir drohte [...]" kann die
Sängerin der Donna Anna ihre ganze Erregung in der
Schilderung des wie immer gearteten Zusammentreffens mit
Giovanni zum Ausdruck bringen. Die Andante-Arie
begleitet durch Tremoli der Streicher, die Erregung -
nur wenige ruhige verinnerlichte Seufzer.
In Nr. 23, Rezitativ und Arie
"[...] Ich grausam ?[...]"
weist Donna Anna die Vorwürfe Ottavios zurück. Die hier
von Mozart verwendeten Triller und Ausschmückungen
verdeutlichen die Kraft, mit der Anna sich der Aufgabe,
Don Giovanni zu eliminieren, stellt, ohne hier übermäßig
aufzutrumpfen.
Mozart komponierte den Schluss der Arie so, dass der
Applaus eigentlich nicht ausbleiben kann.
Ljuba Welitsch, Leontyne Price, Joan Sutherland, Martina
Arroyo, Margaret Price, Anna Tomowa-Sintow, Renée
Flemming, Zinka Milanow - aber auch Elisabeth Grümmer,
Sena Jurinac oder Lisa della Casa und ganz besonders in
der Rolle, der dramatischen Donna Anna hervorzuheben:
Edda Moser.
Donna Elvira - diese Rolle ist Molières 'Dom Juan ou Le
Festin de pierre' entlehnt - die Giovanni in einer
gewissen Art von Hysterie nachstellt - nachdem ihre
Affäre in Burgos mit ihm nicht sonderlich erfolgreich
war und danach Giovanni auf der Flucht vor ihr ist, sich
aber nicht scheut, sie wieder anzumachen.
Ihre Hoffnung, dass er
"[...] voll Reue mein heißgeliebter Gatte [...]"
sich an sie bindet, führt dazu, dass sie ihn völlig
verliert. Ohne Entwicklung innerhalb des Stückes - das
sich ja während eines Tages abspielt - Elvira steht da,
ohne etwas erreicht zu haben. Allerdings setzt auch sie
wie Donna Anna auf die Vernichtung Giovannis mit
"[...] dem Tod sei er
geweiht [...]".
Da Mozart in Wien Catarina Cavalieri als virtuose
Sängerin zur Verfügung stand, passte er sich deren
'geläufiger Gurgel' an und ergänzte die Rolle durch die
Arie Nr. 21 b im zweiten Teil. Diese erhielt damit eine
dramatische Note und rückt aus dem Anschein einer durch
Hormonwallungen Verwirrten, deren Liebe verschmäht wurde
und weiterhin wird, heraus. Er charakterisiert ihre
zerrissene Seele durch heftig-große Tonsprünge.
Die Nr. 3 - Elviras exaltierter Auftritt
"Ach, werd ich ihn wohl
finden ..." - die Gemütsfassung wird vom
Orchester mit Synkopen unterstrichen - ist mit der Arie
in dem Sinne kein Sologesang, denn Giovanni kommentiert
'beiseite' ihren Text und geht in den letzten Takten auf
sie ein. So 'verkleckert' dieses Musikstück für Elvira
in einem nicht gehaltenen Dialog.
Die Nr. 8 - "O flieh,
Betrogne, flieh" - an Zerlina gerichtet, knapp
und konzentriert auf weinige Takte beschränkt, mit den
unvermeidlichen Koloraturen ein eindrucksvolles
Musikstück in diesem Werk und für die Sängerin eine
weitere Herausforderung.
An sich gehört für diese Rolle ein ganz kopfiger Sopran,
gerade wenn die Nr. 21 b mit Rezitativ und Arie
"I[...] n welchen Abgrund,
o Himmel" .... "Mich verriet der Undankbare ..[...]"
offen ist.
Elisabeth Schwarzkopf - wieder und wieder in der Rolle -
niemals Anna. Ihre Stimme zu schmal für die notwendige
Opulenz der Mitspielerin. Von der Zerbinetta zur
Ariadne, von der Susanne zur Gräfin, zur Marschallin,
aber über die Elvira nicht zur Anna.
Die Rolle besetzt mit z.B. Trudelise Schmidt - sie sang
'die Knaben' weil sie so dünn war - oder Ann Murray oder
Agnes Baltsa, aber auch Waltraud Meier.

Don Ottavio, der Verlobte Annas - eine leidensvolle
Figur, kaum fähig, etwas Handgreifliches zu unternehmen.
Immer nach innen gewandt, immer auf Ausgleich bedacht.
Donna Anna hatte in ihm offensichtlich etwas anderes
erwartet, als einen Resonneur, einen Bedenkenträger -
"[...] Nur ihrem Frieden
weiht ich mein Leben[...]" - sie will ja gar
keinen Vaterersatz, als den Don Ottavio sich anbietet -
sondern was erleben. Und das verspricht die Gemeinschaft
mit Giovanni. Nur, der will sie wohl nicht oder will sie
ihn wirklich nicht?
Mozart richtete sich weitgehend nach den Erfordernissen
der jeweiligen Bühnen und sängerischen Möglichkeiten der
betreffenden Theater. So komponierte er am 24. April
1788 für die Wiener Aufführung am 7. Mai 1788 die Arie
Nr. 10 a "[...] Nur ihrem
Frieden[...]" für den Sänger Francesco Morella,
der die eigentlich vorgesehene Arie Nr. 21
"[...] Folget der
Heißgeliebten [...]" wegen der Koloraturen nicht
singen konnte.
In der Rolle des Don Ottavio immer wieder Anton Dermota,
daneben Julius Patzak, Nicolai Gedda - aber auch Hans
Hopf in jungen Jahren - unverkennbar, hier schon der
spätere schwere Held.

Zerlina, eine von Giovanni Angemachte. Eine junge in
jedem Fall, aber Soubrette, die ihr Leben nach dem Motto
"[...] O ihr Mädchen, zur
Liebe geboren, auf benützet die blühende Zeit! [...]"
im Griff hat, nur mit Masetto verlobt, mehr ist für sie
als Mitglied des dritten Standes nicht drin. Es
schmeichelt ihr natürlich, dass der Herr Giovanni sich
mit ihr abgibt. Fast verfällt sie dem dämonischen
Aristokraten. In der Nr. 12 -
"[...] Schmäle, tobe,
lieber Junge [...]" wehrt sie sich gegen die
Vorhaltungen ihres Verlobten Masetto und in der Nr. 18 -
"[...] Wenn du fein artig
bist[...]" - muss sie sich gerade ihm
verpflichtet fühlen, wurde ihm doch seelisch und
körperlich stark zugesetzt.
Erna Berger, Graziella Sciutti, Janette Scovotti, so
aber auch: Mirella Freni darf's in dieser Rolle sein.

Masetto - ein sesshafter Bass, kämpft und ringt im
wahrsten Sinne des Wortes mit Giovanni um seine Braut
Zerlina. Hier ist in der Nr. 6 die Kraft des
aufbegehrenden Underdogs, aber auch die Grenze zur
Resignation sehr nahe. Für ihn gilt es, mit seinen
Mitteln, die Braut bei sich zu halten - das flatterhafte
Wesen, das seine Möglichkeiten, bei Giovanni zu landen,
klar erkennt und doch bei Masetto, dem jungen
Bodenständigen bleibt, als sich einem an manchen
Körperstellen stark abgenutzten Casanova hinzugeben. Die
Nr. 6 ist mit "[...] Hab's
verstanden, gnäd'ger Herr [...]" eine kleine
Möglichkeit, sich zu präsentieren. Man bedenke, 1942 war
diese Rolle an der Dresdener Oper mit keinem geringeren
als Gottlob Frick besetzt. Die nach ihm benannte
Gesellschaft, in der auch der hiesige Theaterdirektor
Ernö Weil nebst Gattin Mechthild Gessendorf anwesend
waren, gedenkt des großen Sängers Jahr für Jahr.

Der Diener Giovannis, Leporello, gesellschaftlich die
untere Klasse vertretend, will nach oben,
"[...] ich will selbst den
Herren machen, mag nicht länger Diener sein [...]"
und bleibt dann doch was er ist, ein Bursche seines
Herrn und ist dieser letzte in die Hölle gefahren, sucht
er sich einen neuen 'Vorgesetzten'.
Er muss seine momentanen Vorteile sehen und mit dem
Frauenheld mitziehen, obwohl es ihm doch auch schwer
ankommt, immer wieder für seinen Herrn in die Bresche zu
springen, auch wenn er erkennt,
"[...] seine tollen
Abenteuer werden mein Verderben sein [...]."
Die Rolle beinhaltet das Buffoneske, so in der Nr. 4
"[...] Schöne Donna, dies
genaue Register [...]" oder das Hektische, voller
Unruhe, aber voller Farben für den Sänger der Rolle in
der Nr. 20 "[...] Ach,
erbarmt euch, liebe Herrn [...]" - Möglichkeiten
für einen Bassbariton vieles auszuspielen. Trotz allem,
Leporello bleibt, wie die Damen, allein. Keiner spielt
mit ihm. Eine singuläre Person, die nur für 'den Chef'
lebt. Ein guter Büroleiter wäre in einer ähnlichen
Position - hintanzustehen, sich zu sorgen, dass der
Laden läuft. Und das gelingt ihm.
Walter Berry, Benno Kusche waren Leporello, John
Tomlinson, Bryn Terfel - alles Kraftvolle, denen es
keine Mühe machte, ein Gegengewicht zum herrschaftlich,
leichtfüßigen Giovanni zu sein.
Der Komtur - nur ein Schemen und doch eine wichtige
Figur im Zusammenhang. Ganz real im ersten Akt und im
Schlussbild nur ein Gedanke. Hier bleibt dem Zuschauer
die Möglichkeit, über die Fantasie, den Geist zu
beschwören.
Matti Salminen ist ein Komtur von hohen Graden, Josef
Greindl war es, wie Gottlob Frick, Franz Crass.

Die Titelrolle - das Nonplusultra für jeden Bariton.
Hormonell an sich schon ausgestattet mit knackiger,
körperlicher Männlichkeit - muss sich dies auch
stimmlich entfalten können. Cesare Siepi, Tito Gobbi,
Mathieu Ahlersmeyer und Eberhard Wächter - und natürlich
auch 'Fidi', ein intellektueller Giovanni!
In allem, so auch in seinen drei Arien, kann der
Rolleninterpret alles ausspielen, was ein Bariton an
verführerischem Schmelz und kraftvoller Attraktivität
'drauf' hat nach dem Motto
"[...] mir ist, ich atme süßen Weiberduft. [...]".
Die Nr. 11 - das rasante
"Treibt der Champagner das Blut erst im Kreise"
dokumentiert wie er mit der Fülle seiner Kraft mitten im
Leben, mitten unter den ihn umgebenden Menschen und vor
allem Frauen steht - außer Atem stürzt er mit den
letzten Melodienfetzen davon. Ein ausgereifter Cherubino.
Im Gegensatz hierzu, die Nr. 16 - das Ständchen
"[...] Horch auf den Klang
der
Zitter [...]" - gibt es dem Sänger die
Möglichkeit, in voller Zartheit den Frauenverführer zu
präsentieren. Die zwei Seiten dieser Rolle.
In Nr. 17 - "[...] Ihr geht
nach jener Seite hin [...]" - kann beides gezeigt
werden, das Beherrschen der übrigen Figuren auf der
Bühne durch markantes Auftreten wie auch die
Verschlagenheit, auch durch die Verkleidung deutlich
gemacht.
Inhaltlich trägt die Oper völlig zu Recht den Titel 'Don
Giovanni'.
Die so genannte Champagner-Arie, Nr. 11 - das Ständchen,
das Duett mit Zerlina, die Nr. 7 und die mit Leporello,
die Nr. 14 wie die Nr. 22 und das Finale die Nr. 24 -
ja, und auch noch das Terzett, die Nr. 15 - das alles
fordert einen ausgewachsenen italienischen oder
Charakterbariton vor allem in Auftreten, Erscheinung.
Gemessen daran haben Donna Anna, Donna Elvira, Don
Ottavio sich großen sängerischen Aufgaben - allein durch
die Koloraturen in hohen Lagen - zu stellen.
Und in Bezug auf Don Ottavio ergänzte die
Musik-Dramaturgin des Theaters Regensburg die Anfrage
des beobachtenden Abonnenten per E-Mail am 6.2.06:
"[...] es stimmt schon, dass "Il mio tesoro"
stimmvirtuoser ist. Weil aber so ein
Infekt den ganzen Körper schwächen kann, können die
langen Linien in "Dalla sua pace" fast tückischer sein,
weil es dabei einfach um Kraft geht. [...]"
Na bitte !
Hannover spielt nun 2025/2026 eine Bäreneiter - Fassung
des Werkes und streicht das ganze Finale
-
Also stirbt, wer Böses tat:
Jedem Sünder wird Vergeltung.
Wenn die letzte Stunde naht.
Man macht einfach das Licht aus und lässt den Vorhang
runter.

Bärenreiter behauptet und Hannover folgt dem durch Wahl
dieser Fassung:
|
Zitat
Der praxisorientierte Klavierauszug von Mozarts
genialer Oper „Don Giovanni“ enthält die Prager
Originalfassung von 1787, der aufgrund ihrer
musikalischen und dramaturgischen
Geschlossenheit unbedingt der Vorzug gegenüber
jeglichen Mischfassungen einzuräumen ist.
Die für die Wiener Aufführungen von 1788
vorgenommenen Änderungen werden im Anhang
wiedergegeben. Unter Berücksichtigung der 2003
im Kritischen Bericht zum entsprechenden Band
II/5/17 der „Neuen Mozart-Ausgabe“
veröffentlichten neuesten Forschungsergebnisse
wurde der Klavierauszug erstellt, der damit
höchsten Ansprüchen gerecht wird.
Zitatende
Quelle:
https://www.baerenreiter.com/product/BA04550-90?srsltid=AfmBOoo7EEEt1xInaOQfyIKzvMx0d9d52RMieLfmoS77j3cO1OyMpUZh |
Hannover hat aber nun einen Tenor, der auch die
nachkomponierte Nr. 13 singen könnte – man lässt sie
weg!

|

Bemerkungen
zur szenischen Umsetzung von
'Der Rosenkavalier'
Komödie für Musik in drei Aufzügen
von Richard Strauss
Text von Hugo von Hofmannsthal
an der
Nds. Staatsoper Hannover
besuchte Vorstellungen am 17.5.2025 und am 09.11.2025
Information der Nds. Staatsoper Hannover
Zitat
Oper von Richard Strauss
Libretto von Hugo von Hofmannsthal
Deutsch mit deutschen und englischen Übertiteln ca. 4 Stunden 10
Minuten, zwei Pausen
„Ich weiß, der Stolz ist eine schwere Sünd’. Aber jetzt kann ich
mich nicht demütigen. Jetzt geht’s halt nicht!“
In Wien geht’s süffisant, erotisch, elegant und melancholisch
zu: Eine Feldmarschallin kommt dank ihres jungen Geliebten ins
Grübeln. Ein Lebemann, der für seinen adeligen Namen
Frischfleisch und Geld eintauschen zu können glaubt, wird vom
Platz verwiesen. Ein Junge von Rang und Namen wechselt von einer
großen Liebe zur anderen und eine junge Tochter aus neureichem
Haus glaubt noch an den einen Einzigen. Alles schöner Schein,
voller Walzermusik — mit einem Schuss bissiger Ironie und doch
voller Wahrheit. Alles wirkt so, wie Hugo von Hofmannsthal
meinte: „Die Tiefe muss man verstecken. Wo? An der Oberfläche.“
Was Strauss und Hofmannsthal mit Der Rosenkavalier gelang, war
nicht weniger als einer der größten Erfolge der Operngeschichte.
Allein im Jahr der Uraufführung 1911 spielten über 20
europäische Bühnen das Werk nach. Die Zutaten der Autoren waren
dabei so einfach wie gewieft: Ein Wien-Milieu der Rokoko Zeit
mit Verwechslungsspielen, Liebesaffären, Intrigen und
melancholischem Weltschmerz.
Hofmannsthal verweist mit seinem Text immer wieder auf den
Wiener Sprechton der Zeit und geradezu nebenbei auf eine
tieferliegende Bedeutungsebene. Strauss wiederum spielt auf
historische Stile eines Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Strauß
oder des Belcanto an. Bei allem Anachronismus ist jedoch jeder
Vers und jeder Takt unverwechselbar Strauss und Hofmannsthal —
überwältigend, rasant und voller Situationskomik. Und am Ende
muss man Baron Ochs zustimmen, der sagt: „Komm aus dem Staunen
nicht heraus.“
Zitatende
Quelle: Nds. Staatsoper Hannover

Man kannte sich.
Im Herbst 1899 waren Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauß
anlässlich einer Gesellschaft im Hause des Dichters Dehmel in
Berlin zum ersten Mal zusammengetroffen und miteinander bekannt
gemacht worden.
Außer ein paar gesellschaftlichen Plaudereien gab es kaum
persönliche Berührungspunkte, die sie einander näher gebracht
hätten.
Anders, kurz darauf in Paris, als Hofmannsthal die Gelegenheit
nutzte, bei diesem Zusammentreffen, Strauss einen Vorschlag für
eine gemeinsame Arbeit an einem Ballett zu machen.
Als Strauss nicht antworte, richtete er eine schriftliche
Anfrage an ihn.
|
Zitat
Wien III, Sarlesianergasse 12, 17. XI. 1900,
Sehr geehrter Herr,
Ich weiß nicht, ob sie sich noch eines Gesprächs in
Paris erinnern und dass ich ihnen damals von dem Einfall
zu einem Ballett Erwähnung tat, worauf sie sehr
freundlich äußerten, Sie würden ein solches allenfalls
gern komponieren.
Mein Ballett ist nun fertig oder nahezu. Zwei Akte
liegen in der Reinschrift vor, vom dritten, der ohnehin
kurz werden soll, eine Art von Apotheose, kann ich
detailliertes Szenarium beilegen.
ich würde mir nun sehr gerne erlauben, Ihnen dieses
Ganze vorzulegen. Da ich ihre augenblickliche Stimmung
einer solchen Sache gegenüber aber nicht kenne und nicht
gerne sie und mich mit einer ganz vergeblichen Sendung
belästigen möchte, so frage ich an, ob sie sich noch
irgendwie für eine solche meinige Sache interessieren
und ob Sie mir freundlichst zusichern wollen, sich daran
dann innerhalb 14 Tagen, von Empfang der Sendung an,
irgendwie über die vorläufig zu ihrer Verfügung stehende
Arbeit zu äußern.
In Erwartung ihrer Antwort bin ich sehr auf
ergebener Hugo Hoffmannsthal.
Zitatende
Quelle: Briefwechsel Hofmannsthal/Strauss - Piper
München - Seite 53 |
Inzwischen ergab sich die Möglichkeit, ein anderes Werk mit
seiner Musik zu veröffentlichen. Richard Strauss erhielt
Kenntnis von der Dichtung 'Salome' des Oscar Wilde - eine
Operette mit tödlichem Ausgang – im Stück Texte, die im
Volksmund verhaftet sein müssten:
“Durch das Weib kam das Übel in die Welt!“
Strauss zögerte nicht, suchte nicht nach einem Librettisten,
sondern nahm die Lachmann-Übersetzung der
Wilde'schen Dichtung
und komponierte ein Werk, das deutlich eine Gegenüberstellung
von Askese und Sinnlichkeit auch in der Musik ermöglicht.
Er hatte lange schon beanstandet, dass in den großen Orient- und
Judenopern des vergangenen Jahrhunderts das Kolorit und die
sonnendurchglühte Landschaft fehle.
Es gelang ihm, das Flirren der Luft nach einem Tag 'am Abend, da
es kühle ward' musikalisch zu verdeutlichen.
Das Gieren der 'Tochter der Herodias' nach dem 'Kopf des
Jochanaan', aufgestachelt durch die blutschänderische Mutter,
die Geilheit des Tetrachen - sind in einer Stunde und 45 Minuten
zusammengefasst.
Berlin sah Wildes Schauspiel mit Gertrud Eysoldt als Salome -
Dresden erlebte die musikalische Uraufführung vom Drama in einem
Aufzuge - die damals schon reife Marie Wittich, immerhin 37 Jahr
alt, sang die Titelrolle.
Wilhelm II. meinte 1907 nach der Vorstellung des Werkes in
Berlin, Strauss habe sich mit der 'Salome' sehr geschadet,
worauf der Komponist antwortete, er habe sich von dem 'Schaden'
die Villa in Garmisch bauen können.
Am 30. Oktober 1903 gab Max Reinhardt an seinem 'Kleinen
Theater' in Berlin mit Gertrud Eysoldt in der Titelrolle das
Schauspiel 'Elektra', das von dem österreichischen Kritiker
Theodor Gomperz mit 'hysterisch' abgetan wurde.
Später dann gelang es Hofmannsthal, Richard Strauss von seiner
'Elektra' - der sich anfänglich gegen einen ähnlichen Stoff wie
den der Salome sträubte, zu überzeugen und so kam es zu der
Uraufführung dieser Oper in einem Akt mit seiner Musik - wieder
an der Semper Oper in Dresden - am 25. Januar 1909.
Kaum eine Bühne - das DT in Göttingen hatte es Anfang 2016 im
Spielplan - zeigt noch das Sprechstück - ähnlich wie Wildes
'Salome' - die Vertonungen sind so viel intensiver in ihrer
Wirkung, dass meist die beiden Einakter von Richard Strauss zu
sehen und hören sind.
Während bei Sophokles auf die Vorgeschichte, die Tötung
Iphigenies zugunsten guter Winde für das Segeln der griechischen
Flotte nach Troja, eingegangen wird, zeigt Hofmannsthal die
Seelenqualen Elektras, ausgelöst durch den Tod Agamemnons,
eingeleitet von Klytämnestra und durchgeführt von Ägisth. Die
Mutter nimmt nicht nur Rache für den Tod der Tochter Iphigenie -
das ist nur vordergründig - eindeutig ist deren Sucht nach Sex
mit Ägisth.
Leider wird diese Tenorrolle - Strauss liebte Tenöre nicht und
gab ihnen meist Rollen, in denen sie nicht gerade vorteilhaft
wirken konnten - meist von einem älteren Herren gesungen, dem
man die Attraktivität für das
der Heldentaten nur im Bett vollführt
kaum mehr abnehmen kann.
In der Zeit der Entstehung der 'Elektra' interessierte sich
Hofmannsthal sehr für die gerade aufkommende Psychoanalyse und
durch Anstreichungen gekennzeichnet auch Passagen im Buch
'Studien über Hysterie'.
Die Eysoldt, mit Edmund Reinhardt liiert, wurde als
'unmütterlichste Gestalt der deutschen Bühne' bezeichnet, war
noch in der Technik des Spiels mit Pathos verhaftet.
Später musste sie für den Film stark reduzieren.
Sie war u.a. auch die Landedelfrau in dem 1941 gedrehten
NS-Reiterfilm '...reitet für Deutschland' mit Willy Birgel in
der Hauptrolle.

Bereits im Februar 1909 hatte sich Hofmannsthal bei Strauss
schriftlich in einer anderen Angelegenheit gemeldet und
mitgeteilt:
|
Weimar, den 11. II. 1909
Zitat
Lieber Herr Doktor,
[...]
Was aber für uns beide (wie ich hoffe) viel wichtiger
ist:
Ich habe hier iin drei ruhigen Nachmittagen ein
komplettes, ganz frisches Szenar einer Spieloper
gemacht, mit dramatischer Komik, in den Gestalten und
Situationen, bunter und fast pantomimisch durchsichtiger
Handlung, Gelegenheit für Lyrik, Scherz
Humor und sogar ein kleines Ballett.
Ich finde das Szenarium reizend und Graf Kessler, mit
dem ich es durchsprach, ist entzückt davon. Zwei große
Rollen für einen Bariton und ein als Mann verkleidete
graziöses Mädchen à la Farrar oder Mary Garden. Zeit:
Wien unter Maria Theresia. Ich bin von Sonntag ab in
Berlin, Schadowstraße 4. Sehen wir uns? (Aber nicht in
Gesellschaft, das hat keinen Zweck.)
Ihr Hofmannsthal.
Zitatende
Quelle: Briefwechsel Hofmannsthal/Strauss - Piper
München - Seite 53
|
Hier erwähnt Hofmannsthal den Zeitrahmen, in dem
'Der Rosenkavalier' spielen soll.
Es ist die Zeit der Maria-Theresia - also um 1650, durch die
Ständeordnung reguliert: Klerus, Adel und Bürger.
Der Bräutigam 'Ochs auf Lerchenau' gehört zum Adel: Faninal, der
Schwiegervater, ist zwar immerhin ein reicher Neugeadelter, aber
eben kein Adliger von Geburt an, der nun bestrebt ist, dieses
Manko auszugleichen, indem er seine Tochter Sophie einem
Adeligen von Geburt - eben dem Ochs auf Lerchenau - zur Frau
gibt. So gibt Hofmannsthal dem Text eine Betonung, in dem er das
Wort ‘Stand‘ in seinem ‘Rosenkavalier‘-Libretto mehrfach
verwendet.
|
Garmisch, 4. Mai 1909
Mein
lieber Herr von Hofmannsthal,
Ersten Akt gestern erhalten: bin einfach entzückt. Es
ist wirklich über alle Maßen reizend: so fein,
vielleicht ein bißchen zu fein für den großen Haufen,
aber das tut nichts.
Der mittlere Teil (Antichambre nicht leicht zu
gestalten, aber ich wird‘s schon schaffen. Hab ja den
ganzen Sommer vor mir. Schlussszene herrlich, wird sich
wie Öl und Butter komponieren, hab heute schon dran
rumprobiert, ich wollt, ich wär schon so weit, aber ich
hab. Da ich aber der symphonischen Einheit wegen der
Reihe nach komponieren muss, heißt es halt Geduld haben.
Aktschluss entzückend, kurz und gut. Sie sind ein
Prachtkerl. Wann krieg ich das andere?
Alle Figuren sind famos scharf gezeichnet, brauche
leider wieder sehr gute Schauspieler; mit den
gewöhnlichen Opernsängern geht’s schon wieder nicht.
[...]
Quelle: Briefwechsel Hofmannsthal/Strauss - Piper
München - Seite 53
|
Die Situation der unterschiedlichen Stände ist durch Mitwirkung
von ...:
Adel:
Die FELDMARSCHALLIN FÜRSTIN WERDENBERG (Sopran)
Der BARON OCHS VON LERCHENAU (Bass)
OCTAVIAN, genannt Quinquin, ein junger Herr aus grossem Haus
(Mezzosopran)
HERR VON FANINAL, ein reicher Neugeadelter (Bariton)
SOPHIE, seine Tochter (Sopran)
Bürger:
VALZACCHI, ein Intrigant (Tenor)
ANNINA, seine Begleiterin (Alt)
Ein POLIZEIKOMMISSAR (Bass)
Der HAUSHOFMEISTER DER FELDMARSCHALLIN (Tenor)
Der HAUSHOFMEISTER BEI FANINAL (Tenor)
Ein NOTAR (Bass)
Ein WIRT (Tenor)
Ein SÄNGER (Tenor)
Ein GELEHRTER (stumme Rolle)
Ein FLÖTIST (stumme Rolle)
Ein FRISEUR (stumme Rolle)
Dessen GEHILFE (stumme Rolle)
Eine ADELIGE WITWE (stumme Rolle)
Drei ADELIGE WAISEN (Sopran; Mezzosopran; Alt)
Eine MODISTIN (Sopran)
Ein TIERHÄNDLER (Tenor)
Vier LAKAIEN DER MARSCHALLIN (2 Tenor; 2 Bass)
Vier KELLNER (Tenor; 3 Bass)
Ein KLEINER NEGER (stumme Rolle)
Hilfspersonal
Lakaien; Lauffer; Haiducken; Küchenpersonal;
Gäste; Musikanten; Zwei Wächter; Vier kleine Kinder; ein kleiner
Mohr
Verschiedene verdächtige Gestalten (stumme Rollen)
Es dokumentiert das gesellschaftliche Gefälle innerhalb des
Werkes. Gerade dieses wird in der Inszenierung an der Nds.
Staatsoper Hannover aber nicht deutlich. Hier wird alles über
einen Kamm geschoren und der Lächerlichkeit preisgegeben.
Sophie benimmt sich wie ein Trampel aus dem Volk, die
Marschallin ist nichts anderes als eine Hausangestellte wie die
Annina und der Rosenkavalier-Octavian ist dem Gehabe und Getue
des Intriganten Valzaccki sehr ähnlich.
Hinzu kommt die Hannover'sche Szenerie der Frau
Geschäftsführerin Berman, unter deren fachlicher Leitung und
nach dem Motto "als Amerikanerin, ich liebe Unterhaltung "
dieses Stück ja produziert wurde. Besonders die vom zweiten Akt,
da sie den ja in einem Schwimmbad - statt im Wiener Stadtpalais
des Herrn von Faninal - spielen lässt.
Octavian überreicht nicht 'die silberne Rose' , das Symbol für
Liebe und eine dauerhafte Verbindung - sondern irgendwelche "schnellwelkende
Blumen" als Riesenstrauß zusammengefasst, den er wohl "am Rande
des Rollfelds" eines nahegelegenen Flugplatzes zusammenpflückte.

Snapshot-Foto: Sandra Then
Einfach lächerlich diese Idee des Herrn Regisseurs Stückl und
der vom neuen Intendanten Bodo Busse nicht übernommene Frau
Dramaturgin Regine Palmai!
Dabei wäre es doch ganz einfach, die szenischen Vorgaben der
Autoren zu berücksichtigen. Jeder Wimpernschlag. jedes Verziehen
des Gesichts, jede Veränderung der Mimik, Körperbewegung, alles
hat seine Bedeutung und wird von Hofmannsthal und Strauss
beschrieben. Täte man das, gingen die Menschen auch wieder ins
Theater und würden nicht gequält mit zum Teil unanständigen,
fachlich unqualifizierten Aktionen in übertriebenen,
kostentreibenden, das Stück nicht wiedergebenden, Bühnenbildern
agieren.

Von Feinheit ist in der gesamten Hannover'schen Inszenierung
nichts zu erleben, alles spielt sich im Niveau von Dorftrampeln
ab, die ein Gesinde - selbst bei einer Herrschaft oder gerade da
zur Zeit der Maria Theresia - hatte.
Das Bühnenbild, die gesamte Szenerie, das Verhalten der
Darsteller gibt nicht das wieder, was von den Autoren vorgegeben
wie hier zu Beginn des ersten Aktes:
|
Zitat
Das Schlafzimmer der Feldmarschallin. Links im Alkoven
das grosse zeltförmige Himmelbett. Neben dem Bett ein
dreiteiliger chinesischer Wandschirm hinter dem Kleider
liegen. Ferner ein kleines Tischchen und ein paar
Sitzmöbel.
Auf einem kleinen Sofa links liegt ein Degen in der
Scheide. Rechts große Flügeltüren in das Vorzimmer. In
der Mitte, kaum sichtbar, kleine Türe in die Wand
eingelassen.
Sonst keine Türen. Zwischen dem Alkoven und der kleinen
Türe steht ein Frisiertisch und ein paar Armsessel an
der Wand. Die Vorhänge des Bettes sind zurückgeschlagen.
Durch das halbgeöffnete Fenster strömt die helle
Morgensonne herein. Man hört im Garten die Vöglein
singen. Octavian kniet auf einem Schemel vor dem Bett
und hält die Feldmarschallin, die im Bett liegt, halb
umschlungen. Man sieht ihr Gesicht nicht, sondern nur
ihre sehr schöne Hand und den Arm, von dem das
Spitzenhemd abfällt. [...]
OCTAVIAN
schwärmerisch
OCTAVIAN
feurig
MARSCHALLIN
leise
sehr innig
zärtlich
Die kleine Tür in der Mitte geht auf und ein kleiner
Neger in Gelb, behängt mit silbernen Schellen, ein
Präsentierbrett mit der Schokolade tragend, trippelt
über die Schwelle. Die Tür hinter dem Neger wird von
unsichtbaren Händen geschlossen.
Zitatende |

Der kleine Neger als Bedienter am Hof der Feldmarschallin.
Hofmannsthal zeigt hier die Gepflogenheiten im 18. Jahrhundert,
wonach über den Sklavenhandel dunkelhäutige Menschen an die
Herrschaftshäuser Europa vermittelt wurden und dort in den
Haushalten, in den Ställen, beim Militär sonstige Aufgaben
übernahmen.
|
Zitat
MARSCHALLIN
ruft
Den Mohammed!
Der kleine Neger herein, klingelnd, verneigt sich
MARSCHALLIN
Das da trag'.
NEGER
nimmt eifrig das Saffianfutteral
MARSCHALLIN
Weisst ja nicht wohin. Zum Grafen Octavian. Gib's ab und
sag': Da drin ist die silberne Ros'n. Der Herr Graf
weiss ohnehin.
Der Neger läuft ab.
MARSCHALLIN
stützt den Kopf in die Hand und bleibt so in
träumerischer Haltung bis zum Schluss
Zitatende
Quelle: Richard Strauss - 'Der Rosenkavalier' -
Klavierauszug Fürstner - Seite |

Diese Figur des kleinen Negers an der Staatsoper Hannover -
wohl in moderner links-grüner Manier - gestrichen, geht an der
Realität vorbei, denn wenn man aktuell gestalten will, dann
gehört 'ein Mohr' - heute mehr denn je - als selbstverständlich
zum Bild einer Gemeinde.
Welcher soziale Pflegedienst oder welche Fußball- oder
Basketballmannschaft könnten heute ohne die 'Mohren' der
Basketball-Nationalmannschaft - Isaac Bonga und Dennis Schröder
- auskommen?
Emanuel Schikaneder, geb am
1. September
1751
in
Straubing/Niederbayern
nutzte dies und gab einem Mohren die Rolle des Monostatos
für
Mozarts
Zauberflöte.
Angelo Soliman war das Vorbild für diese Rolle.

Hierzu einige Aussagen von
Dr. Ullrich Westerhagen in seinem Buch
„Die Zauberflöte“ und das Geheimnis um den Mohren
Monostatos
|
Zitat
VI. Kapitel:
Die höfischen Mohren
Eine Wende im europäischen Machtgefüge stellte
insbesondere der 2. Türkenkrieg dar, als nach 1529 Wien
1683 zum zweiten Mal von den Türken belagert wurde.
Nachdem eine Allianz aus polnischen und deutschen
Truppen unter dem polnischen General Jan Sobierski das
türkische Heer vor Wien entscheidend geschlagen hatte,
konnten die türkischen Truppen – und damit auch der
türkische Einfluss – in dem Habsburger Einflussbereich
weiter zurückgedrängt werden. Das deutsche Heer
rekrutierte sich dabei aus Soldaten aller deutschen
Stämme. Diesem gelang es 1686 Ofen – Pest und 1688 sogar
Belgrad zu nehmen.
Ungarn war damit ganz in der Hand der Habsburger; und
auch Siebenbürgen wurde zurückgewonnen. Trotz des zu
dieser Zeit einhergehenden Kriegs mit Frankreich
errangen die Truppen Österreichs und des Reiches weitere
große Erfolge gegen die Türken. Der Friede von Karlowitz
1699 beendete schließlich den 2. Türkenkrieg und damit
das Zeitalter der Türkenkriege. Doch diese hinterließen
– verständlicherweise – auch nachhaltige Spuren und
Einflüsse.
Einerseits waren durch diese Kriege ganze Landstriche
entvölkert und mussten diese neu besiedelt werden.
Andererseits saßen Schreck und Furcht vor den Osmanen
mit ihrer so völlig anderen Kultur, fremdartigen
Gebräuchen der Kampfkraft ihrer Truppe mit der
Überlegenheit in vielen militärischen Bereichen, wie zum
Beispiel der Kanonen und des Schwarzpulvers und
insbesondere der islamischen Religion noch tief in den
Gliedern der mitteleuropäischen christlichen
Bevölkerung. Nur zu verständlich, dass sich die Sieger
in ihrem Erfolg sonnen, Pracht und Glanz der osmanischen
Herrscher auf sich transferieren wollten.
Dies galt es zu zeigen, nach außen hin zu präsentieren.
Konnte man dadurch doch gleichzeitig deutlich machen,
dass die Christen den Muselmanen in Kultur, Religion,
Kriegsführung und Kampfkraft überlegen sind, dass die
Macht des Okzidents der des Orients in allen Belangen
überlegen ist. Erbeutete Truppenfahnen und Standarten
des osmanischen Heeres sowie Schellenbaum und Lyra der
Janitscharen waren äußerliche Zeichen, die hierbei gern
zur Schau gestellt wurden. Im übrigen ähnlich der
Siegesparade der Sowjetunion auf dem Roten Platz in
Moskau nach der Kapitulation des 3. Reiches im Mai 1945,
wo die erbeuteten Truppenfahnen des deutschen Heeres
feierlich verbrannt wurden.
Doch seine höfische Bedeutung konnte man natürlich am
deutlichsten hervorheben, wenn man sich mit quasi
Trophäen schmückte, die immer präsent sind und Prunk und
Glanz ständig zum Ausdruck bringen. Einen Mohren an
seinem Hofe zu haben gehörte deshalb ab Mitte des 17.
Jahrhunderts zum Standard europäischer Fürstenhöfe. Das
Los eines im Krieg erbeuteten Mohren oder von Piraten
oder mit dem Orient Handel treibenden Kaufleuten oder
gar direkt von Sklavenhändlern gekauften
schwarzafrikanischen Sklaven war üblicherweise ein
Dienst als Kammerdiener, Lakai, oder – im wahrsten Sinne
des Wortes – als Trittbrettfahrer am Hinterrad der
Kutsche seines betuchten adeligen Herrn. Alles
Verwendungen mit einer Außendarstellung, die
beeindrucken sollten. Deshalb steckte man diese
Dienerschaft auch in auffällige, bunte orientalische
Fantasieuniformen mit Turban und daran befestigten
Pfauenfedern, Blumen und billigen, aber glitzernden
Accessoires. Denn das warf einen gleißenden Lichtstrahl
auf den Prunk des Hofstaates und dessen Herrscher und
war quasi schmückende Applikation einer herausgehobenen
gesellschaftlichen Stellung. Hierbei machten auch die
geistlichen Würdenträger keine Ausnahmen.
Doch es gab auch von der Intelligenz, vom Schicksal oder
von den Lebensumständen Begünstigte unter diesen armen
Teufeln, denen eine besondere Karriere beschieden war.
Einige Beispiele mögen dies veranschaulichen.
1. Ignatius Christianus Fridericus Fortuna
Bleiben wir zunächst bei einem exemplarischen Fall im
geistlich – kirchlichen Bereich und dem Mohren Ignatius
Christianus Fridericus Fortuna. Während sowohl sein
Geburtstag als auch der Geburtsort unbekannt sind, so
wissen wir, dass er am 24. November 1789 in Steele
(heute ein Stadtteil von Essen) gestorben ist. Er war,
Kammermohr der Essener Fürstäbtissin Franziska Christine
von Pfalz – Sulzbach und Maria Kunigunde von Sachsen. Im
Gegensatz zu vielen anderen Kammermohren, die lediglich
auf Gemälden ihrer Herrschaften als Statussymbole oder
in Rechnungen und Inventaren auftauchten oder beiläufig
in Briefen erwähnt werden, ist Ignatius‘ Leben gut
dokumentiert. Die Hauptquelle dabei sind die Akten über
seinen Nachlass und das Testament der Fürstäbtissin
Franziska Christine.
Ignatius, der diesen Namen erst bei der Taufe erhielt
und dessen ursprünglicher Name unbekannt ist, wurde um
1735 als Kind in das Reichsstift Essen gebracht. Der
spätere Essener Rentmeister Franz Adam Schiffer, der als
Kaufmann in Südamerika gelebt hatte, brachte bei seiner
Rückkehr von dort, wahrscheinlich aus Surinam, zwei
schwarze Jungen mit. Diese wurden in Essen christlich
erzogen und getauft, der eine auf den Namen Maximilian,
der andere am 12. Oktober 1737 in der Pfarrkirche St.
Johann Baptist auf den Namen Ignatius Christianus
Fridericus. Die weiteren Vornamen deuteten auf die
Taufpaten: Christianus kam von der Fürstäbtissin
Franziska Christine, Fridericus von Friedrich Christian
Freiherr von Brabeck, einem Kanoniker des Stifters
Thorn, in dem Franziska Christine ebenfalls Äbtissin
war. Beide Knaben wurden von Schiffern an geistliche
Landesherren gegeben, Maximilian, der früh verstarb, an
den Fürstabt Benedikt von Geismar des Klosters Werden,
Ignatius an die Fürstäbtissin.
Ungewöhnlich ist jedoch das besondere Vertrauen, das
Ignatius von Franziska Christine entgegengebracht wurde.
Der Mohr, der nach Angaben von Franziska Christines
Testament keinen Beruf gelernt hatte, nahm eine
herausgehobene Position im Haushalt ein, die sich darin
widerspiegelt, wie er untergebracht war: im Essener
Abteigebäude bewohnte er das Vorzimmer zum Speisezimmer
der Äbtissin, eine Art Wohnzimmer in Schloss Borbeck,
ein Zimmer neben dem fürstlichen Speisezimmer. In den
Residenzräumen in Steele wurde seine Stellung besonders
deutlich: während Lakaien, Knechte, Mägde und der Koch
der Fürstin unbeheizte Kammern unter dem Dach bewohnten,
verfügte Ignatius über ein beheizbares Zimmer auf
derselben Etage wie die Fürstin, ein Privileg, das neben
ihm nur der Rentmeister des Stifts und der persönliche
Geistliche der Fürstäbtissin hatten.
Über Ignatius Pflichten im höfischen Zeremoniell ist nur
wenig bekannt, in seinem Nachlass fanden sich allerdings
eine Flöte, eine Violine, ein Violoncello und eine
Trompete, dazu noch Gegenstände wie ein ledernes
Reitseil, was alles darauf hindeutet, dass Ignatius
Gesellschaften der Fürstäbtissin musikalisch und mit
Schauspielerei unterhielt. Beim feierlichen Einzug von
Franziska Christines Nachfolgerin Maria Kunigunde von
Sachsen in die Stadt war es Ignatius, der ihr die
Schleppe trug, sie bei Tisch bediente und den
vornehmsten Gäste nachher den Kaffee kredenzte. Ignatius
Wertschätzung am Essener Hof ist auch an den Geschenken
zu erkennen, die er von seiner Dienstherrin erhielt:
Franziska Christine schenkt ihm eine goldene Uhr und
einen Pelzmantel, vermutlich erhielt Ignatius auch
Geldgeschenke, denn er kam zu einem für einen Mohren
ungewöhnlichen Wohlstand: aus Akten ist bekannt, dass
Ignatius schon 1772 eine Summe von 200 Reichstaler zu 5
% Zinsen an einen Juden, der allerdings im Folgejahr
bankrott machte, verleihen konnte.
Franziska Christine bedachte Ignatius auch in ihrem
Testament besonders reich: der "getreue Kammermohr"
erhielt ein lebenslanges Wohnrecht im von ihr
gegründeten Waisenhaus zu Steele, kostenlose Speisung am
gleichen Tisch wie der Rentmeister und der Geistliche
der Stiftung und ein halbes Maß Wein an hohen Festtagen,
Sonn- und Feiertagen. Im Krankheitsfall sollte das
Waisenhaus Arzt und Arzneien bezahlen. Es musste ihm
auch "ehrsame und hinlängliche Kleidung nach teutscher
Manier" stellen. An hohen Feiertagen sollte ihm zudem
ein "Spielgeld" von 1 oder 1 ½ Reichstaler ausgezahlt
werden. Da er keinen Beruf gelernt hatte, sollte
Ignatius zudem nur eine leichte Beschäftigung im
Waisenhaus erhalten.
2. Ibrahim Petrowitsch Hannibal
Ebenso ungewöhnlich ist der Lebensweg von Ibrahim
Petrowitsch Hannibal, dem Hausneger des Zaren Peter I.,
auch Zar Peter der Große genannt.
Der russische Botschafter kaufte in Konstantinopel einen
nubischen Sklaven und machte ihm dem Zaren Peter I. zum
Geschenk. Dieser nahm ihn zum Pagen und schickte ihn
nach Paris zur militärischen Ausbildung, die dieser als
Hauptmann der Artillerie abschloss. Nach seiner Rückkehr
aus Frankreich ernannte ihn Zarin Elisabeth I. zum
General Ibrahim Hannibal (Pascha). Doch seine steile
Karriere am Zarenhof setzte sich fort. Es erfolgte eine
weitere Ausbildung zum Schiffsingenieur in Holland, die
Ibrahim ebenfalls sehr erfolgreich absolvierte. An den
Zarenhof Peters des Großen zurückgekehrt wurde er
schließlich zum Admiral der russischen Marine ernannt.
Der Komponist (und auch Freimaurer) Albert Lortzing
widmet sich im übrigen in seiner Spieloper "Zar und
Zimmermann" der Schiffsausbildung in Holland im -
wahrsten Sinne des Wortes - eine Bühne, in dem er dem
reformwilligen Zaren Peter den Großen in der Personen
des Peter Michailow (Bariton) ein musikalisches Denkmal
gesetzt hat.
Ibrahim Hannibal heiratete eine Adlige und seine Enkelin
einen Herrn Puschkin, als dessen Sohn der Dichter
Alexander Puschkin am 25. Mai / 06. Juni 1799 geboren
wurde. Nach dem Tod des Zaren fällt der Hausneger – aus
nicht bekannte Gründen in Ungnade – Ibrahims Spur
verliert sich in der später erfolgten Verbannung in
Sibirien.
Alexander Puschkins Tochter, von einem Herrn De Dublet
geschieden, heiratete Prinz Nikolaus von Nassau und wird
1868 zur Gräfin Merenberg erhoben. Deren Tochter Sofja
heiratet den Großfürsten Michailowitsch Romanow. Zar
Alexander III. erkennt diese Ehe, da nicht standesgemäß,
nicht an. Großfürst Michael geht mit seiner Gattin nach
England, wo ihr Königin Victoria den Titel einer Gräfin
De Torby verleiht. Eine Tochter aus dieser Ehe heiratet
einen Battenberg. Da kann sich der König von England
rühmen, nicht nur Alexander Puschkin, sondern auch einen
kleinen Nubier auf einem Ast seines Stammbaumes sitzen
zu haben.
Der Auslöser dieser außergewöhnlichen
Verwandtschaftskette, Ibrahim Petrowitsch Hannibal,
wurde im übrigen 1707 getauft und stirbt 1781 nach einem
- für damalige Verhältnisse – langen, erfüllten Leben.
3. Der Mohr des Obristen Graf von Königsmarck
Doch einen Kammermohren oder Hausneger sich als
persönliche "Ausstattung" zu halten, ist zur damaligen
Zeit auch unterhalb der Hierarchie eines Landesherrn
nichts Ungewöhnliches.
Ein solcher Fall ist so außergewöhnlich und bizarr, dass
Friedrich von Schiller ihn aufgriff, um ein
literarisches Drama daraus zu fertigen. Doch als sein
Entwurf fertiggestellt war, erkrankte er kurze Zeit
danach … und verstarb (09. Mai 1805). Mit diesem
Sachverhalt beschäftigte sich ausführlich eine
Ausstellung in der "Leibniz Bibliothek" 2009 in Hannover
("HAZ" vom 05. November 2009, Seite 8) mit dem Thema
"Zum Nachbeben der Königsmarck – Affäre". Ein wahrhaft
gruseliges Drama, das unter dem Titel "Die verbannte
Prinzessin" bekannt geworden ist, bei dem ein Liebespaar
im Vordergrund steht und nicht der dabei involvierte
exotische Kammerdiener aus dem schwarzen Kontinent.
Ausgangspunkt ist eine ungewöhnliche, äußerst peinliche
Liebesaffäre am hannoverschen Hofe. Die Celler
Prinzessin Sophie Dorothea (15. September 1666 in Celle
– 13. Januar 1726 in Ahlden/Aller) war verheiratet mit
ihrem Vetter Georg Ludwig und dieser wiederum war der
Sohn des hannoverschen Welfenherzogs Ernst August.
Erbprinz Georg Ludwig sollte später eine großartige
Karriere machen, denn er avancierte als George I. zum
König und bestieg den englischen Thron.
Doch schenkte die durch die Eheschließung auch zur
Prinzessin von Hannover auf gestiegene Prinzessin Sophie
Dorothea ihre Liebe weniger ihrem Gatten als vielmehr
einem Offizier am Hofe. Der von ihr auserkorene
"Herzbube", der schneidige schwedische Obrist war Graf
Phillip Christoph von Königsmarck, der im Mai 1689 als
Gardeoberst in den Dienst von Ernst August getreten war.
Erprobte Soldaten wie diesen Schweden benötigte das
Welfenoberhaupt in Hannover ständig. Denn aus
Karrieregründen strebte er die Kurwürde an, wozu er sich
Kaiser Leopold I. in Wien gefällig zeigen musste.
Insoweit stellte er auf eigene Kosten – oder gegen ein
Entgelt – immer neue Truppen auf, die er dem Kaiser für
die europäischen Schlachtfelder zur Verfügung stellte.
Königsmarck kämpfte tapfer für seinen Landesherrn an
vielen Fronten, wobei er auf die Erfahrungen
zurückgreifen konnte, als er noch 1684 als Adjutant von
Prinz Ludwig Wilhelm mit den Truppen des Kaisers sowohl
in Griechenland als auch in Ungarn gegen die Türken
kämpfte und bei den Befreiungen von Ofen und Pest
maßgebend beteiligt war sowie an der Eroberung von
Mohacs. Auch sein neuer Arbeitgeber, Herzog Ernst
August, hatte bereits gemeinsam mit seinen drei Söhnen
gegen die Türken gekämpft, wobei er seine beiden Söhne
Friedrich August und Karl Philipp verloren hatte.
Letzterer fiel im Alter von 20 Jahren bei der großen
Schlacht auf dem Amselfeld nahe der Stadt Pristina und
nur ein Jahr später, am 31. Dezember 1690, Friedrich
August bei einer Schlacht in Siebenbürgen. An diese
schweren familiären Schicksalsschläge erinnerten in
Hannover die beiden türkischen "Kammertürken Mehmed und
Mustafa, die er als "Beutestücke" aus den Türkenkriegen
nach Hannover mitgebracht hatte. Georg Ludwig hatte kaum
Zeit über den Tod seiner beiden Brüder zu trauern oder
zu sinnieren. Denn das Herzogtum Hannover kämpfte im
Sold des Kaisers an drei Fronten: gegen die Türken im
Süden, die Dänen im Norden und im Westen gegen die
französischen Truppen König Ludwig XVI.
Als am 28. Dezember 1692 die Urkunde von Kaiser Leopold
I. in Hannover eintrifft und Herzog Ernst August die
Kurwürde verliehen wird, ist das die eine Seite der
Medaille. So gehört dieser nun zwar dem erlauchten
Gremium der neun Kurfürsten an, die den Kaiser wählen
dürfen, doch mit dieser Erkürung sind auch erhebliche
Pflichten verbunden. Insbesondere ging damit einher, für
die kaiserlichen Allianzen Heere aufzustellen und zu
finanzieren. Zu den 5000 hannoverschen Soldaten, welche
bereits in einem Hilfskorps gegen die Türken im
Ungarnkrieg kämpften und zu bezahlen waren, kam nun auch
der Krieg gegen die Franzosen hinzu. Bereits im Juni
1692 wurde deshalb das Regiment von Phillip Christoph
von Königsmarck nach Flandern verlegt.
Auch der einzig verbliebene Sohn des Kurfürsten, der
Ehemann von Sophie Dorothea, kämpfte nun an dieser
Front. Königsmarck überlebte die Schlacht bei Namur und
auch das Schlachtfeld von Steenkerken in Flandern mit
einem grausamen Gemetzel. Doch zwischen den einzelnen
Schlachten oder kleineren Scharmützeln fand er immer
wieder die Zeit, an Trinkgelagen und ausufernden
Sexorgien in Brüsseler Bordellen teilzunehmen. Hierbei
hatte er drei verbündete Kumpane. Der eine war Friedrich
August, der Kurprinz von Sachsen, der später als König
August der Starke von Sachsen und König von Polen
reüssierte, der Herzog von Richmond und der Kurfürst von
Bayern.
In dem zu einem großen Teil erhaltenen heimlichen
Briefverkehr mit seiner Geliebten, der Prinzessin Sophie
Dorothea in Hannover, stellte er sich allerdings als
Sitten – und Tugendwächter dar, der mäßigend auf diese
drei bei deren derben Späßen, Alkoholexzessen und
sexuellen Schweinereien einwirken muss. Friedrich August
beschreibt er als vulgär, lüstern und dumm, während er
über den Herzog von Richmond herabwürdigend schreibt "Richmond
und Friedrich August treiben es toll mit den Dirnen.
Nachdem sie alle möglichen Schweinereien durchprobiert
hatten, wollte der Herzog von Richmond die Mädchen
zwingen, es sich von einer deutschen Dogge besorgen zu
lassen. Sie verstehen mich. Ich meine, d.h. doch, die
Ausschweifung etwas weit zu treiben … " sowie über den
Kurfürsten von Bayern nach einem Bordellbesuch "ich
beschränkte mich aufs Essen und Trinken, der Kurfürst
dagegen zog die armen Mädchen auf, bis ihnen die Tränen
kamen. Sie wussten nicht, wer er war und sagten ihm
tausend Unverschämtheiten, das ging so bis zwei Uhr
nachts …"
Königsmarck spielte dabei immer das große Unschuldslamm,
hebt gegenüber Sophie Dorothea in den Briefen seine
sexuelle Enthaltsamkeit und Treue zu ihr hervor (Thies
a.o.O. Seiten 134 ff.). Das wird deutlich wenn er
schreibt (Thies a.o.O Seite 135): "Ich habe Ihnen
berichtet, dass ich betrunken gewesen bin. Glauben Sie
aber deswegen nicht, dass ich fähig wäre, Ihnen untreu
zu sein. Nein, mein Engel, nie ist mir auch nur der
Gedanke daran gekommen. Daraus können Sie ersehen: der
einzige Grund, weshalb ich mich manchmal betrinke, ist,
einen Vorwand für irgendeinen Schabernack zu haben."
So wie Herzog Friedrich August aus dem Türkenkrieg die
zwei Hoflakaien Mehmed und Mustafa mitgebracht hat,
hatte auch Königsmarck einen farbigen Pagen als
"Beutestücke" aus dem Türkenkriegen mitgebracht. Er
mochte diesen intelligenten, loyalen Muslim, liebte es
sich mit diesem exotischen Begleiter auf Bällen, bei
Empfängen und in der Öffentlichkeit zu zeigen. Ein
Muslim, der fest in seinem Glauben verhaftet war und
Königsmarck immer begleitete etc., auch an die Front.
Oft hatte dieser glaubensfeste Muslim versucht, mäßigend
auf die Auswüchse seines Herrn hinzuwirken – doch immer
vergebens.
Trotz Krieg, Kämpfen, Schlachten – Königsmarck fand
immer wieder Möglichkeiten, für einige Zeit nach
Hannover und in den Schoß seiner Geliebten
zurückzukehren. Doch diese amourösen Treffen wurden
immer wieder ergänzt durch die Teilnahme an rauschenden
Festen, die oft in wüsten Sexorgien ausarteten wie bei
einer Karnevalsfeier in Hannover, von der er seiner
Geliebten – wieder einmal als Tugendwächter – am 19.
Februar 1692 wie folgt schreibt (Thies, a.o.O., Seite
181): "Bis auf die Schuhe und Perücke entkleideten sich
demnach die betrunkenen Festteilnehmer und sie tanzen
auf zusammengestellten Tischen eine Polonaise, bis sie
stolperten und kreischend übereinander fielen und sich
in einem einzigen Leiberhaufen vereinigten. Ich habe
mich in den hinteren Winkel zurückgezogen und das
Treiben aus der Ferne betrachtet", beteuert Königsmarck
seiner Prinzessin. Es gibt aber durchaus ernst zu
nehmende Berichte, wonach der Graf kräftig mitgemischt
hat. In einem Fall soll er seinen Mohren aufgefordert
haben, sich auszuziehen und ebenfalls mitzumachen. Doch
der standhafte Muslim weigerte sich mit den Worten: "Das
verbietet mir meine Religion." Und wie oft muss er
nächtens Schmiere stehen, wenn sein Herr in das
Schlafgemach seiner Geliebten eindrang und ihm nichts
anderes übrig blieb, seinen Herrn zu warnen und Allah um
Hilfe anrief.
Auch wenn von Königsmarck und die – nunmehr in den
kurfürstlichen Stand erhobene – Prinzessin ihre
Liebesaffäre zu verheimlichen suchten, – es gelang
nicht. Mittlerweise pfiffen es – nicht nur in Hannover
und Herrenhausen – die Spatzen vom Dach, dass da einem
kurfürstlichen Erbprinzen die Hörner von seiner Frau
aufgesetzt wurden, sondern dadurch auch gleichzeitig die
Stellung des neuen Kurfürsten ganz stark im Ruf
geschädigt und der Lächerlichkeit preisgegeben wurde.
Und so nimmt das Unheil seinen Lauf. Das außereheliche,
brisante Verhältnis der Kurprinzessin Sophie Dorothea
mit dem Gardeoberst Graf Phillip Christoph von
Königsmarck endet mit der Weisheit des deutschen
Dichters Heinrich von Kleist in dessen Werk "Der
zerbrochene Krug", wenn es heißt: "Der Krug geht so
lange zu Wasser – bis er bricht."
Nachdem Ernst August die Kurwürde endlich erlangt hatte,
waren ihm die Hände nicht mehr gebunden, im Schloss
aufzuräumen, musste er keine all' zu großen Rücksichten
nehmen, um die Familienehre wieder herzustellen. Es
stand der Entschluss fest: Dieser, die Ehre der
fürstlichen Familie in den Dreck ziehende Freibeuter der
Liebe, musste weg! Als Königsmarck im Winter 1694 wieder
einmal das Schlafgemach seiner Geliebten aufsuchen will,
wird ihm bereits von Häschern aufgelauert und er wird im
jugendlichen Alter von nur 29 Jahren gemeuchelt. Seine
Leiche oder deren Überreste wurden nie gefunden. Doch
der berühmteste Leichnam in der Geschichte des
hannoverschen Fürstenhauses und die damit verbundenen
Umstände sind bis heute wach geblieben, sind nicht unter
dem Mehltau der Geschichte verschwunden.
Bis in die heutige Zeit hinein hat sich das damalige
Gerücht erhalten, wonach die Leiche im Leineschloss
eingemauert wurde oder aber in der Leine versenkt worden
war. Immer wenn in und um das Schloss in Hannover bei
Ausgrabungen Knochen gefunden werden, steht Königsmarck
sofort wieder im Mittelpunkt des Interesses, in der
Öffentlichkeit und bei den Archäologen. So auch wieder
einmal im September 2016, als der Niedersächsische
Landtag, der aus Teilen des alten Schlosses besteht,
umgebaut wurde und bei Ausgrabungen Knochen zu Tage
gebracht wurden. Sofort stand der Name Königsmarck
wieder im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses und
die Archäologen nahmen ihre Arbeit – wieder einmal
vergebens – auf.
Doch es gibt auch noch eine andere Version, die mehr als
nur ein Gerücht sein könnte und welches bereits kurz
nach dem Verschwinden Königsmarcks aufkam. Danach soll
der Graf bei oder in dem Rittergut Rethmar (bei Sehnde/Region
Hannover) in der Abfallgrube unter der Küche verscharrt
worden sein. Das ist nicht so ganz abwegig, weil man die
vier gedungenen Mörder, allesamt Günstlinge am
hannoverschen Kurfürstenhof, ziemlich gut eingrenzen
kann. Einer davon soll der damalige Rittergutsbesitzer
Philipp Adam zu Eltz sein. Daran erinnert sogar ein sog.
Mörderstein, der an die Kirche gemauert worden war und
heute in einem Nebenraum zu besichtigen ist. Der heutige
Schlossherr, Rüdiger Freiherr von Wackerbarth, dessen
Vorfahre August Heinrich von Wackerbarth in die
Ermordung des Grafen involviert gewesen sein soll, hatte
zwar nicht die Küchengrube wegen des zu hohen baulichen
Aufwandes, jedoch Teile des Burgkellers ausgraben lassen
– allerdings auch vergebens.
Nach seiner These könnte Königsmarck auch heimlich in
einer Gruft unter der Kirche verbuddelt worden sein.
Fest steht jedoch, dass durch zwei Sachverhalte der
Mordverdacht auf diesen Personenkreis der vier Höflinge
fällt. Denn mit dem Verschwinden Königsmarcks ging ein
plötzlicher Wohlstand des Rittergutbesitzers Philipp
Adam zu Eltz einher. Er ließ die Kirche umbauen sowie
sein Gut um einen Schlosstrakt erweitern und lebte
seitdem auf großem Fuß. Woher das Geld stammte blieb ein
Geheimnis. Von einer Erbschaft stammte es jedenfalls
nicht. Die Liebesaffäre endete für die Kronprinzessin in
der lebenslangen Verbannung auf Schloss Ahlden. Nie mehr
konnte sie dieses Gefängnis verlassen, nie mehr ihre
beiden Kinder sehen, nie mehr irgendeine Korrespondenz
führen. Sie starb völlig vereinsamt und als gebrochener
Mensch am 13. Januar 1726 im Alter von 60 Jahren auf
Schloss Ahlden/Aller.
Doch des einen Leid ist des anderen Glück! Mit der
Verbannung der Kronprinzessin begann ein kometenhafter
Aufstieg des Rittergutbesitzers aus dem nur wenige
Häuser umfassenden Dorfes Rethmar. Der aus dem niederen
Landadel entstammende Philipp Adam zu Eltz wurde vom
Kurfürsten außergewöhnlich protegiert und zum Erzieher
seines am 09. November 1683 geborenen Enkels Georg
August sowie obendrein zum Minister ohne bestimmten
Aufgabenbereich am Kurfürstenhof berufen. Er erfreute
sich nicht nur der Gunst seines Herrn, sondern auch
buchstäblich eines fürstlichen Gehalts und konnte Güter
und Ländereien hinzu erwerben. Dass er später, als 1714
der Kurfürst Georg Ludwig als George I. den britischen
Thron bestieg, auch in London zum königlichen Minister
berufen wurde, wirft ein weiteres, ganz besonderes Licht
auf diesen ungewöhnlichen Werdegang.
Und der Mörder-Sachverhalt erfährt eine weitere
Abrundung durch das Ehepaar Freiherr August Heinrich von
Wackerbarth und seiner Gemahlin, Freifrau Susanne
Juliana von Wackerbarth, geborene von Berlichingen.
Letzterer wurde vom Kurfürstenhof die Aufgabe
übertragen, die Überwachung der Verbannten auf dem
Verbannungs - Schloss in Ahlden in Gänze und Strenge zu
übernehmen, die Kurprinzessin in deren Gemächern zu
bewachen, die Post zu kontrollieren und von der
Außenwelt abzuschirmen. Dies alles als Vorgesetzte und
mit Disziplinargewalt ausgestattete "Hofdame". Und ihr
Mann, Oberstleutnant Friedrich August Heinrich von
Wackerbarth, wurde zum quasi Gefängnisdirektor berufen,
der die Gesamtverantwortung für einen reibungslos
funktionierenden Vollzug der Verbannung zu garantieren
hatte. Beide wurden für ihre Tätigkeit vom Kurfürsten
besoldet mit der Garantie auf ein sorgenfreies Leben in
Wohlstand. Mit dem Verschwinden des Gardeoffiziers von
Königsmarck verliert sich auch das Schicksal seines
treuen muselmanischen Mohren im Nebel der Geschichte.
Anders als bei seinen beiden afrikanischen
Leidensgefährten Mohamed und Mustafa, die Georg Ludwig
in seinem königlichen Tross nach London mitgenommen
hatte.
4. Anton Wilhelm Amo
Doch den außergewöhnlichsten, spektakulärsten Fall
stellt Anton Wilhelm Amo dar und ist verbunden mit den
deutschen Universitäten Halle, Wittenberg und Jena. Ein
Negerkind, das zu Beginn des 18. Jahrhunderts von
Sklavenhändlern in Axim, im heutigen Ghana, geboren und
bereits als vierjähriges Kind an den Hof des Herzogs
Anton Ulrich von Wolfenbüttel (1633-1744) gebracht und
ihm von der Niederländisch – Westindischen Kompanie
geschenkt worden ist. Dieser Herzog, den Wissenschaften
und Künsten sehr aufgeschlossen, erkannte das Potenzial
dieses intelligenten Knaben und ließ ihm eine
vorbildliche humanistische Ausbildung am Hofe als auch
schulisch zukommen. Von 1717-1721 besuchte er die
Ritterakademie "Rudolph Antoniana“ in Wolfenbüttel und
von 1721 (auch das Jahr seiner Konfirmation) die
protestantische Universität Helmstedt.
Der Herzog ließ Amo am 29. Juli 1708 in der
Schlosskapelle von Salzdahlum (bei Wolfenbüttel) taufen
und mit seinem eigenen Vornamen und dem seines
Lieblingssohnes sowie Erbprinzen Wilhelm August
evangelisch taufen. Im Kirchenbuch wird als Eintrag
notiert: "Den 29. Juli ist ein Kleiner Mohr im Schloss
Cappel getauft worden“. Dies allein zeigt schon die
innige und außergewöhnliche Bindung des Herzogs zu
seinem afrikanischen Zögling. Als der Landesherr 1714
verstarb, übernahm der Erbprinz die Förderung von Amo
und ermöglichte ihm sogar die Ablegung des Abiturs. Amo
beherrschte schließlich fünf Sprachen und zwar außer
Deutsch und Latein auch Alt – Griechisch, Niederländisch
und Französisch.
Ein bildungshungriger, über alle Maßen hinaus gelehriger
Jüngling, der über einen hohen Intelligenzquotienten
verfügte. So lag es auch nahe, dass dieser sich
weiterbildete und ab 1727 in Halle Philosophie und Jura
erfolgreich studierte. 1729 erstellte er eine
Disputation zu dem Thema "De iure maurorum in Europa"
(über die Rechte der Mohren in Europa), welche ein
öffentlicher Vortrag mit anschließender Diskussion war.
In dieser Disputation kritisierte er die miserable Lage
der an vielen europäischen Königs – und Kurfürstenhöfen
dienenden Neger bzw. Mohren, die als Leibgardisten und
Ausstellungsobjekte für schaulustige Europäer ohne
jeglichen Rechtsschutz lebten. Sein dabei gezeitigtes
wissenschaftliches Ergebnis war, dass der Handel mit
Menschen im Hinblick auf die Aufklärung (dessen Opfer er
ja selbst war) nicht nur mit dem Naturgesetz und den
Menschenrechten, sondern auch mit dem Geist des
Humanismus und der Vernunft der Aufklärung unvereinbar
sei.
1730 verließ Amo Halle und zog nach Wittenberg. Dort
studierte er zusätzlich Physiologie, Pneumatologie
(heute Psychologie) und Medizin. Am 17. Oktober 1730
erlangte Amo dort auch seinen Magister in Philosophie
und den Freien Künsten. August Wilhelm war bei der
Verleihung der Urkunde anwesend. Nach dessen Tod 1731
behielt sein Bruder und Nachfolger Ludwig Rudolf
(1671-1735) den Kontakt mit Amo bei. 1733 erlangte Amo
einen weiteren Magister in den Naturwissenschaften. 1734
wurde er dann in Philosophie an der Universität
Wittenberg mit dem Dissertationsthema "De humane mentis
a patheia" (Zum Leib – Seele Problem) promoviert und
erhielt an der Universität in Jena 1937 sogar die „Venia
legendi“ (Lehrberechtigung) für philosophische und
naturwissenschaftliche Vorlesungen.
Von 1736 -1738 unterrichtete er an den Philosophischen
Fakultäten der Universitäten Halle und Wittenberg als
Privatdozent. An der Universität Halle reichte er 1737
auch eine Schrift mit dem Titel "Tractus de arte sobrie
et accurate philosophandi" (Traktat über die Kunst,
nüchtern und sorgfältig zu philosophieren) an der
Universität in Halle erfolgreich ein, die ihn im
Anschluss daran zur selbstständigen Lehrtätigkeit an
einer Universität berechtigte. Da das
Habilitationsverfahren in Preußen erst 1819 eingeführt
worden ist, ist diese Funktion eines Magisters der
heutigen Lehrtätigkeit eines außerplanmäßigen Professors
durchaus vergleichbar. Doch es scheint so, dass Amo zwar
ein kluger Geist mit wissenschaftlich fundierter
Leistung war, jedoch gegen Vorurteile gegenüber Menschen
seiner Herkunft nicht ankam. Sein letztes Vertrauen in
eine gute Zukunft zerbarst, als er sich 1747 vergebens
um die Hand einer Frau bewarb, dieses gescheiterte
persönliche Vorhaben öffentlich und – insbesondere
innerhalb seines Kollegenkreises – verspottet wurde. Bis
1739 lehrte Amo noch an der Universität Jena – bis er
spurlos verschwand.
Und schließlich wiederholt sich etwas affine Geschichte.
Die Schiffsgesellschaft, die ihn einst als Sklaven nach
Europa gebracht hat, bringt ihn auch wieder in das Land
seiner Väter zurück. Sieben Jahre später wendete sich
Amo an die Holländisch – Westindische Gesellschaft mit
der Bitte, ihm die Reise nach Ghana zu ermöglichen.
Diesem Gesuch wurde stattgegeben und Amos Schiff verließ
Rotterdam am 20. Dezember 1746. Im Jahr 1747 erreichte
er Ghana und laut manchen Quellen waren sein Vater und
eine Schwester noch am Leben. Wann Amo starb, bleibt
wiederum ein Rätsel. 1782 wurde er in den Erinnerungen
eines Schweizer Schiffsarztes, der im Dienst einer
holländischen Reederei namens David Henrij Galandat
stand, genannt, der Amo 1752 traf und über das armselige
Leben Amos in Ghana berichtete. Diesem Bericht zufolge
wurde Amo Anfang 1750 in die Holländische Festung San
Sebastian gebracht, starb aber vermutlich 1759 in der
Festung Chama. An Amo erinnert seit 1994 die Universität
Halle alljährlich mit dem "Anton-Wilhelm-Amo-Preis" an
Deutschlands ersten Mohren-Philosophen. Und in seinem
Geburtsland Ghana erinnert an seinem Grab in Shama ein
Amo - Gedenkstein.
5. Fürst Pücklers Bilillee Machbuba
Doch ein Fall soll exemplarisch deutlich machen, dass
Kriege und Sklaverei auch das weibliche Geschlecht aus
den Tiefen des afrikanischen Kontinents nach Europa
brachten. Nicht nur Frauen, sondern sogar Mädchen wurden
ihrer afrikanischen Wurzeln beraubt und landeten auf
verschlungenen Umwegen an den adligen Höfen im Herzen
Europas. Und nicht nur als Gesinde oder Dienerschaft.
Aufgrund von Reiseberichten und Korrespondenzen mit
Briefen ist das tragische Schicksal der ca. 1825 in
Abessinien geborenen Bilillee bekannt und ziemlich
detailliert nachvollziehbar. Diese gehörte dem erst spät
christianisierten Volk der Oromo an und war aus ihrer
Heimat in der Provinz Guma von Sklavenhändlern
verschleppt worden und landete über Khartum im Sudan
schließlich auf einem Verkaufsbasar in Kairo, wo sie
feilgeboten wurde.
Hermann Ludwig Heinrich Fürst von Pückler – Muskau,
seines Zeichen Generalleutnant, der gerne das Erdenrund
als Weltreisender unseres Planeten in all' seinen
Facetten kennenlernen wollte, war wieder einmal auf
Reisen und zwar im Orient. Wie abenteuerlich für einen
Exzentriker wie ihn, der es liebte, wenn man sich wegen
seiner Verrücktheiten nach ihm umdrehte und seine
Eskapaden auffielen. Er, der zum Beispiel eine Kutsche
von Hirschen durch Berlin ziehen ließ und als
blaublütiger Weiberheld so für Gesprächsstoff sorgte,
dass ein Hofbäcker seine Eiskreation aus Vanille,
Erdbeer und Schokolade nach ihm benannte.
Fürst Pückler war so populär und man konnte ihn schlecht
in eine Schablone pressen. Er war auch sehr vielseitig.
So war einerseits ein Visionär, Literat und insbesondere
den bildenden Künsten zugewandt, andererseits hegte er
aber auch eine besondere Schwäche gegenüber einem
luxuriösen Leben und ganz besonders gegenüber dem
weiblichen Geschlecht. Und er war gleichzeitig aber auch
ein begnadeter Gartengestalter, der als solcher bei dem
französischen Sonnenkönig Ludwig XIV. (Lois le Grand)
und dem bayerischen „Märchen – König“, Ludwig II., mit
seiner Begabung genau der Mann am richtigen Fleck
gewesen wäre. Seine Anwesen in Branitz und Babelsberg
legen hierfür ein beredtes Zeugnis ab.
Doch sein großer Wurf gelingt ihm in Bad Muskau, wo er
für sein fürstliches Palais einen Plan konzipiert, der
seinen ursprünglichen Garten in einen englischen
Landschaftspark verwandelt, der in seiner Zeit große
Bewunderung und Anerkennung bewirkt und als Vorbild auf
diesem Gebiet von Fachleuten angesehen wird. Es kommt
nicht von ungefähr, dass dieses Vorzeigeobjekt nicht nur
die Jahrzehnte und Jahrhunderte überdauerte, sondern
nach der Wiedervereinigung Deutschlands in den Status
eines UNESCO – Weltkulturerbes erhoben worden ist.
Als der Fürst auf seiner Orientreise Bilillee zum ersten
Mal sah, setzte alles bei ihm aus. Die junge Sklavin,
die er da bewundert anschaute, war gerade mal 10 oder 11
Jahre, als der Fürst ihrem "üppigen Körper" verfiel. Sie
musste ihm gehören, koste es was es wolle und sei es
auch in der Zukunft für ihn mit Problemen verbunden.
"Sie war", so berichtet es Pückler in seinem
Reisebericht, „schon körperlich wie eine Erwachsene
vollkommen geformt und üppig ausgebildet. Alle Sinne
schon in vollster Blüte, ihr Geist doch noch wie ein
unbeschriebenes Blatt“. Dieses jungfräuliche Blatt
wollte der 52 jährige Fürst beschreiben und mit den
schönsten Lettern versehen. Bei der Hauptverhandlung,
die der Fürst mit dem arabischen Eigentümer führte, war
sein Blick nur auf dieses Ebenbild einer exotischen
Schönheit gerichtet, er hatte keinen Blick mehr für
seinen Verhandlungspartner und starrte mit tief
versunkenem Blick nur auf dieses göttliche Ebenbild
einer aus dem schäumenden Meer bei Paphos/Zypern
emporsteigenden Aphrodite.
Um einen guten Preis zu erzielen, hatte der Araber alles
getan, um die Sinne seines Interessenten zu betäuben, um
bei dem Feilschen des Verkaufspreises dieses zu seinem
Vorteil größtmögliche ausnutzen zu können. Man hatte
Bilillee den weißen Musselinschleier abgenommen. Sie
trug nichts außer einen muschelverzierten Gürtel aus
winzigen Lederriemen und lediglich die Schultern waren
von einem durchsichtigen Tuch bedeckt. Kein Wunder, dass
sich der Fürst in das Mädchen verknallt hatte. Er war
von dieser Schönheit seit dem ersten Anblick verzaubert,
von dieser außergewöhnlich geformten schwarzen Venus.
Makelloser Wuchs, Zähne wie aufgereihte Perlen,
kupferfarbene Haut, wache und glutvolle, etwas
mandelförmig geschnittene Augen. Bilillee gab eine
eindrucksvolle Erscheinung ab, die wie ein Traum aus
1001 Nacht anmutete.
Die zum Feilschen genannte erste Verkaufssumme des
Eigentümers von 100 Talern interessierte Pückler nicht,
war ihm egal. Er hätte dieses Mädchen auch für einen
weit höheren Preis gekauft. Ohne zu Feilschen legte der
Fürst die 100 Taler auf den Tisch und nahm diese große
neue menschliche Errungenschaft, die dadurch von den
Ketten der Knechtschaft befreit war, mit. Bilillee wurde
nun zu Pücklers "Machbuba", was auf Arabisch sowohl
"mein Liebling" als auch "meine Goldene" bedeutet. Sie
war nun nicht mehr nur die Reisegefährten des Fürsten,
sondern … auch dessen Geliebte, begleitete ihn auf
seiner weiteren Orientreise durch Ägypten, den Libanon,
von dort bis Bagdad und schließlich bis Istanbul.
Machbuba war nicht nur außergewöhnlich, – sie war auch
intelligent mit einer sehr guten Auffassungsgabe.
Pückler wollte die junge, temperamentvolle Frau formen
und bilden, war ihr Lehrer und gleichzeitig auch
Liebhaber und Vater in einer Person. Er unterrichtete
sie im Lesen, Schreiben und Italienisch. Machbuba führte
ihm die Reisekasse. Auch wenn sie in den Fürsten nicht
verliebt war, fügte sie sich in das Los als Mätresse und
beide führten gute, von gegenseitigem Vertrauen
getragene Gespräche und tauschten sich über ihre
Kulturen aus. Wenn er krank war – pflegte sie ihn, als
wäre sie mit ihm verheiratet. Doch da jeder Reise einmal
zu Ende geht, musste er auch irgendwann wieder zurück
nach Muskau. Und es stand für ihn fest, dass er Machbuba
in sein Renaissance – Schloss an der Lausitzer Neiße mit
dem von ihm geschaffenen Fürst Pückler Park mitnehmen
würde. Pückler wollte seine "Kind" – Frau, seine
Geliebte, seine Mätresse mit einer Gloriole umgeben, um
diese hoffähig zu machen, um ihr einen aristokratischen
Hintergrund zu unterlegen. Dazu sollte die Fama dienen,
bei Machbuba handele es sich um eine geraubte
Königstochter.
Doch als sie auf dem Weg nach Sachsen von Istanbul über
Venedig Station in Budapest und Wien machten, wo der
Fürst sie in die Wiener Gesellschaft einzuführen
gedachte, um das Terrain für Sachsen aufzubereiten,
scheiterte diesen Unterfangen schon nach kurzer Zeit.
Und die geschiedene Frau des Fürsten, Lucie zu Pückler –
Muskau, Tochter des preußischen Staatskanzlers Graf von
Hardenberg, politisch und gesellschaftlich gut vernetzt,
zog bereits vor Ankunft des ungleichen Paares in Muskau
schon Fäden, um diese Beziehung von Anfang an zum
Scheitern zu bringen. Schließlich hatte sie der
Scheidung nur zugestimmt, damit ihr Fürst, ihr Hermann,
den sie nach wie vor innig liebte, durch die Heirat mit
einer gut situierten Frau eine gute Partie macht, um die
angehäuften Schulden begleichen zu können. Dass er nun
mit einer dunkelhäutigen Schönheit, einer Sklavin,
heimkehrte – das war so niemals angedacht, das verstieß
gegen die Scheidungsabmachung, das empörte sie. Auch,
weil sie selbst dadurch gesellschaftlich ins Abseits
gestellt wurde.
Machbuba musste deshalb von der Exfrau ihres Fürsten
aufgebaute Hürden überwinden, die nicht zu überwinden
waren. Auch deshalb nicht, weil Pückler ihr nicht den
Rücken stärkte, weil er seiner Lucie hörig, weil er
feige war. Machbuba, der das nasskalte Klima ihrer neuen
Umgebung fremd war, vertrug dieses nicht und erkrankte.
Durch die Umstände bedingt, waren ihre Abwehrkräfte
schnell aufgebraucht. Als sich Machbubas Zustand rapide
verschlechterte, kümmerte sich Pückler nicht um sie,
sie, die ihn immer aufopferungsvoll gepflegt hatte, wenn
er erkrankt war. Stattdessen reist er nach Berlin, um
dort die Feierlichkeiten für seinen Geburtstag
vorzubereiten. Ein bezeichnendes Schlaglicht, das seinen
Charakter skizziert. Während dieser Zeit haucht Machbuba,
noch ein Kind, einsam und ausgezehrt am 27. Oktober 1840
in Muskau ihren letzten Atemzug aus.
Die Menschen in dem kleinen ca. 2.500 Einwohner
zählenden Ort nahmen an ihrem Tod großen Anteil. Das
afrikanische Mädchen erfreute sich bei ihnen großer
Beliebtheit. Und es hat sich so einiges herumgesprochen,
was nicht zur Ehre des Fürsten gereicht. Auch, dass der
Fürst durch sein ekliges Verhalten Machbuba in einen
Suizidversuch getrieben und was schließlich dazu geführt
hatte, aus dem Fenster eines Seitenflügels des Palais in
den Tod zu springen, was jedoch misslungen war, weil sie
an einem Gitter mit ihrer Kleidung hängengeblieben war.
Der Fürst zog es aufgrund seiner Charaktereigenschaften
auch vor, an der Beerdigung seiner Geliebten nicht
teilzunehmen, einem Mädchen, das er lediglich als
Spielball seiner Lust und Triebe angesehen hatte. Der
Fürst war 53 Jahre, also 40 Jahre älter als das 13
jährige Mädchen, als er seine Mätresse in seinen Kreisen
präsentierte. Lange stand sie ihm also nicht als
exotische Liebesdienerin zur Verfügung als sie im Alter
von nur 15 Jahren tödlich erkrankt war.
Selbst am 02. September 1840 war er im entfernten
Berlin, als die von ihm gekaufte Sklavin auf dem
evangelischen Friedhof unter großer Anteilnahme der
Bevölkerung zu Grabe getragen wurde. Die Bestattung auf
dem kleinen Friedhof der Jacobi Kirche gestalteten die
Muskauer Bürger unter großer Anteilnahme sehr feierlich.
Sie waren zu Hunderten gekommen, um ihr in einem langen
Trauerzug mit Kerzen und Fackeln sowie den Kinderchor
des Ortes das letzte Geleit durch den dunklen
Herbstabend zu geben. Das Grab von Machbuba wird von
Muskaus Bürgern bis heute gepflegt und ist für Besucher
zugänglich. Auf dem zementierten Erdhügel, durch den
sich eine Wüstenschlange schlängelt, die den Fürsten
darstellen soll, liegt symbolisch ein gebrochenes
steinernes Herz. Diese Grabstätte wurde auch von dem
damaligen äthiopischen Botschafter in der DDR besucht,
der von diesen traurigen – und auch für die damaligen
Verhältnisse zur Pückler Zeit – skandalösen Vorfällen
gehört hatte.
Doch diese Geschichte ist auch eine interkulturelle
Begegnung. Davon zeugen auch die mannigfaltig
abgefassten Beileidschreiben, die Pückler von der
Bevölkerung aber auch von adligen Damen erhielt, die
Machbuba persönlich kennen – und schätzen gelernt
hatten. Der Inhalt lässt erkennen, wie ernst sie
Machbuba als Gesprächspartnerin in ihren Ansichten
genommen hatten und innig der Austausch mit ihr gewesen
ist, wie sehr sie diese Afrikanerin als Bereicherung
gesehen hatten. Die Menschen von Muskau aber, die
bezeugten mit ihrem Trauerzug, dass sie nicht nur "die
Fremde" war, sondern ein Mitmensch, der ihr Mitgefühl,
der ihre Achtung hatte.
Beachtung fand Machbuba aber selbst noch 166 Jahre nach
ihrem Tod bei einem Adligen aus ihrem Herkunftsland.
Prinz Asfa – Wossen Asserate, als Nachkomme des
gestürzten und entthronten äthiopischen Kaisers Haile
Selassie, stiftete für das Grab in Bad Muskau ein Kreuz
zu dem Zweck, die Erinnerung an dieses außergewöhnliche
Mädchen und deren Schicksal wachzuhalten und vor dem
Vergessen zu bewahren. Dieses christliche Symbol macht
gleichzeitig auch deutlich, dass es selbst für eine
versklavte Christin eben ein Kreuz mit der Sklaverei
ist, die in England kurz vor dem Tod von Machbuba
abgeschafft worden war und in Frankreich sieben Jahre
später verboten wurde. In den deutschen Kolonien wurde
diese jedoch noch in den Achtzigerjahren des 19.
Jahrhunderts geduldet.
Ob der christlich getaufte Mohr Anton Wilhelm Amo oder
die von dem missionierten abessinischen Volk der Oromo
abstammende Sklavin Machbuba, Christin und zur Mätresse
am Hofe von Fürst Pückler "umfunktioniert", sind
Schicksale, die dem Christentum kein christliches
Zeugnis ausstellen. Die hypothetische Frage, wie
Machbuba wohl das christliche Symbol auf ihrem Grab
empfunden hätte – bleibt offen. Und so bleibt als
Erkenntnis festzustellen: „Es ist eben oft ein Kreuz mit
dem Kreuz!“
Zitatende
Quelle: https://www.amazon.de/-/en/Die-Zauberfl%C3%B6te-Geheimnis-Mohren-Monostatos/dp/3941730223 |

Christian Stückl bekannte am Ende der Stückeinführung sein
Fehlen an Freude, eine Oper zu inszenieren. Er ließ sich trotz
dieser Erkenntnis verleiten, nach Hannover zu kommen.
Er hätte es sein lassen sollen.
Aber schlimmer, dass die neue Theaterleitung die Produktion
wieder aufnimmt, die den Quatsch – wie schon ausgeführt – noch
quätscher zu Lasten des Steuerzahlers macht.
Zu den weiteren Wiederaufnahmen der Produktionen Tosca und
Otello sind die folgenden Bemerkungen erschienen und denen ist
nichts hinzufügen:
Tosca
https://www.telezeitung-online.de/
Thema_des_Tages_02._November_2019_%27
Tosca%27_Berman.htm
Otello
https://telezeitung-online.de/
Bemerkungen_zu_'Otello'_HAJ_21.11.2021.htm


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Dr. Schloderer geht -
Ritschel bleibt
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Das Opernhaus Zürich ist „Opernhaus des Jahres”
2025.
Das entschieden 39 Kritiker, von der Zeitschrift
‘Opernwelt‘ befragt, die bereits seit 1960 –
also seit mehr als fünfzig (50) Jahren erscheint
und den Titel ‘Opernhaus des Jahres‘ seit 1992
vergibt.
Der Titel ‘Opernhaus des Jahres‘ wird also von
der ‘Opernwelt‘ und nicht von irgendeinem Blatt
vergeben.
Der Oper!Award schon und zwar von OPER Medien
GmbH & Co. KG.
2020 erhielt Hannover diesen Oper!Award
zugeschrieben – Frau Berman hatte gerade ihre
Opern-Intendanz begonnen, die sie ja - auch
wegen des enormen Zuschauerzuspruchs (dritter
Rang in den meisten Fällen geschlossen)
vorzeitig beenden musste. Wie im Falle Hannover
‘lachten damals nicht nur die Hühner‘,
sondern vor allem Fachleute über die Verleihung
eines Oper!Awards an die Nds. Staatsoper unter
Frau Berman.
Im Falle Regensburg ist laut Bayerischer
Rundfunk
(https://www.br.de/nachrichten/kultur/das-theater-regensburg-ist-opernhaus-des-jahres,V1aMZ6P
)
besonders interessant, dass “das Fachmagazin
Oper […] mit dem Preis vor allem das angebliche
Engagement der Regensburger Verantwortlichen für
das Musiktheater würdigt.
Nach dem in aller Welt zu vernehmenden
Jubelgebrüll ob der Vergabe dieses Oper!Award
nun die Entsetzensschreie aus der Gruppe der
Fachleute:
Dr. Schloderer geht nach Hamburg.
Er verlässt – wie ein Gutmeinender ihm riet –
Regensburg rechtzeitig, um nicht mit dem Theater
Regensburg unterzugehen, wenn die Intendanz
personell so ausgestattet bleibt, wie bisher.
Man erinnert sich, dass die Stadtverwaltung
Regensburg lange zögerte, den Vertrag des
jetzigen Intendanten zu verlängern.
Zitat
Der Regensburger Verwaltungsrat hatte erst Ende
September die Verträge von Schloderer und
Ritschel um fünf Jahre verlängert, die
Entscheidung zuvor auf die lange Bank geschoben.
Hintergrund war das Gerangel um die
Geschäftsordnung, die den Einflussbereich der
Theaterchefs regelt. Die extrem späte Zusage
sorgte für viel Frickeln, die Atmosphäre kühlte
merklich ab, von freundschaftlich-kollegialer
Eintracht zwischen den Theaterchefs war zuletzt
nichts mehr zu spüren.
Zitatende - Quelle: MZ – 03.12.2025
Der Regensburger Theaterdirektor allerdings wird
froh sein, dass Herr Dr. Schloderer geht. Der
Aufpasser ist weg und der Andere kriegt sicher
jemanden als kaufmännischen Leiter, mit dem er
eher Schlitten fahren kann. Da wird Frau Dr.
Freudenstein als neue Oberbürgermeisterin der
Stadt Regensburg und Vorsitzende des
Verwaltungsrates Theater Regensburg selbst ein
Auge auf das Haus haben müssen, um nicht in die
zu erwartenden Fehlentwicklungen – wegen der
nicht vorhandenen kaufmännischen Kontrolle wie
der unter Herr Dr. Schloderer - der
Staatstheater-Leitung Regensburg hineingezogen
zu werden.
Warnen muss man Herrn Dr. Schloderer vor
Äußerungen aus dem Hamburger Senat, wonach man
in Hamburg Musiktheater in aller Breite zeigen
wolle,
Zitat
„alles, was Oper kann“, auch mit überraschenden
Projekten, die das Publikum umarmen. Zu
Regensburg hat er gute Kontakte, sagt er, und:
„Der Ruf Ihres Hauses ist auch nach Hamburg
gedrungen.“
Zitatende - Quelle: MZ – 03.12.2025
Lächerlich!
Der Ruf aus Regensburg nach HAM - allenfalls in
einer Hinsicht - möglich.
Die Zuschauerzahlen jedenfalls lassen in der
Hamburgischen Staatsoper zur Zeit ausgesprochen
zu wünschen übrig. Außerdem griff Herr Dr.
Brosda als Dezernent für Kultur und Medien bei
der Neubesetzung der Planstelle vom Hamburger
Ballett ausgesprochen deutlich daneben.
Dann dort noch der Neubau des Opernhauses.
Man kann Herrn Dr. Schloderer nur das Beste
wünschen, aber einfach wird es für ihn nicht
zwischen den ihn umgebenden hochnäsigen
hanseatischen Pfeffersäcken.
Kratzer kann sich mit seinem Rainer Sellmaier,
der ja mal unter Weil der Ausstattungschef in
Regensburg war, auf die 'Freiheit der Kunst'
rausreden.
Herrn Dr. Schloderer bleibt nur das wachsame,
aber undankbare, Auge auf den schnöden Mammon.
Immerhin hat íhm das a.i. der ehemalige
Verwaltungschef der Nds. Staatsoper Hannover -
Jürgen Braasch - vorgemacht. Der wird ihm schon
zeigen, wo es lang geht.
Um 'Missverständnisse' zu vermeiden:
Als Zeitungs- / Theater-Abonnent und Abnehmer
von voll bezahlten Eintrittskarten aus dem
freien Verkauf verstehe ich diese Besprechungen
und Kommentare nicht als Kritik um der Kritik
willen,
sondern als Hinweis auf - nach meiner Auffassung
- Geglücktes oder Misslungenes.
Neben Sachaussagen enthalten diese Texte auch
Überspitztes und Satire.
Hierfür nehme ich den Kunstvorbehalt nach
Artikel 5, Grundgesetz, in Anspruch.
Dieter Hansing |
|
Schriftverkehr

|
Büro Hannover
Fehrsweg 2 - 30655 Hannover
Tel.: 0177 - 2 15 66 10
E-Mail: info@kulturjournal-regensburg.de
CDU Hannover Stadt
Walderseestraße 21,
30177 Hannover
8.12.2025
Sehr geehrte Damen und Herren,
für die CDU bitten Sie um finanzielle Unterstützung des
Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters.
Jahrelang habe ich die CDU um Hilfe bei der Bewahrung
von Werten gebeten.
In einer Anhörung in der Hindenburgstraße wurde mir das
Recht auf Forderung nach Unterstützung von Eliten
abgesprochen. Damals kungelte man mit der SPD und
biederte sich an – nach dem Motto „runter mit dem
Niveau“.
Was dabei herauskommt, sieht man an Einser-Abiturienten,
die schon im ersten Semester in wissenschaftlichen
Fächern scheitern.
Die CDU hat seit 2002 keinerlei Verständnis für die
Leitung der Staatsoper unter Puhlmann, Klügl, Bermann
aufgebracht, die Leitung durch die Ministerien war bar
jeder Ahnung, speziell Thümler.
Nehmen Sie es mir nicht übel, aber die CDU Hannover muss
sich erstmal um sich selber kümmern. Sie bringt nichts
zustande, rüffelte verschiedene Herrschaften persönlich
– so den seinerzeitigen kulturpolitischen Sprecher der
Union in Hannover im Falle Freischütz und mich im
Grundsätzlichen.
Nur zur Info:
Gerade habe ich 20.000 Euro an den Förderkreis der HMTMH
und knappe 7.000 an die Freunde Bayreuth als Spenden
überwiesen.
Nachfolgend - als Anlage - Schreiben an das Ministerium
zur Lage des Hauses Nds. Staatsoper Hannover im Rahmen
des Intendanzwechsels.
Mit besten Wünschen und viel Erfolg beim Sammeln von
Spenden
ML Gilles

Als Anlage Schriftverkehr -
hier:
|
Mail der Nds. Staatsoper Hannover GmbH -
20.11.2025
Opernzauber erleben und verschenken
Sehr geehrter Herr Hansing,
spätestens wenn die erste Kerze auf dem
Adventskranz brennt, beginnt die
alljährliche Suche nach den richtigen
Weihnachtsgeschenken. Etwas
Persönliches soll es sein und etwas
Besonderes, das über den Moment
hinaus in Erinnerung bleibt. In dieser
schnelllebigen Zeit sind es
genau solche Geschenke, an die man sich lange
erinnert: geteilte
Erlebnisse und Augenblicke voller Freude.
Unten finden Sie inspirierende Geschenkideen,
die den Zauber der Oper
erlebbar machen – für Ihre Liebsten oder für
sich selbst.
Wir wünschen Ihnen eine schöne Adventszeit,
Ihr Team der Staatsoper Hannover
Geschenk-Sets und Gutscheine
Mit dem Wintertrio » https://staatstheater-hannover.de/de_DE/abos#staatsopern-
trio
erleben Sie drei Abende auf
besten Plätzen. Ob Staatsopern-, Konzert- oder
Gemischtes Trio: Lassen
Sie sich aus dem grauen Winter in die Welt des
Opernhauses entführen
und genießen Sie unvergessliche Momente.
Unser Geschenk-Set » https://staatstheater-hannover.de/de_DE/abos#geschenk-
set
enthält drei flexibel einlösbare
Gutscheine und bietet einen attraktiven
Preisvorteil. Oder verschenken
Sie mit einem einzelnen Theatergutschein
» https://staatstheater-hanno-
ver.de/de_DE/kartenservice#geschenkideen die
freie Wahl aus dem
gesamten Spielplan – ideal für alle, die
Kultur lieben.
Mehr dazu:
» https://staatstheater-hannover.de/de_DE/kartenservice#geschenkideen |
Antwort hierzu:
|
Re:
Opernzauber erleben und verschenken
Date: 11/21/2025 (02:29:46 PM UTC)
From:
info@kulturjournal-regensburg.de
To: Abo- und Kartenservice
Cc:
lang@kulturjournal.de
Bcc:
info@heerrufer.de
Guten Tag,
was soll ich denn jemandem anbieten?
Der Besuch der Nds. Staatsoper Hannover
erschreckt doch jeden, der etwas vom
Musiktheater versteht.
Nur mal so am Rande:
Im Spielplan fehlt gänzlich die klassische
Operette und die deutsche Spieloper. Dafür zeigt
man die Missgriffe der Frau Berman.
‘Tosca‘ – nichts stimmt. Das Stück spielt am Tag
der Schlacht von Marengo. Davon hatte Frau
Palmai offensichtlich noch nichts gehört. Sie
ließ den Regisseur jedenfalls laufen.
Es werden Balkendiagramme auf modernen Monitoren
gezeigt, die Lage Napoleons in der Schlacht
darstellend.
Und Cavaradossi fotografiert – ganz heutig –mit
Blitzlicht den Mesner mit dem gefallenen Kind.
Über der Würstchenbude hängt das Schild ‘Merry
Christmas‘, Scarpia ist auch der Schließer usw.
‘Otello‘ – inzwischen aus dem Spielplan –
völlige Verdrehung, der Held wird zum
traumatisierten Krüppel, Desdemona, die
meist-beschützte Bürgerin Venedigs, wird als
Trampel (dargestellt durch lautstarkes
Rumgestakse auf hohen Schuhabsätzen) gezeigt,
die Kinder in der Schlussszene – was soll der
Quatsch und wo kommen die Blagen her?
‘Rosenkavalier‘ – wieder aufgenommen –
Oberammergauer Theaterdirektor Stückl, der
selber bei der Einführung einräumte, Oper nicht
zu lieben – ein Missgriff als Regisseur.
Beispiel:
Die silberne Rose, ein Symbol. Stattdessen ein
Feldblumenstrauß, wohl am Rande des Rollfelds am
Flughafen Langenhagen gepflückt. Überreicht in
einem Schwimmbad und nicht im Faninal’schen
Stadtpalais.
Das Problem der Lage der Frau zur Zeit
Maria-Theresias wird nicht behandelt.
Verhökerung der Sophie an den Adeligen Ochs nur
des Faninal’schen Status wegen.
Wo bleibt die Erfüllung des Bildungsauftrages?
‚Lohengrin‘
– ein Sammelsurium von szenischen
Unmöglichkeiten. Hauptsache, es bewegt sich was
und wenn sich nur die Bühne dreht.
Brautgemach = Kantine in einer Kaserne oder ist
es ein Gefängnis?
Messerstecherei am Ende des Stücks. Warum, wieso
- Antwort wohl in Frankreich, deren Einwohner ja
damit auch beglückt werden.
‘Giovanni‘ – neu – eine Unverschämtheit
den Solisten gegenüber. Die “reißen sich den
Arsch auf“ mit ihren schwierigen Rollen, die
können doch machen, was sie wollen, wenn hinter
ihnen auf einer Großleinwand Kritzeleien vom
Gesang ablenken.
Ich möchte mal Bodo sehen, wenn er – wie gestern
bei der Nylund wohlgesetzte Ansagen macht und
hinter ihm jemand Kniebeugen oder sonstige
Tollereien fabriziert.
Und über alle dem schwebt der musikalische
Oberleiter, dem es nur um sein Orchester und
dessen lautstarken Wohlklang geht. Das
sängerische Casting läge im Hannover im Argen –
meint ein Direktor herausragenden Amtes.
Somit alles Murks – und den soll man
weiterempfehlen?
Da blamiert man sich ja selber.
Die Saarbrücker ‘Walküre‘ hätte Falko
Mohrs spätestens zeigen müssen, was auf Hannover
zukommt. Aber war jemand mal dort, um sich da
was anzusehen? Allerdings wer kann das in der
hiesigen Verwaltung überhaupt beurteilen, wenn
ein Puhlmann (nicht verlängert nach einer
Periode), ein Dr. Klügl (verlängert, weil Kosky
den ’Ring‘ auf seiner Do-Liste
brauchte und ihn bei Klügl bekam) und eine
Berman (zur Halbzeit aus verschiedensten Gründen
nicht verlängert) engagiert wurden. War’s nicht
die Schwandner? Und welcher Minister hat sich je
drum gekümmert?
Lehmbruck *– Abt. 3 / 33 hätte schon ein
wachsames Auge haben müssen!
Mit den allerbesten Empfehlungen –
Dieter Hansing – kulturjournal-regensburg.de
Premieren Abo Nr. 289 339
* Der kriegt Kopie per Post. |
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Presseschau
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Zitat
Gesang, Geld, Repertoire:
Welche Zukunft hat die Oper?
Von Jürgen Kesting - 02.01.2026, 18:45
Die Oper ist eine gefährdete Kunstform: Ihre
gesellschaftliche Finanzierung verliert an
Akzeptanz, das Repertoire ist im Umbruch, die
Gesangskultur ebenfalls. Und warum wird
ausgerechnet sie als „elitär“ gemobbt?
[…]
Ein erbittert diskutiertes Problem: dass
Regisseure Stücke willkürlich über-schreiben und
sich damit Autorenrechte anmaßen – mit dem
Versprechen eines „kühnen Konzepts“, einer
„neuen Lesart“ oder der „gesellschaftlichen
Relevanz“. Stich- und Reizwort: Regietheater.
Ein tautologischer Begriff, weil es ein Spiel
auf der Bühne ohne Koordination nicht geben
kann. Der Begriff wurde in den
Siebzigerjahren en vogue, weil die
Öffentlichkeitsökonomie einiger Regisseure auf
Schocks oder Skandal setzte, um, wie es immer
heißt, „angesagt“ zu sein.
Welche Absurdität, wenn eine historische
Aufführungspraxis oder musikalische Werktreue
reklamiert wird, die Szene aber umgedeutet,
verändert oder entstellt wird. Wenn Violetta in
„La Traviata“ oder Carmen überleben. Heirat mit
dem Zeitgeist. Es gibt viele Witwer.
Dies sind nur einige der Fragen und Probleme,
mit der sich die Oper der Zukunft wird
auseinandersetzen müssen. Der Satz, dass sie für
die emotionale Ernährung sorge und in Zeiten von
Krisen und Kriegen die „gesellschaftliche
Resilienz“ stärke, stammt aus Zeiten, als das
Wünschen noch geholfen hatte.
Zitatende
Quelle:
https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/musik-und-buehne/oper/juergen-kesting-zur-zukunft-der-oper-110812162.html
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Zwischen Pflicht und Gefühl:
Warum Südkorea einen Opern-Boom erlebt
Von Sophie Klieeisen, Seoul -
05.01.2026, 11:11
Die Oper ist eine gefährdete Kunstform: Ihre
gesellschaftliche Finanzierung verliert an
Akzeptanz, das Repertoire ist im Umbruch, die
Gesangskultur ebenfalls. Und warum wird
ausgerechnet sie als „elitär“ gemobbt?
[…]
Ein erbittert diskutiertes Problem: dass
Regisseure Stücke willkürlich über-schreiben und
sich damit Autorenrechte anmaßen – mit dem
Versprechen eines „kühnen Konzepts“, einer
„neuen Lesart“ oder der „gesellschaftlichen
Relevanz“. Stich- und Reizwort: Regietheater.
Ein tautologischer Begriff, weil es ein Spiel
auf der Bühne ohne Koordination nicht geben
kann. Der Begriff wurde in den Siebzigerjahren
en vogue, weil die Öffentlichkeitsökonomie
einiger Regisseure auf Schocks oder Skandal
setzte, um, wie es immer heißt, „angesagt“ zu
sein.
Welche Absurdität, wenn eine historische
Aufführungspraxis oder musikalische Werktreue
reklamiert wird, die Szene aber umgedeutet,
verändert oder entstellt wird. Wenn Violetta in
„La Traviata“ oder Carmen überleben. Heirat mit
dem Zeitgeist. Es gibt viele Witwer.
Dies sind nur einige der Fragen und Probleme,
mit der sich die Oper der Zukunft wird
auseinandersetzen müssen. Der Satz, dass sie für
die emotionale Ernährung sorge und in Zeiten von
Krisen und Kriegen die „gesellschaftliche
Resilienz“ stärke, stammt aus Zeiten, als das
Wünschen noch geholfen hatte.
Zitatende
Quelle:
https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/musik-und-buehne/oper/juergen-kesting-zur-zukunft-der-oper-110812162.html
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Neubau der Hamburgischen Staatsoper:

Screenshot NDR
Umgeben von Wasser und mit viel Grün soll die
neue Oper ein Begegnungsort für alle
Hamburger*innen werden, betonte Bürgermeister
Peter Tschentscher.
·
Entwurf der Bjarke Ingels Group gewinnt
Wettbewerb für neue Oper
·
von Peter Helling mit Informationen vom NDR
Kulturportal
·
„Der kritische Gegenwind ist deutlich lauer als
erwartet“
Kühnes Geschenkidee
Hamburg. Opernintendant Tobias Kratzer verrät,
wie es mit der Arbeit am Siegerentwurf
weitergeht – und warum die Staatsoper schon bald
auszieht.
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Kommentar

Thema des Tages
Vorsicht Satire
Zitat
CUI BONO
Der
sittenstrenge Römer Lucius Cassius gab seinen Richtern
nachdrücklich auf, stets zu prüfen, wem eine Tat zum Nutzen
gereiche.
Das Quälen, Verstümmeln und Töten eines Menschen ist zweifellos
ein Verbrechen. Ebenso das Stehlen und Zerstören fremden
Eigentums.
Doch wie verhält es sich mit der Verfälschung und Verstümmelung
literarischer und musikalischer Werke?
In das von Kriegen gezeichnete Deutschland dringen seit
Jahrzehnten gut vernetzte Gruppen „enger Freunde“ in unsere
Theater ein. Dort treffen sie auf willfährige oder verängstigte
Intendanten und machen sich ungeniert über die Werke her.
Nach Wochen quälender Proben erkennt das Publikum bei den
Aufführungen die Stücke kaum wieder und schließt bekümmert die
Augen, um wenigstens der Musik zu lauschen — getragen von meist
fabelhaften Orchestern, deren Dirigenten der Unsinn auf der
Bühne offenbar nicht weiter kümmert.
Ich selbst habe viele arbeitsreiche, aber beglückende Jahre am
Theater verbracht und erlaube mir daher die Anfrage an die
Justiz, ob Mord und Totschlag an Regisseuren und Intendanten
nicht ausnahmsweise als straffreie Befreiungstat anerkannt
werden könnten.
– Marie-Louise Gilles - 11.12.2025 –
Zitatende

Impressum

erscheint als nichtkommerzielles Rundschreiben der
Bürgerinitiative-Opernintendanz
info@bi-opernintendanz.de – Fehrsweg 2 – 30655 Hannover
...in
Verbindung mit:

Gilles - Lang & Partner |
Wahlenstraße 17 | 93047 Regensburg |
info@kulturjournal-regensburg.de
Verteilung u.a.:
Direktversand an ausgewählte Leserschaft
Mitglieder der
Bürgerinitiative-Opernintendanz -
http://bi-opernintendanz.de/
Bayerischer
Oberster
Rechnungshof,
Niedersächsischer Landesrechnungshof,
Niedersächsische Landesregierung,
Aufsichtsrat der Nds. Staatstheater Hannover GmbH,
Politische Parteien im Nds. Landtag,
Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover,
Bund der Steuerzahler,
Öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten,
Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger,
Deutscher Bühnenverein,
Richard-Wagner-Vereine,
Feuilletons von Tageszeitungen,
Dramaturgien, Pressestellen von Theatern im
deutschsprachigen Raum
RA Frank Wahner, Fachanwalt für Verwaltungsrecht, Hannover
RA Markus von Hohenhau, Fachanwalt für IT-Recht, Regensburg
RA Prof. Dr. Ernst Fricke, Fachanwalt für Bühnenrecht,
München/Landshut
Wir verstehen diese Besprechungen und Kommentare nicht als
Kritik um der Kritik willen, sondern als Hinweis auf - nach
unserer Auffassung - Geglücktes oder Misslungenes. Neben
Sachaussagen enthalten diese Texte auch Überspitztes und Satire.
Hierfür nehmen wir den Kunstvorbehalt nach Artikel 5,
Grundgesetz, in Anspruch.
Wir benutzen Informationen, hauptsächlich aus eigenen Unterlagen
vom Regionalfernsehen Regensburg, telezeitung-online.de und aus
dem Internet u.a. den Veröffentlichungen des Deutschen
Historischen Museums, der Preußen-Chronik, Wikipedia u.ä..
Diese Texte werden paraphrasiert wiedergegeben oder als Zitate
kenntlich gemacht.
Fotos wurden Buch- und CD-Einbänden entnommen. Beiträge aus der
Rubrik ‘Musiktheater‘ wurden als Zitate aus dem Hermes
Handlexikon übernommen.
Leserbriefe stellen die Meinung des jeweiligen Verfassers dar.
Gender-Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit
verzichten wir auf Differenzierung und geschlechtsneutrale
Formulierung. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der
Gleichbehandlung grundsätzlich für alle Geschlechter.
Die verkürzte Sprachform hat redaktionelle Gründe und beinhaltet
keine Wertung.
- - Gilles, Lang & Partner - Kulturjournal.de -
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