danke für Deinen ausführlichen Bericht. Du hast ja so recht mit diesem
ganzen Regiezirkus. Wenn man jemand eine Oper erklärt und diese dann so
eine Produktion sehen, die denken sie sind in einem anderen Stück.
Genauso ergeht es uns auch in der Bayerischen Staatsoper - Don Giovanni,
Cavalleria/Bajazzo, Aida, Tosca, Hochzeit d.Figaro ect.
Dagegen Gärtnerplatz - guter Don Giovanni, entzückende L'elisier d'amore,
sehr gute Luisa Miller, La Sonnambula, Hochzeit d.Figaro oder lustige
Weiber von Windsor. Das Sängerensemble ist erstklassig, leider nur die
erste Besetzung. Bei der Zweitbesetzung muß man leider da Abstriche machen.
Aber alle aufgezählten Stücke haben eine gute Regie, die Stücke nicht
verfälscht. Eine Mutter mit ihrem Sohn, 10 Jahre, sagte neulich zu mir "ich
gehe mit ihm nur hier rein, sonst sieht er hinterher nicht das, was ich ihm
erzählt habe".
Ich war im letzten Jahr im Trovatore in Hamburg, schrecklich und im Othello
in Leipzig, genauso schrecklich und dort war das Haus halb leer. Dagegen
eine neuere Inszenierung von FEDORA in Berlin gelang recht gut ohne das
Stück zu verfälschen.
Wir haben schwierige Zeiten für die geliebte Oper.
Ich wünsche Dir alles Gute und liebe Grüsse aus München sendet Dir
Ruth Tipton
Thema des Tages
“Wer in die Oper geht, küsst besser!“
Neil Barry Moss wird neuer Generalintendant in Münster.
Ein Gespräch über die Rolle von Stadttheatern
[…]
Zitat
Neil Barry Moss
nennt sich
selbst gern
»Opernfreak«. Er
wurde in
Südafrika
geboren,
musikalisch in
Italien
sozialisiert,
und Deutschland
wurde für ihn
zum
Kulturschock:
»Mit den
manchmal
radikalen
Inszenierungen
in Hannover oder
Berlin hat sich
für mich eine
vollkommen neue
Perspektive
geöffnet«, sagt
er im Podcast
von
BackstageClassical.
[…]
In
Berlin wurde er
ein glühender
Anhänger von
Barrie Koskys
Komischer Oper.
»Ich erinnere
mich an den
großartigen
Slogan: Wer
in die Oper
geht, küsst
besser!«,
sagt er. Als
Intendant will
er das Theater
selbst als
Künstlerfamilie
pflegen. »Ich
liebe das
Ensemble«, sagt
er, »da arbeiten
ganz
unterschiedliche
Charaktere an
einer Idee. Und,
ja, das ist wie
in einer
Familie: Wenn
die Tochter sich
ein Tattoo
stechen lässt,
sind alle
irritiert – aber
irgendwie lernen
sie damit
umzugehen.«
Moss stieg in
Coburg vom
Operndirektor
zum Intendanten
auf. Es sorgte
allerdings für
Aufregung und
Enttäuschung,
als er dann kurz
nach der
Vertragsunterzeichnung
ankündigte, die
Stadt zu
verlassen, um
Generalintendant
in Münster zu
werden. »Theater
ist immer auch
eine Folge von
Abschied und
Neuanfang«, sagt
er, »und
Abschiede tun
auf allen Seiten
weh.«
Aber Theater sei
eben auch
andauernde
Herausforderung
von Veränderung,
und die
Veränderung
würde Coburg
ebenso guttun
wie Münster. Als
Regisseur will
Moss dabei »so
verrückt wie
möglich«
agieren, als
Intendant für
»Stabilität und
Ruhe« sorgen.
Das Theater
ist keine
REWE-Filiale
Das Stadttheater
ist für den
36-jährigen
Theatermann ein
zutiefst
individueller
Ort. »Man kann
ein Stadttheater
nicht leiten wie
einen REWE, der
überall gleich
aussieht«, sagt
er. Das Haus und
seine
Mitarbeiterinnen
wachsen in die
Städte hinein:
»Die meisten
Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter
hier haben
Familien vor
Ort, sind Teil
der
Stadtgesellschaft
– und auch, was
auf der Bühne
passiert, soll
immer wieder in
alle Milieus
dringen, die
Eigenheit eines
Ortes
untersuchen und
seine
Widersprüche.«
Das Ensemble ist
für Moss das
Zentrum eines
jeden Hauses. Er
will kein
System, in dem
Sängerinnen und
Sänger als
austauschbare
Gäste durch die
Produktionen
geschleust
werden.
Stattdessen will
er Gesichter,
Stimmen und
Biografien, die
bleiben.
Ein Publikum,
das seine
Lieblinge kennt,
mit ihnen älter
wird, sich an
ihnen reibt.
Theater als
soziale
Beziehung, nicht
als Event. »Wer
hingeht, soll
sich danach
besser fühlen«,
sagt er in
Anlehnung an
Barrie Koskys
Kuss-Theater.
Moss kommt nicht
als Missionar
nach Münster. Er
will mit der
Neugier des
Fremden auf das
blicken, was er
vorfindet. »Ich
bringe etwas
mit«, sagt er,
»und ich werde
etwas von der
Stadt bekommen.«
Sein
Theaterverständnis
wirkt dabei wie
eine leise
Gegenbewegung
zum
demonstrativen
Regietheater der
vergangenen
Jahrzehnte.
Moss sucht das
»Lustvolle«, das
»Moderne«, aber
immer auch das
»Umarmende«.[…}
besuchte
Veranstaltungen
an der Nds.
Staatsoper
Hannover -
14.3. und 29.3.2026
Hinweis der Nds.
Staatsoper
Hannover GmbH
Penthesilea
Zitat
Oper von
Pascal
Dusapin
Libretto
vom
Komponisten
und
Beate
Haeckl
nach
Heinrich
von
Kleist
Deutsche
Erstaufführung
Einführung:
45
Minuten
vor
Beginn
Deutsch
mit
deutschen
und
englischen
Übertiteln
„Kein schöner Anblick. Die Moderne beginnt.“Christa Wolf über Kleists Penthesilea
Eine
Frau
und
ein
Mann,
verbunden
durch
einen
politisch
sinnlosen
Krieg,
wie
besessen
davon,
den
anderen
zu
besiegen:
Die
Amazone
Penthesilea
und
der
Grieche
Achilles.
Als
Heinrich
von
Kleist
1808
diesen
antiken
Mythos
in
ein
Theaterstück
verwandelte,
kehrte
er
das
grausame
Ende
der
Geschichte
um:
Nicht
Achilles
erschlägt
Penthesilea
und
verliebt
sich
anschließend
in
den
Körper
der
Toten,
sondern
Penthesilea
verliebt
sich
in
Achilles,
tötet
ihn
und
zerfleischt
seine
Leiche.
Kleists
Trauerspiel
irritierte
seine
Zeitgenossen:
Erotik
und
Aggression
erscheinen
austauschbar,
Frauen
kämpfen
wie
Männer,
Jäger
werden
zur
Beute
und
Penthesilea
zum
Tier.
So
stellten
sich
Kleists
Zeitgenossen
weder
die
Antike
noch
das
Theater
vor.
Da
half
es
auch
nicht,
dass
die
grausamsten
Szenen
nicht
auf
der
Bühne
gezeigt,
sondern
nur
berichtet
werden:
Penthesilea
wurde
zu
Lebzeiten
des
Autors
nie
aufgeführt.
Erst
in
der
zweiten
Hälfte
des
20.
Jahrhunderts
fand
das
eigenwillige
Werk
Interesse
und
Verständnis.
Der
französische
Komponist
Pascal
Dusapin
machte
2015
aus
Kleists
Trauerspiel
eine
Oper
über
Gewalt
und
Krieg,
Trauma
und
Besessenheit
—
und
die
utopische
Möglichkeit,
all
das
in
liebevoller
Begegnung
zu
überwinden.
In
eindringlichen,
aufs
Wesentliche
konzentrierten
Szenen
folgt
die
Musik
den
tiefsten
Ängsten,
Sehnsüchten
und
Aggressionen
der
beiden
Hauptfiguren,
dringt
ins
Innere
der
Körper
vor
und
lässt
uns
gleichzeitig
den
äußeren
Kampf
verfolgen.
In
dieser
Spielzeit
beginnt
die
Staatsoper
Hannover
eine
dreijährige
intensive
Auseinandersetzung
mit
dem
Werk
von
Pascal
Dusapin.
Musikalische
Leitung - Gerd
Albrecht
Penthesilea -
Helga Dernesch
Prothoe - Jane
Marsh
Meroe -
Mechthild
Gessendorf
Achilles - Theo
Adam
Diomedes - Horst
Hiestermann
ORF-Chor / ORF
Symphonieorchester
Nicht nur Othmar
Schoeck griff
das Thema
'Penthesilea'
auf, (am Theater
Basel
inszenierte Hans
Neuenfels das
Werk mit
Premiere am
03.11.07
auch Hugo Wolf
beschäftigte
sich mit der
Amazonenkönigin.
(Hugo Wolf,
Penthesilea,
Sinfonische
Dichtung,
Klavierauszug zu
vier Händen
(1903),
Lauterbach &
Kuhn, Leipzig
1903)
Neu im Kreis der
mit
'Penthesilea'
sich
beschäftigen war
Wolfgang Rihm
als Verfasser
einer
Penthesilea-Komposition.
Penthesilea
Monolog
für
dramatischen
Sopran
und
Orchester
(2005)
Text:
Heinrich
von Kleist
Uraufführung:
2005-08-20,
Weimarhalle,
Weimar
(D)
Solisten:
Gabriele
Schnaut,
Sopran
Orchester:
MDR-SO
Dirigent:
Dennis
Russell
Davies
Besetzung:
1.
Flöte;
2.
Flöte;
3. Flöte
(+Picc);
1. Oboe;
2. Oboe;
Englischhorn;
1.
Klarinette
in A; 2.
Klarinette
in A;
Bassklarinette
in B; 1.
Fagott;
2.
Fagott;
Kontrafagott;
1. Horn
in F; 2.
Horn in
F; 3.
Horn in
F; 4.
Horn in
F; 1.
Trompete
in C; 2.
Trompete
in C; 3.
Trompete
in C; 1.
Posaune;
2.
Posaune;
3.
Posaune;
Basstuba;
Pauken;
1.
Schlagzeug;
2.
Schlagzeug;
3.
Schlagzeug;
Harfe;
Klavier;
Violine
I;
Violine
II;
Viola;
Violoncello;
Kontrabass
Aus dem
Schlussstück
von
Kleists
Penthesilea
habe ich
diesen
Monolog
gezogen.
Penthesilea
und
Achilles
sind
Liebestote,
Tote
(wegen)
der
Liebe.
Ihre
Tode
sind
Liebestode.
Penthesilea
zerreißt
und isst
Achilles
(zumindest
Teile
von ihm)
und
tötet,
erkennend,
sich
selbst.
Kleist
sprengte
das in
Sprache
ein.
Erstaunlich
oft
zitiert
er
christlich
klingende
Sprachbilder
im
heidnischen
Kontext.
So wird
Penthesilea
für
Augenblicke
sichtbar
als
schmerzdurchbohrte
Pietà.
Was kann
ich da
musikalisch
überhaupt
erreichen?
Kleists
Sprache
„gerecht“
werden
kann
niemand.
Das in
dieser
Sprache
mitgeteilte
factum
brutum
entzieht
sich
jeglicher
„Behandlung“
außerhalb
dieser
Sprache.
Was also
ist
möglich,
mit
Tönen?
Nichts.
Aber ein
Versuch.
Nur das
ist
möglich.
Die
viele
Schichten
austragende
und
aufreißende
Frauenfigur
Penthesilea
in ihrer
verschlingenden
und
selbstverzehrenden
Weiblichkeit
als
Kraft
eigener
Gesetzlichkeit
vernehmbar
werden
zu
lassen –
das wäre
das
Einzige,
dem ich
mich als
einer
„Aufgabe“
stellen
könnte.
Ich
hab’s
versucht.
Wolfgang
Rihm
Viel
Beifall
fand am
20.
August
die
Uraufführung
von
Wolfgang
Rihms
"Penthesilea-Monolog"
nach
Heinrich
von
Kleist,
komponiert
für die
Sopranistin
Gabriele
Schnaut.
Sie
wurde
begleitet
vom MDR
SINFONIEORCHESTER
unter
Dennis
Russell
Davies,
dem
Chefdirigent
des
Bruckner
Orchesters
in Linz.
Penthesilea
(1808)
ist ein
Drama
über die
Amazonenkönigin
der
griechischen
Sage,
Kleist
bekannte:
»Mein
innerstes
Wesen
liegt in
der
Amazone,
der
ganze
Schmerz
gleich
und
Glanz
meiner
Seele.«
Penthesilea,
die
»rätselhafte
Sphinx«,
liebt
Achill,
den
Helden
der
Griechen
vor
Troja,
liebt
ihn
ebenso
leidenschaftlich,
wie sie
ihn
hasst,
sie ihn
nicht
besiegen
kann,
Sie
gesteht
ihre
Liebe,
liefert
sich ihm
aus, ist
aber
gleichzeitig
über den
Verlust
ihrer
Kraft
und
ihrer
Selbstbeherrschung
von Hass
und
Scham
erfüllt.
Nachdem
sie
Achill
in
rasender
Wut
getötet
hat,
löst sie
sich von
ihrem
allzumenschlich
triebhaften
Sein,
das sie
nicht
bewältigen
konnte;
in einer
Todestrance
träumt
sie sich
in die
reine
Welt der
Götter
zurück.
Die
Frage
nach dem
Ausgleich
zischen
der
klassischen,
dem
Auftrag
der
Götter
folgenden,
innerlich
beherrschten
und der
romantisch
verzückten
Penthesilea
blieb
ungelöst.
Ihr
Konflikt
wird
beendet
durch
Entäußerung
ihrer
Liebe
und
durch
Rückkehr
zum
Olymp.
(Glaser,
Lehmann,
Lubos:
Zwischen
Klassik
und
Romantik,
1981, S.
206)
"Auf den
ersten
Blick
scheint
diese
verschollene
Geschichte
mit
ihren
Varianten
nicht
besonders
reizvoll,
eigentlich
nichts
als ein
Hin- und
Hergerede
über
eine
halb und
halb
gegenstandslose,
wilde
und
blutige
Rauferei.
Aber
eben das
Ungenaue
der
Nachrichten
und ihre
barbarische
Indifferenz
machten
den
Stoff so
reizvoll
für
Kleist.
Es war
gerade
seine,
diese
tief im
Atavistischen
verwurzelte
Phantasie,
derer er
bedurfte,
das
Widersprüchliche
der
alten
Überlieferung
in eines
zu
denken
und
etwas
Einzigartiges
draus zu
machen."
(Joachim
Maass -
Kleist -
1977, S.
147)
Frank
Wedekind
hielt am
20.11.1911
eine
Rede auf
Kleist,
in der
er das
um die
Jahrhundertwende
erwachte
Interesse
an der
'sexuellen
Zwangsvorstellung'
in der
Penthesilea
aufgreift
und
weiterführt:
"Wenn
Heinrich
v.
Kleist
heute
seine
Penthesilea
schriebe,
dann
würde
der
Berliner
sowohl
wie der
Münchener
Zensor
die
öffentliche
Aufführung
aus
Gründen
der
Sittlichkeit
rundweg
verbieten.
Die
Penthesilea
ist die
künstlerische
Ausgestaltung
eines
Sinnesrausches,
einer
sexuellen
Zwangsvorstellung.
In
dieser
Tatsache
liegen
die
poetische
Größe
sowohl
wie die
technischen
Mängel
des
Dramas
begründet.
Die
poetische
Größe
käme
aber für
die
heutige
Zensurbehörde
gar
nicht in
Betracht,
solange
dem
Autor,
wie es
bei
Kleist
zeitlebens
der Fall
war, die
öffentliche
Anerkennung,
die
Anerkennung
der
literarischen
Autoritäten,
der
Heuchler,
Erfolgsanbeter,
Autographensammler,
Schriftgelehrten
und
Pharisäer
fehlt.
Es ist
also gar
nicht
ausgeschlossen,
daß es
Heinrich
v.
Kleist
im
heutigen
Deutschland
noch
schlimmer
ginge
als vor
hundert
Jahren."
(Nachruhm
Nr.
410b)
Döblin
hat in
einem im
Prager
Tageblatt
am 13.
2.1923
erschienenen
Aufsatz
'Die
Psychiatrie
im
Drama'
Kleists
Texte,
in
erster
Linie
aber die
'Penthesilea',
unter
neuropathologischen
Aspekten
gelesen;
und
schließlich
findet
sich im
Kapitel
»Kannibalisches«
seiner
unter
dem
Pseudonym
Linke
Poot
erschienenen
Essays
Der
deutsche
Maskenball
(1921)
eine
Würdigung
der
Penthesilea
als
Musterstück
der
Somatisierung
und
regressiven
Entsublimierung
von
Sprache
und
Bewusstsein:
"Ein
rasendes
und
außerordentliches
Stück
ist von
Kleist
die
>Penthesilea<.
Sie hat
ihm bei
Goethe
das
Genick
gebrochen,
aber ist
gräßlich
schön
geblieben.
Es ist
charakteristisch,
daß das
Stück,
das
lange
Zeit nur
ein
Leckerbissen
von
Literaten
war, von
einer
Volksbühne
bei
hervorragender
Regie
unter
großer
Ergriffenheit,
mächtiger
Spannung
und
Teilnahme
gegeben
werden
kann.
Die
erregte
Zeit
fordert
starke
Akzente,
der
starke
Akzent
schallt
an
aufgerissene
widerklingende
Seelen.
In
diesem
Stück
w7irft
sich die
Heldin
in einem
Verwirrtheits-
und
Dämmerzustand
über den
Liebsten
- in
einem
Mißverständnis,
das so
sehr
Mißverständnis
ist, daß
sie
selbst
von
einer
Silbenverwechslung,
Küssen
und
Bissen,
von
einem
reimerischen
Irrtum
spricht
-, und
küßt ihn
mit den
Zähnen
und
Händen
in
Stücke,
um
nachher
bluttriefend
zur
Besinnung
zu
kommen.
[...]
Aber
dies ist
nur ein
Mittel
zum
Zweck;
worauf
es
ankommt,
Kleist
wie uns:
es muß
einer
gefressen
werden,
bildlich,
und was
hier so
sensationell
ist,
auch
unbildlich.
Das ist
in allen
Tragödien
so, und
hier
läßt es
sich mit
Händen
greifen.
Ein
Schlachtopfer,
das wir
brauchen.
Tragödie
hat
seinen
Namen
vom
Böcklein,
das
einstmals
geopfert
wurde;
das
Böcklein
ist
veschwunden;
wir
halten
uns an
den
Menschen!
Denn wir
sind
Kannibalen
und
brechen
täglich
die
irdische
Speiseordnung;
wir
füttern
uns im
Theater
satt."
(Nachruhm
Nr.
623ab)
“O es
gibt
kein
Wesen in
der
Welt,
das ich
so ehre
wie
meine
Schwester.
Aber
welchen
Missgriff
hat die
Natur
begangen,
als sie
ein
Wesen
bildete,
das
weder
Mann
noch
Weib
ist,
gleichsam
wie eine
Amphibie
zwischen
zwei
Gattungen
schwankt.“
Sie war
eine
Männin,
die ihr
Geschlecht
'vergessen’
hatte.
Ulrikens
Charakter
hatte
Kleist
die
erste
Idee zur
’Penthesilea’
eingegeben.
(Kurt
Hofoff)
"Von
glühendem,
krankhaftem
Ehrgeiz
beseelt
und tief
gebeugt
wegen
der
Nichtanerkennung
seiner
Dichtungen.
Litt an
chronischer
Schwermut
und
ungeheuerlicher
Maßlosigkeit
in allen
Dingen.
Unbändiger
Wandertrieb
und
absolutes
Unvermögen,
ein Amt
zu
übernehmen.
Unbeständigkeit
in der
Liebe."
Und
weiter:
"Fiel
selbst
bei
Geringfügigkeiten
der
Exaltation
anheim.
Onanie
mit
Selbstvorwürfen.
Schüchtern,
stotterte,
verlegen,
errötete.
Voll
Geheimniskrämerei.
Bot oft
den
Freunden
an,
gemeinsam
zu
sterben.
Oft sehr
zerstreut.
Führte
murmelnde
Selbstgespräche.
Sehr
seltsam,
bizarr.
Unbewußt
homosexuell.
Nach
Sadger
war er
bisexuell."
"Zu Kleists
Schwester
Ulrike
gibt es
in der
Akte nur
einen
Personalbogen,
der aber
zu
keinem
eigenen
Gutachten
mehr
ausformuliert
wurde.
Als
"homosexuell"
und
herrisch
wird
Kleists
Vertraute
da
gekennzeichnet;
er habe
zu ihr
ein
Verhältnis
unterhalten,
in dem
auch
"sadistisch-masochistische
Züge" zu
unterscheiden
gewesen
seien."
(Sascha
Feustel)
Immer
wieder ist in
der Forschung in
Bezug auf Ulrike
von Kleist von
der 'pyladischen
Schwester' zu
lesen, die
Johann Georg
Scheffner, ein
Militärbeamter
aus dem
Königsberger
Bekanntenkreis
der Geschwister
anfänglich
verwandte.
Ulrike 'pyladisch
gesinnte kluge
Schwester' war
die richtige
Ergänzung zum
feminin
veranlagten
Bruder Heinrich.
Pylades habe
Orest in keiner
Gefahr
verlassen, dass
er sogar für ihn
zu sterben
bereit war,
weshalb er sich
als Orest
ausgab, als dem
die Sühne für
seinen
Muttermord
drohte.
Ulrike mangelte
es also, um die
Anerkennung
seitens des
Bruders zu
erhalten nicht
an die Fähigkeit
zur Aufopferung
- die bewies sie
immer wieder -
aber es mangelte
ihr am
männlichen
Geschlecht. Als
sie sich dann
als Mann zeigte,
konnte er ihre
Unterstützung
annehmen.
Kleist benutzte
für sein Konzept
der
'Penthesilea'
das Standardwerk
der damaligen
Zeit, das
'Gründliche
Mythologische
Lexikon' von
Benjamin
Hederich, worin
auch vermerkt
ist: "dass
Pylades als ein
Exempel eines
wahrhaft treuen
Freundes in dem
Alterthume
gepriesen wird."
Die
'weibliche
Heldenseele'
Ulrike
ist
ebenso
ein
Produkt
seiner
Phantasie
und
seines
Begehrens
wie 'Penthesila',
weshalb
die
beiden
sich
auch so
schön
miteinander
vergleichen
lassen.
Dem Bild
der
Amazone
nähert
sich das
der 'pyladischen
Schwester',
ähnlich
der
mythologischen
Jungfrau,
der
starken,
selbstständigen
Frau,
nicht
gebunden
an eine
Mann und
nicht
hingegeben
einem
Mann,
dafür
selbst
mit
männlichen
Attributen
ausgestattet.
(Sigrid
Weigl)
War nach dem
Mythos Achilles
der Mörder
'Penthesileas',
nutzte Kleist
ein Variant, der
ebenfalls im
'Gründlichen
mythologischen
Lexikon' (Seite
52, Kapitel II)
erwähnt ist.
Danach habe
Penthesilea "den
Achilles zuerst
selbst erleget"
sei aber später
von Achilles,
der von seiner
Mutter wieder
zum Leben
erweckt worden
sei, getötet
worden.
Hederich nennt
in seinem
Lexikon 'Ptolomäus
Chennus', den
griechischen
Schriftsteller
des 1.
Jahrhunderts, als
Quelle.
Als Kleist und
Ulrike in Weimar
Station machten
- ob sie dort
tatsächlich
Goethe und
Schiller sahen,
ist nicht zu
erforschen -
trafen sie
Christoph Martin
Wieland, dem
nicht klar war,
dass er in der
zweiten Person
in
Männerkleidern
die Schwester
des Besuchers
vor sich hatte.
Er fragt sie,
kannst Du Dich
dem allgemeinen
Schicksal Deines
Geschlechts
entziehen, das
nun einmal
seiner Natur
nach die zweite
Stelle in der
Reihe der Wesen
bekleidet? Nicht
einen Zaun,
nicht einen
elenden Graben
kannst Du ohne
Hülfe eines
Mannes
überschreiten.
Sie nimmt die
Unweiblichkeit
auf sich,
kleidet sich
männlich streng,
was nach ihrer
Meinung viel
bequemer ist als
die Mode der
Damen
mitzumachen.
Über diese
Maske, mit der
die Schwester
optisch belegt
war und dem
Wunsch, dass die
aufopferungsbereite
Person ein Mann
zu sein hatte,
formte sich
Kleist die
Amazone
'Penthesilea'.
Maßgeblich für
diese
Dramaturgische
Ausformung der
Rolle war auch
seine Neigung
zum eigenen
Geschlecht.
Am 7. Januar
1805 schreibt er
an Herrn
Ernst
von
Pfuel,
ehemals
Lieutenant
im
Regiment
Sr.
Majestät
des
Königs,
Hochwohlgeb.
zu
Potsdam.
Du übst,
du
guter,
lieber
Junge,
mit
Deiner
Beredsamkeit
eine
wunderliche
Gewalt
über
mein
Herz
aus, und
ob ich
Dir
gleich
die
ganze
Einsicht
in
meinen
Zustand
selber
gegeben
habe, so
rückst
Du mir
doch
zuweilen
mein
Bild so
nahe vor
die
Seele,
daß ich
darüber,
wie vor
der
neuesten
Erscheinung
von der
Welt,
zusammenfahre.
Ich
werde
jener
feierlichen
Nacht
niemals
vergessen,
da Du
mich in
dem
schlechtesten
Loche
von
Frankreich
auf eine
wahrhaft
erhabene
Art,
beinahe
wie der
Erzengel
seinen
gefallnen
Bruder
in der
Messiade,
ausgescholten
hast.
Warum
kann ich
Dich
nicht
mehr als
meinen
Meister
verehren,
o Du,
den ich
immer
noch
über
alles
liebe?
Wie
flogen
wir vor
einem
Jahre
einander,
in
Dresden,
in die
Arme!
Wie
öffnete
sich die
Welt
unermeßlich,
gleich
einer
Rennbahn,
vor
unsern
in der
Begierde
des
Wettkampfs
erzitternden
Gemütern!
Und nun
liegen
wir,
übereinander
gestürzt,
mit
unsern
Blicken
den Lauf
zum
Ziele
vollendend,
das uns
nie so
glänzend
erschien,
als
jetzt,
im
Staube
unsres
Sturzes
eingehüllt!
Mein,
m e i n
ist die
Schuld,
ich habe
Dich
verwickelt,
ach, ich
kann Dir
dies
nicht so
sagen,
wie ich
es
empfinde.
-
Was soll
ich,
liebster
Pfuël,
mit
allen
diesen
Tränen
anfangen?
Ich
möchte
mir, zum
Zeitvertreib,
wie
jener
nackte
König
Richard,
mit
ihrem
minutenweisen
Falle
eine
Gruft
aushöhlen,
mich und
Dich und
unsern
unendlichen
Schmerz
darin zu
versenken.
So
umarmen
wir uns
nicht
wieder!
So
nicht,
wenn wir
einst,
von
unserm
Sturze
erholt,
denn
wovon
heilte
der
Mensch
nicht!
einander,
auf
Krücken,
wieder
begegnen.
Damals
liebten
wir
ineinander
das
Höchste
in der
Menschheit;
denn wir
liebten
die
ganze
Ausbildung
unsrer
Naturen,
ach! in
ein paar
glücklichen
Anlagen,
die sich
eben
entwickelten.
Wir
empfanden,
ich
wenigstens,
den
lieblichen
Enthusiasmus
der
Freundschaft!
Du
stelltest
das
Zeitalter
der
Griechen
in
meinem
Herzen
wieder
her, ich
hätte
bei Dir
schlafen
können,
Du
lieber
Junge;
so
umarmte
Dich
meine
ganze
Seele!
Ich habe
Deinen
schönen
Leib
oft,
wenn Du
in Thun
vor
meinen
Augen in
den See
stiegest,
mit
wahrhaft
mädchenhaften
Gefühlen
betrachtet.
Er
könnte
wirklich
einem
Künstler
zur
Studie
dienen.
Ich
hätte,
wenn ich
einer
gewesen
wäre,
vielleicht
die Idee
eines
Gottes
durch
ihn
empfangen.
Dein
kleiner,
krauser
Kopf,
einem
feisten
Halse
aufgesetzt,
zwei
breite
Schultern,
ein
nerviger
Leib,
das
Ganze
ein
musterhaftes
Bild der
Stärke,
als ob
Du dem
schönsten
jungen
Stier,
der
jemals
dem Zeus
geblutet,
nachgebildet
wärest.
Mir ist
die
ganze
Gesetzgebung
des
Lykurgus,
und sein
Begriff
von der
Liebe
der
Jünglinge,
durch
die
Empfindung,
die Du
mir
geweckt
hast,
klar
geworden.
Komm zu
mir!
Höre,
ich will
Dir was
sagen.
Ich habe
mir
diesen
Altenstein
lieb
gewonnen,
mir sind
die
Abfassung
einiger
Reskripte
übertragen
worden,
ich
zweifle
nicht
mehr,
daß ich
die
ganze
Probe,
nach
jeder
vernünftigen
Erwartung
bestehen
werde.
Ich kann
ein
Differentiale
finden,
und
einen
Vers
machen;
sind das
nicht
die
beiden
Enden
der
menschlichen
Fähigkeit?
Man wird
mich
gewiß,
und
bald,
und mit
Gehalt
anstellen,
geh mit
mir nach
Anspach,
und laß
uns der
süßen
Freundschaft
genießen.
Laß mich
mit
allen
diesen
Kämpfen
etwas
erworben
haben,
das mir
das
Leben
wenigstens
erträglich
macht.
Du hast
in
Leipzig
mit mir
geteilt,
oder
hast es
doch
gewollt,
welches
gleichviel
ist;
nimm von
mir ein
Gleiches
an! Ich
heirate
niemals,
sei Du
die Frau
mir, die
Kinder,
und die
Enkel!
Geh
nicht
weiter
auf dem
Wege,
den du
betreten
hast.
Wirf
Dich dem
Schicksal
nicht
unter
die
Füße,
es ist
ungroßmütig,
und
zertritt
Dich.
Laß es
an einem
Opfer
genug
sein.
Erhalte
Dir die
Ruinen
Deiner
Seele,
sie
sollen
uns ewig
mit Lust
an die
romantische
Zeit
unsres
Lebens
erinnern.
Und wenn
Dich
einst
ein
guter
Krieg
ins
Schlachtfeld
ruft,
Deiner
Heimat,
so geh,
man wird
Deinen
Wert
empfinden,
wenn die
Not
drängt.
-
Nimm
meinen
Vorschlag
an. Wenn
Du dies
nicht
tust, so
fühl
ich, daß
mich
niemand
auf der
Welt
liebt.
Ich
möchte
Dir noch
mehr
sagen,
aber es
taugt
nicht
für das
Briefformat.
Adieu.
Mündlich
ein
mehreres.
Berlin,
den 7.
Januar
1805
Heinrich
v.
Kleist.
Am 18. März 1799
geht ein Brief
an seinen
ehemaligen
Lehrer Martini.
Ja,
Lieber!
Nicht
Schwärmerei,
nicht
kindische
Zuversicht
ist
diese
Äußerung.
Erinnern
Sie
sich,
daß ich
es für
meine
Pflicht
halte,
diesen
Schritt
zu tun;
und ein
Zufall,
außerwesentliche
Umstände
können
und
sollen
die
Erfüllung
meiner
Pflicht
nicht
hindern,
einen
Entschluß
nicht
zerstören,
den die
höhere
Vernunft
erzeugte,
ein
Glück
nicht
erschüttern,
das sich
nur im
Innern
gründet.
In
dieser
Überzeugung
darf ich
gestehen,
daß ich
mit
einiger,
ja
großer
Gewißheit
einer
fröhlichen
und
glücklichen
Zukunft
entgegensehe.
In mir
und
durch
mich
vergnügt,
o, mein
Freund!
wo kann
der
Blitz
des
Schicksals
mich
Glücklichen
treffen,
wenn ich
es fest
im
Innersten
meiner
Seele
bewahre?
Immer
mehr
erwärmt
und
begünstigt
mein
Herz den
Entschluß,
den ich
nun um
keinen
Preis
der
Könige
mehr
aufgeben
möchte,
und
meine
Vernunft
bekräftigt,
was mein
Herz
sagt,
und
krönt es
mit der
Wahrheit,
daß es
wenigstens
weise
und
ratsam
sei, in
dieser
wandelbaren
Zeit so
wenig
wie
möglich
an die
Ordnung
der
Dinge zu
knüpfen.
Diese
getreue
Darstellung
meines
ganzen
Wesens,
das
volle
unbegrenzte
Vertrauen,
dessen
Gefühle
mir
selbst
frohe
Genüsse
gewähren,
weil
eine
zufällige
Abgezogenheit
von den
Menschen
sie so
selten
macht,
wird
auch Sie
nicht
ungerührt
lassen,
soll und
wird mir
auch Ihr
Vertrauen
erwerben,
um das
ich im
eigentlichsten
Sinne
buhle.
Den
Funken
der
Teilnahme,
den ich
bei der
ersten
Eröffnung
meines
Plans in
Ihren
Augen
entdeckte,
zur
Flamme
zu
erheben,
ist mein
Wunsch
und
meine
Hoffnung.
Sein Sie
mein
Freund
im
deutschen
Sinne
des
Worts,
so wie
Sie
einst
mein
Lehrer
waren,
jedoch
für
länger,
für
immer.
Der
Penthesilea-Mythos
stammt -
schriftlich
festgehalten in
einer
nachhomerischen
Dichtung aus dem
7. Jahrhundert
vor der
Zeitenwende -
aus nicht
bekannter
Vergangenheit.
Herodot, Prokop,
Dictys Cretensis
oder Quintus
Smyrna wie auch
Diodor
berichten.
Um 1200 ist der
trojanische
Krieg fast
entschieden,
Achill hat
Hektor getötet,
die Trojaner
ohne Anführer
mutlos.
Ein Trupp Frauen
stürmt auf
ungebändigten
Pferden daher
und wirft sich -
angeführt von
ihrer Königin in
die Schlacht.
Schwere Waffen
der Frauen
treffen:
Brustharnische,
Lanzen, Helme,
Schilde - das
Blut fließt,
Penthesilea mit
unbeirrtem
Kampfesmut
stürzt sich mit
ihren Frauen auf
die Griechen.
Die Amazonen
führten
waffenstarrend
die Kriege,
eroberten für
ihre Familien,
die von den
daheimgebliebenen
Männern versorgt
wurden.
Waren sonst die
Frauen
Griechenland,
rechtlos,
sprachlos, von
allen Ämtern und
öffentlichen
Veranstaltungen
ausgeschlossen,
stürzten sich
hier Frauen auf
sie und
metzelten sie
ab.
Die patriarchale
Ordnung geriet
ins Wanken.
Nicht nur, dass
ein Schwert
gegen die Männer
geführt wird,
Frauen führen
ihre Schwerter
und Streitäxte
gegen sie.
Der Mann war die
zentrale Gewalt
in einem Haus,
eine Frau hatte
den Haushalt zu
führen, Kinder
zu bekommen und
zu erziehen, der
Mann hatte für
sich seine
Freunde und
männliche
Geliebte.
Eine Frau, dem
Hause
vorstehend,
musste
untergehen, mit
schweren Waffen
in Kriegen
kämpfende Frauen
konnten nur
durch
Überraschungsangriffe
siegen,
langanhaltende
Kämpfe gingen
über ihre
Kräfte.
Untersuchungen
im Bereich der
nördlichen
Schwarzmeerküste
zeigen Gräber
von Frauen, die
mit Waffen
beigesetzt
wurden - Pfeile,
Köcher, Bogen
und Lanzen,
Kampfgürtel.
Und drinnen
waltet
Die zuechtige
Hausfrau,
Die Mutter der
Kinder,
Und herrschet
weise
Im haeuslichen
Kreise,
Und lehret die
Maedchen
Und wehret den
Knaben,
Und reget ohn'
Ende
Die fleissigen
Haende,
Und mehrt den
Gewinn
Mit ordnendem
Sinn,
Und fuellet mit
Schaetzen die
duftenden Laden,
Und dreht um die
schnurrende
Spindel den
Faden,
Und sammelt im
reinlich
geglaetteten
Schrein
Die schimmernde
Wolle, den
schneeigen Lein,
Und fueget zum
Guten den Glanz
und den
Schimmer,
Und ruhet
nimmer.
Hatte Schiller
im Musenalmanach
auf das Jahr
1800 sich noch
mit diesen
Versen über die
züchtige
Hausfrau im
’Lied von der
Glocke’
ausgelassen -
über die sich
Karoline
Schlegel
ausschütten
wollte vor
Lachen
-
setzte wenig
später - im
realen Leben und
in der Literatur
zu beobachten -
die
Diskriminierung
der Frau ein.
Man sprach ihr
politisches
Denken ab,
alleinstehend
und
intellektuell
wurde
gleichgestellt
mit
Unweiblichkeit.
So stand
Schillers
'Johanna' am
Ende einer
emanzipatorischen
Entwicklung,
‘Unterdrückung’
der Frau folgte,
die Feststellung
der Gleichheit
der Geschlechter
war aufgehoben.
Misst man aber
die Kultur eines
Volkes an
Friedlichkeit,
Abscheu gegen
Grausamkeit und
Kommunikationsfähigkeit,
so sind die
Frauen das
zivilisierte
Geschlecht,
Nietzsche meint
zwar, dies seien
die Tugenden der
Schwächeren, so
sind diese eben
die Kulturträger
eine
zivilisierten
Menschheit.
War vor dem 18.
Jahrhundert die
Frau als Aktive
auch im
sexuellen
erfasst worden,
wurde sie danach
einerseits zur
tugendhaften
Gattin reduziert
und auf der
anderen Seite
als Hetäre
festgelegt. Das
gesamte 19.
Jahrhundert war
erfüllt von den
Herabbsetzungsunternehmungen,
Der
dreiundzwanzigjährige
Weinberger
setzte 1903 dem
Ganzen die Krone
auf, mit seinen
frauenfeindlichen
Aussagen in:
‘Geschlecht und
Charakter’.
Doch auch im 19.
Jahrhundert gab
es Beispiele der
Emanzipation der
Frau in
Lebensführung,
dokumentiert in
der Literatur.
Die Frauen der
deutschen
Romantiker:
Dorothea
Mendelssohn-Schlegel,
Karoline
Schlegel-Schilling,
Madame de Staël,
George Sand.
Schillers Hass
gegen Karoline
Schlegel, mit
der Titulierung
als ‘Madame
Luzifer’ und die
Polizeiaktionen
Napoleons gegen
die Staël, die
antisemitischen
Attacken gegen
die Tochter
Moses
Mendelssohns,
der erotische
Skandal, den
George Sand
erlebte.
Heinrich von
Kleist sieht
seine Schwester
Ulrike nicht
entsprechend den
zeitgenössischen
Weiblichkeitsmustern:
Pflichten als
Gattin und
Mutter, damit
Unselbständigkeit,
verschönt durch
das Lob der
Weiblichkeit -
er nimmt ihr
herbes,
männliches Wesen
für sich in
Anspruch: Reisen
und
Selbstständigkeit.
Selbstständigkeit
als
Liebesverzicht:
Nie wollte
Ulrike sich in
einer Ehe binden
und sie
tat es auch
nicht, sondern
sie strickte ihm
für seine
Behaglichkeit
lieber eine
Weste.
Eschborn,
den 25.
Febr.
1795
Liebe
Ullrique,
Ein
Geschenk
mit so
außerordentlichen
Aufopferungen
von
Seiten
der
Geberin
verknüpft,
als
Deine
für mich
gestrickte
Weste,
macht
natürlich
auf das
Herz des
Empfängers
einen
außerordentlichen
Eindruck.
Du
schlägst
jede
Schlittenfahrt,
jede
Maskerade,
jeden
Ball,
jede
Komödie
aus, um,
wie Du
sagst,
Zeit zu
gewinnen,
für
Deinen
Bruder
zu
arbeiten;
Du
zwingst
Dir eine
Gleichgültigkeit
gegen
die für
Dich
sonst so
reizbaren
Freuden
der
Stadt
ab, um
Dir das
einfachere
Vergnügen
zu
gewähren,
Deinen
Bruder
Dich zu
verbinden.
Erlaube
mir daß
ich
hierin
sehr
viel
finde;
mehr, -
als
gewöhnlich
dergleichen
Geschenke
an
wahren
inneren
Wert in
sich
enthalten.
Gewöhnlich
denkt
sich der
Geber so
wenig
bei der
Gabe,
als der
Empfänger
bei dem
Danke;
gewöhnlich
vernichtet
die Art
zu
geben,
was die
Gabe
selbst
vielleicht
gut
gemacht
haben
würde.
Aber
Dein
Geschenk
heischt
einen
ganz
eignen
Dank.
Irre ich
nicht,
so
hältst
Du den
Dank für
überflüssig,
für
gleichgültig,
oder
eigentlich
für
geschmacklos.
Kleist -
Sämtliche
Briefe -
1963 -
S. 1119
Später war sie
mit ihrem Bruder
auf Reisen,
übernahm die
Organisation,
hatte das Geld
parat und: "Wo
ein anderer
überlegt, da
entschließt sie
sich, und wo er
spricht, da
handelt sie" -
stellt Kleist in
einem Brief von
der Paris-Reise
im Jahr 1801
fest.
Als er im Jahr
1807 in
französische
Kriegsgefangenschaft
gerät, reiste
sie nach Berlin,
geht zu den
französischen
Behörden und zu
General Clark
und ruht "nicht
eher bis ich
Heinrich frei
gesprochen
weiß."
Schiller -
Johanna von
Orleans
Kleist -
Penthesilea
Hebbel - Judith
... die
Reihenfolge
zeigt sich in
der Literatur
der ‘Frau mit
der Waffe’.
Schiller hatte
seiner 'Johanna'
über eine
Traumgestalt die
Möglichkeit
gegeben, eine
militärische
Mission - unter
der Aufgabe
ihrer
Weiblichkeit:
sie hatte
Keuschheit
gelobt - zu
erfüllen, die
auf einer
politischen
Einschätzung
beruhte.
Am Rande
Lothringens
ein Dorf
- Sommer
1425 -
ein
Mädchen,
13 Jahre
alt,
hört
Stimmen,
die sie
auffordern,
dem
König zu
Hilfe zu
eilen.
Als
gottgewollt
sieht
Jeanne
ihren
Auftrag,
den sie
mit
einer
Erscheinung
von
Michael,
dem
Erzengel,
erhält,
Frankreich
zu einen
und das
Land von
den
Engländern
zu
befreien.
Es werde
keine
Rettung
zu
geben,
außer
durch
sie.
Männerkleidung
und
Kurzhaarschnitt
werden
ihr
äußeres
Zeichen
für
Macht
und
Führerschaft.
Sie
steht
Karl
VII,
einem
Herrscher
ohne
Krone,
ohne
Geld und
ohne
Macht,
nicht in
den für
Frauen
üblichen
langen
Kleidern,
sondern
entgegen
der
Regel
wie ein
männlicher
Kämpfer
gegenüber
und
legitimiert
sich
durch
eine
Zeichen
als die
von
allen
erwartete
Jungfrau.
Karl
glaubt
Jeanne,
sie
allein
werde
Frankreich
befreien,
lässt
eine
Überprüfung
ihrer
Jungfernschaft
durchführen
-
Reinheit
und
Unversehrtheit
werden
dem
Mädchen
attestiert.
Die
Kirche
prüft
ihren
Glauben
und der
König
kann sie
nach
bestandener
Prüfung
als
'Kriegerin
Gottes'
in die
Schlacht
zu
schicken.
In
königlichem
Auftrag
wird ein
Heer für
sie
zusammengestellt,
eine
Rüstung
aus
Weißmetall
für sie
hergestellt,
18 bis
20
Kilogramm
schwer.
Sie sei
vom
König
des
Himmels,
von Gott
selbst
gesandt
und in
seinem
Auftrag
führe
sie
selber
das
Schwert
und die
Krieger
in die
Schlacht.
Hebbel nahm den
Gedanken für
seine jüdische
Jungfrau
'Judith' 40
Jahre später in
Anspruch, die
Hebräer und die
ganze Region von
einem Tyrannen
zu befreien, der
als Heerführer
des Nebukadnezar
in den Nahen
Osten
eingedrungen
war, Kleist sah
1808 seine
'Penthesilea'
als
waffentragende
Amazone in den
Trojanischen
Krieg
verstrickt.
Zwischen
'Johanna' und
'Penthesilea'
liegen nur die
Jahre von 1801
bis 1808, sie
enthielten aber
auch 'Frau
Leonore' mit der
Waffe, die vor
'Pizarro' nicht
zurückschreckt.
Wagners 'Ortrud'
trug 1845 kein
Schwert, hatte
sie aber eine
politische Waffe
‘zur Hand’, die
Intrige, die
Lüge, mit der
sie sich
durchzusetzen
bemühte, wie
schon Schillers
'Eboli', 'Terzky',
'Isabella', 'Milford'
- die 'Eglantine'
der Chesy und
die 'Orsina' wie
auch die 'Marwood'
Lessings.
'Penthesilea'
ist Kleist’s
Frau mit der
Waffe, nicht nur
sie, auch ein
Heer von
Amazonen folgt
ihr bewaffnet,
sich Männer zu
fangen, die für
den
Weiterbestand
der
Frauenvolksmacht
sorgen sollen.
Kleist griff den
Kampf der
Geschlechter in
seiner
'Penthesilea'
auf - es sind
nicht die
Griechen und die
Trojaner im
Kampf
gegeneinander,
sondern Frau
gegen Mann.
Strindberg,
Ibsen folgten
mit Texten. Die
Unterwerfung des
jeweilig anderen
ist Gebot.
Hier darf die
Frau sich nur
mit einem Mann
vereinigen, wenn
sie ihn vorher
besiegt hat.
Problematisch,
wenn Liebe ins
Spiel kommt -
und hier setzt
Kleist an.
Penthesilea
verliebt sich in
Achill - will
aber die Gesetze
des
Amazonenstaates
nicht brechen.
Sie kämpfen,
Penthesilea
glaubt nach
einer Ohnmacht,
Achill besiegt
zu haben und
heimführen zu
können, doch der
spielte nur den
Gefangenen.
Als Penthesilea
die Täuschung
aufdeckt, tötet
sie Achill,
rasend vor Wut
über die
Schmach, von
einem Mann
betrogen worden
zu sein.
Kleist sandte
das Werk in
tiefer Ehrfurcht
an Goethe.
Dieser aber auf
Maß, Gesetz und
schöpferischen
Ausgleich von
Ich und Welt
gerichtet,
musste sich
durch die
Kleist'sche
Verherrlichung
des zum
Untergang
bestimmten
Unbedingten und
Elementaren
unvermeidlich zu
Widerstand und
Ablehnung
aufgerufen
fühlen.
Zudem eine
Ungeheuerlichkeit,
dieses Thema der
bestimmenden und
im Kampf
obsiegenden Frau
in der damaligen
Zeit - weit weg
von
Emanzipationsbemühungen
- für das
Theater zu
bearbeiten und
dem Publikum des
ausgehenden 18.
Jahrhunderts zu
präsentieren.
Goethe, dem
Kleist das Stück
zusandte, lehnte
ab, da die
Penthesilea sich
in so fremder
Region beweg,
dass er sich in
diese erst
finden müsse:
Ew.
Hochwohlgebornen
bin ich
sehr
dankbar
für das
übersendete
Stück
des
Phöbus.
Die
prosaischen
Aufsätze,
wovon
mir
einige
bekannt
waren,
haben
mir viel
Vergnügen
gemacht.
Mit der
Penthesilea
kann ich
mich
noch
nicht
befreunden.
Sie ist
aus
einem so
wunderbaren
Geschlecht
und
bewegt
sich in
einer so
fremden
Region
daß ich
mir Zeit
nehmen
muß mich
in beide
zu
finden.
Auch
erlauben
Sie mir
zu sagen
(denn
wenn man
nicht
aufrichtig
sein
sollte,
so wäre
es
besser,
man
schwiege
gar),
daß es
mich
immer
betrübt
und
bekümmert,
wenn ich
junge
Männer
von
Geist
und
Talent
sehe,
die auf
ein
Theater
warten,
welches
da
kommen
soll.
Ein Jude
der auf
den
Messias,
ein
Christ
der aufs
neue
Jerusalem,
und ein
Portugiese
der auf
den Don
Sebastian
wartet,
machen
mir kein
größeres
Mißbehagen.
Vor
jedem
Brettergerüste
möchte
ich dem
wahrhaft
theatralischen
Genie
sagen:
hic
Rhodus,
hic
salta!
Auf
jedem
Jahrmarkt
getraue
ich mir,
auf
Bohlen
über
Fässer
geschichtet,
mit
Calderons
Stücken,
mutatis
mutandis,
der
gebildeten
und
ungebildeten
Masse
das
höchste
Vergnügen
zu
machen.
Verzeihen
Sie mir
mein
Geradezu:
es zeugt
von
meinem
aufrichtigen
Wohlwollen.
Dergleichen
Dinge
lassen
sich
freilich
mit
freundlichern
Tournüren
und
gefälliger
sagen.
Ich bin
jetzt
schon
zufrieden,
wenn ich
nur
etwas
vom
Herzen
habe.
Nächstens
mehr.
Weimar,
den 1.
Februar
1808
Goethe.
Kleist -
Sämtliche
Briefe -
1963 -
S. 1148
Erst 1876 wurde
'Penthesilea'
mit Clara
Ziegler in der
Titelrolle in
Berlin
uraufgeführt
und nach vier
Vorstellungen
abgesetzt.
Nun nimmt sich
wieder ein
Komponist des
Grunddramas an
und Bodo Busse
greift als neuer
Leiter der Nds.
Staatsoper
Hannover das
Werk für den
Spielplan auf.
Stephan Arndt
äußert sich in
der HAZ vom
16.3.2026 wie
folgt:.
Zitat Die Musik hat
etwas von den
Hunden, die wohl
die Attraktion
der neuen
Produktion an
der Staatsoper
Hannover sind:
sie knurrt und
zerrt an der
Leine.
Zitatende
Kommentare
"Viel
Lärm um
Kleist
an der
Hannover'schen
Staatsoper"
Zitat
Endzeitstimmung
bei
"Penthesilea" an
der Staatsoper
Hannover
Stand:
15.03.2026
12:35 Uhr
Nach Richard
Brunels
"Lohengrin" hat
an der
Staatsoper
Hannover nun die
deutsche
Erstaufführung
der
"Penthesilea"
des
französischen
Komponisten Paul
Dusapin Premiere
gefeiert.
Das
Spannungsfeld
zwischen der
Zartheit der
Liebe und der
Brutalität des
Krieges, die
Penthesilea und
Achilles
verbinden,
kündigt sich
schon in den
ersten Takten
an: Harfentöne
auf düsterem
Streichergrollen.
Links und rechts
stehen Gerüste,
die eine Flucht
bilden,
Nebelschwaden
wabern -
Endzeitstimmung.
Oben, quer durch
den Raum, führt
eine Brücke.
Darauf steht
Penthesilea -
Kriegerin und
Amazonenkönigin.
Gesungen wird
sie von der
österreichischen
Mezzosopranistin
Katrin Wundsam.
"Sie trifft auf
Achilles",
erzählt die
Sängerin. "In
dieser
Inszenierung
kennen sie sich,
seit sie Kinder
sind. Sie haben
sich ewig lang
nicht gesehen,
sie kennen sich
nicht mehr. Und
eigentlich
wollen sie sich
begegnen. Und
sie haben keine
Möglichkeit
mitbekommen,
wie sie das
machen - es geht
also richtig in
die Binsen."
Denn als Amazone
darf sich
Penthesilea nur
in einen Mann
verlieben, wenn
sie ihn vorher
auf dem
Schlachtfeld
besiegt
hat.
Haut als Symbol
für
Verletzlichkeit
Der Stoff stammt
aus der Antike,
die Vorlage ist
von Heinrich von
Kleist. 2015 hat
der renommierte
französische
Komponist Paul
Dusapin daraus
eine Oper
gemacht.
Durchgängig und
auf
beeindruckende
Weise führt sie
uns die
Brutalität des
Krieges vor
Ohren. Paul
Zoller hat dazu
ein gewaltiges,
existenziell
anmutendes
Bühnenbild
erschaffen.
Immer wieder tut
sich der Boden
auf und schluckt
vom Krieg
geschundene
Kämpfer.
Die äußerste
Schicht des
Körpers dient
als Symbol für
Verletzlichkeit,
meint Regisseur
Lorenzo Fiorini:
"Unser Gedanke
ist eigentlich,
dass die Gewalt
und der Krieg in
die Figuren
hineinkriecht
und unter der
Haut tobt. Und
diese Haut, die
man sieht, ist
eigentlich die
Haut von
Penthesilea.
Alles spielt
sich ab und die
Haut ist die
wichtigste
Schutzmembran,
die der Mensch
überhaupt hat
und gleichzeitig
ist sie ganz
empfindlich.
Ganz physisch
durch
Verletzungen
wird dieser
Schutzwall
durchbrochen und
durchstoßen."
Historische
Bandbreite der
Kostüme
Dass dies zu
allen Zeiten
passiert ist,
zeigt die
historische
Bandbreite der
Kostüme von
Sabine
Blickenstorfer.
Sie reicht von
den
kriegerischen
Amazonen,
ausgestattet mit
großen Brüsten
und antiken
Helmen bis zu
schwarz
vermummten
Scharfschützen
unserer Tage.
Die Besorgnis um
die Welt und
ihre Bestialität
habe ihn
angetrieben, die
Oper zu
schreiben, sagt
Paul Dusapin.
Seitenweise
Rhythmen auf
zwei, drei
Wörtern, die
sich ständig
wiederholen,
Gesang, der mal
geflüstert, mal
ausgeschrieen
wird, das habe
viel Zeit für
das Lernen ihrer
Stimme
erfordert,
sagt Katrin
Wundsam. Mit
Bravour meistert
das gesamte
Ensemble die
Partitur und
zieht einen in
den Bann der
verheerenden,
kriegerischen
Auseinandersetzungen.
Das Publikum
dankt es mit
langem,
begeistertem
Applaus.
Die Musik hat etwas von den Hunden, die
wohl die Attraktion der neuen Produktion an der Staatsoper
Hannover sind: sie knurrt und zerrt an der Leine.
Stephan Mettin hatte Hühner
auf der Hannover'schen Opernbühne bei seiner legendären Produktion von
'Viva la Mamma'.
Bei Taboris 'Mein Kampf' gab es in Regensburg am Theater am Haidplatz
auch Hühner, für deren Auftreten sich das Theater bei Frau Insinger
bedankte.
So ist es.
Kaum werden Tiere ins Spiel eingewoben, jubelt das Publikum und wenn die
für die Hannover'sche Oper engagierten Hunde auch nur bellen und Stoffe
zerfetzen, als zerfleischsten sie den sehr schmal bekörperten Achill.
Dieser Auftritt könnte das hier meist in schwach ausgeleuchtetem
'dämpfig Gedünst' spielende Stück elegant und mit einem Aplomb beenden,
ohne dass es mit dem Nachspiel unnötig verlängert und dem Auftritt der
drei Damen belastet wird, die unverkennbar mit den 'Golden Girls'
in Verbindung gebracht werden.
Foto; Nds. Staatsoper Hannover
Durch dieses Zerdehnen hat
das Stück Längen, gefährliche Längen. Man lasse sie weg!
Und trotz
alledem:
Eine beachtliche Leistung im Graben, auf der Bühne, in der Technik.
Wann wird man es an einem anderen Theater wiedersehen?
Denn hat es doch zehn Jahre gedauert, von der Uraufführung bis zur
deutschen Erstaufführung.
Die Deutsche Bühne
Zitat
Verdrängung auf
dem Schlachtfeld
Pascal
Dusapin:
Penthesilea
Theater:
Staatsoper
Hannover
Premiere:14.03.2026
(DE)
Vorlage:
Penthesilea
Autor(in)
der Vorlage:Heinrich
von Kleist
Regie:
Lorenzo
Fioroni
Musikalische
Leitung:
Stephan
Zilias
Komponist(in):
Pascal
Dusapin
An der
Staatsoper
Hannover
inszeniert
Lorenzo Fioroni
die Deutsche
Erstaufführung
von Pascal
Dusapins Oper
„Penthesilea“
nach Heinrich
von Kleists
Trauerspiel. Im
Aufzeigen von
Gewalt als
Generationentrauma
zeigt der
Regisseur
assoziative
Bildwelten,
Musik und
Ensemble
überzeugen.
Dass diese Oper
mit dem Wort
„Hoffnung“
endet, wirkt
nach knapp zwei
Stunden Gewalt,
Krieg und
innerer
Zerrissenheit
schon etwas
zynisch. Denn
das 2015 im
Brüsseler
Opernhaus La
Monnaie
uraufgeführte
Musiktheater
„Penthesilea“
des
französischen
Komponisten
Pascal Dusapin
hat es in sich.
Die
Amazonenkönigin
Penthesilea und
der für die
Griechen
kämpfende
Achilles
begegnen sich
auf dem
Schlachtfeld im
Trojanischen
Krieg. In der
ursprünglichen
Ilias-Erzählung
des Mythos kommt
Penthesilea,
nachdem Achilles
Hektor, den Sohn
des Trojanischen
Königs Priamos
tötet, den
Trojanern zu
Hilfe.
Schließlich
erschlägt
Achilles sie auf
dem
Schlachtfeld.
Nicht so bei
Kleist und
Dusapin: Hier
erschießt
Penthesilea
Achilles von
weitem mit einem
Pfeil und
zerfleischt ihn
mit ihren
Hunden. In dem
nach Heinrich
von Kleists
Trauerspiel
entwickelten
Libretto von
Dusapin und
Beate Haeckl
konzentriert
sich der Text
vor allem auf
die Begegnung
von Penthesilea
und Achilles.
Denn was
dahinter liegt,
ist ein
spannender
Komplex
menschlicher
Innenwelten: Die
Anziehung, die
beide
füreinander
empfinden, aber
nicht ausleben
dürfen und
können, eine
tiefe
Leidenschaft,
die zur
Zerstörung der
jeweils anderen
Person führt.
Penthesilea, die
nach dem Gesetz
der Amazonen nur
einen Partner
nehmen darf, den
sie besiegt hat,
findet sich in
einer Niederlage
wieder, in der
Achilles sie
jedoch nicht
tötet. In einer
letzten
Gegenüberstellung
verfällt sie
dann einem
gewaltsamen
Rausch und
vernichtet ihn.
Nach innen und
außen gerichtete
Gewalt
Diese Gewalt,
die sich nach
innen richtet
und ebenso
grausam die
Umwelt zerstört,
geht der
konfliktreichen
Weltlage nah und
auf der Bühne
der Staatsoper
Hannover
wortwörtlich
unter die Haut.
Gerade wenn
Penthesilea
zerrissen
zwischen ihren
Gefühlen und
ihrer Pflicht
als
Amazonen-Königin
zerbricht und
sterben will:
„Einen Schacht
graben, kalt wie
Erz“. In dieser
intimen Szene
mit ihrer
engsten
Vertrauten
Prothoe (Olga
Jelínková)
kauern beide
unter dem Boden,
der wie eine
tiefe
Fleischwunde am
vorderen
Bühnenrand
aufreißt. In
Penthesilea
scheint die
Gefühlskälte
überhandzunehmen,
eine
undurchdringliche
Schutzmauer um
ihr starres
Herz. Wie kann
sie die eigene
Liebe überhaupt
selbst richtig
verstehen? Sie
als auch
Achilles sind
von früh an wie
Kämpfer:innen
aufgezogen
worden, konnten
emotional nicht
reifen, würde
man heute sagen.
Lorenzo Fioroni,
der zuletzt
Julia Kerrs
zeitgemäße Oper
„Chronoplan“
in Mainz zur
Uraufführung
brachte, setzt
auch hier auf
assoziatives
Erzählen. Doch
so eindrucksvoll
das Bühnengerüst
(Paul
Zoller) ist,
es hemmt die
Figurenpräsenz.
Mehrstöckig ist
es rechts und
links aufgezogen
mit einer oben
angebrachten
Verbindungsbrücke,
auf der die
Hohepriesterin (Anthea
Barać) mit
Gefolgschaft auf
dieses
verfluchte
Schlachtfeld
blickt. Die
Kämpfenden
klettern aus den
Palisaden hervor
und wieder
dahinter sowie
auf die
verschiedenen
Ebenen. Mal sind
es die Amazonen,
die die Griechen
zurückdrängen,
dann wieder
umgekehrt. Zur
wirklichen
Begegnung und
Spannung
zwischen
Penthesilea und
Achilles kommt
es auf der Bühne
dann, wenn diese
aus ihrer
Bewusstlosigkeit
erwacht und sich
fälschlicherweise
im Sieg über
Achilles glaubt.
Donnernde
Kriegsvertonung
Gast-Sopranistin
Katrin Wundsam
singt eine von
Anfang an von
Kampfes- und
Fleisches-Lust
gehetzte
Penthesilea.
Olga Jelínková
als Prothoe eine
ihr gegenüber
tief verbundene
Gefährtin. Peter
Schöne zeigt
einen von
Kampfesehre und
-rausch
getriebenen
Achilles, dessen
heroisches
Selbstvertrauen
am Ende doch so
weit reicht, mit
glänzendem Helm
und Goldhose
daran zu
glauben, dass
auf Penthesilea
und ihn eine
hoffnungsvolle
Zukunft wartet.
Aus dem Graben
donnert
eindrucksvoll
unter
Stephan Zilias‘
Leitung Dusapins
Kriegsvertonung,
surren die
Pfeile und
kreischt
gänsehautbringend
laute
Verzweiflung.
Mit Tamtam,
Zymbal und Harfe
bekommt die
Szenerie auch
etwas
mystisches.
Gerade auch in
nicht
musikalisch
untermalten
Stellen lauert
stiller
Wahnsinn. Die
Amazonen
erscheinen in
weißen, leichten
Kleidern, wilden
Haaren, mit
Pfeil, Bogen und
barfuß in
exotisierter
Fremdheit
(Kostüme:
Sabine
Blickenstorfer).
Die Griechen
kommen mit roten
Sturmhauben im
moderneren
Kampf-Outfit mit
Schießwaffen mit
Laserpointer.
Eine
Kamera-Aufnahme
(Live Kamera:
Enes Akargül)
projiziert die
bedrohte
Penthesilea in
einnehmender
Nahaufnahme groß
auf die
Leinwand.
Distanz
statt emotionale
Nähe
In einem
zwischen Tee-
und
Kaffeetisch-Ambiente
aufgebauten
Boxring wartet
der Held
Achilles
schließlich auf
Penthesilea.
Doch folgt kein
Nahkampf,
sondern das
Erschießen von
Ferne. Sein
roter Umhang
wird dann von
zwei echten
Schäferhunden
auf der Bühne
zerfetzt. Und
anstatt
Penthesileas‘
Selbstmord zeigt
Fioroni
tiefgreifender
Verdrängung: Um
den Ring
versammelt sich
eine stumm
zuschauende
Gesellschaft,
die Figuren vom
Kampfgeschehen
aus der
Vergangenheit
und eine alt
gewordene
Penthesilea im
Altersheim, auf
die lang
Verdrängtes
einstürzt, als
sie sich des
Mordes an
Achilles gewahr
wird. Ein
blutüberströmter
Darsteller sowie
Einblendungen
von Kindern sind
ein Hinweis auf
Generationentrauma
und die Wunden,
die gewaltsame
Taten nach sich
ziehen. Wie ein
staubiger Geist
raunt der Chor
„Hoffnung“ über
die benebelte
Bühne.
„Penthesilea“
ist ein
inhaltlich und
ästhetisch
komplexer Stoff,
den sich Bühne
und Publikum
ruhig antun
dürfen. In
Hannover tragen
Ensemble und
Musik die
Inszenierung,
innerhalb von
drei Jahren ab
dieser Spielzeit
wird sich die
Staatsoper nun
mit Dusapin
beschäftigen, zu
dessen Opern „Romeó
et Juliette“,
„Faustus. The
Last Night“ oder
„Macbeth
Underworld“
gehören.
Zitatende
Quelle:
https://www.die-deutsche-buehne.de/kritiken/penthesilea-dusapin-kleist-fioroni-hannover/
Thema des Tages
Bemerkungen zur szenischen Umsetzung von
Turandot
Lyrisches Drama in drei Akten
Dichtung von Giuseppe Adami und Renato
Simoni
Musik von Giacomo Puccini (1813 -1883)
besuchte Veranstaltungen
an der Nds. Staatsoper Hannover -
Zwischen
1710 und 1712
erscheint in
Frankreich ein
fünfbändiges
Werk 'Les Mille
et un jours'
('1000 und ein 1
Tag'), eine
Übersetzung
orientalischer
Märchen unter
anderem das von
der grausamen
Prinzessin
Turandocte, die
Francois Petis
de la Croix
verfasste, der
lange im Orient
lebte, Dokumente
sammelte, die er
später als
Dozent auf einem
Lehrstuhl für
Arabische
Sprache des
Collège Royal de
France in
umfangreichen
Schriften
herausbrachte.
Carlo
Gozzi war ein
italienischer
Theaterdichter
des mittleren
und ausgehenden
18.
Jahrhunderts,
der in
Widerstreit zu
Goldoni geriet.
Dieser löste
seine Figuren
aus dem
Stehgreifspiel
der Commedia
dell'arte des
Carlo Gozzi
heraus und gab
ihnen
feststehende
Texte. Goldoni
wollte die
Wirklichkeit
zeigen, die
Bürger mit ihren
täglichen
Schwierigkeiten
und nicht wie
Gozzi nur die
oberen
Herrschaften
karikieren - die
Französischen
Revolution
zeichnete sich
auch bei Goldoni
ab wie in den
Stücken von
Beaumarchais mit
seinem Figaro.
Aus
dem Jahr 1762
stammt Gozzis
fünfaktige 'Turandot',
die ohne
Bühnentechnik
und Zauberspiele
wie in seinen
anderen Stücke
verwendet,
auskommt,
verzichtet aber
nicht auf die
typischen
Figuren der
italienischen
Komödie wie
Brighella,
Truffaldino,
Pantalone, denen
auch ein
ortsgebundener
Dialekt, typisch
für die Commedia
dell'Arte,
beigegeben
wurde.
Die
Ausgangsposition
ist der
grundsätzliche
Männerhass der
Turandot, wobei
sie sich eines
positiven
Gefühls schon
beim ersten
Gegenübertreten
mit dem Freier
nicht erwehren
kann.
Turandot
Doch fühl ich Abscheu vor dem männlichen Geschlecht,
So tiefen Abscheu, daß ich mich verteid'gen muß,
So wie ich kann und weiß, um immer fern zu bleiben'
Von diesem hassenswürdigen Geschlecht,
und wenig später
Turandot (verwirrt, für sich)
Hat dieser Mann allein
Die Kraft, in meinem Herzen Mitleid zu erwecken?
[...]
O quäl mich nicht ... weißt du .... ach,
schämen muss ich mich,
Es zu gestehn ... er hat in meiner Brust Gefühle,
Mir unbekannte, aufgeweckt ... bald heiß .....
bald kalt ...
Kalaf findet auf die Fragen schnell die Lösungsworte : Die Sonne, Das Jahr, Das Grab
Turandot will am nächsten Tag noch weitere drei Fragen stellen, wird aber vom Kaiser in ihre Schranken gewiesen, da das Gesetz erfüllt sei.
Nun stellt Kalaf seine Frage, er will von der Prinzessin wissen sie sein und seines Vaters Name ist.
Turandot erkennt, verloren zu haben, sie kennt nur die Rache
Das Herz in frohe Sicherheit und Ruh' zu wiegen
Und dich danach mit unerwartet jähem Schlag
Aus aller Freundlichkeit in alle Qual zu stürzen.
Doch sie hat die Namen erfahren: Kalaf und Timur, zeigt sich aber einsichtig - und gibt nach
So bitte ich den Himmel um Vergebung, daß ich
Das männliche Geschlecht bis heute so beharrlich
Gehaßt und solche Grausamkeit an ihm verübt.
Du liebes Volk der Männer - hör: ich bin euch gut,
Euch allen bin ich gut. Und weil ich reuig bin,
Sollt ihr ein Zeichen der Vergebung mir nicht weigern!
Anfänglich mit großem Erfolg gespielt, geriet Gozzi in Vergessenheit, bis die beginnende Romantik sich seiner erinnerte. Schon 1779 erschien eine deutsche Übersetzung seiner Turandot - Ferdinand Raimund übernahm für seinen 'Alpenkönig und Menschenfeind' die zauberbetonten Züge aus Gozzis Vorlagen.
Die Restauration nach dem Wiener Kongress von 1815 unterstützte diese Rückwendung zu alten Überlieferungen und Werten als Basis für Theaterstücke, da zeitgenössische Themen der Zensur zum Opfer fielen.
1802 zeigte Weimar die Turandot-Fassung Schillers, der sich auf die frühe Übersetzung von 1779 stützte.
Er sieht die Frau als veräußerbares Ding - sie soll verheiratet werden, widersetzt sich aber insoweit, als derjenige, der um sie wirbt, eine Prüfung bestehen muss. Es ist bei Schiller zumindest so, dass der Frau ein gewisses Recht auf Eigenbestimmung eingeräumt wird und nicht wie im 18. und 19. Jahrhundert - also zu seiner Zeit - die Frau in eine Ehe abgegeben wurde - Vormundschaft ging vom Vater oder Bruder auf den neuen Ehemann über - oder als alte Jungfer endete.
Kalaf löst die Rätsel, die Antworten lauten bei Schiller:
Das Jahr, Das Auge, Der Pflug.
Schillers 'Turandot' spielte das ETA Hoffmann-Theater in Bamberg mit der Premiere am 9. April 2005 in der Inszenierung von Heidi Mottl, das Staatstheater Darmstadt am 24. September 2005 in der Regie von Axel Richter - man wollte auf das Stück nicht verzichten.
Warum zögert der Mond?
Erst einhundert Jahre nach 1802 nahm sich ein deutscher 'Allrounder' des Themas an - Karl Gustav Vollmoeller, der sein 'Mirakel' mit Reinhardt als Regisseur verfilmte, der beim 'Blauen Engel' beratend mitwirkte, der als Übersetzer, Dramatiker, Coach hervortrat und nach Schiller eine eigene Fassung der 'Turandot' schrieb, die 1913 in London und 1926 in Salzburg gezeigt wurde. die begleitende Musik schrieb Furrucio Busoni, der dann das Sujet für eine eigene Oper mit eigenem Text verwendete.
Am 19. August 1966 sendete das dritte Programm der BBC eine Aufnahme von Busonis Oper 'Turandot' mit Pauline Tinsley in der Titelrolle. Alan Blyth schrieb damals: 'Pauline Tinsley was a rich-voiced heroine'.
Frau Tinsley ist später international als Strauss'sche 'Elektra' hervorgetreten und sang 1994 in der eindrucksvollen Saskia-Kuhlmann-Inszenierung die Küsterin in Janaceks 'Jenufa' am Oberpf. Metropol-Theater Regensburg. Laca war der damals gerade aufkommende Christian Frantz, der in der Willy-Decker-Inszenierung bei der damaligen Ruhrtriennale den Tristan sang.
Noch immer am Markt ist eine CD-Einspielung von Busonis 'Turandot' zusammen mit seinem 'Arlecchino', die 1993 bei Virgin Virgin Classics herauskam - Opéra de Lyon - Dirigent Kent Nagano - mit Gabriele Sima und Falk Struckmann.
Die Titelrolle sang die Gattin des seinerzeitigen Regensburger Theaterdirektors, Mechthild Gessendorf.
Ernst Theo Richter (Arlecchino*)
Thomas Mohr (del Sarto*)
Wolfgang Holzmair (Cospicuo*, Tartagilia)
Stefan Dahlberg (Leandro*, Kalaf)
Mechthild Gessendorf (Turandot) Franz-Joseph Selig (Altoum), and others
Orchestra & Chorus of l'Opéra de Lyon/Kent Nagano
Virgin Classics 7593132 2CDs
Fern in Honan steht mein Haus
Das Thema 'Turandot' beschäftigte auch Wolfgang Hildesheimer, der ein Hörspiel schrieb, das am 29. Januar 1954 und am 28. Juli 1955 vom Nordwestdeutschen Rundfunk Hamburg und ein Jahr später am 10. Oktober 1954 wie auch am 23. März 1955 vom Süddeutschen Rundfunk gesendet wurde.
Im Hamburg führte Gert Westphal Regie, die Musik stammte von Johannes Aschenbrenner, in Stuttgart inszenierte Otto Kurth, die Musik komponierte Rolf Unkel.
Hildesheimer verwendet die Titelfigur sowie deren Vater, setzt zwei Sklavinnen und zwei Prinzen - einen echten einen falschen Prinzen von Astrachan und einen Kanzler hinzu.
Turandot gibt hier keine Rätsel auf, sondern verwickelt die Bewerber in Gespräche - sie siegte bisher - 19 tote Freier sind die Folge.
Der falsche Prinz - ein Abenteuer - hier unterliegt sie im Dialog, geht auf das Volk zu und mischt sich mit ihm unter die Menschen.
Wohlan du todestrunkener Fremdling!
Im Sommer 1953 schrieb Bertold Brecht an einem Drama unter dem Titel: 'Turandot oder Der Kongress der Weißwäscher'.
In seinem Arbeitsjournal verzeichnet er am 20. 8.53:
buckow. TURANDOT. daneben die BUCKOWER ELEGIEN. der 17.juni hat die ganze existenz verfremdet.
am 12.9.53 'erkältet allein zurück in buckow, da weißenseer haus halbleer und unheizbar, gehe TURANDOT durch, skizziere chronik für courageaufführung kopenhagen'
und tags drauf , am 13.9.53 'wenn ich mir TURANDOT jetzt ansehe - sie steht recht außerhalb der deutschen literatur und wirkt, wie alleinstehende personen oft, unsolide. wäre ich im ganzen ein komödienschreiber, was ich beinahe bin, aber eben nur beinahe, dann stünde um solch ein Werk wenigstens die verwandtschaft, und der clan könnte sich behaupten.
mit der 'botschaft' deswerks steht es auch nicht einfach, es ist ein wenig wie mit dem GEIZIGEN molières in dieser hinsicht, er verspottet den geiz zu einer zeit, wo das bürgertum das geld produktiv zu nutzen versteht, neuerdings. [...]'
Brecht bringt die Geschichte der 'Turandot' in Verbindung zu den Vorgängen in der Weimarer Republik, die letztlich die Machtergreifung Hitlers ermöglichten.
Dass er sich einmal mit 'Turandot' befassen würde, hatte er sich bereits in den 30-er Jahren vorgenommen.
Er wollte nach der Vorlage des Gozzi-Stückes eine Fassung schreiben, in der Carola Neher die Titelrolle übernehmen sollte, nachdem 1922 eine 'Turandot'-Produktion von Jewgeni Wachtangowa großes Aufsehen erregte.
Bei Brecht bleibt allerdings von der Gozzi-Vorlage und dem Märchen aus 1001 Nacht nicht mehr viel übrig. Erstellt eine Hitler-Figur - eine Mischung aus Mackie Messer und Arturo Ui - im Stück heraus, die vom Kaiser zum Kanzler ernannt wird.
Die Ähnlichkeit mit Hitler und Hindenburg ist unverkennbar.
In diesem Schlosse, vor vielen tausend Jahren
Wie sehr die 'Turandot' die literarische und musikalische Welt interessierte, zeigt auch die Beschäftigung von Ferdinand Heinrich Thieriot mit seiner Ouvertüre zu Friedrich Schillers 'Turandot' op. 43 wie auch der Schauspielmusik zu Schillers 'Turandot' von Carl Maria von Weber oder die Oper von Kii-Ming Lo 'Turandot auf der Opernbühne' sowie ein Singspiel in zwei Akten von Franz Danzi von 1816.
Puccini meinte, aus Charles Dickens' Roman 'Oliver Twist' die Fanny bearbeiten zu sollen, deren Dramatisierung von Herbert Beerbohm-Tree er in London 1919 in London gesehen hatte. Adami und Simoni begannen mit der Arbeit, aber Puccini gefiel nicht, was die beiden ablieferten.
Man dachte an 'Cagliostro' - Lortzing hatte sich schon dafür interessiert.
Giovacchino Forzano, dessen Schauspiel 'Chrstopher Sly' gerade uraufgeführt wurde, bedrängte Puccini, sein Werk zu vertonen - Puccini wollte nicht, dafür komponierte Ermanno Wolf-Ferrari die Oper, die dann später unter dem Titel 'Sly' - oder der wiedererweckte Schläfer' 1927 in Mailand zum ersten Mal herauskam.
Wie sehr der eine auf den anderen wirkte, lässt sich auch daran feststellen, dass Puccini Vollmoellers 'Turandot' von 1911 kennen lernte und sich von dem Werk inspirieren ließ.
Er kam 1920 mit Adami und Simoni zusammen und man besprach die weitere Vorgehensweise - Puccini studierte in Verbindung mit der Vorlage
fern-östliche Musik, was für ihn schon im Zusammenhang mit der 'Butterfly' ergeben hatte.
Gegenüber der Vorlage Gozzis werden bei Puccini die Commedia Dell'Arte-Figuren eliminiert und durch die Minister Ping, Pang und Pong ersetzt.
Aber es gab auch schon die Oper 'Turanda', von Puccinis Lehrer Arturo Bazzini verfasst, die aber wenig Erfolg hatte.
Puccini störte weder Carl Maria von Weber, noch Busoni, noch Bazzini - er hatte Gefallen gefunden an der sich ergebenden Läuterung der Titelheldin und am Opfertod der der Liu - einer Figur, die ganz in das Schema Puccinis wie Mimi und Butterfly passte.
Er hielt sich an Schiller, der ihm ja als Stoffgeber bei Verdi bekannt war.
Import aus SCN
War doch erst
kürzlich im westlichsten
Bundesland das Stück zu sehen.
Also wusste man, was man, wie es
in Hannover auf die Bühne zu
bringen sei.
Zitat
»Turandot« ist nicht nur Puccinis letzte Oper,
sondern blieb durch den Tod des Komponi-sten
unvollendet. Mit Puccinis Ringen um die Moral
der Geschichte kristallisierte sich die
Kernfrage von »Turandot« heraus: Denn welches
Ende verdient die vermeintlich eiskalte,
männermordende Herrscherin? In Saarbrücken
erklingt das nachkomponierte Finale von Lucia-no
Berio, das Puccinis Entwürfe mit einer
zeitgenössischen Musiksprache mischt.
Zitatende
Quelle: Saarländisches
Staatstheater
Und Manuel Brug äußerte
sich in der Tageszeitung 'Die Welt' zur
Vervollständigung der Oper durch Luciano Berio
folgendermaßen, Hier ein Auszug:
Zitat
Drei Opernschlüsse, ein Todesfall: Luciano Berio
vollendet "Turandot"
Von Manuel Brug - Veröffentlicht am 03.06.2002
Fast 80 Jahre Operngeschichte, vielleicht ein
Irrweg
"Hier endet die Oper, hier ist der Meister
gestorben." Sprach Toscanini, legte den
Taktstock beiseite. So die Mär, als 1926 die
letzte Oper des seit eineinhalb Jahren toten
Giacomo Puccini uraufgeführt wurde. So wie bei
anderen Fragmenten, bei Mozarts Requiem,
Offenbachs "Hoffmanns Erzählungen", Mahlers 10.
Sinfonie, Bergs "Lulu", begann nach dem Ableben
spätestens der Komponisten-Witwe das Gerangel um
nachgelassene Skizzen. Die Musikgeschichte mag
den Torso nicht (selbst Schuberts "Unvollendete"
wurde komplettiert):
Nur ein ganzes Werk ist ein gutes - mit dem sich
Geld verdienen lässt.
Nicht nur die Frauenbewegung hat um den
chinesischen Besen einen Bogen gemacht, schon
Puccini biss sich die Zähne aus an der
eisumgürteten Prinzessin Turandot, die wegen der
Vergewaltigung einer Ahnin Brautwerber einen
Kopf kürzt, wenn sie drei Rätsel nicht lösen.
Als sich Sklavin Liù aus Liebe zum Prinzen Kalaf
umbringt, ist die royale Männerhasserin
durch die Kraft amouröser Aufopferung besiegt -
und wandelt sich zur fernöstlichen Isolde.
So will es die Parabel. Woran der Komponist
nicht glaubte. Liebesduett und Finale waren auf
30 Blättern nur angedacht; deshalb war nach Liùs
Tod ("poesia" haucht es dem letzten von Puccinis
süßen Mädels hinterher) bei der Premiere
Schluss.
Dabei hatte Toscanini ein Ende in der Tasche. Er
und Verleger Ricordi hatten es beim willfährigen
Franco Alfano bestellt, Puccinis Sohn wollte den
bekannteren Ricardo Zandonai. Dieses Finale, ein
paar Tage später gegeben, war bereits von
Toscanini von 370 auf 270
Takte gekürzt worden. Erst 1928 erschien es
gedruckt, die vor der Premiere vergebenen
Aufführungen (in Dresden mit Tauber) verwendeten
die ursprüngliche Langfassung, von der
eine Platte mit Lotte Lehmann rudimentär Zeugnis
ablegt. Seither blieben die 100 Takte bei
Ricordi im Mailänder Giftschrank, "Turandot"
aber avancierte als Schwanengesang der
italienischen Oper zum Schlager. Nur Kenner
mokierten sich über die schnelle Verwandlung
der im Liebesrausch losplärrenden Kaisertochter;
mit Gatten vom Chor vulgär bejubelt. Daran
änderte sich nichts, als der Ur-Schluss
gefunden, in den achtziger Jahren konzertant und
szenisch in Bonn gegeben sowie aufgenommen
wurde.
[...]
Berio lässt vielschichtig vertraute
Puccini-Partikel aufscheinen. Noch einmal hebt
Turandot
das Messer, der "Tristan"-Akkord tönt, Anklänge
an Mahler und Schönberg, ein Walzer. Zwei
Menschen schreiten in ungewisse Zukunft. Fast 80
Jahre Operngeschichte, vielleicht ein Irr-
weg, in denen dem Kanon nur zwei Handvoll Werke
hinzugefügt wurden, vermag freilich auch ein bei
Puccini anknüpfender Berio nicht auszulöschen.
Zitatende
Quelle:
https://www.welt.de/print-welt/article392319/Drei-Opernschluesse-ein-Todesfall-Luciano-Berio-vollendet-Turandot.html
Turandot - Nds. Staatsoper Hannover - Besuchte
Vorstellung am 3. Mai 2026
Höre, o Volk von Peking!
Die Satzung lautet:
Turandot, die Reine, eh’licht
den Mann von königlichem Blute,
der die drei Rätsel löst,
die sie ihm aufgibt.
Wer diese Probe sucht
und nicht besteht,
der soll fallen von der Hand
des Henkers!
Willkür gab es aus politischen Gründen seit je
her in allen Ländern der Welt, siehe das heutige
China. Hier wurden im Jahr 2024 mehrere Tausend
Menschen hingerichtet; eine genaue Zahl konnte
jedoch nicht ermittelt werden. Damit war China
das Land mit den meisten Exekutionen.
Hier aber wird in diesem Stück beschrieben, wie
„vor vielen tausend Jahren“ eine Vergewaltigung
in China stattfand, die nun zu Lebzeiten der
Turandot gerächt wird.
Die Prinzessin verabscheut Männer, sie sollen
büßen für die Untat, die ihrer Ahnin angetan
wurde.
Für eine Ehe steht sie nur dem zur Verfügung,
der ihre Rätsel löst. Keiner konnte ihr bisher
nahetreten, da alle im Rätselspiel versagten.
Die Hinrichtung war allen sicher.
‘Bald aber naht ein Bote,‘ Calaf heißen sie ihn,
der ihr eine Macht näherbringt, die sie noch
nicht kennengelernt hat.
Am Beispiel Liù ‘s, der Fluchtgefährtin ihres
Vaters Timur, erfährt Turandot, was Liebe
ermöglicht, denn da geht eine junge Frau in den
Tod, um den Geliebten und dessen Geheimnis,
seinen Namen, nicht zu verraten.
Puccini - im Gegensatz zu seinem
Komponisten-Kollegen Verdi - ein weitgehend
unpolitischer Mensch, gibt in seiner ‘Turandot‘
dem Chor die Möglichkeit das gesellschaftliche
Leben in China mit seinen Auswüchsen auf der
Bühne zur Schau zu bringen.
Demgegenüber ‘Tosca‘, ‘Manon‘; ‘Boheme‘, in
denen der Chor nur Masse, nur Untermalung ohne
Farbe ist, darf er in der ‘Turandot‘ politische
Gesinnung aufzeigen, zu der die Menge von den
Herrschenden – Mandarin, Minister -
aufgestachelt und so manipuliert wurde:
DIE MENGE
Recht so! Er sterbe!
Lasst den Henker uns rufen geh’n!
[…]
Ohne Säumen soll er sterben durch den Henker!
Seht die Knechte des Henkers!
Er sterbe, er sterbe!
[…]
Schleifet das Messer! Schleifet!
[…]
DIE MINISTER Kopf ab! Kopf ab!
[…] Der Mandarin
Der junge Prinz von Persien
der konnte die Rätsel nicht raten
drum soll er ohne Gnaden
bei Mondesaufgang sterben Was hat die Menge mit
den Einzelschicksalen der Bewerber um die
Prinzessin Turandot zu tun?
Oder hatte Puccini eine grölende Menge im Ohr,
die 1920 anlässlich des Marschs auf Rom, ihr
wildes: “Duce! Duce!“ ertönen ließ, eines der
wenigen Male, dass der Komponist zu Lebzeiten in
politische Auseinandersetzung gezwungen wurde
und dies in sein letztes Werk übernahm?
War hier Neuenfels Bildgeber, der ja in BT den
Lohengrin-Chor in Rattenkostümen auftreten ließ?
Auf diesem Foto
der Nds. Staatsoper Hannover - links - die
Liù
im Gespräch mit der vor Gram erblondeten und
geschmackvoll frisierten Prinzessin Turandot -
rechts - in einem sehr kleidsamen Kostüm, das
wohl die S#ngerin möglichst geschickt
herausstellen soll.
Wie kann ein Theater seine Darsteller –
hier speziell die Tochter des Kaisers von
China
Zitat
In märchenhafter Zeit. Am Kaiserhof in Peking
Prinzessin Turandot
Zitatende – Quelle Staatsoper Hannover‘so seltsam z’amrichten‘?
Den Begriff ‘verheutigen‘ anzusetzen, ist hier
wenig ratsam, da in China doch auch heute noch
viele Chinesen ansässig sind und das
europäisch-amerikanische Gesicht sich nach der
von den Chinesen befürchteten westlichen
Invasion sich hier noch wenig durchsetzen konnte.
Im Hintergrund die Menge in schwarzen
Einheitskostümen ohne den für HAJ typischen
Micky Maus - Haarreif mit Ohren. Ansonsten viel
Sperrmüll, wie in Messi-Wohnungen häufig
anzutreffen. Links am Boden eine verhärmte
Figur, die dem Stück kaum zuzuordnen ist.
Wie kommt also die Dramaturgie der Nds.
Staatsoper Hannover darauf, dem Publikum
suggerieren zu wollen, das Stück spiele in
China, in Peking, wenn nichts als europäische
Gesichter und Kledage von der Stange gezeigt
werden.
In FRA lässt Andrea Breth als Regisseurin Damen
und Herren des Chores in gesitteter Adjustierung
nach dem Dresscode der Parteiführung –
allerdings alle mit europäischen Gesichtszügen -
vor das Publikum treten, wobei die Turandot im
Vordergrund eine der heutzutage in Peking
typischen Körperhaltungen vorführt.
Sie wehrt ab!
Man beachte die von der Dame in Weiß
heruntergezogenen Mundwinkel, die einem heutigen
SPD-Politiker nicht unähnlich sind, aber
immerhin im Ansatz eine chinesische Mine
aufsetzt, um dem Publikum nahezubringen, dass
man sich im ‘Land des Lächelns‘ aufhalte. Der
Chor dagegen in seinem AG-Hauptversammlung
typischen outfit des ‘kleinen Schwarzen‘ weit
weg von China, Frau Breth!
Der Chor als Masse. Puccinis ‘Turandot‘ damit
eine musikalisches Volksdrama wie der ‘Boris‘
von Mussorgski. Mit Polenakt!
Screenshot /
Foto: Städtische
Bühnen Frankfurt
am Main
Hannover: Turandots Kleiderkammer bei der
Enthauptung des jungen Prinzen von Persien?
Hannover: Die Minister, in typischer
chinesischer Körperhaltung beim politischen Weg
nach oben?
Hannover: Das Volk von Peking ohne MMM (Micky-Maus-Masken)
mit Flugblättern vor Turandot. Diese im
Ausgehanzug nach neuester chinesischer Mode mit
blondsträhniger Haartracht?
Hannover: Schlussszene:
Die blond-langhaarige‘ Turandot - wohl nach
leider missglückter Ondulation - mit westlichen
Gesichtszügen neben ihrem Liebhaber Calaf an
einem Seziertisch in der Pathologie mit einem
Leichnam, wohl dem der
Liù?
(Fotos: Wenn nicht anders angegeben oder nicht
lesbar von Frau Stöß - Nds. Staatsoper Hannover)
Während Hannover und Frankfurt sich in der
Stückbeschreibung an das Grundkonzept – mit
Hinweis auf Ort und Zeit - anlehnen und Bezüge
im Text zu Peking herstellen – ohne dies
allerdings in der Bühnenausstattung fortzuführen
– lehnt sich Berlin nicht an die Vorgaben an,
sondern neutralisiert den Text, so dass eine
Verbindung zur Ausstattung – hier Bühne, Maske
und Kostüm – hergestellt werden kann.
Nach der Vorgabe der Dramaturgie wird in
Hannover Puccinis Turandot in der Bearbeitung
von Berio gespielt, der im Auftrag von Ricordi
eine neue Fassung des Schlussakts herstellte,
die 2002 in Los Angeles zur Uraufführung kam.
Manuel Brug meinte in seinen Bemerkungen, dass
es wenig ratsam sei, diese Fassung zu
übernehmen.
Recht hat er.
Es stellt sich allerdings die grundsätzliche
Frage, warum Bodo Busse diesen Schluss wählt,
nimmt er sich doch das theatralische und somit
äußerst effektvolle Finale des Werkes in der
Alfano-Fassung.
So aber verkleckert alles, zumal der Schluss
szenisch in HAJ auch wenig hergibt, wenn man
Turandot und Calaf auf je einem Stühlchen neben
einer Leiche auf einem Seziertisch sitzen sieht.
E‘ wurscht! Passt scho!
Das galt ja schon bei der Saarbrücker ‘Walküre‘,
beim Hannover’schen ‘Lohengrin‘ und beim
‘Giovanni‘. Das einzig Eigene, alles andere in
der Spielzeit 2025/2026 stammt ja von der
Vorgängerin.
Warum gibt man den Darstellern in der
‘Turandot‘ nicht wenigstens eine angedeutete
Gesichts-Maske mit chinesischen Zügen?
Warum spielt die Turandot mit einem –
wohl eigenen – blonden, hüftlangen Pferdeschwanz
die kaiserliche chinesische Tochter?
Warum ist Calaf einen halben Kopf kleiner
als Turandot?
Warum muss der ‘niedliche‘ Masaru
Kumakura mit dem Staatsorchester so unkollegial
voll auf Dröhn machen, wenn doch klar ist, dass
der Calaf Schwächen im Durchsetzungsvermögen
seiner Partie aufweist und zeitweilig nicht zu
hören ist?
Warum kommt er als ein akustisches und
optisches Merkmal des Stückes nur zaghaft vor:
Der Gong?
Typisch: Hauptsache, es findet statt.
Welchen Eindruck es hinterlässt, ist doch egal!
Betroffen sind doch bloß Niedersachsen oder
vorher die Saarländer.
Presseschau
Zitat
Youtube
Der Wiener Dirigent und Pianist Karl
Sollak ist seit seiner Jugend
begeisterter Opernbesucher.
Was er allerdings heute auf den Bühnen
zu sehen bekommt, hält er für
Etikettenschwindel.
Viel zu oft würden Regisseure in den
Inszenierungen ihre Neurosen abarbeiten
und Sänger zu Absurditäten nötigen.
Das Business sei in vieler Hinsicht
vernuttet.
Zitatende
Quelle:
https://www.youtube.com/watch?v=ewPZfozdvuQ
Zitat
Intendantenwechsel
Umbruch am Staatstheater Braunschweig:
So manche Ensemblemitglieder müssen
gehen
Update vom 29.03.2026
Braunschweig.
Der Intendanzwechsel bedeutet für eine
Reihe von Bühnenkünstlern den Abschied –
ohne nähere Begründung. Betroffene
schildern das Drama hinter den Kulissen.
Zitatende
Der gebürtige Sizilianer übernimmt ab
der Saison 2026/2027 die künstlerische
Leitung an der Staatsoper Hannover.
Der international tätige Dirigent hat
Mittwoch seinen Vertrag in der
Landeshauptstadt unterzeichnet. Er tritt
damit eine zentrale Position in der
niedersächsischen Kulturlandschaft an.
Sein Vorgänger Stephan Zilias wechselt
als neuer Musikdirektor an die Opera
Ballet Vlaanderen im belgischen Gent und
Antwerpen.
Orchester soll eines der besten werden
Angelico kündigte an, aus dem
Staatsorchester Hannover eines der
besten in Deutschland machen zu wollen.
Das Potenzial dafür sei da, sagte er.
Das Ziel wolle er vor allem durch eines
erreichen. "Dass das Orchester auf mich
hört und dass das Orchester auf das
Orchester selbst hört. Dann entsteht
diese Kommunikation des Hörens, die für
die Musik entscheidend ist", erläuterte
Angelico.
Nach 23 Jahren bei den Nürnberger
Symphonikern muss Intendant Lucius
Hemmer gehen. Hinter den Kulissen hat es
gewaltig gekracht. Nun steht das
Orchester mitten im Jubiläumsjahr vor
einem heiklen Neuanfang.
Am Donnerstagnachmittag wurde Lucius
Hemmer nach 23 Jahren von seinen
Aufgaben als Intendant der Nürnberger
Symphoniker freigestellt. Die Nachricht
verbreitete sich in Nürnberg wie ein
Lauffeuer. Es kursiert der
Begriff "fristlose Entlassung". Das
stimmt aber nicht ganz: Lucius Hemmer
hat ein Vertragsauflösungsangebot
erhalten, mit einer Bedenkzeit bis
Montag.
Anschließend wurde er direkt außer Haus
der Symphoniker geleitet, ohne weitere
Kontaktmöglichkeit zu Orchester und
Angestellten. Hemmer hat sich dazu
entschieden, diesen Schritt gleich
öffentlich zu machen. Erst bei
Nichtannahme der angebotenen
Vertragsauflösung greift dann
tatsächlich eine fristlose Kündigung.
Quelle: ORF 2, Sendung "kulturMONTAG"
vom 30. März 2026 Psychotherapeutin
Christine Bauer-Jelinek erklärte im
ORF-Studiogespräch, warum
Kulturinstitutionen besonders anfällig
für Machtmissbrauch sind. Indessen
erläuterte sie, dass solche Häuser
weiterhin streng hierarchisch
funktionieren würden, oft mit großer
Entscheidungsgewalt in einer einzigen
Führungsperson.
Kurz kommentiert
Bemerkungen zur szenischen Umsetzung von
‘Die tote Stadt‘
an der
Nds. Staatsoper Hannover
Hinweis der Nds.
Staatsoper
Hannover GmbH
Zitat
Die tote Stadt
Oper von
Erich
Wolfgang
Korngold
Libretto von
Paul Schott
nach Georges
Rodenbach
„Wie weit soll
unsre Trauer
gehn, wie weit
darf sie es, ohn’
uns zu
entwurzeln?“
Paul
Nach dem Tod
seiner Frau
Marie lebt Paul
zurückgezogen
und isoliert in
seiner Wohnung.
Nur zu seinem
Freund Frank und
zu Brigitta, die
ihm den Haushalt
organisiert, hat
er noch Kontakt.
Doch als Paul
auf der Straße
die Tänzerin
Marietta
kennenlernt, die
Marie
verblüffend
ähnlich sieht,
nimmt sein von
Trauer geprägtes
Leben eine
Wendung: Während
Paul versucht,
Marietta mehr
und mehr an
seine
verstorbene Frau
anzugleichen,
wird der innere
Konflikt
zwischen
Realität und
Wunschbild immer
raumeinnehmender.
Marietta spielt
das Spiel
zunächst mit,
lässt sich aber
in ihrer
Eigenständigkeit
und Freiheit
nicht
beschränken.
Mit Die tote
Stadt schuf
Erich Wolfgang
Korngold 1920
mit gerade
einmal 23 Jahren
ein kluges Spiel
der
Trauerbewältigung
aus Traum und
Wirklichkeit.
Während sich die
erzählerischen
Ebenen
untrennbar
vermischen,
entwickelte
Korngold dazu
eine fein
ausgeklügelte
Partitur, die
„Traumarbeit“
zum
musikalischen
Prinzip erklärt.
Seine
überwältigende,
farbenreiche
Instrumentation
macht die
Geschichte um
Paul und
Marietta zum
sinfonischen
Trip einer
folgenreichen
Begegnung.
Die Regisseurin
Ilaria Lanzino
richtet mit Die
tote Stadt den
Blick auf ein
Reich jenseits
der Schwelle –
ein post-mortem
Abstieg in die
Welt einer Frau,
die sich das
Leben nahm. Nach
dem plötzlichen
Verlust bleiben
bei den
Zurückgebliebenen
Fragen, die sie
nicht loslassen.
Im Zentrum steht
Paul, dessen
Suche ihn in die
Tiefen einer
ungreifbaren
Wahrheit führt:
Wer war die Frau
an seiner Seite
– und was blieb
ihm zu Lebzeiten
an ihr
verborgen?
Zwischen
Erinnerung und
Halluzination,
Sehnsucht und
Trugbild
entfaltet sich
ein
vielschichtiges
Kammerspiel über
Verlust,
rätselhafte Nähe
und die
Unmöglichkeit,
den anderen je
vollständig zu
kennen.
Zitat
‘Wenn Trauer zur Obsession wird: Korngolds "Die
tote Stadt" in Hannover
Das Werk ist zum ersten Mal an der Staatsoper
Hannover zu erleben. Am Sonnabend war Premiere.‘
Zitatende
So notierte am 11.5.2026 der NDR. Darüber hinaus
gab er einen Abriss des Stückes.
Aber kein Wort zum eigenen Tonmeister. Der hat
aber alles Lob verdient. Denn der NDR übertrug
für sich selbst aus der Nds. Staatsoper Hannover
auch für den Deutschlandfunk die Premiere von
Korngolds Oper und der Tontechnik gelang das,
was der Staatsoper nicht möglich war, nämlich
einen ausgeglichenen Klang zu Gehör zu bringen.
Im Haus am Opernplatz– wie fast immer – die
Solisten vom Orchester zugedeckt, kaum zu hören
- wie eben bei der ‘Turandot‘- besonders der
Tenor. Auch hier, eine sauschwere Partie in
ihrer hohen Lage, der Sänger gerade da kaum zu
vernehmen, weil der Dirigent Rücksicht auf
seinen Apparat, von dem er abhängig ist, das
Orchester, nimmt. Es sind seine Leute, die gerne
laut und vernehmlich aufspielen.
Auch Stefan Arndt fällt das in der HAZ auf.
Dagegen im Radio eine Sendung mit musikalisch
allen Facetten, die Sänger alle ausgewogen in
ihrer Stimmgebung, das aber eben per Mikroport,
eingebettet in den Orchesterklang, den
Gesamteindruck bestätigend.
Für die szenische Umsetzung sollte man in der
Psychoanalyse bewandert sein. Freud ließ grüßen
– er winkte z.B. mit seiner Traumdeutung. Man
konnte ihm allerdings und den anderen Meistern
der Psychoanalyse durch die Menge der
Fingerzeige durch die Regie, kaum folgen.
So ergeben sich für das Publikum Fragen, die
unaufgeklärt bleiben.
Zum Beispiel:
- Was rennt der Tenor vor Beginn, nach Einlass,
fortwährend von links nach rechts und zurück
über die Bühne, versucht links eine Kommode zu
öffnen, kramt rechts unter einer Liege Papier
oder Sonstiges hervor?
- Was soll die Frau mit dem Kind am Schoß als
‘Stumme Jule‘ vor Beginn der musikalischen
Darbietung?
- Warum umhalst das Kind den Tenor, der rechts
auf dem Bühnenboden sitzt?
- Warum werden zusätzlich Figuren eingefügt, die
nur verwirren und den Fortgang der eigentlichen
Handlung aufhalten?
- Warum wirft der Tenor die roten Blumen auf den
Boden und warum hebt die von links aufgetretene
Dame den Blumenstrauß auf und wirft ihn dann im
hohen Bogen nach rechts in die Gasse. (Hat sie
den Strauß als Requisit aus dem ‘Rosenkavalier‘
erkannt?)
- Und warum wird hierfür das Licht eingezogen?
- Warum z.B. brennt der links auf der Bühne
positioniere Flügel unmittelbar nach dem „Glück,
das mir verblieb“ und warum gehen anschließend
die Pappeln in der Projektion von Alleebäumen am
Rande der Chaussee in Flammen auf?
… und so weiter.
Es war höchste Zeit ‘Die tote Stadt‘ in Hannover
als ‘Niedersächsische Erstaufführung‘ – wie 2016
nach mehr als hundert Jahren die
‘Niederbayerische Erstaufführung‘ des ‘Tristan‘
in Landshut und Straubing - zu zeigen, wenn man
auf der anderen Seite nur 10 Jahre brauchte, um
die ‘Penthesilea‘ von
Pascal Dusapin hier aufzuführen.
Abendfüllend die Radioübertragung durch den NDR,
szenisch das Ganze ausgesprochen
gewöhnungsbedürftig und daher wenig
publikumswirksam.
Wenn in der Jugend die Frage nach dem künftigen
Beruf der Sprösslinge aktuell wird, ist der
Werdegang geräuschlos, wenn Tochter oder Sohn in
die Fußstapfen der Eltern treten. So bei der
gleichen Familientradition, sei es in der
Fabrik, dem Hof oder dem Geschäft. Die Lehre in
einem soliden Berufszweig als Elektriker,
Maurer, Dachdecker. Anstreicher lassen Eltern
beruhigt in die Zukunft schauen. Auch Heilberufe
und Beschäftigung in Sparkasse, Bank oder bei
einer Behörde, bieten sich an.
Aber, welch Entsetzen, wenn das Kind in einer
Schulaufführung ein herausragendes
darstellerisches Talent zeigt oder bei
Chorkonzerten seine Soli so klangvoll singt,
dass das Publikum jubelt.
Nach dem. Schulabschluss sucht dann der junge
Sängerdarsteller nach einer geeigneten
Hochschule, in der einige Jahre Stimme und
Bühnenpräsenz zur Geltung gebracht werden. Das
ortsnahe Theater braucht manchmal zum Beispiel
‘Jugendliche Edelknaben‘. Man singt vor. So war
es damals. In Essen erbat das Theater von der
Folkwang Hochschule ein Quartett für das “Macht
Platz für Elsa, unsre Frau!“ im 2. Akt.
Lohengrin. Das Vorsingen gelang,
Hurra, das erste Engagement.
Nach diesem folgte das zweite bei Dr. Ljubomir
Romansky. Und als drittes kam der Cherubin in
Oberhausen. Mit vielen genauestens studierten
Partien – z.B. einem perfekten Oktavian ging es
nach Wiesbaden ans Staatstheater und nach
München an die Bayerische Staatsoper, Die
weltweit besten Sänger wie Hotter, Wunderlich.
Prey, Tipton, Stratas, Köth, Varnay, Mödl waren
Kollegen und wir waren dabei auch noch ein
richtig fröhlicher Verein.
Alex Steinbacher korrepetierte. Unter anderem:
‘Arabella‘. Seine Frau bekam ein Töchterchen
Heute die bedeutende Geigerin Arabella
Steinbacher.
Vom Heldentenor zum Tenor-Buffo bis zum tiefen,
seriösen Bass, vom Koloratursopran bis zum
tiefen Alt beinhaltet ein gut abgestimmtes
Ensemble unterschiedliche Menschentypen, auf die
man sich einzustellen hat. Das ist
Menschenführung par excellence, ein
entsprechendes Studium der Psychologie erscheint
blass dagegen.
Die Gestaltung der unterschiedlichen Rollen: Der
pubertierende Cherubin, der jung-männliche
Octavian, die herrische, tief-enttäuschte
Amneris, die weise Fricka und viele Figuren
haben Einblicke in ihr Seelenleben vermittelt
und haben mich im Geiste des Autors sterben oder
siegen lassen!
Deshalb weg mit dem selbstbesessenen
Regietheater. Die Werke allein sind wichtig!
ML Gilles
Kalenderblatt
Peter Zadek -
vor hundert Jahren - am 19. Mai
1926 - geboren
Kurt Hübner war sein Promotor -
er holte den gerade aus der
Emigration nach Deutschland
zurückgekehrten Jungregisseur
nach Ulm und nahm ihn mit nach
Bremen.
Intendanzen übernahm Zadek in
Bochum und in Hamburg wie auch
Berlin.
Die 60-er Jahre im Bremer
Theater am Goetheplatz waren mit
Wilfried Minks als Regisseur und
Bühnenbildner und Peter Stein
wie mit den DarstellerInnen
Edith Clever, Jutta Lampe, Bruno
Ganz herausragend.
Der Beginn der Zeiten des
Amusements hatte begonnen.
Peter Zadek orientierte sich -
von England kommend - am
angloamerikanischen
Unterhaltungstheater.
'Die Räuber' kamen 1966 in
Zadeks Regie in Bremen heraus -
Edith Clever war Amalia, Bruno
Ganz Franz Moor - es ging dem
Regisseur darum, das
Standard-Klassikerpublikum zu
provozieren.
Er stellte ‘Die Räuber‘ vor
einen Rundhorizont mit einer
Comic-Collage und ließ sie in
Horrorfilm- und Western-Kostümen
auftreten.
Er meinte, auch bei Schiller
seien die Personen nicht der
Realität entnommen, sondern sie
wären Kolosse der damaligen Zeit
und nur so dem Publikum des 18.
Jahrhunderts näher zu bringen
gewesen.
Die Übertragung von
Regieanweisungen unter Benutzung
des Repertoires der Schauerfilme
der 60-er Jahre betonte das
Grelle, die Exaltation von
Schillers Jugendwerk, das nicht
der Realität entspreche - die
Orte, die Figuren nur Träger von
Ideen.
Höchst problematisch, die da
beginnende Tendenz der
Verschiebung des Tragischen ins
Komödiantische - um des Gags
willen wie jetzt beschrieben an
Ostermeiers Schaubühne
Kritik_'Kabale_und_Liebe_-_Schaubuehne_Berlin_01.11.09.htm
und am DT
in Berlin
wie dann auch bei Peymann - von
ihm selber auf unerträgliche
Weise verulkt - am BE in Berlin.
Bildunterschrift:
Wilde Jahre: Peter Zadek 1978
mit Udo Lindenberg, der auf der
Reeperbahn das fünfjährige
Bestehen seines
„Panikorchesters“ feierte -
Foto: dpa
Die Darsteller machen
notgedrungen 'jeden Scheiß' mit,
das heutige Publikum akzeptiert
aufgrund seiner mangelnden
Bildung jede Entgleisung.
'Die Alten' wollen ernst
genommen werden in ihrer
Sympathie für Klassik - sie
fühlen sich verletzt, wenn die
Werke aus lauter Effekthascherei
auf den Kopf gestellt werden und
krampfhaft angeblich Neues
gemacht wird, nur damit sich das
jeweilige Haus, der Regisseur,
der Intendant zu Lasten des
Steuerzahlers unter
Außerachtlassung des
Bildungsauftrages 'einen Namen
machen' kann.
Kalenderblatt
Kulturkampf
ab 23. Mai 1887
Bismarck sah den Börsenkrach von
1873 vor sich, der den bis dahin
deutlichen Aufschwung der
Wirtschaft plötzlich unterbrach.
Aktienkurse verfielen, Firmen
gingen in Konkurs.
Der Glaube an das freie Spiel
der Kräfte war deutlich
erschüttert.
Hinzu kam das Aufflammen einer
neuen Form des Antisemitismus,
gebunden an die Spekulationen
der Juden an den Börsen.
Hier meinte Bismarck den einen
Feind im Land zu erkennen, dem
er die Katholiken als zweite
Gefahr hinzugesellte. Beides
Minderheiten in einem
protestantischen Preußen.
Die Ressentiments gegen Juden
und deren Aktivitäten hinderten
Bismarck nicht, Gerson
Bleichröder mit der Verwaltung
seines Vermögens betraut zu
halten.
Die Situation ähnelte der in
Bayreuth von 1882 als Wager, der
den Juden grundsätzlich kritisch
gegenüber stand, dann aber doch
Hermann Levi, dem Sohn eines
Rabbiners, die Leitung der
Uraufführung des 'Parsifal'
übertrug.
Die vor der Reichsgründung ins
Leben gerufene Zentrumspartei
war als katholisch geprägter
Agitationszirkel für Bismarck
insofern gefährlich, als
Mitglieder und Wähler aus allen
Schichten der Bevölkerung
stammten.
Es standen sich hier also
wieder einmal Katholiken und
Protestanten gegenüber.
Die katholisch geprägten Länder
Polen, Österreich und Frankreich
sowie die bayerischen
Partikularisten waren nach
seiner Meinung 'Reichsfeinde'
des preußisch-protestantischen
Kaisertums, die nach Meinung des
Reichskanzlers eine Bekämpfung
der nationalen Einheit zum Ziel
hatten.
Rudolph Virchow benutzte den
Begriff 'Kulturkampf' anlässlich
einer Rede im Abgeordnetenhaus,
er meinte damit die Schikanen,
von Bismarck in die Wege
geleitet, das Vordringen der
Katholiken im Regierungsapparat
und Institutionen des Staates
und der Gesellschaft zu
beschränken und zu verhindern.
Zog sich diese
Auseinandersetzung auch über
lange Zeit hin und führte zu
Einschränkungen deren
Möglichkeiten, so musste die
katholische Kirche, vertreten
durch Papst Leo XIII., die
Bismarck‘schen Vorgaben
bestätigen, dass der Staat für
das Schließen von Ehen zuständig
ist, dass Priester sich in
politischen Angelegenheiten
neutral zu verhalten haben und
dass die Schulaufsicht nicht der
Kirche zukommt.
Die später langsam aufgehobenen
antikatholischen Gesetze
brachten doch keine Verbesserung
des Klimas, die Stimmung
zwischen Katholiken und
preußischem Staat blieb noch
lange belastet.
Kalenderblatt
George Tabori am
24. Mai 1914 geboren
Am 15. März 1951 schlossen der
Hessische Kultusminister, der
Magistrat der Stadt Darmstadt
und die Akademie einen Vertrag,
nach welchem der bisherige
Georg-Büchner-Preis in »einen
Literaturpreis umgewandelt und
der Deutschen Akademie für
Sprache und Dichtung zur
Verfügung gestellt wurde«.
Die Satzung für den
Büchner-Preis enthält in der
Fassung vom 21. März 1958 den
Paragraphen wonach: »Zur Verleihung können
Schriftsteller und Dichter
vorgeschlagen werden, die in
deutscher Sprache schreiben,
durch ihre Arbeiten und Werke in
besonderem Maße hervortreten und
die an der Gestaltung des
gegenwärtigen deutschen
Kulturlebens wesentlichen Anteil
haben.«
Die Deutsche Akademie für
Sprache und Dichtung vertreten
durch:
Präsident Herbert Heckmann;
Vizepräsidenten Günter de Bruyn,
Hartmut von Hentig, Ivan Nagel;
Beiräte Walter Helmut Fritz,
Oskar Pastior, Lea
Ritter-Santini, Peter Wapnewski
und Hans Wollschläger
verleiht den Georg-Büchner-Preis
an George Tabori.
Begründung:
George Tabori erhält den Preis
für seine Theaterstücke, seine
klärende Prosa und seine
engagierte Theaterarbeit. Wir
bewundern darin seinen Mut, dem
deutschen Publikum mit Witz
Ironie und doch mit der
Leidenschaft des Opfers und der
Distanz des Weisen die
unheilvolle gemeinsame
Geschichte der Deutschen und
Juden vor Augen zu führen.
"Als die Mutter starb, hatte das
Schicksal in einer Hinsicht
bereits seine Entscheidung
getroffen. In deren letzten
Leidensmonaten war ich nach Wien
gefahren, um die Aufnahmeprüfung
in der Akademie zu machen.
Ausgerüstet mit einem dicken
Pack von Zeichnungen, hatte ich
mich damals auf den Weg gemacht,
überzeugt, die Prüfung spielend
leicht bestehen zu können".
So schreibt Hitler in 'Mein
Kampf'.
1910 kommt er nach Wien, erhält
Unterkunft in einen
Männerwohnheim. Nachdem er von
der Aufnahmekommission der
Kunstakademie abgelehnt wurde,
verdichtet sich bei ihm die
Auffassung, alles habe sich
gegen ihn verschworen.
Seine Kontrahenten sind zunächst
einmal die Juden. Die Stimmung
in Österreich war gegen sie,
Hitler schwamm auf dieser Welle
mit und das war der
Kardinalfehler.
Hitler nutzte nicht die
Möglichkeiten, die ihm das
Weltjudentum mit seiner
geistigen Potenz, seiner
finanziellen Unabhängigkeit
hätte bieten können. Er legte
sich mit der katholischen Kirche
an - war Pius XII. Hitlers
Papst? - und die dritte
Weltmacht - jedenfalls heute -
die 'Bruderschaften' bekämpfte
er. Dabbeljuh Busch ist durch
die Einbindung dieser Instanzen
der mächtigste Mann der Welt.
Hitler hätte es sein können und
es hätte keinen Holocaust
gegeben, kein Abwandern der
geistigen Elite aus Deutschland,
wohl auch kein Problem in
Palästina.
Hitler ließ sich auch von
Richard Wagner beeinflussen.
Dieser stänkerte antisemitisch
in seinem Machwerk "Das Judentum
in der Musik". Mendelssohn,
Meyerbeer waren gemeint. Hitler
liebte ‘Rienzi‘ und ‘Lohengrin‘
und war so Richard Wagner sehr
nahe.
Aber es hätte George Taboris
'Mein Kampf' nicht gegeben.
Kalenderblatt
Georg Herwegh am
31. Mai 1817 geboren.
Richard Wagner hatte am 30.
Januar 1851 die Urfassung seiner
Schrift 'Oper und Drama'
vollendet, aus der er seinen
Freunden vorlas.
Unter ihnen war auch der Dichter
Georg Herwegh, der mit gerade
einmal 20 Jahren Schriftleiter
der Zeitschrift 'Europa' in
Stuttgart geworden war.
1839 war Herwegh in die Schweiz
geflohen, um der Rekrutierung zu
entgehen.
Mit 'Gedichte eines Lebendigen'
wurde er früh bekannt und
während einer Reise durch
Deutschland wegen eines verbalen
Angriffs auf König Friedrich
Wilhelm III. ausgewiesen, wieder
ging er in die Schweiz und 1843
nach Paris. Dort befreundete er
sich mit Gräfin Marie d'Agoult
an, der Mutter von Cosima Liszt.
Den badischen Aufständischen
wollte er - seine Frau schritt
dem Freikorps im schwarzen
Samtkostüm mit Hirschfänger
voran - zu Hilfe kommen,
scheiterte aber an der Übermacht
der gegnerischen Kräfte - wieder
musste er in die Schweiz
fliehen.
Sein Haus in Zürich wurde
Treffpunkt mit Gottfried Semper,
Wilhelm Rüstow und Franz Liszt.
Er arbeitete während dieser
Zeit für die Schweizer liberale
Presse und anonym für die
satirische Zeitschrift
'Kladderadatsch'.
Richard Wagner wurde durch die
Bekanntschaft mit Herweg stark
geprägt. Seit er ihn kannte, las
er Byron, Shelly, auch Hafis
besonders gern.
Wie aber kam RW zu Marx? War es
der Weg über Herwegh, der sich
ja Marx in Paris 1842 anschloss?
Die Zeit von RW mit Herwegh war
sehr intensiv - immerhin floh
Jenny Marx zu Herwegh, als man
Karl 1845 auswies.
Cosima Wagner wurde Patin von
Herweghs Sohn Marcel - die
Verbindungen der Familien waren
stark.
Verbunden mit der Revolution
dichtete Herwegh 1863 den Text
für die Hymne des Deutschen
Arbeiter-Vereins - Alle Räder stehen still,
wenn dein starker Arm es will!
- das Hans von Bülow
vertonte.
Wie geht’s 2026/2027 weiter an der Nds.
Staatsoper Hannover?
Wieder im Programm Der
Troubadour
Sonntag, 06. September 2026, 18:30 Uhr,
Opernhaus
Wieder im Programm
Lohengrin
Samstag, 24. April 2027, 17:00 – 21:40
Uhr, Opernhaus
Besetzung
Musikalische Leitung:
Stephan Zilias
Heinrich der Vogler, deutscher König:
Shavleg Armasi,
Lohengrin: Eric Laporte, Elsa von
Brabant: Clara Nadeshdin, Friedrich von
Telramund, brabantischer Graf:
Grga Peroš, Ortrud, seine Gemahlin:
Ewa Vesin, Der Heerrufer des Königs:
Peter Schöne
Chor der Staatsoper Hannover,
Extrachor der Staatsoper Hannover,
Statisterie der Staatsoper Hannover,
Nds.
Staatsorchester Hannover
Premiere Madama
Butterfly
Samstag, 12. Juni 2027, 19:30 Uhr,
Opernhaus
Sämtliche Daten wurden am 14. Mai 2026 dem
Internetportal
https://staatstheater-hannover.de/de_DE/programm-staatsoper-26-27?keyword=all
entnommen.
Sie stimmen nicht mit der
Veröffentlichung im Spielzeitheft 2026/27
überein, das anlässlich der
Spielplanpräsentation am 17.5.2026 zur
Verteilung zur Verfügung stand.
Leider wurden zur Spielplanvorstellung eben an
diesem 17.5.26 keine persönlichen Daten in
schriftlicher Form der auf der Bühne
Erschienenen veröffentlicht, wer, wann auftrat
und wer, was von sich gab.
Der Intendant hatte sich mit roten Socken die
Füße geschmückt und sich hinter einem Flügel
samt seiner Dramaturgin verborgen, dass man
beide nur unter dem Flügel, durch die Beine
dessen hindurch wahrnehmen konnte, saß man doch
in der ersten Reihe, links außen auf dem ersten
Platz.
Somit war man ohne direkte Sicht auf die beiden
Protagonisten.
Typischer Fall von Einschränkung der
Berichterstattung durch Sichtbehinderung.
Foto: kulturjournal-regensburgl.de
Die Diskussion um die künstlerische
Interpretation klassischer Werke an der Nds.
Staatsoper Hannover wirft grundlegende Fragen
zur Verantwortung von Regisseuren und
Theaterleitungen auf. Es ist von entscheidender
Bedeutung, dass diese Institution die Werke
nicht nur als historische Artefakte
präsentieren, sondern auch deren zeitgenössische
Relevanz und den Bildungsauftrag ernst nehmen.
Die Verfremdung und Herabwürdigung von Stücken
in Hannover wie z.B. ‘Freischütz‘, ‘Rusalka‘
oder ‘Tosca‘, ‘Otello‘, ‘Lohengrin‘, ‘Giovanni‘,
‘Penthesilea‘ muss zwangsläufig dazu führen,
dass das Publikum sich von der Oper distanziert
und letztlich den Besuch verweigert.
Eine authentische Aufführung, die den
ursprünglichen Kontext der gesellschaftlichen
Situation zur Zeit z.B. der ‘Hochzeit des
Figaro‘ oder des ‘Rosenkavalier‘ oder der
‘Arabella‘ verdeutlicht, würde hingegen
aufzeigen, wie sich die gesellschaftlichen
Bedingungen, insbesondere für Frauen, im Laufe
der Zeit verändert haben.
Die Herausforderung besteht darin, den
Zuschauern nicht nur ein ästhetisches Erlebnis
zu bieten, sondern auch einen tiefen Einblick in
die relevanten sozialen Themen. Eine
Rückbesinnung auf die Intentionen der
Komponisten und Librettisten trüge dazu bei, den
Bildungsauftrag zu erfüllen und das Publikum
nachhaltig zu fesseln.
Dieter Hansing – MBY3274719 - Bund der
Steuerzahler
Letzte Meldung
Zitat
Noch bis Ende Mai werden Studierende und
Lehrende deutscher Musikhochschulen
befragt, ob sie Machtmissbrauch und
sexuelle Übergriffigkeit erlebt haben (picture
alliance / ZB / Jens Büttner)
Gefährliches Charisma
Machtmissbrauch an Musikhochschulen
Trotz MeToo sei es für
Betroffene noch immer schwierig,
Missbrauch an Musikhochschulen zu
melden, sagt die Oboistin Clara
Blessing.
Erst recht, wenn die Beschuldigten als
charismatische Musiker und Lehrer
verehrt werden.
erscheint als nichtkommerzielles Rundschreiben
der Bürgerinitiative-Opernintendanz
www.bi-opernintendanz.de –
info@bi-opernintendanz.de– Fehrsweg 2 –
30655 Hannover ...in
Verbindung mit:
Gilles
–
Lang & Partner
Wahlenstraße 17 | 93047 Regensburg |
info@kulturjournal-regensburg.de
Verteilung:
Direktversand an ausgewählte Leserschaft u.a.:
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Bürgerinitiative-Opernintendanz -
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Bayerischer
Oberster
Rechnungshof, Niedersächsischer
Landesrechnungshof, Niedersächsische Landesregierung,
Aufsichtsrat der Nds. Staatstheater Hannover
GmbH,
Politische Parteien im Nds. Landtag,
Hochschule für Musik, Theater und Medien
Hannover,
Bund der Steuerzahler,
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Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger,
Deutscher Bühnenverein,
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Feuilletons von Tageszeitungen, Dramaturgien, Pressestellen von Theatern im
deutschsprachigen Raum
RA Frank Wahner, Fachanwalt für
Verwaltungsrecht, Hannover
RA Markus von Hohenhau, Fachanwalt für IT-Recht,
Regensburg
RA Prof. Dr. Ernst Fricke, Fachanwalt für
Bühnenrecht, München/Landshut
Wir verstehen diese Besprechungen und Kommentare
nicht als Kritik um der Kritik willen, sondern
als Hinweis auf - nach unserer Auffassung -
Geglücktes oder Misslungenes. Neben Sachaussagen
enthalten diese Texte auch Überspitztes und
Satire. Hierfür nehmen wir den Kunstvorbehalt
nach Artikel 5, Grundgesetz, in Anspruch.
Wir benutzen Informationen, hauptsächlich aus
eigenen Unterlagen vom Regionalfernsehen
Regensburg, telezeitung-online.de und aus dem
Internet u.a. den Veröffentlichungen des
Deutschen Historischen Museums, der
Preußen-Chronik, Wikipedia u.ä..
Diese Texte werden paraphrasiert wiedergegeben
oder als Zitate kenntlich gemacht.
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Beiträge aus der Rubrik ‘Musiktheater‘ wurden
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Verfassers dar.
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